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HAYMON

© 2011

HAYMON verlag

Innsbruck-Wien

www.haymonverlag.at

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ISBN 978-3-7099-7649-4

Umschlag- und Buchgestaltung, Satz: hoeretzeder grafische gestaltung, Scheffau/Tirol
Autorenfoto: Willy Duschka

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.haymonverlag.at.

Robert Sedlaczek
Wörterbuch
der Alltagssprache
Österreichs

In Zusammenarbeit mit
Melita Sedlaczek
Wissenschaftliche Betreuung:
Univ.-Prof. Heinz-Dieter Pohl

Robert & Melita Sedlaczek
Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs

„Auf die ganz armen Wörter wird nicht vergessen!“

Schon wieder ein Wörterbuch! Wozu denn das? Es gibt ja ohnedies das Österreichische Wörterbuch, außerdem sind in letzter Zeit zahllose Mundartwörterbücher erschienen, das reicht vom Burgenländischen bis zum Alemannischen, vom Neusiedlersee bis zum Bodensee.

MELITA: Wir tun uns diese Arbeit an, weil sie uns Spaß macht. Es ist wie mit einem Kreuzworträtsel. Man muss nachdenken und kombinieren, um ein Stück weiterzukommen. Nach einiger Zeit fügen sich dann die einzelnen Bedeutungen eines Wortes zusammen und aus einzelnen Wörtern entstehen ansehnliche Wortgruppen. Oft merkt man erst auf den zweiten Blick, welche Wörter zusammengehören und eine gemeinsame Geschichte haben.

ROBERT: Man könnte die Recherche auch mit einer Trüffelsuche vergleichen. Wir haben ganz bewusst auch das Ausgefallene gesucht. Das Ergebnis ist ein Wörterbuch der neuen Art. Hier finden die Leserinnen und Leser nur jene Wörter, die zum österreichischen Sprachgebrauch gehören – von der Standardsprache über die Umgangssprache bis zur Mundart.

Kann man das denn trennen?

ROBERT: Die Übergänge sind fließend, eigentlich sind diese Kategorisierungen nur eine subjektive Einschätzung. Niemand kann exakt sagen, wo die Standardsprache aufhört und die Umgangssprache anfängt. Dasselbe gilt für die Grenzen zwischen Umgangssprache und Mundart. Außerdem konzentrieren wir uns auf jene Ausdrücke, die typisch für Österreich sind, manchmal auch zusätzlich für das Bairische oder für den Süden des Sprachraums insgesamt. Wenn hingegen ein Wort gesamtdeutsch ist, also überall verwendet wird, dann hat es in diesem Taschenbuch nichts verloren. Auch hier wird es manchmal kompliziert. So ist beispielsweise „brennen“ im Sinn von „in Flammen stehen“ gesamtdeutsch, im Sinn von „viel zahlen“ jedoch eine österreichische Spezialität.

Habe ich zuvor richtig gehört: Leserinnen und Leser? Ein Wörterbuch ist ja zum Nachschlagen da! Ihr müsstet doch eher von Nutzern sprechen. Wir lesen ja auch keine Telefonbücher …

ROBERT: Wer sich für die Sprache interessiert, der wird in unserem Buch schmökern, da bin ich mir sicher. Es geht ja nicht nur um die Schreibung der Wörter, wir zeigen auch, woher sie kommen, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. Wenn wir die Herkunft von Wörtern wie „Simandl“, „Piefke“ oder „siebensüß“ erklären, oder wenn wir von Wendungen wie „wo der Barthel den Most holt“ reden, dann artet das zwangsläufig in einen Lesetext aus. Etymologien sind ja immer etwas Spannendes. Freunde und Bekannte fragen uns immer wieder: Woher kommt dieses oder jenes Wort? Mit welchem anderen Wort ist es verwandt oder nicht verwandt? Oft sind das auch Gesprächsthemen an Stammtischen – landauf, landab …

Ihr seid wirklich der Meinung, ein Wörterbuch der neuen Art vorzulegen?

MELITA: Genau. Es ist ja auch nicht aufgebaut wie ein klassisches Wörterbuch. Wir orientieren uns an den Wortstämmen und zeigen, was die Sprecher daraus gemacht haben: Zum Wort „Mascherl“ gehört „sich aufmascherln“ und „aufgemascherlt“, ferner die Wendung „Geld hat kein Mascherl“. Das alles ist unter dem Buchstaben M zu finden. Unter dem Buchstaben B findet man „Bussibär“, „Zwickerbussi“, „Eskimobussi“ und „Kokosbusserl“.

Ist es da nicht schwer, ein bestimmtes Wort zu finden?

ROBERT: Überhaupt nicht. Man muss nur daran denken, dass man bei der Suche von Verben unter Umständen die Vorsilben weglassen muss, also „aufmascherln“ nicht nur unter A suchen, sondern auch unter M. Und „aufziegeln“ nicht nur unter A, sondern auch unter Z. Bei zusammengesetzten Wörtern gibt es zwei Möglichkeiten: das Wort kann beim Anfangsbuchstaben des 1. Bestandteils angeführt sein oder beim Anfangsbuchstaben des 2. Bestandteils. Bei umgangssprachlichen und ganz besonders bei mundartlichen Wörtern gibt es oft mehrere Schreibvarianten. Wenn wir da immer Querverweise gemacht hätten, würde das halbe Buch aus Querverweisen bestehen. Es wird also notwendig sein, ein bisschen zu blättern und gleichzeitig auch zu schmökern.

MELITA: Das Wort „Safaladischmäh“ ist sogar zweimal im Buch, unter „Safaladi“ und unter „Schmäh“, aber das ist eher die Ausnahme. Jedenfalls kommen bei beiden Eintragungen noch zusätzliche Wörter dazu, bei „Schmäh“ beispielsweise „schmähhalber“, „schmähstad“, „Anserschmäh“, „Eisenbahnerschmäh“, „einen Schmäh führen“, „der Schmäh rennt“ und vieles mehr.

ROBERT: Unsere Darstellungsform zeigt, wie die Sprache funktioniert, was aus einem Wortstamm oder einem Wort alles gemacht werden kann. Manche Wörter sind da unglaublich fleißig.

Wenn ich da so blättere – eine ziemlich subjektive Auswahl …

ROBERT: Jedes Wörterbuch ist eine subjektive Auswahl. Es geht immer um die persönlichen Vorstellungen des Redaktionsteams zum Thema Sprache. Aber meist sind die Teams um vieles größer und sie arbeiten jahrzehntelang an Verbesserungen. Wir stehen am Anfang, werden sicher da oder dort einen Fehler gemacht haben.

MELITA: Wenn man alles in einem Taschenbuch unterbringen will, muss man ja eine Auswahl treffen, das geht gar nicht anders. Wollte man den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, so bräuchte man viel mehr Platz. Und manche Stichwörter sind deshalb ausführlicher, weil wir darüber lange diskutiert haben, so z. B. „Geld hat kein Mascherl“. Ich finde, dass man sehr wohl Geldbeträge mit einem Mascherl einem bestimmten Zweck zuordnen kann; das ist auch sinnvoll.

ROBERT: Finde ich nicht, aber ich verstehe, was du meinst.

