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Barbara Motter & Barbara Grabherr-Schneider

Orte – Fabriken – Geschichten

188 historische Industriebauten in Vorarlberg

Mit Fotografien von Friedrich Böhringer

Herausgegeben vom Wirtschaftsarchiv Vorarlberg

 

 

 

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7099-3575-0

Umschlag- und Buchgestaltung, Satz, Karten: motterdesign, Hard / Wien

Diesen Band erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.haymonverlag.at.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Bregenz

Lochau – Tannenbach

Hörbranz

Kennelbach

Bregenzerwald

Schwarzach

Wolfurt

Lauterach

Hard

Fußach

Höchst

Lustenau

Dornbirn

Hohenems

Altach

Götzis

Klaus – Weiler – Sulz – Röthis

Rankweil

Feldkirch

Frastanz

Satteins-Schlins

Thüringen – Bludesch-Gais

Nenzing

Bludenz – Bürs – Nüziders

Montafon

Fußnoten

Literatur- und Quellenverzeichnis

Bildnachweis

Danksagung

Sponsoren

Vorwort

DAS VORARLBERGER WIRTSCHAFTSARCHIV als Herausgeber freut sich in besonderem Maße über das vorliegende Buch, denn wie kaum ein anderes macht es Lust auf unsere Geschichte, macht diese im wahrsten Sinne des Wortes begreif- und beschaubar.

Unser oberstes Ziel als Wirtschaftsarchiv ist nicht nur das wirtschaftliche und kulturelle Erbe zu erhalten, sondern vor allem auch, es der Bevölkerung zu vermitteln und ihr damit ihre eigenen Wurzeln bewusst zu machen. Denn nur im Wissen um diese können wir Zukunft richtig einschätzen und somit erfolgversprechend gestalten. Geschichte ist kein – wiewohl interessanter – Selbstzweck, sondern sie prägt unser Selbstverständnis und soll nicht zuletzt helfen, aus der Vergangenheit zu lernen und die Zukunft mit Selbstvertrauen in Angriff zu nehmen.

Unsere tägliche Arbeit im Archiv, bei der es um die notwendige Erhaltung und Archivierung der historisch wertvollen Quellen geht, ist nicht besonders öffentlichkeitswirksam. Dennoch werden damit die Grundlagen geschaffen, mit überprüftem und wissenschaftlichen Kriterien standhaltendem Wissen an die Öffentlichkeit zu gelangen. Und genau dieses ist der wichtigste Zweck unseres Archivs.

Das vorliegende Buch leistet die Vermittlung kultur- und wirtschaftshistorischer Inhalte an die Gesellschaft in herausragender Weise. Es zeigt uns in vielen Beispielen raum- und objektbezogene Kulturgeschichte und macht diese damit wieder lebendig, macht sie wieder zum Thema in der Bevölkerung und bei jedem einzelnen, der das Buch liest und es als Anleitung zu Entdeckungsreisen benützt.

Die Anschaulichkeit der gezeigten Beispiele vermag wesentlich breitere Bevölkerungsschichten für historische Themen zu interessieren, bis hin zu Kindern und Jugendlichen, denen die baulichen Objekte in ihren Gemeinden auch zu Zeugen werden, die sie ansprechen und die ihr Selbstverständnis, ihre Selbstverortung mitentwickeln helfen.

Wir danken den beiden Autorinnen für die große und engagierte Arbeit und gratulieren ihnen zum überzeugenden Ergebnis. Den Lesern und Benützern des Buches wünschen wir spannende Entdeckungen, sowohl im örtlichen wie auch im geistigen Sinne.

 

DDr. Arno Fitz

Präsident des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg

Einleitung

WOLFGANG RITSCH UND CARMEN STADELMANN verwenden den Begriff „raumbezogene Kulturgeschichte“ für ihre Untersuchung über die räumliche Entwicklung des Vorarlberger Rheintals in den vergangenen 100 Jahren. In ihrer Liste der raumwirksamen Ereignisse führen sie auch die Textilindustrie der Gründerzeit an. Wir möchten den Begriff gerne aufgreifen und erweitern: Die raumbezogene Kulturgeschichte Vorarlbergs in den letzten 200 Jahren war maßgeblich durch die Industrialisierung geprägt. Damit sind nicht nur die Fabriken und ihre Areale gemeint, sondern der Wohnbau und die Siedlungsentwicklung generell sowie der Ausbau der gesamten Infrastruktur, wie Straßen, Bahnlinien, Energieversorgung und Wasserbau.

Dieser Führer soll den Spurenlesern bei einer ersten Orientierung in der historischen Industriekulturlandschaft Vorarlberg helfen. Er erschließt natürlich bei weitem nicht die gesamte Wirtschaftsgeschichte des Landes, unternimmt jedoch den Versuch, einige Schauplätze dieser Geschichte zu verorten. In den letzten 40 Jahren wurde die Industriegeschichte Vorarlbergs in zahlreichen Grundlagenwerken und Einzeldarstellungen bearbeitet. Das Thema hat sich zu einem Schwerpunkt der regionalen Forschungstätigkeit entwickelt.

Das vorliegende Buch soll nun einen Teil der bisherigen Forschungsergebnisse in kompakter Form dem Spaziergänger zugänglich machen und ihn bei den nächstliegenden Fragen begleiten: Wo war die Fabrik? Warum befindet sich die Fabrik gerade an diesem Standort? Was wurde hier produziert? Wie viele Menschen haben hier gearbeitet? Wo haben sie gewohnt? …

Die meisten historischen Entwicklungen und Ereignisse finden ihren Ausdruck in der Raumentwicklung – die Industrialisierung ist ein extremes Beispiel dafür. Und doch: Kommt man heute nach Vorarlberg und möchte man wissen, was es mit der ehemals am stärksten industrialisierten Region Österreichs – dem sogenannten österreichischen Manchester – auf sich hatte, muss man sich gezielt auf die Suche nach den Spuren der Industrialisierung begeben und die räumlichen Zusammenhänge sehr aufmerksam „lesen“, um die Strukturen dieser historischen Industrielandschaft überhaupt zu erkennen. Das hat mit der besonderen Ausformung einer ländlichen Industrielandschaft zu tun, wie sie für den Bodenseeraum und die benachbarte Ostschweiz insgesamt typisch ist.

