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Werner Stanzl

Ball der Mörder

Commissario Vossi ermittelt

I. Der Tote von Cormons

Täglich um vier Uhr früh der gleiche Ärger. Wohl hätte Rudolfo noch schlafen können und auch wollen. Doch da war seine Blase. Oder war es die Prostata? Jedenfalls trieb ihn Harndrang aus den Decken. Und wenn er nach dem Wasserlassen wieder zurück in seinem Bett war, konnte er nicht mehr einschlafen. So auch diesmal. Sein Gedächtnis begann zu blubbern wie zu dick geratener Grießbrei über dem Feuer. Es drängte sich nach oben, dass Lisa, die Kuh, gestern Abend offensichtlich gefiebert hatte, dass der Motor der Melkanlage unrund lief, dass er zwei Helfer für die Obsternte brauchte. Und schließlich, dass er seinen Arzt wegen der Schmerzen, die ihn seit etwa zwei Monaten beim Wasserlassen plagten, endlich konsultieren müsse.

Genug!

Mit einem gewaltigen Seufzer stand er auf und schleppte sich treppab, um in der Küche Wasser für den Tee aufzusetzen. Durch das Küchenfenster nahm er die Lichter eines Wagens wahr, der in der Kurve etwa zweihundert Meter vor der Einfahrt zu seinem Hof halb im Straßengraben hing. Offensichtlich hatte der Fahrer das Licht im Wohnzimmer und jetzt in der Küche gesehen, denn er blinkte ihm mit dem Aufblendlicht zu. Rudolfo überlegte nicht lange. So wie er war, im blauen Pyjama, marschierte er los, um nach dem Rechten zu sehen oder zu helfen – oder beides.

Er hatte etwa die Mitte seines langgestreckten Hofes erreicht, da schoss der Wagen mit aufheulendem Motor durch die Hofeinfahrt, kam auf dem Kiesgeröll noch kurz ins Schlingern, bevor er Rudolfo wie ein lästiges Hindernis wegkatapultierte. Knapp vor der Stallmauer landete dieser im Staub. Hätte Rudolfo das Ereignis noch analysieren können, er hätte sich gewundert, vom Aufprall selbst nichts gespürt zu haben. Sein letztes Empfinden war Kälte um ihn herum. Danach gingen bei ihm die Lichter aus. Einzeln; erst das Linke, dann das Rechte.

Der Wagenlenker wartete ab, bis sich der Staub gelegt hatte. Erst danach stieg er aus, beugte sich über den leblosen Körper, stieß mit seinem Fuß leicht dagegen, machte schließlich ungerührt kehrt, um seine Fahrt fortzusetzen. Doch schon Minuten später bog er wieder im Hof ein. Diesmal mit einem schweren Laster, randvoll beladen mit Felsbruch. Er packte den leblosen Rudolfo in Genick- und Gesäßhöhe an seinem Pyjama, hob ihn wie einen schweren Sack, holte damit aus und hievte ihn schließlich über die Bordwand. Danach wendete er den Laster, etwas ungeschickt mit zweimaligem Reversieren, und bog in Richtung Cormons ab. Im Nachbarhaus, dem einzigen weit und breit, blieb alles dunkel und ruhig.

Motorenlärm weckte Maria Gambetti aus dem Schlaf. Sie spürte nur Müdigkeit. Sie war spät eingeschlafen, und das erst nachdem sie eine zweite Kopfschmerztablette eingenommen hatte. Auf Anraten ihres Gatten Benito.

„Wirf halt noch eine nach”, hatte er mit ekelerregender Gleichgültigkeit im Halbschlaf neben ihr von sich gegeben, als er ihre Unruhe spürte. Denn der Herr litt an diesem Abend ebenfalls unter Schlafstörungen. Aber nicht wegen Kopfschmerzen, sondern weil er den ganzen Nachmittag auf dem Balkon vor sich hingedöst hatte. Wahrscheinlich waren Marias Kopfschmerzen ohnedies die Folge ihres Ärgers genau darüber. Denn dieses durch Arbeitslosigkeit mehr oder minder erzwungene Nichtstun ihres Mannes brachte sie stets auf die Palme. Aus drei Gründen: Erstens, weil der Balkon auf die Piazza ging und es bestimmt nicht Benitos Ansehen in der Nachbarschaft förderte, wenn dieser für alle sichtbar auf dem Balkon faulenzte. Zweitens, weil Maria nicht staubsaugen konnte, ohne dass der Mann ihres Lebens wegen des Lärms Streit anfing. Drittens, weil sie genau wusste, dass ihr Benito absichtlich bei jedem Schritt und Tritt in der Wohnung im Weg stand oder lag, um zu signalisieren: Du lässt ja keinen Cent aus und gönnst mir nicht einmal das Glas Friulano mit Freunden im Astra. Das Astra war die kleine Caffetteria im Haus, die sich bei den Männern der Umgebung größter Beliebtheit erfreute, seit eine blonde Burgl aus dem Alto Adige mit ihrem kantigen Akzent, ihrem prallen Busen und einem tiefen Ausschnitt die Pacht übernommen hatte.

Die Morgensonne sandte ihre ersten Strahlen in das Schlafzimmer. Maria blinzelte zu ihrem Mann hinüber. Unschuldig wie ein Kind lag er da, tief im Schlaf, kaum hörbar atmend. Wird Zeit, dass die neue Klinik eröffnet und er seinen Posten als Heilmasseur endlich antreten kann, dachte sie, als plötzlich ein bedrohliches Schwingen ihr Trommelfell schmerzhaft vibrieren ließ. Ein unwillkürlicher Blick auf die Uhr verriet Maria, dass es gerade über fünf war.

Den Ohrenschmerz verursachten Tonwellen von draußen, von der Piazza. Maria ging auf den Balkon, schob Benitos Liegestuhl zur Seite und gewahrte rechts von der Mariensäule einen LKW, voll beladen mit kohlkopfgroßen Steinen. An der Säule lehnte ein Mann in Hockstellung. Um den Kopf und um die Schultern hatte er ein rotes Tuch gelegt. In diesem Augenblick begannen die Glocken mit ohrenbetäubendem Geläut. Dabei war doch erst kürzlich nach einer Bürgerbefragung beschlossen worden, dass die Glocken bis sieben Uhr morgens zu schweigen hätten.

Der Klang der Glocken lockte rundum rasch Leute im Pyjama oder in Unterwäsche auf die Balkons der Piazza. Einige riefen den Nachbarn etwas zu, andere redeten durch die geöffneten Balkontüren auf ihre Familienmitglieder ein, fast alle rieben sich die Augen oder hielten sich mit beiden Händen die Ohren zu.