Und wahrscheinlich gilt auch für dieses Buch: Was nicht unter B bzw. D zu finden ist, könnte auch unter P bzw. T stehen …

ROBERT: Genau! Ob man „Depp“ oder „Tepp“ schreibt, ist Geschmackssache. Bei der Schreibung „Tepp“ schillert die Wortherkunft, nämlich „tappen“, durch, aber „Depp“ ist häufiger. Wir unterscheiden in der mündlichen Alltagskommunikation ja kaum zwischen d und t, zwischen b und p. In der Schreibung gehen wir oft recht willkürlich vor, machen ein d zu einem t und ein b zu einem p. Was aus dem Wort „buttern“ geworden ist, kann man unter P nachlesen.

Ihr glaubt, dass die Leser vor allem solche Wörter suchen werden?

Robert: Glauben wir nicht. Daher ein anderes Beispiel: Es wäre vielleicht besser, „Kiberer“ statt „Kieberer“ zu schreiben, weil das Ursprungswort „Kübbe“ lautet, mit kurzem Vokal. Aber wenn wir das Wort aussprechen, dehnen wir den Vokal und schreiben daher meist „Kieberer“. Diese Vokaldehnung ist typisch für unseren Sprachraum. Das Wort „Kieberer“ wird übrigens in der Polizei selbst ganz anders verwendet als in der allgemeinen Umgangssprache. Im Polizeijargon ist ein „Kieberer“ ein Kriminalbeamter, in der Alltagskommunikation ein Polizist jeder Art, auch ein Verkehrspolizist. Und weil wir gerade bei diesem Beispiel sind: Betonte Länge wird durch Unterstreichung signalisiert, also Kieberer, betonte Kürze durch einen daruntergesetzten Punkt, das wäre dann Kberer. Aber das ist ja die weniger gebräuchliche Variante.

Es geht also auch um verschiedene Sprachebenen …

MELITA: Ja. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, bei jedem einzelnen Wort anzugeben, ob es standardsprachlich, umgangssprachlich oder mundartlich zu verwenden ist. Die Kategorisierungen sind von unserem Sprachgefühl bestimmt; sie geben einen Hinweis, in welcher Situation man ein bestimmtes Wort gebrauchen kann und in welcher nicht. Wir haben übrigens nicht davor zurückgeschreckt, auch sogenannte unanständige Wörter aufzunehmen. Die Wörter können ja nichts dafür, entscheidend ist nur, was die Menschen im Gebrauch daraus machen. Manche Wörter, die heute als schmutzig empfunden werden, wie beispielsweise „brunzen“, waren irgendwann einmal, vor langer, langer Zeit, ganz normale, unbelastete Ausdrücke. Wenn man sich mit der Sprache beschäftigt, darf man nicht moralische Scheuklappen haben.

ROBERT: Uns war wichtig, dass alles selbsterklärend ist. Wir setzen beispielsweise ein Ringerl über den a-Laut, wenn dieser verdunkelt werden kann, wie in „Bånkert“ – jeder kennt dieses Zeichen aus den Mundarttexten. Wichtig ist eines: Fehlt das Ringerl, muss der a-Laut so ausgesprochen werden, wie er dasteht: „Palatschinke“ und „stad“ werden also mit hellem a gesprochen. Übrigens: Die verdunkelten a-Laute sind typisch für die meisten Mundartgebiete Österreichs.

Um zu begreifen, wo verdunkelt wird und wo nicht, muss man wohl ein in der Wolle gefärbter Österreicher sein …

ROBERT: Es gibt eine Faustregel. Die bei uns so beliebten Endungen mit -(e)l, -erl, -le, -li usw. drücken einerseits Kleinheit aus, andererseits eine emotionale Beziehung: Das Glaserl Wein ist genauso groß wie ein Glas Wein, aber wer Glaserl sagt, der bringt damit zum Ausdruck, dass ihm der Wein gut schmeckt oder viel bedeutet. Und den Inhalt kann er sogar als Weinderl bezeichnen! Da wird dann zwischen -n- und -erl als sogenannter Sprosskonsonant ein d eingefügt – um die Aussprache zu erleichtern, genauso in Hendl, Dirndl und einigen anderen Wörtern. Aber jetzt bin ich abgeschweift.

Ja, ich wollte wissen, wo verdunkelt werden kann.

ROBERT: Die Herkunft dieser Endungen mit -l-, nämlich ein mittelhochdeutsches -elīn, verhindert die Verdunkelung. Ich kann also umgangssprachlich und mundartlich sagen: „a Glås Wein“, aber es heißt „ein Glaserl Wein“ – mit hellem a! Dasselbe gilt auch für die -l-Einschübe bei den Verben. Ist ein -l- da, wird nicht verdunkelt. Wenn zwei das Kartenspiel Schnapsen spielen (das Wort kommt von schnappen), dann sagt man: „Sie schnåpsen.“ Wenn sie gleichzeitig zur Schnapsflasche greifen, dann heißt es: „Sie schnapseln.“ – mit hellem a! Das -l- in „schnapseln“ macht also den Unterschied aus. Diese Regeln müsste man auch Thomas Gottschalk und Günther Jauch erklären. Die beiden machen sich ja gern über uns Österreicher lustig, imitieren unseren Sprachgebrauch. Aber sie verdunkeln auch jene a-Laute, die auf keinen Fall verdunkelt werden dürfen.

Wie stark wird eigentlich verdunkelt?

MELITA: Das ist regional verschieden. Außerdem hängt es davon ab, ob wir eher standardsprachlich oder eher mundartlich sprechen. Aber auch in der Standardsprache verdunkeln wir, allerdings nur ganz wenig. Wenn in diesem Wörterbuch ein å steht, so bedeutet das also: Hier kann verdunkelt werden. Die Betonung liegt auf kann.

Welche Eigenheiten haben wir noch?

ROBERT: Die Vorsilbe Ge- wird im gesamten Sprachraum dazu verwendet, um Kollektivbegriffe zu bilden: „Berg“ wird zu „Gebirge“. Außerdem dient diese Vorsilbe dazu, abwertende Ausdrücke zu schaffen: „Schrei“ wird zu „Geschrei“. Diese zweite Funktion hat es uns offensichtlich angetan. Um auszudrücken, dass etwas besonders nervt, verwenden wir die Vorsilbe Ge- bei vielen sich bietenden Gelegenheiten. Oft wird das vorangestellte Ge- zu einem G- verkürzt und das Verständnis, dass es sich um eine Vorsilbe handelt, geht manchmal sogar verloren: „Gfrast“, „Gfrieß“, „Gramuri“.

Sollen wir also „Gwirkst“ oder „Gewirkst“ schreiben?

ROBERT: Beides ist richtig, es ist eine Geschmackssache. Etwas anderes: Charakteristisch sind auch bei den auf -e endenden Feminina die Nebenformen mit einem auslautenden -n. Da stehen im Singular, also in der Einzahl, meist zwei Varianten nebeneinander: „eine Brinze“ und „eine Brinzen“; „eine Kappe“ und „eine Kappen“; „eine Watsche“ und „eine Watschen“. Die erste Variante, das ist jene ohne n, wird gern in der Schriftform verwendet; in der mündlichen Alltagskommunikation dominiert die zweite Variante, das ist jene mit -n.