Wichtig war uns das Sichtbarmachen der ungeheuren Dichte und Nachhaltigkeit der Industrialisierung in den betroffenen Ortschaften. Auch wenn in Vorarlberg kein „manchesterartiger Industriemoloch“ existierte und von den Unternehmern bewusst nicht gewünscht wurde, war die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert nicht weniger raumgreifend.

Da die „fabriksmäßigen“ Unternehmen seit Beginn der Industrialisierung so zahlreich waren und wir keine Dokumentation, sondern einen Führer zu interessanten Schauplätzen vorlegen wollten, mussten wir bei den vorgestellten Beispielen eine Auswahl treffen, aber auch die Detailliertheit der Beschreibungen selbst beschränken.

Wie schon Detlef Stender in seinem Führer „Industriekultur rund um den Bodensee“ einleitend anmerkte: „Die einzig ‚wahre‘ und richtige Auswahl, Darstellung und Interpretation gibt es ohnehin nicht.“ Man wird Texten zu diesem Thema immer anmerken, ob sie ein Sozialhistoriker, ein Kunsthistoriker oder ein Architekt verfasst hat. Wie eine Landschaft beschrieben und verstanden wird, hängt vom Betrachter ab.

Grundsätzlich konzentrieren sich die Beispiele im vorliegenden Buch immer auf eine Fabrik oder ein Fabriksareal. Unser zeitlicher Untersuchungsrahmen reicht vom Beginn der Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1945, was allerdings nicht heißen soll, dass die nachfolgende Bautätigkeit unbedeutend sei. Im Gegenteil, die etlichen kleineren, kaum wahrgenommenen Bauwerke des Wirtschaftsaufschwungs der 1950er-Jahre und die großen Erweiterungen der Unternehmensstandorte in den Jahren von 1960 bis 1980 sind genauso interessante Zeugen der Wirtschaftsgeschichte. Die Adaptierungen und Nachnutzungen historischer Industrieanlagen und die neuen Industriebauten der letzten Jahre gelten inzwischen ohnehin unumstritten als wichtige Eckpfeiler der regionalen zeitgenössischen Baukultur.

Wir stellen jene Fabriken vor, bei denen heute noch eine nennenswerte historische Bausubstanz vorhanden ist, unabhängig davon, ob diese nach kunsthistorischen Gesichtspunkten wertvoll ist oder nicht. Bei der Arbeit zum Führer wurde uns jedoch bald klar, dass wir in manchen Fällen auch „verschwundene“ Fabriken beschreiben mussten, weil ansonsten die Industriegeschichte eines Dorfes nicht nachvollziehbar gewesen wäre.

In den Fabriksporträts selbst werden auch jene Gebäude erwähnt, die in Beziehung zu dem vorgestellten Objekt standen, wie zum Beispiel Arbeiterwohnhäuser. Wir nennen diese Gebäude Bezugsbauten. Sie wurden auch auf den Ortsplänen verortet, die wir zu jeder Gemeinde erstellt haben. Damit soll nicht allein der historische Industriebetrieb, sondern sein ehemaliges bauliches „Netzwerk“ gezeigt werden.

Bei der Recherche zu den Bezugsbauten wurde uns zudem bewusst, dass wir auch hier eine Auswahl vornehmen mussten. In manchen Gemeinden wäre der Ortsplan nicht mehr lesbar, wenn wir alle jemals vorhandenen Arbeiterwohnungen eingezeichnet hätten.

In den Einleitungen zur jeweiligen Gemeinde schien es uns außerdem wichtig, einzelne Betriebe zu erwähnen und zu verorten, die sich nicht unbedingt für ein Porträt eigneten, aber eine Bedeutung für die lokale Wirtschaftsgeschichte hatten, bzw. wollten wir auf die Dichte der Betriebe hinweisen.

Noch ein weiterer Hinweis zur Auswahl: Im vorliegenden Buch werden zum ersten Mal die großen fabriksartigen Gebäude der Stickereiindustrie besprochen. Lustenau war und ist das Zentrum der Vorarlberger Stickereibranche, daher wurde dort bei der Auswahl der Beispiele ein Schwerpunkt gesetzt, der exemplarisch für andere Gemeinden stehen soll. Größere Stickfabriken gab und gibt es natürlich genauso in Götzis, Altach, Hohenems, Rankweil und Höchst.

Bei den Beschreibungen der Objekte war uns eine kurze Darstellung der gesamten historischen Entwicklung der Standorte bis 1945 wichtig. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Quellenlage unterscheiden sich diese Beschreibungen allerdings in ihrem Detaillierungsgrad. Auch die Bauaktivitäten der Unternehmen an Standorten außerhalb Vorarlbergs wurden nicht immer erwähnt.

Wir waren überrascht, wie unterschiedlich die einzelnen Fabriken im Laufe ihrer Geschichte genutzt wurden. Darin spiegelt sich die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes wider – Hochkonjunkturphasen, Naturkatastrophen und Stagnationszeiten. Auch die düsteren Jahre der beiden Weltkriege hinterließen ihre baulichen Spuren, wie die Umnutzung der Fabriken zu Rüstungsbetrieben, Kriegsgefangenen- oder Zwangsarbeiterlagern. Zu jedem Bauabschnitt einer Fabrik stellen sich somit sehr viele, zum Teil noch völlig unerforschte Fragen. Allen nachzugehen, hätte den Rahmen der vorliegenden Arbeit gesprengt.

Abschließend möchten wir noch anmerken, dass wir eine Bewertung der besprochenen Fabriken und Anlagen hinsichtlich ihrer „Sehenswürdigkeit“ bewusst unterlassen haben, da wir es dem Interessensschwerpunkt der Spaziergänger und Spaziergängerinnen überlassen wollen, welche Orte für sie besonders wertvoll sind.