Ein unangenehmes Gefühl beschlich Maria. Und richtig, der Nachbar von Tür vierzehn konnte es wieder einmal nicht lassen. Sein Balkon war gleich nebenan, etwa fünf Meter entfernt, und sein unverschämter Voyeurismus scheuchte sie immer wieder vom Oben-ohne-Sonnenbad auf. Benito hatte sich ja bemüht, die Sicht durch eine Plastikwand einzuschränken. Aber kaum war er damit fertig gewesen, war jemand vom Bauamt der Gemeinde gekommen und hatte auf „Rückbau“, wie er es nannte, bestanden. Die Wand beeinträchtige das Ortsbild. Maria war sich sicher, dass die Behörde auf eine Anzeige des Nachbarn hin vorstellig geworden war, und erinnerte sich nun daran, dass sie abgesehen von einem hauchdünnen, extrem kurz geschnittenen Nachthemd so gut wie nackt war. In der über das Balkongitter gebeugten Haltung war wahrscheinlich die untere Hälfte ihres Popo unbedeckt. Kein Wunder, dass sich der Nachbar für nichts Anderes interessierte.

Sie zerrte instinktiv an dem Hemdchen und wollte schnurstracks zurück ins Zimmer, als sich, von unsichtbarer Hand gesteuert, die Ladefläche des LKWs hob und langsam zu kippen begann. Die Szene wurde für den Mann an der Säule extrem bedrohlich. Die Schieflage würde die ganze Ladung abrutschen lassen und ihn unter sich begraben. Maria erstarrte. Am vergeblichen Aufbäumen des Bedauernswerten erkannte sie jetzt, dass er an die Säule gebunden war. Just in diesem Moment verstummten die Glocken und für einen Augenblick war es auf der Piazza beängstigend still. Bis irgendwo ein Kind aufschrie. Ein Schrei, der sogleich vom höllischen Scheuern, Kratzen und Poltern übertönt wurde, mit dem sich die LKW-Ladung über den Mann an der Säule ergoss.

Maria konnte das Geschehen nicht begreifen und starrte unentwegt auf das Geröll, das bis hinauf zu den Füßen der Madonna reichte. Den anderen Augenzeugen ging es um nichts besser, sodass es nun wieder gespenstisch still war. Nur das Kind weinte noch immer irgendwo in den Häusern gegenüber. Dieses Kindesweinen rief Maria zur Besinnung. Sie wollte sich abwenden, um Benito zu wecken, ihn hinunter zu hetzen, um den armen Mann auszugraben, irgendwie zu helfen. Doch der Laster, der eben noch regungslos dagestanden hatte, schüttelte sich unvermittelt wie ein riesiger nasser Hund, woraufhin auch noch die letzten Steinkrümel von der Ladefläche rollten. Sodann wurde das Rütteln von einem gewaltigen Seufzer der Hydraulik übertönt, mit dem die Ladefläche wie erschöpft in die Waagrechte fiel.

Benito brauchte ziemlich lange, um nach dem Sturmläuten des Nachbarn von Tür vierzehn aus dessen Worten schlau zu werden.

„Ihre Frau liegt auf dem Balkon und hat einen hysterischen Anfall.“

II. Das Scripsi

Was Freunde und Kollegen über Commissario Bruno Vossi sagten, war nicht von der Hand zu weisen: Er ähnelte der Werbefigur auf den Plakaten für Birra Moretti, als ob er dafür Modell gesessen hätte. Optisch entsprach er jedenfalls nicht dem gängigen Bild, das man sich ganz allgemein von einem Italiener machte. Eher hätte er ein Bauer von jenseits der ein paar Häuserblocks entfernten Grenze zu Slowenien sein können oder ein Austriaco des Nordens. Mit Vorliebe trug er seinen dunklen Hut mit weiter Krempe und grünem Band, vor allem im Winter den dunkelgrauen Lodenanzug mit Knöpfen aus Hirschhorn und stets hohe Schnürschuhe. In den üblichen Halbschuhen oder Schlüpfern schmerzten ihn schon nach kürzerem Fußweg die Knöchel.

Vossis Welt waren die Colli, die Hügel zwischen Gorizia und Cormons, mit ihren Weinbergen und Obstspalieren zwischen den schmucken, niemals aber protzigen Häusern, Gassen und Plätzen. Gleichwohl blickte man in seiner Familie mehr nach Südost, der verlorenen Heimat Istrien. Vater und Mutter hatten sie unter dem Diktat der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und Marschall Titos verlassen müssen. Bruno war da noch nicht geboren. Umso weiter hatten sich die Erinnerungen an das alte Zuhause von der bescheidenen, ja kargen Wirklichkeit entfernt. Dazu trug auch die unfreundliche Aufnahme der italienischen Landsleute bei, als man mittellos hier in Gorizia ankam. In Triest, wo der Vater eigentlich hinwollte, waren die Flüchtlingslager ja überfüllt.

Andächtig hatte Bruno der Mutter zugehört, wenn sie von den Schönheiten des istrischen Heimatdorfes schwärmte. Sie erzählte auch von dem Grabstein auf dem alten Friedhof, der noch den alten Familiennamen trug, den die Faschisten 1928 vom österreichischen Voss auf Vossi zwangsitalienisiert hatten. Die Familie wurde nicht gefragt. Widerstand, Beschwerden, ja selbst Nachfrage bei den Behörden hätten äußerst unangenehme Folgen haben können. Als Bruno das Dorf ihrer Herkunft als frisch gebackener Gymnasiast erstmals besuchen konnte, zeigte ihm der Großvater den Platz, auf dem ihr Haus und das der Nachbarn gestanden hatten. Jetzt erhob sich darauf frech ein schmieriger Plattenbau mit einer schmutzigen Kneipe im Erdgeschoß, die nie Besseres als Betontristesse gesehen hatte. Statt Coca-Cola gab es Jugo-Cola, nicht bei Agip, sondern bei einer schmutzstarrenden Tankstelle mit der Aufschrift Jugopetrol. Den erwähnten Grabstein konnte der Großvater auf dem alten Friedhof nicht mehr finden.

Trotz all dieser Geschichten war Bruno stolz, Italiener zu sein. Es regte sich etwas wie Patriotismus für die Republik Italien in ihm, so glaubte er zumindest. In Wahrheit war er bloß froh, dass er nicht in diesem Kaff hatte aufwachsen müssen. Stolz war er auf sein Zuhause, das Land zwischen Triest, Gorizia, Palmanova und Cividale, das Land mit den Alpen im Norden, der Küste von Duino im Süden und den Ufern des Isonzo. Oft blieb er auf der Straße zu den Weinorten dieses Fleckens Heimat stehen, um sich am Anblick der Rebstöcke zu erfreuen. In Reih und Glied bewachten sie die sanften Hänge wie in Habachtstellung. So musste es dem Preußenkönig beim Anblick seiner langen Kerle ergangen sein, von dem Großvater in einer der vielen Stunden erzählt hatte, in denen Bruno Deutsch eingetrichtert bekommen hatte.