MELITA: Es gibt natürlich auch Eigenheiten in der Grammatik. Darauf konnten wir nur ansatzweise eingehen. Hier ein Zitat aus dem Film „Silentium“: „Der Hund is ned zum Umbringen!“ Das ist ein substantivierter Infinitiv mit vorangestelltem „zum“. Standardsprachlich steht der normale Infinitiv: „Der Hund ist nicht umzubringen.“ In gleicher Weise fragen wir: „Was gibt es heute zum Essen?“

Ich hoffe, ein Wiener Schnitzel, denn das soll ja die Leibspeise der Österreicher sein. Aber wie hat sich die Wörterbucharbeit im Konkreten abgespielt?

ROBERT: Man muss den Menschen zuhören – nicht nur im eigenen Heimatbundesland, sondern auch bei Erkundungsreisen in andere Bundesländer. Und dann gibt es ein oder zwei Dutzend Nachschlagwerke, wo man das eine oder andere Wort findet, manchmal auch mit Hinweisen zur Entstehungsgeschichte. Oft sind diese Hinweise ungenau oder widersprüchlich, dann muss man nach seinem Gefühl eine Entscheidung treffen oder einfach schreiben, dass es verschiedene Lehrmeinungen gibt.

MELITA: Mein Mann hat ja Germanistik studiert, weiß also recht gut Bescheid. Aber dass er in letzter Zeit bei jedem Urlaub einen Sack voller Bücher mitgeschleppt hat, war schon etwas nervig.

ROBERT: Dabei ist es heute einfacher als früher, denn das Grimm’sche Wörterbuch muss man nicht mehr mit sich herumschleppen, das gibt es im Internet, genauso das Wörterbuch von Adelung oder das mittelhochdeutsche Wörterbuch von Lexer. Was man zusätzlich in der Fachliteratur findet, kann man ohne große Mühe in eine allgemein verständliche Sprache zurückführen. Uns war es wichtig, dass jeder die Erläuterungen versteht, auch wenn er nicht Germanistik oder eine andere Sprache studiert hat. Wir verwenden auch nur solche Abkürzungen, die sich von selbst erklären. Ein Studium des Abkürzungsverzeichnisses wird gar nicht notwendig sein. In manchen Wörterbüchern muss man ja seitenlange Listen durchackern, um sich auszukennen. Das wollten wir Ihnen ersparen. Aber ich möchte meiner Frau ein Kompliment machen: Ihr Sprachgefühl hat mich oft auf die richtige Spur gebracht.

MELITA: Ganz wichtig für dieses Projekt, das muss ich ausdrücklich sagen, war die wissenschaftliche Beratung von Heinz-Dieter Pohl, ein Wiener, der nach Kärnten geheiratet hat und in Klagenfurt drei Jahrzehnte lang als Universitätsprofessor tätig war. Er hat sich in den Fachgebieten Sprachwissenschaft, Slawistik, Namenforschung und Mundartkunde einen Namen gemacht und auch selbst Mundartwörterbücher verfasst.

ROBERT: Es war immer eine Freude, mit ihm über strittige Etymologien zu diskutieren. Ohne seine Hilfe wäre dieses Buch nicht zustande gekommen. Ja, und für die Durchsicht des Manuskripts und für zahlreiche Hinweise zum Sprachgebrauch in ihrer Heimat danken wir Hubert Auer, Willy Duschka und Wolfgang Mayr – sie stehen gleichzeitig stellvertretend für viele andere, die uns bei einzelnen Wörtern geholfen haben.

Abschließend noch ein Wort zu den Zitaten. Nach welchen Kriterien habt ihr da eine Auswahl getroffen?

ROBERT: Wenn es darum geht, die Alltagssprache in einem Wörterbuch zu dokumentieren, muss man sich um mündliche Sprachdokumente bemühen, und da waren für uns Kabarettprogramme und Fernsehfilme, aber auch Schlagertexte nützliche Quellen: von Qualtinger und Bronner bis zu Niavarani, Vitasek und Gunkl, von Danzer, Fendrich, Ambros, STS bis zu Hubert von Goisern, Bluatschink und HBMC. Natürlich handelt es sich dabei um konstruierte Texte, aber sie sind ja mit der Absicht konstruiert worden, die sprachliche Wirklichkeit originalgetreu wiederzugeben. Wir haben uns bemüht, typische Zitate zu bringen. Wenn man das Wort „Tschuri“ präsentiert, dann muss man einfach das Lied von Georg Danzer zitieren, wenn man über „sudern“ schreibt, dann kommt man nicht darum herum, auf Alfred Gusenbauer zu verweisen, bei „Pompfüneberer“ muss Wolfgang Ambros genannt werden – ja und die Wörter „Trutschen, Pritschen und Mentscher“ sind ebenfalls mit einer Person verbunden, mit dem ehemaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher.

MELITA: Wir haben uns bemüht, Belegstellen zu finden, die vergnüglich zu lesen sind und die gleichzeitig zeigen, in welchem Zusammenhang ein Wort oder eine Wendung benützt werden kann. Wenn man nach spezifisch österreichischen Ausdrücken in der Alltagskommunikation sucht, dann erweisen sich die Klassiker des Kabaretts als wahre Fundgrube. „Der gschupfte Ferdl“ gilt beispielsweise nicht nur als Ahnherr des Austropops, dort findet man auch viele Belege für Ausdrücke und Wendungen, die das österreichische Deutsch – oder in diesem Fall auch das Wienerische – ausmachen. Wer das eine oder andere im Original hören will, dem empfehlen wir das DVD-Angebot von Hoanzl auf der Website www.hoanzl.at. Dort sind viele großartige Kabarettisten mit ihren aktuellen Programmen vertreten. Und im Anhang dieses Taschenbuchs findet sich ein Quellenverzeichnis zu den von uns verwendeten Zitaten.

ROBERT: Auch auf den CDs der Liedermacher spielt die Mundart eine große Rolle. Wer das Lied „Drawig“ des Hubert von Goisern gehört hat, der weiß, was gemeint ist, auch wenn er kein Oberösterreicher ist. Daneben haben wir auch solche Mundartausdrücke ins Buch aufgenommen, die in ganz Österreich und auch im Bairischen verwendet werden, oft aber vom Aussterben bedroht sind. Ich denke da beispielsweise an „Pfoad“ oder an „Fürtuch“. Da variieren manchmal die Schreibungen von Region zu Region ganz gewaltig.

MELITA: Bei manchen Wörtern hat man zwar eine Lautform im Ohr, man muss aber lange nachdenken: Wie könnte man das eigentlich schreiben? Das sind sozusagen die ganz armen Wörter. Oft denkt man dann: Kann man das überhaupt schreiben? Zum Beispiel „geschalnt“ oder „gschalnt“ oder „gschoind“? Es kommt ja wohl von „Schale“, wird aber ganz anders ausgesprochen. Schreibt man „Lanzing“, „Lassing“, „Langsing“ oder „Längsing“? Oft müssen wir verschiedene Varianten anbieten und es unseren Lesern freistellen, wie sie so ein Wort schreiben, zum Beispiel in einem SMS, wo ja das Mundartliche heute sehr beliebt ist. Vor allem junge Leute schreiben oft so, wie sie reden, also wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Und wenn sie einen standardsprachlichen Text verfassen, dann schwindeln sie da und dort einen Mundartausdruck hinein, um dem Geschriebenen eine zusätzliche Würze zu verleihen. In Bereichen des täglichen Lebens ist ja die Mundart variantenreicher und ausdrucksstärker als die Standardsprache.