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Färberei und Druckerei Jenny in Hard, um 1890

Industrialisierung Vorarlbergs bis 1945

Vom Ende des 16. Jahrhunderts an zwang das Bevölkerungswachstum einen Teil der Vorarlberger Bevölkerung, ein zusätzliches Einkommen zu lukrieren, da die heimische Landwirtschaft nicht mehr zur Grundversorgung ausreichte – bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war die gesamte Region ein armes Agrarland. Neben der Abwanderung als Saisonarbeiter gab es noch eine zweite Form des bäuerlichen Nebenerwerbs: die textile Heimarbeit. Die Bodenseeregion war seit dem Mittelalter für ihre Leinenerzeugung bekannt. Die Schweiz entwickelte sich vom 18. Jahrhundert an nach England zur führenden Industrieregion Europas. 1 Diese beiden Faktoren, das vorhandene Know-how im Bereich Heimspinnerei, -stickerei und -weberei sowie die Nachbarschaft zu einer aufstrebenden Industrienation, führten dazu, dass in Vorarlberg ab dem späten 18. Jahrhundert ebenfalls die Industrialisierung einsetzte. Das billige Arbeitskräftereservoir der ländlichen Schweiz war erschöpft, Vorarlberg bot sich als neues industrielles Hinterland an. Schweizer Textilfabrikanten führten die Baumwollverarbeitung über sogenannte Verleger ein. Diese verteilten die Rohstoffe aus den großen Handelshäusern zu den ihnen verpflichteten Heimproduzenten und brachten sie nach der Bearbeitung wieder zurück. In einem nächsten Schritt begannen diese Mittelsmänner selbstständig Baumwolle einzukaufen und versuchten, die Stoffe und Garne nach der Verarbeitung an wichtigen Handelsplätzen der Donaumonarchie zu verkaufen. Ende des 18. Jahrhunderts kam es schließlich auch in Vorarlberg zu ersten Textilmanufakturgründungen. Der Großteil dieser frühindustriellen Unternehmen, teilweise durch Ausländer gegründet, hatte nicht lange Bestand. Der eigentliche Beginn der Industrialisierung, die erste große Gründerzeit, wird nach den napoleonischen Kriegen und der bayrischen Herrschaft angesetzt, sie dauerte von ungefähr 1820 bis 1848.

Erste Fabriken wurden um 1820 errichtet. Die Unternehmer versuchten damals, die für die Textilverarbeitung geeignetsten Standorte im Land zu besetzen. Die Fabriksgründungen kamen vielfach nur mit Hilfe von ausländischem Kapital und Know-how zustande. Dominierende Industriezweige des frühen 19. Jahrhunderts waren die Baumwollspinnerei sowie die Färberei und Druckerei.

Die Spinnerei wurde durch die aus England und der Schweiz kommenden technischen Erfindungen mechanisiert und damit begann die moderne Massenproduktion. Um 1843 existierten bereits 15 große Baumwollspinnereien in Vorarlberg.2 Der Walgau und Feldkirch sowie Dornbirn, Hard und Kennelbach waren die ersten Industriezentren.

Die frühe Verbreitung der Textilfärberei und -druckerei war auch eine Folge der strengen Schutzzollpolitik der Monarchie, die die Ausfuhr von Rohmaterial zur Veredelung erschwerte. Um 1843 gab es insgesamt neun Baumwolldruckereien im Land.3 Vorarlberg entwickelte sich sogar zu einem europäischen Zentrum der Rotfärberei.4

Um 1830 wurden auch die ersten mechanischen Webstühle entwickelt bzw. importiert.5 Die Maschinen waren allerdings noch nicht sehr ausgereift, auch konnten sie in den ersten Jahrzehnten nur Weißware und keine bunten Stoffe herstellen. Die Heimweberei existierte daher parallel zu den Fabriken weiter und wurde erst Ende des Jahrhunderts von der Maschinenweberei verdrängt.

In der ersten Industrialisierungsphase waren die Vorarlberger Unternehmen als Lieferanten und Abnehmer aufeinander angewiesen. Teilweise fand eine rege Zusammenarbeit statt. Erst mit der Expansion wurden die Unternehmen mehrstufig, verschiedene Produktionsschritte vom Garnspinnen, Weben, Veredeln bis zum Konfektionieren wurden im eigenen Haus durchgeführt. Sogar der Baumwollhandel wurde von manchen Unternehmen selbst in die Hand genommen. Sie gründeten Handelsniederlassungen in den USA, Nordafrika oder Indien.

Auch die Krisen der Baumwollindustrie, wie das Revolutionsjahr 1848 und der Amerikanische Bürgerkrieg 1861–1865, durch den die Baumwolllieferungen ausblieben und der die Preise des Rohstoffs um 300 % ansteigen ließ, konnten die Gesamtentwicklung Vorarlbergs zu einer der bedeutendsten Industrieregionen der Monarchie nicht dauerhaft bremsen. Einen Einschnitt, aber kein Ende bedeutete auch der Verlust der Lombardei und Venetiens an Italien. Die oberitalienischen Regionen hatten sich im österreichischen Zollverband befunden und waren für die Vorarlberger Textilindustrie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der wichtigste Absatzmarkt gewesen. Den Unternehmen gelang es aber, erfolgreich auf andere Märkte der Monarchie auszuweichen. Ungarn und die Balkanländer wurden zum neuen Exportziel.

In der ersten Industrialisierungsphase konnten von den Vorarlberger Unternehmern sehr große Gewinne erzielt werden, dies war auch ein Grund dafür, dass die Textilindustrie die verschiedenen späteren Krisen überlebte. Neben politischen Krisen waren die frühen Fabriken aber auch häufig Naturgewalten ausgesetzt. Brände waren in baumwollverarbeitenden Fabriken keine Seltenheit. Durch regelmäßig wiederkehrende Hochwasserkatastrophen wurden immer wieder Betriebsanlagen zerstört und mussten völlig neu aufgebaut werden.

Was Krisenzeiten regelmäßig mit sich brachten, waren große Arbeitslosigkeit und Elend in den Industriedörfern. Nach dem Konjunktureinbruch durch den Börsenkrach 1873 kehrten zum Beispiel zahlreiche Menschen wieder zurück in die Landwirtschaft. In manchen Ortschaften kam es in schlechten Zeiten zu regelrechten Auswanderungswellen nach Übersee. Auch der Niedergang der Heimindustrie durch die Mechanisierung Ende des 19. Jahrhunderts veranlasste zahlreiche Betroffene zur Emigration.