Brunos Deutschkenntnisse waren über die Jahre recht ordentlich angewachsen. Sein Großvater wäre stolz gewesen. Dazu kam mit der Zeit noch ein respektables Slowenisch. Diesen zusätzlichen Sprachschatz verdankte er Jelena, seiner Frau, die aus der Gegend von Kobarid stammte – Kobarid am Oberlauf der Soča, wie der Isonzo in Slowenien hieß. Dort hatte er sie kennengelernt. Er war damals auf der Polizeischule gewesen. Einige Kameraden hatten ihn dazu überredet, bei einer Kajakfahrt mitzumachen. Er war entsetzt, wie wenig diese Soča mit seinem Isonzo gemein hatte. Während sich der italienische Teil des Flusses gemächlich durch die Landschaft schlängelte, in den Windungen mit Sandhaufen spielte, die er da abgrub, um sie an anderer Stelle wieder aufzuschütten, gebärdete sich diese Soča wie ein Stier, der es nicht ertragen konnte, dass ihn überhängende Felswände in ein enges Kleid zwängten und ihm an einigen Stellen gar völlig den Weg verstellten. Mit weißer Gischt bäumte der Fluss sich zornig und unversöhnlich dagegen auf. Noch nie hatte Bruno Wildwasser live erlebt. Kein Wunder, dass der in Eskimorollen Ungeübte schon nach der ersten Stromschnelle Kopf unter im Kajak steckte und Wasser schluckte. Hatte ihn der Fels, an dem er sich festklammern konnte, tatsächlich vor dem Ertrinken gerettet? Vermutlich, jedenfalls kam er sehr gelegen und irgendwie gelang es ihm schließlich, das Boot abzustreifen wie eine Raupe ihre Haut bei der Schmetterlingswerdung. Noch immer nach Luft schnappend, erreichte er eine Sandbank, auf der er sich ausruhen und einen gewagten Aufstieg nach oben zur Straße ausmachen konnte. Die wenigen Wildwasserspezialisten, die voll konzentriert an ihm vorbeiflitzten, hatten mit den Launen der Soča zu tun und keinen Blick für ihn frei. Und die Freunde waren längst stromabwärts außer Sichtweite, also blieb ihm gar nichts anderes übrig, als sich noch etwas aufzuwärmen und den Aufstieg zu wagen. Mit letzten Kräften erreichte er die Kante der Wand zur vorbeiführenden Straße und blickte hilflos nach rechts und links. Da stand sie, sah ihn und lachte lauthals auf. Bruno ärgerte sich über die Kuh und kam sich derart erniedrigt vor, dass er automatisch ein paar Schritte zurück und dazu noch den Fehler machte, nach unten zu schauen – in diesem Fall in eine Leere, auf deren Grund sich der eiskalte Fluss laut rauschend mit der Topographie maß. So hielt er sich krampfhaft an ein paar Wurzeln fest und starrte regungslos auf die junge Frau, die endlich den Ernst der Lage begriffen hatte und Hilfe herbeirief. Und tatsächlich, aus dem Nichts griffen vier starke Männerhände von oben nach ihm und zogen ihn auf die Straße.

Als er wieder klar denken konnte, befand er sich im nahen Dorfgasthaus. Wortlos trank er den Glühwein, den ihm die Wirtin, seine spätere Schwiegermutter, kredenzte.

„Nach Hausrezept“, sagte Jelena neben ihm auf Italienisch und goss nach.

Ein paar Tische weiter saßen drei Männer. Zwei erkannte er an den Hemdsärmeln als seine Retter. Heftig klopften sie dem Dritten, den sie in ihre Mitte genommen hatten, auf die Schulter und tranken ihm unablässig zu.

„Ist Polizist, will machen sich wichtig mit Protokoll. Besser er trinkt und kein Protokoll“, meinte Jelena verschwörerisch.

Nach dem vierten oder fünften Glühwein nach Hausrezept wankte der Polizist durch die Wirtsstube, drehte sich vor dem Ausgang noch einmal um und lallte: „Protokoll morgen, morgen Protokoll.“ Dann war es still in der Stube. Von draußen hörte man den Schlag der Wagentür, das Starten des Motors und die Abfahrt des Polizeiwagens mit quietschenden Reifen.

Brunos fragendem Blick erwiderte Jelena beschwichtigend: „Nema problema, Polizeistube gleich um die Ecke.“

Von seinen Kameraden erfuhr Bruno später, warum der arme Dorfpolizist mit Glühwein arbeitsunfähig gemacht werden musste: Das Befahren der Soča war seit Tagen verboten, weil sie Hochwasser führte.

„Habt ihr das nicht gewusst?“, fragte er.

„Natürlich, deshalb sind wir ja losgezogen. Bei Niederwasser einfach so zu paddeln ist doch was für Bubis.“

Weil sie wussten, dass er angesichts des Verbots und der erhöhten Gefahren nie mitgekommen wäre, hatten sie das Hochwasser mit keinem Wort erwähnt. Aber er war ihnen nicht ernsthaft böse. Denn was sich später bewahrheiten sollte, ahnte er bereits: dass nämlich an diesem Sonntag das Schicksal gleich mehrmals entscheidend die Weichen für ihn gestellt hatte. Erstens, weil das kurze Hängen in der Wand mit Blick auf die unter ihm tosende Soča genügte, um für alle Zeiten sportliche Betätigung nur noch passiv als Zuseher zu genießen. Zweitens, weil er sich seither ein Leben ohne Jelena nicht mehr vorstellen konnte, und drittens, weil er in den Besitzern der vier lebensrettenden Hände mit Schwiegervater und Schwager brüderliche Freunde gewonnen hatte, die ihm Werte erschlossen, von denen er als Einzelkind bis dahin keine Ahnung gehabt hatte.

„Bruno, dein Telefonino.“

Jelenas Stimme kam aus der Küche, wo sie das Frühstück zubereitete. Und da er sich nicht rührte, folgte der Stimme alsbald die Person, schon in Jeans, die Gartenhandschuhe im Gürtel, während er sich noch nicht einmal den Sandmann aus den Augen gerieben hatte. Sie warf ihm das läutende Handy zu. Bruno klappte es auf, doch er hielt es schlecht und es schnappte gleich wieder zu.

„Pronto“, sagte er laut und verärgert, doch seine Ungeschicklichkeit hatte die Leitung gekappt. Zufällig sah sich Bruno dabei im Schminkspiegel seiner Frau. Noch vor zehn Jahren hätte er jeden für anstaltsreif erklärt, der „Pronto“ in seine Faust rief, die ein schwarzes Etwas umschlossen hielt, und auf eine Antwort daraus wartete.

Das schwarze Etwas begann wieder zu läuten.

„Morgen, Chef“, wünschte ein putzmunterer Roberto Vialli, sein sizilianischer Assistent. „Ich glaube, wir haben eine Leiche.“

„Was heißt das, du glaubst?“

„Auf der Piazza in Cormons wurde ein Mann von einer LKW-Ladung Felsbrocken verschüttet. Sie haben ihn gerade erst ausgebuddelt. Könnte sein, dass er noch lebt.“

„Und was geht das uns an?“

Bruno registrierte, dass Jelena inzwischen für das Frühstück auf der Terrasse aufgedeckt hatte, und hoffte auf eine Antwort, die ihm die ersten Freuden des neuen Tages nicht verderben würden.

„Es sieht nicht nach Unfall aus, eher nach einer Hinrichtung.“ Roberto litt wohl unter einem Anfall heftigen Heimwehs. Hinrichtungen, im Norden, in seinem Revier gar? Mit einem gönnerhaften Lacher meinte Vossi: „Mafia, hier bei uns?“

„Ich kann nur weitergeben, was mir die Kollegin der Polizia Cormons gesagt hat – und die war ziemlich aus dem Häuschen.“ Bruno glaubte die Polizistin zu kennen. Wahrscheinlich eine gewisse Rita Jurinec. Falls es sich tatsächlich um sie handelte und sie wirklich aus dem Häuschen war, musste Ungewöhnliches vorgefallen sein. Denn leicht war diese Rita nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.