ROBERT: Aufs Erste sieht es so aus, als wäre die Mundart ein Unterschichtphänomen. Es gibt aber auch Gebildete, die privat Mundart sprechen, nicht nur in Vorarlberg, wo die Sprecher zwischen zwei verschiedenen Sprachcodes hin und her wechseln, sich einmal für die Mundart entscheiden, einmal für die Standardsprache – je nachdem, wo und mit wem sie gerade kommunizieren. Wir dürfen auch eines nicht übersehen: Man kann in der Mundart zwar besonders variantenreich schimpfen und es gibt eine Unmenge an Ausdrücken für Alkoholrausch und für Ohrfeige, die Mundart bietet uns aber auch unzählige Möglichkeiten, positive Gefühle auszudrücken – man denke nur an die Liebesgedichte von H.C. Artmann oder an die Liebeslieder des Austropops.

MELITA: Es ist auch eine Tatsache, dass sich Menschen mit hoher Bildung für den Würstelstandjargon oder für Gaunersprachliches besonders interessieren – also für Sprachcodes, die ihnen an sich fremd sind. Das erklärt den seinerzeitigen Erfolg von Herwig Seeböcks „Häfenelegie“ – im Grunde auch von Ernst Hinterbergers „Ein echter Wiener geht nicht unter“.

ROBERT: Auch Kabarettisten befriedigen diese Art von Wissensbegierde. Wenn auf der Bühne Wörter wie „ausgreifen“, „Schas“, „Fut“ oder „Beidl“ fallen, dann ist Gelächter garantiert. Auch wenn in einer Fernsehserie eine runzlige, aber agile Alte zu einem Strizzi sagt: „Jetzt kriegst eine in die Gågerln!“ In diesen Fällen geht es auch um Tabubruch – Freud schau åba!

Als Allerletztes: Für wen ist dieses Buch?

ROBERT: Es ist für sprachinteressierte Österreicher, besonders für jene, die mit der Sprache zu tun haben, von Journalisten bis zu Lehrern; aber auch für Touristen aus anderen deutschsprachigen Ländern. Nicht zuletzt auch für jene, die eine andere Sprache als Muttersprache haben und bei uns leben. Deshalb finden sich im Anhang auch einige Ausdrücke der Amtssprache, sofern sie für einen Österreichurlauber oder für einen frisch Zuagrasten von Nutzen sein könnten.

Dann bleibt mir wohl nur noch für das Gespräch zu danken...

MELITA: Nichts zu danken. Die Fragen waren ja von uns. Wir wollten kein klassisches Vorwort diesem Buch voranstellen. Die Einleitung soll auf jener Sprachebene angesiedelt sein, um die es hier hauptsächlich geht: die mündliche Alltagskommunikation. Da ist uns ein Frage-und-Antwort-Spiel als die ideale Form erschienen.

ROBERT: Übrigens: Weiterführende Informationen zu diesem Buch und zum österreichischen Deutsch mit all seinen Facetten gibt es auf www.das-österreichische-deutsch.at. Besuchen Sie uns! Sie sind herzlich willkommen!

A

imageba, imagewa, imagewe [eigtl. ein mundartl. abher, wo standardsprl. herab steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform abher verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung zum Sprecher und abwärts ist; oft wird zwischen åbi (= hinab, hinunter) und åba (= herab, herunter) nicht mehr unterschieden, åwe wird zur Einheitsform für beides] (mundartl.): herab, herunter: Kraxl åwa von da Lata! image imageba|klet|zeln: herunterkletzeln image viel imageba|neh|men: viel verdienen image jemandem ’s Wüde imageba|ra|ma (= jemandem das Wilde herunterräumen): jemanden gefügig machen image sich einen imageba|rei|ßen (= herunterreißen): onanieren (vom Mann).

imagebend|es|sen nur Infinitiv und Partizip 2 (standardsprl.): zu Abend essen: Komm, wir gehen abendessen!

b|ge|dreht, imagedraht ['ɒːdrad] Adj. [Partizip 2 zu abdrehen; viell. wegen der gesamtdt. Bed.: einen Film fertig drehen, eine Aktion abwürgen; genaue Herk. unklar]: 1. (umgangssprl.): raffiniert, gewieft, durchtrieben 2. (jugendsprl.): ausgeflippt, verrückt: „Was meine Hobbys sind? Lachen, Musik hearn und alles machen, was ein bisschen abgedreht ist.“ (Internet) 3. intensivierend bei Adj. und Verben (jugendsprl.): sehr: „Dieses Album is noch ned so abgedreht geil wie Kid A und Amnesiac, aber trotzdem auch noch weit weg vom Mainstream.“ (Intern.).

imageb|ge|hen ging ab, ist abgegangen; mit Dativ: (standardsprl., auch bair.): fehlen (oft inkludiert abgehen im Unterschied zu fehlen das Gewahrwerden des Fehlens und eine damit verbundene starke Empfindung): Mir gehen die Ausweispapiere ab, ich werde sie doch nicht verloren haben? – Helmut Qualtinger in „Der Herr Karl“: „Nå – dadurch, dass i Tschechisch kånn, – a bissel håb i immer Zugång g’funden zu der Mentalität von de Russen … Russki … Slawen … Asiaten … mir is nix å’gånga …“

imagebi, imagewi, imagewe [eigtl. ein mundartl. abhin, wo standardsprl. hinab steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform abhin verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung vom Sprecher weg und abwärts ist; oft wird zwischen åbi (= hinab, hinunter) und åba (= herab, herunter) nicht mehr unterschieden, åwe wird zur Einheitsform für beides] (mundartl.): hinab, hinunter: Geh, hol einen Wein aus’n Keller! – I geh eh glei’ åbi! image imagebi|buch|sen: rasch hinuntertrinken image imagebi|stes|sen: rasch hinuntertrinken: Helmut Qualtinger in „Der Herr Karl“ „… san mir g’sessen mit de Madln … Ribiselwein åbig’stessen …“ image imagebi|hau|en: hinunterhauen, hastig essen image jemanden åbi|hau|en: jemanden in betrügerischer Absicht aus einer Position verdrängen image imagebi|zahn: absichtlich langsam arbeiten image imagebi|zah|rer, der; -s, -: fauler, arbeitsscheuer Mensch.

b|kra|geln, imagekra|geln ['ɒːkraɡln] hat [zu Kragen in der früheren Bed. Hals] (umgangssprl., auch bair.): 1. (bes. von Geflügel): den Hals umdrehen, den Hals abschneiden, schlachten: das Hendl abkrageln 2. (derb von Menschen): umbringen: „Im wilden Kurdistan hätte man ihn ohne Weiteres abkrageln können, wen hätte es schon gestört?“ (Die Presse, 11. 10. 2009).

imageb|plan|ken hat [eigtl.: mit Planken einzäunen, abgrenzen] (umgangssprl.): ablehnen, abwimmeln, bei einer Frage nicht mehr mitkommen: Ich habe ihn um einen Gefallen gebeten, aber er hat abgeplankt. image imageb|plan|ken, sich hat: sich auf etwas nicht einlassen, sich abschotten.