Zwischen 1880 und 1899 spricht man von einer zweiten Gründungswelle.6 Die seit 1878 in der österreichisch-ungarischen Monarchie existierende Schutzzollpolitik bewegte deutsche und Schweizer Betriebe dazu, grenznahe Niederlassungen in Vorarlberg zu gründen. Durch die verkehrsmäßige Erschließung ab den 1870er-Jahren war der Standort Vorarlberg noch attraktiver geworden. Die Fertigstellung der Bodenseebahn oder Vorarlberg-Bahn von Lindau nach Bludenz im Jahr 1872 und die Eröffnung der Arlbergbahn 1884 machten den 60-Millionen-Menschen-Markt der Monarchie leichter zugänglich als bisher.

In dieser Gründerzeit entstanden nicht nur neue Textilbetriebe, sondern auch Nahrungsmittelfabriken, Uhren- und Lederindustrien, metallverarbeitende Betriebe, aber auch Zulieferbetriebe, die Maschinenteile, Holz- oder Papierspulen, Packseile und Verpackungsmaterial produzierten, sowie Chemiebetriebe, die die Rohstoffe für Färbereien lieferten. Ende des 19. Jahrhunderts kam es auch zum verstärkten Ausbau der bereits bestehenden Industriebetriebe. Sie expandierten nicht nur im eigenen Land, sondern auch in andere Regionen der Monarchie und unterhielten Handelsniederlassungen in den Metropolen.

Nach der Baumwollindustrie erlebten die Stickerei sowie die Wirk- und Strickwarenindustrie ab ungefähr 1880 bis zum Ersten Weltkrieg einen Boom. Die Handstickerei war schon seit dem 18. Jahrhundert im Rheintal und im Bregenzerwald weit verbreitet gewesen. Die Hausindustrie war über sogenannte Fergger organisiert, die die Ware brachten und abholten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Handstickmaschinen eingeführt. Danach kam es zu einer raschen technischen Entwicklung. Dieser Zweig der Textilindustrie blieb, sofern er in einer Gemeinde bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts überlebte, vielfach eine Heimindustrie, in der eine oder mehrere Familien mit wenigen Maschinen arbeiteten. In den Stickereihochburgen Lustenau, Hohenems, Altach, Götzis, Rankweil und Höchst entstanden aber auch einige Kleinfabriken. In den 1880er-Jahren war dieser Industriezweig in Vorarlberg, gemessen an der Zahl der Beschäftigten, bedeutender als die Baumwollverarbeitung. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Vorarlberger Stickerei schließlich auch von der Schweizer Industrie unabhängiger.

Der Erste Weltkrieg brachte die Textilindustrie für kurze Zeit ganz zum Erliegen, weil Europa von den Baumwolllieferanten in Übersee abgeschnitten war. Die wirtschaftlich und politisch instabile Zwischenkriegszeit spürten vor allem die Belegschaften der Unternehmen, die in der Weltwirtschaftskrise oft stark reduziert wurden. Eine Gegenstrategie einiger Unternehmen bestand in der verstärkten Modernisierung des Maschinenparks.7

Der Zweite Weltkrieg brachte im Gegensatz zum Ersten anfangs durch die kriegswirtschaftlichen Aufträge und den neuen riesigen Binnenmarkt des Dritten Reichs einen Aufschwung im gesamten Textilsektor. Vor allem die großen Firmen profitierten. Der Krieg brachte für die meisten Fabriksstandorte in Vorarlberg noch eine andere Veränderung mit sich: Zahlreiche deutsche Rüstungsunternehmen wurden freiwillig oder zwangsweise in den Fabrikshallen untergebracht. Es muss davon ausgegangen werden, dass fast jeder größere Industriebetrieb im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen beschäftigte, diese wurden entweder unter Aufsicht des Unternehmens am Fabriksgelände untergebracht oder in zentralen Lagern.

Geprägt war die gesamte Industrialisierung Vorarlbergs bis 1945, wie überall in Europa, durch einen ungeheuer raschen technologischen Wandel, die Unternehmer mussten laufend modernisieren und jede Generation fand sich in einer anderen Produktionssituation wieder. In der Spinnerei war zum Beispiel 1842 für die Erzeugung der gleichen Menge Baumwollgarn noch mehr als dreimal so viel Arbeitskraft notwendig wie 1912.8 Durch die Industrialisierung bekam das Land eine moderne Infrastruktur, aber auch eine neue Sozialstruktur – Vorarlberg wurde zum Einwanderungsland, was die Gesellschaft bis heute nachhaltig geprägt hat.

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Der Unternehmer Albert Getzner (Mitte) im Maschinenhaus des Mengbachwerkes in Nenzing, 1909

Akteure der Industrialisierung

Steht man vor einer historischen Industrieanlage, stellt sich unwillkürlich auch immer die Frage nach den Akteuren: Wer hat die Fabrik errichten lassen? Wer hat in der Fabrik gearbeitet?

Die Fabriksgründer der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammten aus dem Ausland genauso wie aus Vorarlberg. Insgesamt konnte der Historiker Hubert Weitensfelder in seiner Forschung zur Industrialisierung zwischen 1812 und 1870 83 Unternehmer erfassen. Die ausländischen Unternehmer waren eine wichtige Gruppe, sie brachten das notwendige Kapital und Erfahrungen ins Land.9 Die ersten Vorarlberger Gründer waren ursprünglich entweder Textilhändler, einzelne auch Fergger oder Verleger und in selteneren Fällen Handwerker. Die meisten erlernten ihre Fertigkeiten in kleinen regionalen Betrieben. Für die Kinder der ersten Generation von Industriepionieren war es mehr oder weniger schon Standard, ihr „Handwerk“ bei Schweizer, französischen oder englischen Textilbetrieben oder Maschinenbauunternehmen zu erlernen, wie zum Beispiel Hans Caspar Escher in Zürich oder Johann Jakob Rieter in Winterthur. 10

Der Großteil der Unternehmen waren Familienbetriebe, in denen die Mitglieder persönlich mit ihrem Vermögen hafteten. Die aus Vorarlberg stammenden späteren Großunternehmer waren vielfach „Selfmademen“, die es durch Unternehmergeist, aber auch durch finanziell und gesellschaftlich vorteilhafte Heiraten innerhalb einer Generation aus kleinen Verhältnissen zum Industriellen gebracht hatten. Eine weitere Besonderheit war die Kontinuität in vielen Vorarlberger Unternehmerfamilien – sehr oft fanden sich in jeder neuen Generation wieder geeignete Nachfolger mit kaufmännischen oder technischen Talenten, die mit stetem Modernisierungswillen ihre Unternehmen vorantrieben. Diese Dynamik prägt die Vorarlberger Wirtschaft bis heute.