„Hol mich ab“, sagte der Commissario nur knapp und das Handy schnappte zu, diesmal gewollt.

„Wieder im Geschäft?“, fragte Jelena und goss ihm eine Tasse ihres frisch gebrauten schwarzen Goldes ein. Er griff dankend danach und ging schlürfend ins Bad.

Als Roberto mit dem Dienst-Lancia um die Ecke bog, stand Vossi schon vor der Gartentür und klopfte sich die letzten Brösel des Croissants von seinem Revers. Während der Fahrt schwiegen beide. Roberto konzentrierte sich auf die Fahrt und sein Chef nützte die Gelegenheit, die Schönheit der Landschaft zu genießen, die sich im zarten Morgenrot vor ihnen rekelte.

Die Piazza war voll von Neugierigen. Polizia und Carabinieri teilten sich die Aufgabe, sie vom eigentlichen Tatort zurückzudrängen. Der Commissario erkannte Rita Jurinec und ging auf sie zu, während Roberto den Lancia so parkte, dass er mit den Fahrzeugen der Carabinieri, der Polizia, der Ambulanz und dem Wagen des Gerichtsmediziners eine Wagenburg um die Mariensäule bildete, in deren Lücken sich ein paar Gemeindebedienstete gegen die Gaffer stemmten.

„Morgen, Rita, was gibt’s?“

„Ah, Commissario, gut, dass du da bist. Das Opfer war gegen die Mariensäule gebunden, als sich der LKW entlud. Es lebte noch, als die Rettung kam, ist aber vor ein paar Minuten gestorben, wie mir der Medico sagte.“

Erst jetzt sah der Commissario die Leiche und stellte sein Wahrnehmungsvermögen von freundlich auf dienstlich. Er registrierte: Leiche, eindeutig männlich, blauer Pyjama mit grauen Längsstreifen, um sie herum Felsbrocken, darauf ebenfalls Blutspuren. Die Leiche lag auf einer Decke, der Aufschrift nach Teil der Ausstattung des Ambulanzwagens, Decke blutverschmiert. Rechte Gesichtsseite sowie Schulter stark blutverschmiert, Haar blond, Gesicht zerschmettert, Alter aufgrund der Verletzungen schwer einschätzbar.

„Kennen wir unseren Kunden?“

Rita schüttelte verneinend den Kopf.

Der Commissario wandte sich einem eleganten Mittvierziger zu, der neben der Leiche kniete und das Schienbein des Toten studierte.

„Guten Morgen, Dottore. Was wissen wir schon?”

„Wenn ich mir seine Hände anschaue, ist er kein Tourist, keiner aus der Stadt, sondern ein Arbeiter oder Bauer“, antwortete Dottore Stefano Lamberti von der Gerichtsmedizin, ohne aufzusehen.

Der Commissario sah keinen Grund, ihn bei seinem Studium am Objekt weiter zu stören. Die Todeszeit war bekannt, die Todesursache offensichtlich, also wandte er sich Roberto zu und winkte Rita wieder herbei.

„Ihr sucht bitte nach Augenzeugen. Jemand muss den Lastwagen hierhergefahren haben, jemand muss den Mann an die Mariensäule gebunden haben, jemand muss den LKW entleert und an die hundert müssen das gesehen haben. Also bringt mir so rasch wie möglich brauchbare Zeugen.“

Sein Blick fiel auf die Caffetteria Astra: „Rita, du kennst hier die Leute. Mach den Besitzer dieses Lokals ausfindig, weck ihn auf. Er muss aufsperren und uns seine Bude als vorläufiges Einsatzzentrum zur Verfügung stellen.“

„Ich kenn die Pächterin, sie steht da drüben. Sie ist sicher für alles zu haben, was ihr Geschäft fördert“, antwortete Rita und war schon weg.

Wenig später lieferte Roberto einen ersten Zwischenbericht. Der technisch versierte Sizilianer hatte herausgefunden, dass die Hebebühne des LKWs über einen Empfänger per Funk ferngesteuert worden war. Eine Kamera auf einem Stativ abseits der Marienstatue hatte die visuelle Kontrolle ermöglicht. Der Täter habe irgendwo in der Nähe, aber doch aus sicherer Entfernung bei seiner Gräueltat Regie geführt und die Ausführung jedes gefunkten Befehls überwachen können. Zur Reichweite des Empfängers, respektive Senders konnte Roberto keine Angaben machen. Er habe von dem Gerätetyp noch nie gehört. Das Ding sehe nach Armeebestand aus.

Vossi war beeindruckt. Da erkannte er unter den Uniformierten den leitenden Capitano der Carabinieri, Giuseppe Scarpa.

„Morgen, Giuseppe. Gut, dass ihr so zahlreich erschienen seid. Bitte sag deinen Leuten, alles was zwischen den Steinen zu finden ist, muss für eine spätere Auswertung gesammelt werden. Alles, jeder Zigarettenstummel, jeder Zahnstocher. Falls wo hingespuckt wurde, Spucke sichern und so weiter.“

„Okay, Bruno. Das Ganze schaut nach einer riesen Schweinerei aus. Soll ich Verstärkung anfordern? Ich könnte vier Mann vom Ersatzwochenende einberufen oder bei der Dienststelle in Palmanova betteln.“

Vossi zögerte keine Sekunde: „Bitte versuch was du kannst, Giuseppe. Zähl die Fenster auf die Piazza, dann weißt du ungefähr, wie viele Zeugen zu befragen sind.“

Er zeigte auf die Häuser, die die Piazza umrundeten und gewahrte dabei Rita.

„Wir können schon in die Caffetteria, die Wirtin hat für dich aufgesperrt“, sagte sie und zeigte in Richtung der Westseite der Piazza.

„Astra“ stand in einer kühn geschwungenen Schrift über Tür und Fenster des kleinen Lokals. Vossi konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Offensichtlich hatte die Wirtin ein paar amerikanische Krimis gesehen. Denn auf einen großen Bogen Papier hatte sie mit schwarzem Filzstift „Crime Scene, Solo Polizia“ geschrieben und damit das einzige Schaufenster ihres Etablissements verklebt. Dem Commissario konnte dies nur recht sein.

„Commissario, diese Signora sollten Sie anhören. Sie hat alles mit angesehen”, sagte Rita, die nun eine blasse junge Frau im Schlepptau hatte.

„Maria Gambetti“, sagte das Schlepptau schüchtern. „Ich wohne hier, in diesem Haus, zweiter Stock, Tür zwölf.“

Rita bedeutete ihr mit einem Blick, einfach weiterzureden.