b|ra|hams Wrst|kes|sel, der: [Judentum, Christentum und der Islam berufen sich auf Abraham als Stammvater; darum bezeichnet man alle drei auch als abrahamitische Religionen] (umgangssprl., bes. ostösterr., scherzh.): Abrahams Schoß image damals bist du noch in Abrahams Wurstkessel geschwommen / damals warst du noch in Abrahams Wurstkessel: damals warst du noch nicht auf der Welt.

imageb|schas|seln hat [zu franz. chasser = jagen] (umgangssprl., ostösterr.): brüsk abweisen, fortjagen, abwimmeln: „Die ÖVP hat mich abschasseln wollen.“ (Justizministerin Karin Gastinger in den VN vom 27. 9. 2006 über Vorhaben, die sie gegen den Widerstand der ÖVP nicht durchsetzen konnte.)

imageb|trei|ben trieb ab, hat abgetrieben [gesamtdt. sind heute die anderen Bed. von abtreiben, z. B.: eine Schwangerschaft abbrechen]: (Küchenspr., auch süddt.): etwas zu Schaum rühren: den Teig abtreiben image Åb|trieb, der; -(e)s, -e: zu Schaum Gerührtes: geriebene Nüsse unter den Abtrieb mischen; einen Abtrieb machen.

imagech|ter, der; -s, - [Zahlsubstantive werden in Ö und im Süddt. traditionell als Mask. mit der Endung -er gebildet; wie Einser] (standardsprl., auch süddt.): 1. Ziffer Acht 2. (umgangssprl., auch süddt.): verbogenes Rad am Fahrrad: Maxi Böhm (gem. mit Karl Farkas) in „Föhn“: „Ich håb immer ein Pech im Leben: Wenn ein ånderer einen Zwölfer im Toto håt, håb ich an Åchter im Fåhrradl.“ 3. (umgangssprl., auch süddt.; auch: Achtereisen): Handschellen: Polycarp Trautmann (Wolfgang Böck) in „Trautmann – Lebenslänglich“: „Kollege, bist liab und nimmst ihr die Åchtereisen åb?“

ch|terl, das; -s, -n, ch|te|le, das; -s, -n [Vkl. von Achtel, womit ein emotionaler Bezug ausgedrückt wird; ahd. ahto teila = der achte Teil] (umgangssprl.): ein Achtelliter (als Bestellmenge im Gasthaus, beim Heurigen etc.): Herr Ober! Bitte noch ein Achterl Rot (= Rotwein)! – Ein Achterl leid’t ’s euch schon noch! (= ein Achterl könnt ihr schon noch trinken) image Flcht|ach|terl, Rei|se|ach|terl, Pfiat-di-Gtt-Ach|terl etc.: letztes Glas Wein vor dem Verabschieden image Steh|ach|terl: Achterl, das im Stehen getrunken wird image ch|terl|wei|se Adv. in der Bestellmenge von einem Achtelliter glasweise trinken: er trinkt den Rotwein achterlweise.

Ada|bei, der; -s, -s [aus mundartl. aa dabei = auch dabei] (umgangssprl., auch bair.): jemand, der überall dabei sein will.

Ådel, der; -s, kein Pl. [mhd. adel = Jauche; geht zurück auf ein germanisches adelōn = Jauche, das aber nur erschlossen, nicht belegt ist; hat sich vermutl. früher im Konsonanten von Adel = edles Geschlecht unterschieden] (umgangssprl., auch bair.): Jauche, flüssiger Dünger image ådeln hat (umgangssprl.): mit Jauche düngen.

ad|jus|tie|ren hat [franz. ajuster, zu: juste = genau, richtig, dieses zu lat. iustus = gerecht, richtig, ordentlich; gesamtdt. ist heute die Bed. aus dem Bereich der Technik] (standardsprl.): 1. jemanden dienstmäßig kleiden, sich dienstmäßig kleiden 2. (scherzh.): auf eine bestimmte, eher sonderbare Art gekleidet sein: „Obwohl ich Bälle hasse, war ich mehrmals in meinem Leben gezwungen, einen Ball zu besuchen. (…) Erst muss man sich, unbequemst adjustiert, in einer mürrischen Menschentraube an der Garderobe anstellen, ehe man lustlos in den Ballsaal vordringt.“ (Christoph Winder, Der Standard, 23./24. 1. 2010) image adjustiert wie ein Kokssackl (umgangssprl., scherzh.): schlecht und nachlässig gekleidet image Ad|jus|tie|rung, die; -, -en: 1. dienstmäßige Kleidung, Uniform 2. (umgangssprl.): Aufmachung: in sonderbarer Adjustierung auftreten.

ft, f|ten, f|tad Adv. [zu ahd. after = hinter, hinten, nachfolgend; vermutl. gleichlautend im German.; verw. mit engl. after; später hat sich daraus das Substantiv After entwickelt] (mundartl., auch bair.): nachher: aftad danåch is’ kloa (= im Nachhinein ist es klar) (verdeutlichende Verdoppelung).

f|ter Adj. [verw. mit After; zu ahd. after = hinter, hinten, nachfolgend] (mundartl., auch bair.): minderwertig image f|ter- als 1. Bestandteil (meist mundartl.): drückt aus, dass es sich um eine minderwertige Variante einer Sache handelt: f|ter|grum|met: dritte Mahd (meist nur noch im Weidebetrieb verwertet) image f|ter|klee: Klee der letzten Mahd image f|ter|most: der zweite (schlechte) aus dem Trebernstock gepresste Most.

Agi|o|ta|ge [aʒimageo'taː], die; - [franz. agiotage; gesamtdt. ist heute die Bed. aus dem Bereich der Börsenspekulation] (standardsprl.): unerlaubter Handel mit Eintrittskarten zu überhöhten Preisen image Agio|teur [aʒimageo'tøːǝ]: jemand, der mit Eintrittskarten spekuliert.

imageg||sel, die; -, -n [mhd. agraz, altprovenzalisch agras = unreife Weintraube; zu lat. acer = sauer] (mundartl., ostösterr.): Ribes uva-crispa, Stachelbeere image imageg||sel als 1. Bestandteil (mundartl., ostösterr.): drückt in Bildungen mit Substantiven aus, dass etwas bes. schlecht oder minderwertig ist image imageg||selmann|schaft, die; -, en: schlechte Mannschaft image imageg||selschmäh, der; -s, -(s): schlechter Schmäh image imageg||sel|ver|ein, der; -s, -e: mieser Verein etc.

imagel|ler|weil, imagel|le|weil, imagell|weil Adv. (umgangssprl.): immer, stets, wiederholt: allerweil lustig sein; jemanden allerweil ärgern image na imagel|ler|weil: na immerhin: „Der ÖGB hat nur noch 1,22 Millionen Mitglieder? Na allerweil! Mögen die Verfasser dieser dümmlichen Zeile uns bitte eine Vereinigung nennen, welche mehr Mitglieder hat …“ (Intern.) image imagel|ler|weil, … am Anfang einer Feststellung mit Werturteil: schön wär’s, wenn …: Allerweil, das Essen in unserer Werksküche wäre so gut wie in diesem Gasthaus hier!