Vorarlberg war im 19. Jahrhundert in gewisser Weise ein „Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Kleinformat“11. Die Gesellschaft war gegenüber Aufstiegswilligen eindeutig durchlässiger als andere feudal geprägte Regionen der k.u.k. Monarchie.

Als neue, selbstbewusste gesellschaftliche Gruppe beanspruchten die Unternehmer vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Mitspracherecht in der Gemeinde- und Kulturpolitik, sie stellten oft Bürgermeister, Gemeinderäte oder Landeshauptmänner, hatten hohe Ehrenämter inne, nahmen zusehends Einfluss auf die öffentliche Meinung und schufen sich auch eigene Organisationen und Interessenvertretungen. Die liberale Wirtschaftspolitik nach 1850 führte auf Initiative Carl Ganahls, eines der führenden Industriellen, im Jahr 1850 zur Gründung einer Handels- und Gewerbekammer in Feldkirch.

Die ersten ausländischen Fabrikanten des 19. Jahrhunderts brachten für den Aufbau der Industrie Fachkräfte mit nach Vorarlberg. Das Textildruckerhandwerk wurde zum Beispiel aus dem Ausland importiert. Diese Facharbeiter hatten auch bis Ende des Jahrhunderts meist die leitenden Positionen innerhalb der Fabrik inne. Da es in Vorarlberg lange keine Fachausbildung für Textilberufe gab, war es für ungelernte Arbeiter schwierig, in diese Positionen aufzurücken.12 Im Sozialgefüge der Industriedörfer waren die qualifizierten Fremdarbeiter aber meist Fremdkörper, die häufig aus der Schweiz stammenden Arbeiter waren fast immer Protestanten und wurden schon allein aus diesem Grund von den Einheimischen mit Skepsis betrachtet.

Die ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen der ersten Fabriken kamen aus der unmittelbaren Umgebung. Auch wenn die Fabriken Arbeitsplätze in die Heimat brachten, war die neue Arbeit nicht sehr angesehen. Frauen stellten in der Textilindustrie, vor allem im Bereich Spinnerei und Weberei, bis ins 20. Jahrhundert die weitaus größte Gruppe. Kinderarbeit war bis zu den ersten behördlichen Einschränkungen um 1885 ebenfalls Standard. Männer ließen sich insgesamt schwerer in den Produktionsprozess eingliedern, sie wollten sich nur ungern einer Fabriksordnung unterwerfen und sich die Arbeitszeit diktieren lassen. So mancher Arbeitssuchende zog es vor, weiterhin als Saisonarbeiter auf Wanderschaft zu gehen. Das war meist auch einträglicher als der karge Fabrikslohn. Dieser war Ende des 19. Jahrhunderts durchschnittlich noch so niedrig, dass nichts angespart oder gar Grund und Boden gekauft werden konnte.13

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Die Geschwister Längle mit Belegschaft in den Anfangsjahren ihres Stickereiunternehmens, 1902

Die Arbeitskräfte aus der unmittelbaren Umgebung stammten vorwiegend aus der ländlichen Unterschicht. Sie hatten aufgrund der in Vorarlberg üblichen Realteilung meist Grundbesitz, der allerdings als einzige Lebensgrundlage zu gering war. Umgekehrt bedeutete der Besitz eine Sicherheit für Notzeiten und eine Verankerung in der dörflichen Gemeinschaft. Diese ortsansässigen Arbeiter betrieben eine „gemischte Ökonomie“, sie waren nie nur als Fabriksarbeiter oder Saisonarbeiter oder nur in der Hausindustrie tätig.14 Jedoch gab es auch eine Binnenmigration mit starkem Zuzug aus den Seitentälern in die Haupttäler Walgau und Rheintal.

Ein Charakteristikum der Vorarlberger Industriegeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Einwanderung von zahlreichen auswärtigen Arbeitskräften nach Vorarlberg. Der Industriesektor hatte eine Größe erreicht, bei der die Produktion durch heimische Arbeitskräfte nicht mehr abgedeckt werden konnte. Auch war die Aussicht auf zum Teil noch billigere Arbeitskräfte aus anderen Teilen der Monarchie interessant. Etliche Unternehmen begannen im Trentino, das damals zur österreichischungarischen Monarchie gehörte, intensiv Arbeitskräfte zu werben.

Diese „Italiener“ brachten neue Verhaltensweisen, eine andere Sprache, andere Lebensformen, aber auch Armut und Not mit. Sie stammten zwar auch aus einem ländlichen Gebiet, unterschieden sich aber trotzdem vom typischen kleinbäuerlich geprägten Vorarlberger Industriearbeiter. Den Einheimischen erschienen die äußerst anspruchslosen Menschen in ihrer Armut als roh und kulturlos.15 Sie lebten nach ihrer Ankunft oft erst einmal zusammengepfercht in alten Häusern im Dorf, nach dem Bau von Arbeiterhäusern in den kleinen, dennoch in sich abgeschlossenen Arbeitersiedlungen oder speziellen Wohnblocks. „Polentavilla“, „Polentagass“ oder „Borgoland“ waren Bezeichnungen, die die Wohnbereiche der Einwanderer in der Umgangssprache markierten.

Unabhängig von der Herkunft hatten alle Arbeiter eines gemeinsam: „Sie [waren] gleichsam als Klasse im Übergang einem schmerzhaften und nötigenden Verwandlungsprozess in vielen Lernschritten unterworfen, der sie aus ihren agrarisch geprägten Sozial-, Werte- und Rechtssystemen in die neuen Normen, Verfahren und Weltanschauungen einer industrialisierten Welt [überführte].“16

1902 war in Vorarlberg der Anteil der in der Industrie tätigen Personen verglichen mit anderen Ländern der Monarchie am höchsten.17 Das Bevölkerungswachstum im Ballungsraum Rheintal und im Walgau war durch die Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenfalls überproportional.18

Betriebsansiedlung im 19. Jahrhundert

Wasserkraft war für die Unternehmer am Beginn der Industrialisierung immer das Hauptkriterium der Standortwahl. Bevor sie sich für einen Ort entschieden, wurde die Wassersituation geprüft. Genauso wie heute gab es zum Teil eine Art Standortscouts, die die Unternehmer berieten. Rund um die Gründung der meisten Fabriken wird von vorangehenden Prüfungen berichtet. Am Beginn des 19. Jahrhunderts war ein „rundes Dutzend“ optimaler Betriebsstandorte im Land vorhanden, bei denen es nur eine Frage der Zeit war, dass sie von den aufsteigenden Industrieunternehmen entdeckt wurden.19

Die vorhandene Wasserkraft war aber nutzlos, wenn nicht auch die Wasserrechte dafür erworben werden konnten. Daher waren Unternehmer auch besonders an bereits vorhandenen Gewerbeanlagen interessiert, bei denen die Wassernutzung im Kaufpreis inkludiert war.