„Die Glocken vom Dom haben mich geweckt. Das war ärgerlich, denn nach einer Petition der Bürger beim Rathaus dürfen sie vor sieben Uhr nicht läuten.“

Der Commissario beugte sich vor: „Moment, das ist sehr wichtig, Signora Gambetti. Nochmals genau: Wie spät war es, als Sie von den Glocken geweckt wurden?“

„Der Wecker auf meinem Nachttisch zeigte zwanzig Minuten nach fünf.“

„Das wissen Sie genau?“, hakte der Commissario nach.

„Ganz sicher. Allerdings ist er um zehn Minuten vorgestellt, noch aus der Zeit, als mein Mann Arbeit hatte.“

„Aha, Ihr Mann. Wo war der zu dieser Zeit?“

„In seinem Bett.“

„Das heißt, er hat die Glocken vom Dom nicht gehört?“, vergewisserte sich Vossi.

„Genau weiß ich das nicht. Um diese Zeit brummt er höchstens. Darum geht ja unser Wecker gewohnheitsmäßig vor. Wenn ihm nicht die Zeiger drohen, bewegt er sich nicht.“

„Es haben Sie also die Glocken geweckt. Was taten Sie dann?“ Signora Gambetti dachte nach: „Geweckt wurde ich eigentlich nicht vom Läuten der Glocken, sondern von einem Summen.“

„Von einem Summen?“

„Ja. So, als ob irgendwo einer dieser Tonverstärker, wie er bei den Rockkonzerten auf der Piazza verwendet wird, ganz laut gestellt wäre. Erst danach begannen die Glocken zu läuten.“

„Sind Sie da ganz sicher, denn das ist sehr wichtig, Signora Gambetti?“

Der Commissario sah sie an wie ihr Mathematiklehrer, wenn sie bei der Lösung einer komplizierten Gleichung gut unterwegs gewesen war und ihr nur noch der Mut gefehlt hatte, das Endresultat auszuspucken.

„Commissario, wenn Sie hier wohnen und jeden Sommer vier bis fünf Auftritte dieser Bands miterleben müssen, sind Sie in diesen Dingen Experte.“

Der Commissario nickte voll Mitgefühl: „Mögen Sie diese Art Musik nicht, Signora?“

„Es geht gar nicht um die Musik, sondern um die Lautstärke. Die ist so, dass ich oben im zweiten Stock bei geschlossenen Fenstern und mit Ohropax kein Auge schließen kann. Und für so etwas zahlt die Jugend auch noch Eintritt. Doch vielleicht hat mein Mann recht, wenn er sagt, ich sei für so etwas schon zu alt.“

Der Commissario schätzte ihre Jahresringe auf dreißig bis fünfunddreißig, sagte etwas vom schönsten Lebensalter und schloss mit einem verbindlichen Lächeln, dass sie wohl ohnedies zu dem Typ Frauen gehöre, die mit jedem Jahr schöner würden.

Das nahm Maria nicht ungeprüft zur Kenntnis. Da der Commissario aber ihrem Blick Stand hielt und seine Miene so ernst blieb, als hätte er eben die Quadratwurzel aus sechzehn gezogen, kam sie zu der Erkenntnis: Ein schrecklich sympathischer Mensch, dieser Commissario.

Der blickte weiter in die klugen braunen Augen der jungen Frau und las in etwa ihre Gedanken. Rasch unterdrückte er ein Schmunzeln, weil er genau wusste, dass sie dann sein Kompliment nicht ernst nehmen würde. In der sich daraus ergebenden kurzen Pause dankte er der Fügung, die ihm schon für die erste Abfrage eine so brauchbare Zeugin beschert hatte.

„Bitte, Signora, Sie sagten ja, nach so vielen Konzerten auf der Piazza würde man zum Experten. Wie erklären Sie sich also dieses Summen?“

„Moment, Commissario  … Es läuteten gar nicht unsere Glocken! Erst jetzt fällt mir das auf.“

„Wollen Sie damit sagen, es läuteten Glocken vom Turm des Doms, aber nicht die Glocken des Doms? Das ergibt doch keinen Sinn!“ Vossi hatte Angst, den Faden zu verlieren.

„Ganz sicher, Commissario. Unsere Glocken haben einen höheren Ton, dies aber war ein volles Schwingen in einer viel tieferen Lage.“

„Spielen Sie ein Musikinstrument?“

Da Maria Gambetti nur verlegen den Blick senkte, nahm er dies als ein Nein und hakte nach: „Wie können Sie dann so sicher sein?“

„Ich singe seit meiner Firmung im Kirchenchor“, sagte sie leicht gekränkt.

„Ach, Sie sind Sängerin“, antwortete Vossi und strahlte sie dabei an, als würde er sie als Nächstes um ein Autogramm bitten.

„Seit meiner Schulzeit“, sagte Maria noch etwas trotzig. Doch sie hob wieder ihren Blick.

„Wie erklären Sie sich das Ganze, Signora?“

„Ich bin mir ganz sicher, dass nicht unsere Glocken läuteten. Nach den sieben Jahren, die ich hier wohne, klingen mir unsere Glocken schon fast so vertraut wie die Stimme meiner Mutter.“

Vossi sagte keinen Ton in der Hoffnung, sie würde weiterreden, was sie nach einiger Bedenkzeit auch tat: „Ich habe nur eine Erklärung. Das schreckliche Läuten kam über einen Verstärker von einem Tonband, einer Schallplatte oder einer CD. Das erklärt das Brummen und das fremde Geläute.“

Vossi schwieg.

„Natürlich, so muss es gewesen sein“, setzte sie nach einer kurzen Pause nach.

„Nicht schlecht“, murmelte der Commissario und kam nochmals auf das Geschehen vor der Mariensäule zu sprechen: „Es war also kein Mann bei dem Laster?“

Die Signora verneinte.

„Und der Mann an der Säule schien die ganze Zeit ohne Bewusstsein“, subsummierte der Commissario.

„Die ganze Zeit. Als er aber die Steine auf sich zukommen sah, rüttelte er an seinen Fesseln. Oh Gott, es war furchtbar, das hilflos mit ansehen zu müssen.“ Die Signora war jetzt doch dem Weinen nahe.

Umso schneller setzte Vossi nach: „Und er hatte ein rotes Tuch um Kopf und Schulter. Wie groß war das Tuch? Wie dieses Tischtuch etwa?“ Er zeigte auf den Nebentisch.

„Nein, kleiner, eher wie ein Geschirrtuch.“

Der Commissario bat die Wirtin um ein Geschirrtuch aus der Küche und forderte danach die Signora auf, es ihm so umzulegen, wie es das Opfer umgelegt hatte.

Sie bedeckte seine rechte Gesichtshälfte und seine rechte Schulter.

„Signora Gambetti, eine letzte, ganz wichtige Frage, bitte lassen Sie sich mit der Antwort Zeit: Könnte es sein, dass es sich nicht um ein Tuch handelte, sondern um Blut, das dem Mann über sein Gesicht auf die Schulter geflossen war?“

Die Signora musterte konzentriert den Commissario, der mit dem Tuch über dem Kopf dasaß, als ob er sich vor der prallen Mittagssonne schützen wollte.