imagelm, die; -, -en [aus mhd. alben, gebeugte Form von mhd. albe, ahd. alba, urspr. Bed. wahrscheinlich Berg, frühe volksetymologische Anlehnung an lat. albus = weiß] (standardsprl., auch süddt.): der sommerlichen Weidenutzung dienende Wiese im Gebirge, Hochweide image imagel|men hat: (Vieh) auf der Alm halten image imagel|mer, der; -s, - (standardsprl., auch süddt.): Senn; Almhirt image imagelm|auf|trieb, der; -s, -e: Hinauftreiben des Viehs auf die Almen im Frühsommer image imagelm|ab|trieb, der; -s, -e: Abtreiben des Viehs von der Alm in die Winterställe image imagelm|(en)|rausch, der; -(e)s [2. Bestandteil wohl zu lat. ruscus = Mäusedorn] (standardsprl., auch süddt.): behaarte, rostrote Alpenrose image imagelm|dudler®, der; -s, - [auf der Alm dudeln]: eine Kräuterlimonade.

l|pe, die; -, -n; vor allem alemannisch auch: lp, die; -, -en [Herk.: wie Alm] (standardsprl., westösterr.; auch CH): der sommerlichen Weidenutzung dienende Wiese im Gebirge, Hochweide image l|pen hat: (Vieh) auf der Alpe halten image imagel|pung, die; -, -en: sommerliche Betreuung des Viehs auf der Alpe durch den Sennen.

imagels|dann, imagels|dern Adv.; als auffordernder Ausruf oder als Einleitung einer abschließenden Bemerkung (umgangssprl., auch süddt.): also dann; nun denn: Alsdann, machen wir uns auf den Weg! image na ls|dann: jetzt hätten wir’s; endlich hat er’s verstanden (auch als immer wiederkehrende Floskel in „Wir sind Kaiser“ mit Robert Palfrader als Kaiser Robert Heinrich I.).

imagel|te, der; -n, -n; ein Alter [zu alt; gesamtdt. sind heute die Bed.: alter Mann, Vater, Ehemann etc.] (standardsprl.): Wein aus einem vergangenen Jahr (im Gegensatz zum heurigen Wein) image imagel|ter … 1. Anrede (umgangssprl.): Freund … Kamerad … 2. Diskussionsmarker signalisiert den Beginn eines Redebeitrags (in manchen Szenesprachen der Jugendlichen auch gegenüber weiblichen Personen): Hörst, Alter …

l|zerl ['altsǝl, 'aitsǝl], das; -s, -n [Vkl. von Alz = Lederauflage auf den Schuhleisten, kleines Stück, dieses zu ital. alzo = Stück Leder, das den Schuh ausfüllt] (umgangssprl.): kleines Stück: ein Alzerl hat zum Sieg gefehlt.

m [in D nur Verkürzung für: an dem, in Ö auch Verkürzung für: auf dem] (standardsprl.): auf dem: das Buch liegt am Tisch (statt: auf dem Tisch); Urlaub am Bauernhof (statt: auf dem Bauernhof).

imagen|drucken hat (mundartl.): jemanden für sich einnehmen wollen, sich um jemanden oder um etwas übertrieben bemühen: Dialog in „Kaisermühlenblues – Undank ist der Welten Lohn“: René (Adi Hirschall) flirtet beim Heurigen mit der Kellnerin; sein Freund Joschi Täubler (Roland Düringer) meint, dass das nichts bringen wird: „Bei der brauchst ned åndrucken. Des is die Tochter vom Chef. Schwer verliebt.“ image auf etwas n|drucken hat (mundartl.): es mit einer bestimmten Rolle versuchen: er druckt an auf Charmeur.

imagen|ga|sen [zu Gas = Treibstoff ] hat (umgangssprl.): 1. Gas geben (z. B. auf das Gaspedal eines Autos treten) 2. sich beeilen: wir müssen angasen, sonst kommen wir zu spät.

n|ge|spitzt, imagen|gspitzt [verwandt mit Spitz = leichter Rausch] Adj., eigtl. Partizip 2 von anspitzen (umgangssprl.): leicht betrunken.

n|ge|sto|chen, imagen|gsto|chen Adj., eigtl. Partizip 2 von anstechen (umgangssprl.): betrunken.

n|hie|seln, imagen|hia|seln hat [zu rotwelsch Hiesel = Schminke] (mundartl.): 1. bunt bemalen 2. geschmacklos schminken 3. fehlerhaft anstreichen.

ni|mo, das; -s, kein Pl. [ital. animo, dieses zu lat. animus = Seele, Wunsch, Verlangen] (standardsprl.): 1. Schwung, Lust: mit (viel) Animo bei der Sache sein 2. Vorliebe: ein Animo für kräftige Rotweine haben.

nis|bo|gen, der; -s, …bögen meist Pl., auch: nis|schr|te, die; -, -n meist Pl. (Küchenspr.): mit Anis bestreutes Gebäck in gebogener Form.

imagen|ken|nen kannte an, hat angekannt; in den Mundarten flektiert das Partizip 2 schwach: an(ge)kennt [zu kennen mit der Vorsilbe an- (vermutl. in Analogie zu: jemandem etwas ansehen etc.)] (umgangssprl., auch bair.): eine versteckte Eigenschaft erkennen, bemerken: es geht eam ned guad, åber ma kennts eam ned ån.

imagen|las|sig [mhd. an(e)lāʒ = Ort, von dem das Rennen ausgeht] (umgangssprl.): sexuell zudringlich (für ein zudringliches Verhalten eines Mannes gegenüber einer Frau sowie umgekehrt): Dialog in „Trautmann – Die Hanno-Herz-Story“: „Wås gfållt Ihna denn so, Herr Inspektor?“ – (Die Dame hinter der Schank mischt sich ein.): „Auf kaan Fåll a ånlassige Kaffeesiaderin, die auf Hanno Herz steht.“ – „Hålts zsamm, bist eh nur eifersüchtig.“

imagen|rand, der, -s, kein Pl. [zu Rand = Anlauf; Substantivierung von anrennen] (mundartl., auch bair.): Anlauf image einen Anrand nehmen (mundartl., auch bair.) 1. mit Energie losrennen (und zuvor das Gewicht nach hinten verlagern, um Schwung zu holen) 2. etwas mit Überwindung in Angriff nehmen, sich aufraffen: er nimmt sich einen Anrand und ordnet die Belege für die Steuererklärung.

imagen|raum, der; -s, kein Pl. [zu ahd. rām = Schmutz] (mundartl., auch bair., CH): fester Niederschlag an Bäumen, Freileitungen etc., der sich bei Frost, Nebel und Wind gegen die Windrichtung aufbaut (ob es sich um Raureif, Raufrost, Reif oder Eis handelt, ist egal).

imagen|schåf|fen hat [zu schaffen, gesamtdt. ist heute die Bed.: etwas erwerben, Geld verdienen, Prostitution betreiben etc.] (standardsprl., auch süddt.): 1. anordnen, befehlen: Wer zahlt, schafft an! – Wer hat dir denn das angeschafft? 2. bestellen (in einem Gasthaus) image imagen|schåf|fer, der; -s, - (standardsprl., auch süddt.): jemand, der Arbeiten anordnet und beaufsichtigt, Vorarbeiter image imagen|schåf|fe|rei, die; -, -en (standardsprl., auch süddt.): unangenehmes Anschaffen.