In manchen Gemeinden entbrannten jahrelange Konflikte um das Thema. Mit den Wasserrechten waren stets auch Verpflichtungen gegenüber der Kommune verbunden, wie der Bau einer Trinkwasserleitung oder die Teilnahme an den Hochwasserverbauungen. Die Gemeindevertreter achteten sehr genau darauf, dass die Unternehmer diese Pflichten erfüllten.

Die frühindustrielle Aufsplittung eines Unternehmens auf verschiedene Standorte innerhalb einer Gemeinde hing nicht nur mit der Geschäftsentwicklung der Unternehmen zusammen, sondern auch mit der optimalen, mehrfachen Ausnutzung eines Wasserlaufs. Erst mit dem verstärkten Einsatz von effizienten Turbinen statt Wasserrädern und von Dampfmaschinen wurden die Unternehmen unabhängiger von den Bächen.

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Weberei Jenny in Lauterach Lerchenau, um 1900

Der Aufbau einer Verkehrsinfrastruktur ist untrennbar mit der Industrialisierung verbunden. Die Straßenbauten, Brückenanlagen, Tunnel, Bahnanlagen und Bahnhöfe können genauso zu den Bauten des Industriezeitalters gezählt werden wie die Fabriken.

Schon bei den ersten Industrieansiedlungen spielte die verkehrsmäßige Anbindung an die Transitrouten durch das Rheintal und über die Alpenpässe eine wichtige Rolle. Umgekehrt wurden, vielfach als Folge der beginnenden Industrialisierung, neue Straßen errichtet, die ersten Industriepioniere initiierten mehrfach mit eigenem Kapital den Ausbau des Straßen- und Bahnnetzes. Vorarlberg hatte und hat in Mitteleuropa eine verkehrsgeographisch günstige Lage. Nachdem der Wiener Kongress 1814/15 mit dem Anschluss der Lombardei und Venetiens an Österreich ein neues Absatzgebiet geschaffen hatte, erfolgte eine intensive Planung zum Ausbau der Vorarlberger Hauptverkehrswege. 1822 bis 1824 wurde die Straße über den Arlbergpass ausgebaut. Auf Basis der Pläne von Alois Negrelli wurden zahlreiche Straßen, auch in den entlegeneren Talschaften, projektiert. Mitte des 19. Jahrhunderts besaß Vorarlberg im Rheintal, Walgau und Klostertal 100 Kilometer ausgebaute Straße.

Ein weiterer Schritt der Erschließung des Landes war der Brückenbau über den Rhein. 1867 wurde im Vorarlberger Unterland die erste Rheinbrücke von Lustenau nach Monstein gebaut, 1869 im Oberland von Meiningen nach Oberriet. Davor war die Schweiz nur über Fähren erreichbar gewesen. Am Bodensee fuhren ab ungefähr 1830 die ersten Dampfschiffe.

Der Bau der Vorarlberg-Bahn zwischen Lindau und Bludenz bis 1872 und der Arlbergbahn bis 1884 wurde schließlich, wie bereits erwähnt, zu einem wichtigen Impuls für die zweite Industrialisierungswelle und schloss Vorarlberg an Deutschland und an den Rest der Monarchie an. Die Bahn förderte umgekehrt auch den Ausbau der örtlichen Straßen, die von den Bahnhöfen zu den Fabriksgebäuden führten. Auch hier griffen die Unternehmen oft in die Planung ein, Brücken wurden nach Transportvorgaben der Fabrik geplant oder Geleise zum Fabriksgelände verlegt. Auch die Breite, Neigung und Materialwahl beim Straßenbau waren durch die „Hauptnutzer“ beeinflusst.

Eine weitere Bedeutung für die Entwicklung des Industriestandortes Vorarlberg hatte der Aufbau des Telefon- und Nachrichtenübermittlungsnetzes. Ab 1850 gab es eine erste Telegrafenlinie von Bregenz nach Innsbruck, Bozen und Wien. Die ersten privaten Telefonleitungen Vorarlbergs wurden innerhalb von Vorarlberger Industriebetrieben verlegt. In Dornbirn entstand 1881 bei F.M. Hämmerle die überhaupt erste Telefonanlage der österreichisch-ungarischen Monarchie.20

Ein Kriterium für die Ansiedlung ausländischer Betriebe war ab den 1880er-Jahren die Grenzlage Vorarlbergs. Durch die Einführung einer restriktiven Schutzzollpolitik der k.u.k. Monarchie entschieden sich etliche Schweizer und deutsche Unternehmer, Niederlassungen in Vorarlberg, sogenannte Zollgründungen, zu eröffnen.

Architektur

Die Fabriksbauten Vorarlbergs werden von dem Kunsthistoriker Christoph Bertsch nach ihrem Errichtungszeitraum in fünf Abschnitte gegliedert. Die ersten Bauten vor 1830 waren sehr einfach ausgeführte, noch nicht durchgängig rechteckige mehrgeschoßige Baukörper. Ab 1830 kam es zu einem Wirtschaftsaufschwung, in dem sich der schlichte, schmucklose, monumentale Hochbau nach englischem Vorbild durchzusetzen begann. In seiner Funktionalität und Klarheit blieb er bis 1865 der gängige Bautyp. Die Gebäude wurden meist als Holzriegelkonstruktion auf Bruchsteinfundamenten errichtet.21 Oft entwarfen die Besitzer ihre Fabrik gemeinsam mit den Herstellern und Lieferanten der Textilmaschinen. Diese Techniker, meist aus der Schweiz, brachten ausreichend Erfahrung bei der Planung von Industrieanlagen mit. Ausgeführt wurden die Projekte dann von heimischen Gewerbebetrieben, die oft auch die zur Fabrik gehörenden Nebengebäude wie Arbeiterwohnhäuser, Schlossereien, Lagerhäuser etc. planten.

Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis ungefähr 1920 wird architekturhistorisch die sogenannte Gründerzeit angesetzt. Im Fabriksbau sind zwei Richtungen erkennbar: einfache Zweckbauten auf der einen und sogenannte Industrieschlösser auf der anderen Seite. Eine interessante Entwicklung war, dass sich ab 1900 auch Architekten für die Bauaufgabe Fabrik zu interessieren begannen, Fabriksanlagen entwarfen und ihren Namen unter die Entwürfe setzten. Die Fabriksanlagen wurden zunehmend horizontal, häufig einstöckig geplant, was mit der Veränderung der Antriebstechnik und der internen Produktionsabläufe zu tun hatte. Eine typische Übernahme feudaler Bauelemente war die sogenannte pompöse Schaufassade, hinter der sich moderne Shedhallen befanden. Der Fabriksbau war besonders ab Mitte des 19. Jahrhunderts vom großen Vorbild, der Industrienation England, beeinflusst, was sich in der Verwendung von Backstein(-fassaden) widerspiegelte. Nach der Jahrhundertwende entstanden auch einzelne Jugendstilbauten – in Vorarlberg allerdings meist in Vermischung mit historistischen Heimatstilelementen.

Ein weiterer Abschnitt der Fabriksarchitektur begann nach dem Ersten Weltkrieg. Die Ideen des Deutschen Werkbunds, also einer funktionsgebundenen Architektur, in der Ingenieur und Architekt eng zusammenarbeiten, wurden auch in Vorarlberg bei einzelnen Neubauten realisiert. Die neue Formensprache wurde durch die verstärkte Verwendung neuer Materialien unterstrichen: Eisen, Stahl, Beton und Glas.

1945 war auch im Fabriksbau eine Zäsur. In der Nachkriegszeit wurde eher selten konsequent modern und ambitioniert gestaltete Industriearchitektur entworfen. Häufiger entstanden Bauten, bei denen ein „Rückzug auf rein technische Aspekte“ stattfand.

Die Bauweise von Fabriken hatte immer mit der Produktion und mit dem aktuellen Stand der Maschinentechnik zu tun. Im Hinblick auf Funktionsbauwerke, in denen möglichst effizient gearbeitet werden sollte, verfolgten die Unternehmer aufmerksam die internationale Entwicklung im jeweiligen Sektor. Tonangebend war meist England, das eine Vorreiterrolle in der Industrialisierung einnahm. Sobald sich eine technische Neuerung dort bewährte, versuchte man diese nach Vorarlberg zu holen.

Ein Fabriksgebäude war und ist bis heute in erster Linie ein Funktionsbau, der sich den wirtschaftlichen Bedürfnissen anpassen musste. Die Bauanlage war angesichts des raschen technologischen Fortschritts nie „fertig“, vielmehr ein sich ständig verändernder Organismus. Unternehmen mussten permanent neu investieren, umbauen, anbauen oder neu bauen. Nicht nur die eigentlichen Produktionsgebäude waren davon betroffen, sondern auch die Nebengebäude, wie Schlossereien, Tischlereien, Lagerhäuser, Pferdeställe und Wagenremisen, aus denen später Garagen wurden. Die meisten größeren Industriebetriebe hatten dafür eigene Ingenieurbüros, Bauabteilungen und sogenannte Hausarchitekten. Um das Baumaterial nicht zukaufen zu müssen, erwarben die Unternehmen auch Waldbesitz oder Steinbrüche.

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Ende erster Bauabschnitt der Kammgarnfabrik E. Offermann in Hard, 1896

Ein Hauptgrund für Veränderungen am Gebäude war neben der technischen auch die geschäftliche Expansion. Die frühen Fabrikshochbauten wurden aufgestockt, der Raumplan verändert oder ein Anbau errichtet. Später wurden die Produktionsprozesse horizontal in ebenerdigen Hallen durchgeführt und eine neue Weberei wurde eher in einem neuen eigenen Gebäude untergebracht als im vorhandenen. Ein weiterer Grund für bauliche Veränderungen waren die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnenden Auflagen der Versicherungen, die vor allem bei den brandanfälligen Textilfabriken Löschanlagen forderten. Wassertürme, Sprinkleranlagen und Wasserreservoirs entstanden. Um 1900 wurde zusätzlich vom Gewerbeinspektorat regelmäßig die Einhaltung der Sicherheitsauflagen und Schutzmaßnahmen für die Arbeiter und Arbeiterinnen eingefordert.

Der Bau einer Fabrik verlief sowohl im 19. als auch im beginnenden 20. Jahrhundert aus heutiger Sicht erstaunlich rasch. Allerdings bedeutete die Fertigstellung des Gebäudes nicht immer den sofortigen Betriebsstart. Manchmal brauchte es noch einige Zeit, bis alle Maschinen aufgebaut waren und die Energieversorgung richtig funktionierte. Fabriken wurden daher oft schrittweise in Betrieb genommen.22

Erstaunlich sind die Errichtungszeiten insofern, als die Bautechnik viel aufwändiger als heute und mit viel mehr Handarbeit verbunden war. Sowohl die Baustoffe als auch die schweren Maschinenteile mussten mit Pferdefuhrwerken zum Teil aus dem Ausland angeliefert werden. Ereignete sich ein Unfall beim Transport und die Maschinen wurden beschädigt, verzögerte sich der Bau um Wochen.