„Kann sein. Die Entfernung war doch sehr groß.“

Der Mann an der Säule war also schon verletzt, bevor die Steinlawine auf ihn niederprasselte, dachte der Commissario und beendete mit einem zufriedenen Aufatmen das Gespräch. Es musste schrecklich gewesen sein, Zeugin dieses Verbrechens zu werden und sich bei der Befragung das grausigste Detail nochmals ins Gedächtnis zu rufen.

Der Capitano der Carabinieri klopfte an die Tür des Lokals und steckte seinen Kopf herein: „Bruno, ich habe die Verstärkung, kann ich sonst irgendwie helfen?“

„Ja bitte, Giuseppe. Gib mir fürs Erste einen Mann, der hier als ständige Anlaufstelle präsent ist. Ich muss auf den Kirchturm.“

„Viel Glück, Bruno, laut Tourismusbüro sind das 706 Stufen.“

Die Wirtin unterbrach das Zwiegespräch, strahlte den Carabiniere an und fragte: „Darf es ein Captain’s Coffee sein, Capitano?“ Dieser wurde etwas verlegen und sagte: „Ja, bitte, Burgl, aber nicht so stark wie sonst.“

Vossi wusste nach langjähriger Zusammenarbeit, dass damit nicht die Menge des beigemischten Koffeins gemeint war, sondern das andere, das der Capitano als Zugabe bekam, wenn man ihm in einem Lokal, in dem man ihn kannte, einen Captain’s Coffee servierte. Meist war es Grappa. Sein Patriotismus war aber nicht so engmaschig gestrickt, Cognac oder Calvados prinzipiell abzulehnen.

„Was ist mit dem LKW, Roberto, irgendetwas herausgefunden?“, fragte Vossi im Hinausgehen.

„Noch nicht, Commissario.“

„Ist die Spurensicherung schon da?“

„Drei Mann, eben vorgefahren.“

„Gut, einer von ihnen soll mitkommen. Und ruf den Mesner mit dem Turmschlüssel, wir müssen hinauf in die Glockenstube.“

Der Mesner war dürr wie seine weit entfernte Verwandte, die Kirchenmaus. Commissario Vossi war ihm aus zahlreichen Zeitungsartikeln und aus dem Regional-TV ein Begriff. Als er ihm jedoch plötzlich gegenüberstand, zischte er Roberto zu: „Bin gleich wieder da, ich hol mir nur schnell meine Zähne.“

Inzwischen machte sich der Kollege von der Spurensicherung mit Pinsel, Pulver und Klebestreifen am Turmtor zu schaffen.

„Das Tor ist ja gar nicht verschlossen”, sagte er nach kurzem Augenschein.

„Dann gehen Sie schon mal vor, damit wir keine Spuren verwischen können.“

In diesem Moment kündigte sich klappernden Schrittes der Kirchendiener an.

„Gestatten, Rasedic“, sagte er mit strahlend weißen Zähnen und übergab stolz den Turmschlüssel, einen mittelalterlichen Riegel aus gehämmertem und gefeiltem Eisen.

„Signore Rasedic, wer hat noch so einen Schlüssel zum Turm?“, fragte der Commissario streng.

„Niemand, es gibt nur diesen da. Er hängt stets in der Sakristei neben der Eingangstür, oder ich habe ihn bei mir in meiner Tasche.“

„Ist die Tür immer offen?“

„Nein, nein, sie ist immer zu.“

„Und das?“, fragte der Kollege der Spurensicherung und stieß ostentativ die Tür zum Turm auf, ohne das Schloss mit dem Schlüssel auch nur berührt zu haben.

Der Messner schaute verdattert vom Spusi-Mann zum Commissario, vom Commissario zu Roberto und von Roberto auf den Schlüssel in der Rechten des Spusi-Mannes.

„Sie kommen mit und sagen mir, ob da oben irgendetwas verändert wurde oder ob irgendetwas in der Glockenstube ist, was da nicht hingehört. Das ist ganz wichtig.“

Der Blick des Messners wechselte von verdattert auf traurig: „Das wird schwierig.“

„Wieso?“, fragte Roberto unwillig.

„Weil ich seit gut fünf Jahren nicht mehr da oben war.“ Bei diesen Worten sah der Kirchendiener geradezu weinerlich in den Torbogen, in dem soeben der Kollege der Spusi verschwand.

Roberto und der Commissario ließen ihm einen Vorsprung von ein, zwei Minuten in denen sie sich wohl oder übel die ständigen Beschwörungen des Messdieners anhören mussten: „Das waren bestimmt die Ministranten, diese Rotzlöffel. Kein Respekt, fürchten weder Gott noch den Teufel.“

Schließlich setzten sie sich in Bewegung. Es dauerte nicht lange, da hörten sie das Keuchen des Kollegen von der Spurensicherung vor ihnen. Wie eine der Steinfiguren auf den Podesten um den Kirchenvorplatz sah er von oben auf sie herab.

„Das hat so keinen Sinn, Commissario. Auf den Stufen gibt es Erde. Sie stammt von einem rechten Schuh. Zum Teil sogar noch feucht, jedenfalls feuchter als das Umfeld. Bei 706 Stufen brauche ich die Hilfe eines Kollegen. Also, wenn nicht gerade ein Sterbender da oben liegt, sollten Sie uns zwei Stunden geben und uns in Ruhe machen lassen.“

Unwillig sah der Commissario ein, dass es der Sache nur geschadet hätte, irgendetwas gegen das Diktat des Fährtenhundes vorzubringen. Auf eine Sache beharrte er aber dennoch: „Sie werden meinem Kollegen zwei Ihrer wunderschönen Schuhüberzieher geben. Roberto, du gehst jetzt hinauf und gibst mir über das Handy einen ersten Bericht. Wenn ich nicht irre, findest du da oben einen Verstärker, der nicht hingehört, und irgendeinen Tonträger. Schallplatte, Magnetophonband, CD  … Ich will wissen, was die Turmstube mit dem Verbrechen zu tun hat.“

Mittlerweile hatte die Sonne die Piazza aufgeheizt. Die Spurensicherung im Bereich des Tatorts war verstärkt worden und zufrieden stellte der Commissario fest, dass die Männer und Frauen in ihren weißen Anzügen wirklich jeden Stein zweimal umdrehten. Im Ergebnis hatte ihre Arbeit bereits zwei Haufen erbracht, einen kleineren von Steinen und Felsbrocken mit Blutspuren und einen größeren ohne.

„Es geht nicht nur um Blutspuren, aber das brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen. Dennoch, sammeln Sie mir jedes Stück Papier, jeden Zigarettenstummel, einfach alles, was sich zwischen oder unter den Steinen finden lässt.“

Plötzlich stand Rita neben ihm.

„Gut, dass ich dich sehe. Schon irgendetwas über den LKW in Erfahrung gebracht?“

„Negativ“, sagte Rita und überraschte mit einem Begriff aus den amerikanischen Fernsehkrimis, den der Commissario aber so nicht kannte.

Fragend sah er sie an, was Rita als Kritik wertete, weshalb sie rasch versicherte: „Wir sind dran, Bruno. Alle ziehen am selben Strang. Übrigens, der Doktor hat etwas für dich und wartet im Astra.“

Alle zogen an einem Strang? Das wäre ein Novum, dachte der Commissario und wunderte sich, dass noch niemand den LKW vermisste. Er war davon ausgegangen, dass es irgendwann nach sieben Uhr einen Anruf geben würde, von einem Bauunternehmen etwa. So ein Arbeitsvieh von Fahrzeug wie das Mordwerkzeug auf der Piazza müsste doch inzwischen von irgendeiner Schicht vermisst werden. Schließlich war es schon halb acht.