imagen|schie|ben schob an, hat angeschoben [zu schieben; gesamtdt. mit der Bed.: ein Fahrzeug durch Schieben in Bewegung setzen] (umgangssprl.): 1. ein Verfahren durch Intervention beschleunigen; jemanden protegieren 2. sich beeilen 3. koitieren image jemandem eine anschieben (mundartl.): jemanden ohrfeigen: Roland Düringer in „Die Benzinbrüder“: „… und der Våter håt mir eine ångschoben – die hear i heit no scheppern …“ image imagen|schie|ber, der; -s, - (umgangssprl.): jemand, der seine guten Beziehungen ausnützt, um eine Person zu protegieren.

imagen|sitz, der; -es, -e [zu Sitz; gesamtdt. ist heute die Bed. der Jägerspr.] (standardsprl., westösterr.): großer, repräsentativer Wohnsitz.

imagen|tau|chen hat [zu mhd. diuhen, tiuhen, dūhen, douhen = drücken, schieben, eindrücken, niederdrücken; nicht verw. mit tauchen (= unter der Wasseroberfläche schwimmen), das auf mhd. tūchen zurückgeht] (standardsprl.): 1. anschieben: Tauch an, bis der Motor anspringt! 2. sich bes. anstrengen: Jetzt müssen wir alle antauchen! 3. ein Verfahren durch Intervention beschleunigen; jemanden protegieren: Er kriegt nur dann den Posten, wenn jemand antaucht.

imagen||nen hat (standardsprl., auch CH): andeuten.

imagen|wert, der; -s, kein Pl. (standardsprl., auch bair.): Wertschätzung, Geltung (oft negativ gebraucht): keinen Anwert haben (= nichts gelten).

per Adj. [zu ahd. ābar, eigtl.: nicht (Schnee) tragend] (standardsprl.; auch süddt., CH): ganz oder größtenteils schneefrei: apere Skipisten; die Hänge sind schon aper image pern hat: es apert (= es taut); die Skipisten apern image he|r|aus|apern, aus|apern: durch die Schneeschmelze zum Vorschein kommen: die Felsen apern heraus image per|schnal|zen, das; -s, kein Pl.: Volksbrauch des Winteraustreibens.

ap|pla|nie|ren [von franz. aplanir = ausgleichen, beheben, ebnen] hat (standardsprl.): einen Streit schlichten, ein Problem beseitigen, einen Fehler ausbügeln: Helmut Qualtinger in „Der Papa wird’s schon richten“: „… er applaniert mir jeglichen Fauxpas, mein Papa.“

Ap|prtel, das; -s, -n [franz. apport, eigtl.: das Herbeibringen, zu apporter; apportieren]: (umgangssprl.): Gegenstand, den ein Hund apportieren soll (z. B. ein Stück Holz): Bring ’s Apportel!

Aran|zi|ni Pl. [ital. arancini = kleine Orange, zu arancia = Orange; dieses zu arabisch nārandž] (Küchenspr.): überzuckerte oder mit Schokolade überzogene Orangenschalen.

imager|mutsch|kerl, År|mtsch|kerl, imager|mitsch|kerl, År|mtsch|kerl, das; -s, -n [zu Armut, mit tschech. Endung] (umgangssprl.): bedauernswertes Wesen: Georg Danzer in „Hupf in Gatsch“: „So an Armutschkerl wie dir schenk I kaan Schülling, / oder na, i gib da zwaa, du bist a Zwülling, / weil aaner allaan kånn doch ned so deppert sein …“

imagersch, der image imagersch-auf-der-Erd, der (mundartl., derb): kleiner Mensch image imagersch|kappl, das; -s, -n [verdeutlichende Verdoppelung, 2. Bestandteil von ital. chiappa = die Arschbacke; lautliche Angleichung an Kappl, zur Verdeutlichung wird die deutsche Übersetzung vorangestellt] (mundartl., derb): Arsch (als Schimpfwort) image imagersch|kap|pel|muster, das; -s, - (mundartl., derb): besonderer Arsch (eigtl.: das Muster von einem Arsch): „Du abgehobenes, pockennarbiges, fetthaariges Oaschkappelmuster: Ja, was bildest Du Dir eigentlich ein, so einen Mist (…) über all jene, die die FPÖ gewählt haben, öffentlich von Dir zu geben.?“ (Leserbrief an die Profil-Redaktion, abgedruckt im Leitartikel Christian Rainers, Profil Nr. 42, 18. 10. 2010) image imagersch|lings Adv. rückwärts, rücklings.

Aschn|ti, die; -, -(s) [die Ashanti sind eine der großen Ethnien Afrikas, und zwar im Süden Ghanas, wo Erdnüsse angebaut werden] (umgangssprl.): Arachis hypogaea, Erdnuss image Aschn|ti|nuss, die, -, …nüsse: Erdnuss.

auf|dre|hen hat [gesamtdt. sind heute die Bed.: durch Drehen einen Verschluss öffnen, das Radio lauter stellen etc.] (standardsprl., auch süddt.): 1. die Zimmerbeleuchtung einschalten 2. (umgangssprl.): zu schimpfen anfangen, aufbegehren, wütend werden.

auf|fa, auf|fe [eigtl. ein mundartl. aufher, wo standardsprl. herauf steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform aufher verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung zum Sprecher und aufwärts ist] (mundartl.): herauf: Bist du no’ drunten im Keller? Kumm gschwind auffa! image auf|fa|kräu(l)n (= heraufkräueln): heraufkriechen.

auf|fi, auf|fe [eigtl. ein mundartl. aufhin, wo standardsprl. hinauf steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform aufhin verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung vom Sprecher weg und aufwärts ist; oft wird zwischen auffi (= hinauf) und auffa (= herauf) nicht mehr unterschieden, auffe wird zur Einheitsform für beides] (mundartl.): hinauf: Schau, der Bua kraxelt auffi auf d’ Leita! image Warst ned auf|fi|gstiegn, warst ned imagebagflogn / imagebagfalln! Du bist selber Schuld! image des is auffe wia åbe (auffi wia åba): das ist einerlei image die Preise schnålzen auffi: die Preise gehen stark in die Höhe image ane auf|fi|kriagn (= eine hinaufkriegen): einen Schlag abbekommen.

auf|ko|chen hat [gesamtdt. sind heute die Bed.: etwas erhitzen, bis es kocht etc.] (standardsprl.) zu einem besonderen Anlass gut und in großer Menge kochen: zum Geburtstag der Oma groß aufkochen.

auf|le|gen hat jemandem eine auflegen (umgangssprl.): jemandem eine Ohrfeige geben: In „Gefühlsecht“ von Michael Niavarani und Viktor Gernot kritisiert letzterer die automatischen Wasserhähne in den Toiletten der Autobahnstationen: „Sollte der Erfinder des Lichtschrånkenwåsserspenders hier im Såål sein, bitte kommen Sie zu uns auf die Bühne – ich leg Ihnen eine auf! Nicht mit der flåchen Hånd, mit der Faust!“

auf|schmei|ßen schmiss auf, hat aufgeschmissen (umgangssprl.): bloßstellen, blamieren: er hat ihn aufgeschmissen.

auf|zah|len hat (standardsprl., auch süddt.): einen Mehrpreis zuzahlen.