Vor der Caffetteria Astra sammelten sich die selbst ernannten Experten aus dem Volk, die sich über das Verbrechen austauschten. Da entschloss sich Vossi zu etwas sehr Ungewöhnlichem. Er stellte sich auf die obere Stufe des Lokals und rief in die Menge: „Hört, Freunde! Geht doch hinüber zur Absperrung und schaut euch den Toten an. Vielleicht erkennt ihn wer. In diesem Fall sagt mir Bescheid, wer er ist.“

Und über Funk gab er durch: „Rita, lass jeden durch die Absperrung, der den Toten sehen will.“ Und weil sich Rita sehr wunderte setzte er nach: „Im Ernst, es ist zwar ungewöhnlich, könnte aber unsere Arbeit ungemein beschleunigen.“

Im Astra wollte Vossi den Gerichtsmediziner nach seinen ersten Erkenntnissen befragen. Ihm war aufgefallen, dass den Dottore zuletzt Verletzungen der Beine des Opfers besonders zu interessieren schienen.

Die Stimmung im Lokal war blendend. Alle Anzeichen sprachen dafür, dass nicht nur der Capitano, sondern auch Dottore Lamberti mit der Wirtin vertraut war. Sie hatte ihr Dekolletee zwischen einer Magnumflasche Martell und einem Apfelsinenkorb als weiteres Warenmuster des Hauses platziert und der Dottore sprach auf die Rundungen ein. Jedenfalls ließ seine Blickrichtung keinen anderen Schluss zu.

„Wie klein doch die Welt ist! Stell dir vor, Bruno, ich mach Urlaub im Alto Adige und wen treffe ich dort? Unsere Wirtin da.“

„Und wie war der Urlaub?“

Der elegante Leichenschnüffler war ein Single mit ausgesprochen schlechtem Ruf. Zumindest von der Warte heiratswilliger Frauen gesehen.

„Kein Grund zu klagen – und wie du siehst keine Beschwerden“, sagte Stefano Lamberti, der als Angehöriger der slowenischen Minderheit lieber Stipe genannt wurde, was seine Freunde wohl wussten und auch gerne beherzigten. Schließlich bestand die kleine Welt, in der man hier lebte, ausschließlich aus Minderheiten. Auch Vossi, der sich als italienisch bezeichnete, blieb eine Zuordnung nicht erspart. Da seine ganze Familie aus Istrien vertrieben worden war, hielt man es zumindest für abwegig, wenn nicht gar ungehörig, ihn der slowenischen Minderheit zuzuzählen. Gegen Italiener wiederum sprach sein oft artikulierter Hinweis auf die Tatsache, dass er eigentlich Voss heiße und sein wahrer Familienname von den Faschisten vergewaltigt worden sei.

Nach mehreren Runden Friulano hatte einmal sein leider schon verstorbener Amtsvorgänger mit einem Geistesblitz aufgewartet:

„Jetzt weiß ich es! Unser Bruno ist kein Italiener. Er ist auch kein Slowene oder Kroate, natürlich auch kein Österreicher oder Deutscher, welch ein Unsinn. Er ist ein Epocano.“

Niemand wusste etwas von dieser Minderheit oder hatte je von ihr gehört, aber auf das fröhliche „Willkommen, Epocano“ ließ sich vortrefflich anstoßen. Bruno sah keinen Grund zu widersprechen, ja, er empfand die Zuordnung als Kompliment und überprüfte unwillkürlich den Sitz seines Hemdkragens. Vor zwanzig, dreißig Jahren hätte mit dem Wort „Epocano“ niemand etwas anfangen können. Seit das Ende des Kalten Krieges aber zeigte, dass die gemeinsame Vergangenheit die Willkür der Grenzen albern erscheinen ließ und Nationalismus kleinkariert, stand die „Ära der Epoca“ – die Zeit Kaiser Franz Josephs – für den Adel der Beständigkeit.

Die Ersten, die sich dieses Empfinden zum Nutze machten, waren die Immobilienmakler Triests. Riesige Wohn- und Verwaltungspaläste der Stadt waren plötzlich in ihren Anzeigen nicht mehr bloß geräumig oder sonnig, sondern aus der „Epoca“. Sie verhießen plötzlich gediegenes Baumaterial, hohe Säle nach Entfernung hässlicher Zwischendecken und Stuck, in dem noch die Haken für die Kronleuchter verankert waren, deren Kristalle alsbald wieder von restaurierten Decken strahlten und bei offenen Fenstern in der Zugluft mit vornehmem Klicken gegeneinanderstießen wie zu Kaisers Zeiten. „Epoca“ stand plötzlich für intarsierte Möbel, die nach alten Büchern rochen, und bezog sich alsbald im ganzen Küstenland auf alles aus der Ära, als stolze Schiffe, die hier gebaut und getauft worden waren, die Meere befuhren.

Seit dieser Stammtischrunde taxierte der Commissario die Menschen nicht nur in Hinblick auf alt oder jung, arm oder reich, intelligent oder gebildet, sondern auch auf ihre Zugehörigkeit zu einer der Minderheiten, aus denen sich seine Heimat zusammensetzte. Für die Zuordnung als Epocano legte der Commissario die Latte nicht allzu hoch, wie er meinte. Aufnahmekriterium war, in einem gedachten Quiz richtig beantworten zu können, dass der 18. August nicht irgendein Tag, sondern der Geburtstag Kaiser Franz Josephs war und ist. Da an diesem Tag Jahr für Jahr der große Umzug in Cormons stattfand, bei dem ein Bursche als Kaiser Franz Joseph und ein Mädchen als Sisi huldvoll Freundlichkeiten des Volkes entgegennehmen durften, war das die vielleicht leichteste Frage. Die Beantwortung der Übrigen würde aber einem richtigen Epocano auch nicht schwerfallen. Etwa, dass Triest 1382 habsburgisch-österreichisch wurde, dass das Schloss Miramar Maximilian, dem Bruder Kaiser Franz Josephs gehört hatte, der als Kaiser von Mexiko erschossen worden war. Oder dass die Reederei Österreichischer Lloyd, die größte Linie des Mittelmeeres, hier den Heimathafen ihrer Schiffe gehabt hatte, die der Region Arbeit, Brot und Wohlstand gebracht hatten. Und zu wissen, dass man hier wie in Wien Schinken nicht nach Gramm, sondern Deka bestellte, konnte auch im täglichen Leben nicht von Nachteil sein. Es schaffte spontan Verbindungen zwischen Kunde und Verkäuferin, die dann meist freundlich fragte, woher man käme. Zurück in der Caffetteria Astra stellte Vossi fest, dass sich die Wirtin trotz offizieller Sperre als „Crime Scene“ nicht über schlechten Geschäftsgang beschweren konnte. Im Gegenteil, in dem Caffè ging es zu wie im sprichwörtlichen Taubenschlag. Die Hausparteien nutzten ihren Heimvorteil und kamen vom Stiegenhaus durch die Hintertür, um möglichst viel von dem aufzuschnappen, was Carabinieri durch die Vordertür ihrem Capitano zutrugen. Natürlich waren die Meldegänge der Uniformierten meist bloß ein Vorwand für einen Espresso. Hoffentlich nicht solche mit dem Feuerwasser im Captain’s Coffee ihres Chefs.

„Irgendetwas Besonderes, Stipe?“, fragte er den Dottore in gedämpftem Ton.

„Ja. Der Tote hat einen Schnitt und ein klar begrenztes Hämatom quer über seine Schienbeine, das kaum älter ist als die Todeswunden von der Steinlawine.“

„Will heißen?“

„Er muss kurz vor seinem Tod einen Schlag über die Beine bekommen haben. Der war natürlich nicht tödlich, ja nicht einmal lebensgefährlich, ist aber sicher interessant, oder?“

Der Commissario wurde ungeduldig: „Komm, Stipe, spekulier ein wenig. Mach mir eine Geschichte daraus.“

„Also, meine Geschichte erzählt sich so: Der Mann hatte einen Autounfall. Das heißt, eigentlich einen Fußgängerunfall. Ein Wagen hat ihn angefahren, Tempo circa vierzig. Es muss ein Pkw gewesen sein, vermutlich mit einer Stoßstange aus schwarzem Hartplastik, blau gestrichen, vermutlich wie der Rest des Fahrzeugs.“

„Gibt es irgendwelche Lackreste, die wir später als Beweis gebrauchen könnten?“

„Mit freiem Auge war nichts zu sehen. Sollten wir in der Gerichtsmedizin etwas finden, bekommst du es gerahmt auf deinen Schreibtisch. Noch etwas fiel mir auf: Der Tote hat Einstiche auf beiden Oberschenkeln, die in ihrer Summe ein strumpfbandartiges Muster ergeben.“

„Verletzungen infolge irgendwelcher sexueller Spielarten?“

„Wenn, dann solche, die ich nie probieren möchte. Bei mir wären die Schmerzen, die solche Stiche auslösen müssen, absolut erektionstötend.“

„Na, da hast du uns ja in rekordverdächtiger Zeit ordentlich Nüsse zu knacken gegeben.“

Die unersetzliche Rita näherte sich im Laufschritt.

„Bruno, du hattest recht“, keuchte sie. „Am Anfang dachte ich, was für eine absonderliche Idee, das Opfer den Gaffern zur Besichtigung freizugeben, aber es hat sich gelohnt.“

„Jetzt atme erst einmal durch und dann sag, was sich gelohnt hat.“

„Das Opfer heißt Rudolfo Schnabel, ein Bauer. Sein Hof liegt etwas außerhalb von Staranzano.“

„Welches Staranzano?“

„Das bei Ronchi.“

Das Telefonino läutete und Roberto berichtete: In der Glockenstube des Turmes gebe es tatsächlich einen Verstärker, in eher professioneller Dimension, offensichtlich fabriksneu. Damit er in Funktion gesetzt werden konnte, sei die Lichtleitung für die Illuminierung des Kirchendachs angezapft worden. „Ziemlich brutal und sehr provisorisch“, wie Roberto sich ausdrückte. Auf dem Boden hätte er etliche Zigarettenstummel entdeckt. „Sonst nichts auf  …“

An dieser Stelle endete der Bericht mit einem Schrei Robertos. Gleichzeitig ertönte vom Läutwerk der Neunuhrschlag.

„Rita, irgendetwas ist da oben passiert. Schnell, ein Jüngerer von den Carabinieri soll mit mir da rauf.“

Dem Commissario ging bald die Luft aus. Einerseits wurde nach der dreißigsten Turmstufe der Atem immer kürzer und heftiger, andererseits betätigte er ständig die Kurzwahltaste und brüllte immer wieder „Roberto, melde dich“ in das Handy. Sie hatten etwa fünfzig Stufen unter sich gelassen und waren gerade dabei, die Kollegen von der Spurensicherung zu überholen, die jeden Quadratzentimeter der Treppe unter die Lupe nahmen, als endlich das Telefonino läutete.

„Roberto?“, brüllte der Commissario zum x-ten Mal in seine Faust und ein dickes Fragezeichen schwang mit.

„Chef, jetzt hör ich wieder.“

„Was war das für ein Schrei?“

„Tut mir leid, Chef. Aber der Stundenschlag ist hier oben so laut, dass Sie glauben, es sticht Ihnen jemand ins Ohr.“

Der Commissario atmete tief durch: „Na gut, wir kommen jetzt rauf.“

„Da sind wir aber sehr dagegen“, sagte einer der vornüber gebeugten Männer von der Spurensicherung und blies sich in seinem weißen Overall langsam zur vollen Manneshöhe auf. Und wieder musste sich der Commissario von einem Kollegen der Spusi den Weg versperren lassen, allerdings zu Recht. Resignierend schaute Vossi nach oben, wo er Roberto wusste.

„Wir können jetzt noch nicht kommen, die Spusi lässt uns nicht durch.“

„Hier oben gibt’s ohnedies nichts mehr zu sehen. Wenn es Ihnen recht ist, Chef, komme ich hinunter.“

„Das wär mir sogar sehr recht. Wir müssen nämlich nach Staranzano.“

Der Commissario registrierte, dass sich die Farben der Landschaft seit ihrer Herfahrt in den frühen Morgenstunden verändert hatten. Das zarte Rot der Morgensonne war in gleißendes Gelb übergegangen, das den Tau weggetrocknet hatte. Dadurch war das Grün gesättigter, dunkler geworden.

Roberto sah von all dem offenbar nichts. Der Commissario irrte aber in seiner Annahme, sein Untergebener konzentriere sich auf die Fahrt. Tatsächlich nahm Roberto gar nicht wahr, dass er fuhr und dabei je nach Gegebenheit beschleunigte, bremste, den fünften Gang einlegte oder vor einer engen Kurve runterschaltete auf die Zweite. Er dachte über den Mord nach. Ein Mann, festgebunden an der Mariensäule, ein LKW voll Steine, die den Mann unter sich begruben und töteten. Roberto dachte an die Diskussionen in den Medien über manche Moslems, die neuerdings die Städte Italiens mit Integrationsverweigerung auf eine harte Probe stellten und in Syrien alles niedermetzelten, was ihnen im Weg stand. Vielleicht hatten sie es mit einer Art Steinigung zu tun, wie sie im Koran Ehebrechern angedroht wurde? Aber wurden nicht nur Frauen für Ehebruch gesteinigt? Er hatte darüber vor ein paar Tagen einen Bericht im Fernsehen gesehen. Hier hatten sie es jedoch mit einem Mann zu tun. War es nicht bis vor wenigen Jahren bei ihm zu Hause im italienischen Süden Brauch gewesen, dass der gehörnte Ehemann seinem Rivalen den Garaus machte? Aber da war man zivilisiert, man nahm dazu ein Messer. Was da aber an der Mariensäule geschehen war, sah nach Steinigung aus.