Au|gen|gläser, die (Pl.): (standardsprl.): Brille: ich suche meine Augengläser (= meine Brille); diese Augengläser stehen dir gut (daneben wird Brille unter dem Einfluss von Augengläser auch als Mehrzahlwort mit Einzahlbed. verwendet: ich suche meine Brillen = eine ganz bestimmte Brille).

aus|fas|sen hat (umgangssprl.): bekommen: eine empfindliche Strafe ausfassen.

aus|ge|hen, sich ging sich aus, ist sich ausgegangen [gesamtdt. sind heute alle anderen Bed.: ein Lokal aufsuchen etc.] (standardsprl. nur in Ö, wird in D nicht verstanden): gerade ausreichen (z. B. das verfügbare Geld, die verfügbares Zeit): Dialog in „Komm süßer Tod“: Munz (Reinhard Nowak) ist Beifahrer von Gross (Bernd Michael Lade) in einem Rettungswagen; der Deutsche Gross fährt wie wild und Munz fordert ihn auf, langsamer zu fahren; Munz: „Es geht si sowieso nimma aus.“ Gross gibt noch mehr Gas; am Ende der abenteuerlichen Autofahrt meint er zu Munz: „Sag nie wieder zu einem Piefke: Es geht sich nicht aus!“

aus|grei|fen griff aus, hat ausgegriffen (mundartl., derb): 1. eine Frau im Genitalbereich plump betasten: Dialog in „Muttertag – Die härtere Komödie“: Der als Eisbär verkleidete Hausdetektiv Übleis (Herwig Seeböck) hat die Mutter (Andrea Händler) bei einem Ladendiebstahl erwischt und sagt: „Dårf ich Sie ausgreifen? Geståtten: Übleis, Hausdetektiv. Legen Sie åb!“ 2. im Petting den Genitalbereich stimulieren: Roland Düringer in „Die Benzinbrüder“: „I kånn jå ned hergehn und die Astrid frågen, ob sie mit mir a klaane Spritztour måchen mecht auf die Jubiläumswarten … Aber nåch ned amoi zwaa Minuten peinlichster Small Talk woa eh ålles vorbei. Weil die Astrid håt nur mehr gånz cool gfrågt, ob i mit ihr auffefåhrat auf die Jubiläumswarten, sie a bissl ausgreifat und dånn hambringat … – Du? Pfff … Ja … Pfff … Jaaaaa!“

aus|kom|men kam aus, ist ausgekommen [mhd. ūʒkomen, ahd. ūʒqueman, eigtl.: aus etwas herauskommen, bis zum Ende kommen, gesamtdt. sind heute die Bed.: mit dem Geld auskommen, mit einer Person auskommen] (umgangssprl.): entkommen, entfliehen, entwischen (z. B. ein Schwerverbrecher aus einem Gefängnis, ein Hamster aus einem Käfig etc.): Josef Hader in „Aufschneider“: Als er einen Patienten im Rollstuhl kurz alleine lässt, macht sich der Rollstuhl selbständig, rollt bergab in einen Saal, wo gerade eine Veranstaltung stattfindet, und kracht mit voller Wucht in die Podiumstische. Josef Hader kann dem Rollstuhl nur nachlaufen und sagt entschuldigend: „Guten Abend. Jetzt is’ ea ma auskumman.“ image es ist ihm einer ausgekommen: er hat eine Darmblähung entweichen lassen.

aus|ras|ten, sich hat; reflexiv [ausrasten mit der Bed. die Nerven verlieren ist gesamtdt.] (standardsprl., auch süddt.): sich ausruhen: keine Zeit zum Ausrasten haben; sich hin und wieder ausrasten.

aus|rich|ten hat [gesamtdt. ist heute die Bed.: im Auftrag eines anderen etwas mitteilen oder bestellen; etwas erreichen; in eine bestimmte Richtung bringen etc.] (standardsprl., auch bair.): jemanden schlecht machen: Der Hausmeister soll nicht immer die Hausparteien ausrichten!

außa, auße [eigtl. ein mundartl. ausher, wo standardsprl. heraus steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform ausher verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung zum Sprecher hin und von innen nach außen ist; oft wird zwischen außa (= heraus) und außi (= hinaus) nicht mehr unterschieden, auße wird zur Einheitsform für beides] (mundartl.): heraus: Kumm außa! – Schnitzeln aus’m Schmålz außabåchen (= herausbacken) – außarucken (= herausrücken).

äu|ßerln nur Infinitiv [zu außen, das früher auch draußen bedeutet hat] (umgangssprl.): einen Hund nach draußen führen, damit er dort seine Notdurft verrichtet: Er geht / führt den Hund äußerln. Ich geh jetzt mit meinem Hund äußerln. Warst du schon mit dem Hund äußerln?

au|ßer|tour|lich Adj. (standardsprl.): außerhalb des normalen Verlaufs, zusätzlich eingesetzt, extra: eine außertourliche Vorstellung.

außi, auße [eigtl. ein mundartl. aushin, wo standardsprl. hinaus steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform aushin verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung vom Sprecher weg und von innen nach außen ist; oft wird zwischen außi (= hinaus) und außa (= heraus) nicht mehr unterschieden, auße wird zur Einheitsform für beides] (mundartl.): hinaus: außihaun (= hinauswerfen); außistampern (= hinausjagen).

aus|stän|dig Adj. (standardsprl., auch süddt.): noch ausstehend, fehlend.

aus|ste|cken hat [gesamtdt. ist heute die Bed.: eine Skipiste, eine Langlaufloipe etc. mit kleinen Fahnen markieren] (standardsprl.): einen Föhrenbuschen oder einen Kranz aus Nadelreisig über die Eingangstür des Heurigen hängen, zum Zeichen, dass geöffnet ist: Der Heurige hat wieder ausgesteckt! image es ist ausgesteckt (umgangssprl.): der Heurige hat geöffnet: Montag heißt es wieder: „Ausg’steckt is’!“

Aus|wärts, der; –, kein Pl., Aus|wart, der; -s, kein Pl. [das Jahr geht auswärts, dem Sommer zu] (mundartl.): Winterende, Frühling (Gegenstück zu Einwärts).

Auto|metz|ker, der; -s, - [nach dem Betreiber einer Autoverwertung mit dem Namen Metzger (mit g!), südl. von Wien; in der Schreibung an Metzker (= Fleischhauer) angeglichen] (umgangssprl., ostösterr.): Autoverwertung: Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger lesen in „Travnicek hat Vorrang“ Zeitungsinserate: „‚Direktionswågen. Pråchtstück. Gut erhålten. 12.000 Schilling.‘“ – „So a Wågen kummt ma vor wie die Stråßenbåhn: fürs technische Museum is’ er z’ jung, für’n Verkehr is’ er z’ ålt, für’n Betrieb is’ er zu g’fährlich und zum Wegschmeißen is’ er zu groß.“ – „Då! ‚Notverkauf. Preiswert.‘“ – „Notverkauf – dås kommt ma immer vor wie a Notschlåchtung. Natürlich Autometzker …“ image das Auto ist reif für den Autometzker: das Auto ist schrottreif.

B

Wörter, die nicht unter B zu finden sind, könnten unter P stehen.

ba|ba, ba|bat|schi Grußwort [urspr. Lallwort der Kindersprache] (umgangssprl.): Abschiedsgruß gegenüber Kindern oder Freunden image Baba und fall net! Baba und lebe wohl! Wolfgang Ambros in „Baba – und foi ned“: „Baba und foi ned und kumm guat z’haus / låss ålle scheen griaßen und måch da nix draus. / Baba und foi ned, wir håm a Chance vergebn, / a Nåcht umsonst auf’bliebn, åba so is des Leben.“