Beim Umbau oder Neubau nach einem Brand konnte es vorkommen, dass die Arbeiterschaft monatelang ohne Einkommen war oder auch einfach entlassen wurde.23 Eine Lösung für diese Ausnahmesituation bot zum Beispiel die Firma Ganahl nach dem Brand ihrer Fabrik 1885 in Feldkirch an: Bei Weiterbezahlung des Lohnes half die Belegschaft beim raschen Wiederaufbau mit. Ob dies allgemeiner Usus war, kann hier nicht beurteilt werden. Eine enge Verknüpfung der Stammbelegschaft mit ihrer Fabrik war jedenfalls oft vorhanden, sie zeigte sich zum Beispiel in ihrer Mitverantwortung für die Erhaltung. Bei der Fabrik Klarenbrunn in Bludenz wurde zum Beispiel der Bau einer Arbeitersiedlung neben der Fabrik auch damit begründet, dass im Notfall die Arbeiter sofort zur Stelle wären.24

Landschaft und Industrialisierung

„Im 19. Jahrhundert veränderte sich die menschliche Umwelt wie in keinem anderen vorhergehenden Zeitalter. Nie zuvor war so viel gebaut worden, waren ganze Landstriche verändert worden.“25

Im Gegensatz zu anderen europäischen Industrieregionen entstanden in Vorarlberg und in der gesamten Bodenseeregion keine industriellen Ballungsräume mit riesigen Fabriksvierteln, Mietskasernen, rasterförmigen Straßen und rauchenden Schloten. Dieses Phänomen einer hochindustrialisierten, aber auf den ersten Blick nicht als solche erkennbaren Region ist das besondere Merkmal des historischen Industrielandes Vorarlberg.26

Trotzdem gab es einige markante Elemente, die heute zwar zum Teil nicht mehr vorhanden sind, aber ein wichtiger Teil der Landschaft waren:

Meist gleichzeitig mit den ersten Fabriksbauten entstanden Wasserbauten: Kanäle, offene Wasserrinnen aus Holz oder aus Mauerwerk, Weiher, Staubecken, Wehre etc., die das Wasser zur Fabrik leiteten und als Speicher dienten. Beim Ausbau der Fabriksstandorte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Energiezentralen oft von der Fabrik weg in ein entferntes Kraftwerk verlegt, das dann mehrere Produktionsstätten versorgte. Durch diese Entwicklung traten neue Bautypen in Erscheinung: Kraftwerksbauten, Wasserschlösser, Druckrohrleitungen, Stromverteiler etc. Der Hauptzweck aller Wasserbauvorhaben waren die Sicherstellung einer ausreichenden Wassermenge und die Steigerung der Produktionskapazität. Oft wurden mehrere Bäche oder Flüsse gleichzeitig genutzt.

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Alvierkanal bei der Lünerseefabrik in Bürs, 1988

Kanalbauten als Teil der Kulturlandschaft hatte es natürlich bereits seit Hunderten von Jahren gegeben – die alten Mühlbäche waren künstlich angelegte Gerinne, genauso wie Schwemmbäche zur Holztrift oder Wuhrbauten zur Sicherung gegen Hochwasser.

Das Ausmaß der errichteten Wassersysteme im Zuge der Industrialisierung war allerdings neu und landschaftsprägend, sie veränderten die gesamten Flusslandschaften in den Haupttälern Walgau und Rheintal. Von den im Laufe des 19. Jahrhunderts entstandenen Kanalbauten sind heute leider nicht mehr viele vorhanden. Sie wurden vielerorts aufgrund technischer Neuerungen nicht mehr gebraucht und darum abgetragen, zugeschüttet oder verrohrt. Auch verdichteten sich die Zonen um die Fabriken zusehends, sodass Kanalbauten wertvollen Baugrund einnahmen.

Eine Besonderheit war die Errichtung von Wasserbecken in Hanglage oberhalb der Fabriken. Im Gegensatz zu den Kanälen und Wasserleitungen sind diese Anlagen zum Teil noch vorhanden. Der künstliche Charakter der Teiche und Weiher ist allerdings im öffentlichen Bewusstsein in Vergessenheit geraten, meist werden sie heute als natürliche Gewässer wahrgenommen.

Auch wenn Vorarlberg über keinen urbanen Industrieballungsraum verfügte und eine von der Gesamtwirkung her eher ländliche Region war, waren die Fabriksbauten des 19. Jahrhunderts nicht zu „übersehen“. Historische Luftaufnahmen zeigen um 1900 dünn besiedelte Täler. Die Hochbauten der ersten allein stehenden Fabriken, oft höher und imposanter als die Kirchen, waren vereinzelte Monumente in der Landschaft.

Genauso die ersten Areale mit den weit verbreiteten Schloten, Hängeund Trockentürmen. Letztere waren ursprünglich bei jeder Färberei vorhanden. Als ein maschineller Trocknungsvorgang möglich wurde, verloren die mehrstöckigen Gebäude mit ihrer im oberen Teil auffälligen Holzkonstruktion ihre Funktion. Vielfach brannten die Türme auch ab. Der einzige erhaltene Trockenturm steht unter Denkmalschutz und befindet sich in Dornbirn-Wallenmahd auf dem Gelände von J.M. Fussenegger.

Schlote oder Schornsteine sind ebenfalls wichtige Elemente der historischen Fabrikslandschaft. Der Schornstein gilt allgemein als Synonym für die Industrialisierung. Die bauliche Entwicklung verlief vom ursprünglich meist viereckigen zum achteckigen und später runden Schlot.27 Da sich die Schornsteine heute als Mobilfunkmasten, am Bodensee auch zur Befestigung von Sturmwarnleuchten nutzen lassen, werden sie in manchen Fällen vielleicht weiterhin erhalten bleiben.

Im ländlichen Industriegebiet Vorarlberg waren der Arbeiterwohnbau wie auch die Villenbauten der Fabrikanten nicht so prägend wie in städtischen Ballungszentren. Von einem Fabrikantenviertel kann in Feldkirch entlang der Bahnhofstraße, im Dornbirner Oberdorf oder ansatzweise in Bludenz entlang der Werdenbergerstraße gesprochen werden.

Systematisch angelegte städtische Arbeiterviertel gab es nicht. Viertel, in denen vorwiegend Arbeiter und Arbeiterinnen in angemieteten Häusern wohnten, waren jedoch in jeder Stadt vorhanden.

Am ehesten können der Stadtteil Vorderfeld/Vorkloster in Bregenz, das „Welsche Viertel“ in Bludenz, der Bereich um die Bündlittenstraße in Dornbirn als Arbeiterwohnviertel bezeichnet werden. Dort entstanden auch im weiteren Umkreis der Fabriken zahlreiche Wohnbauten. Große, ebenfalls für die Arbeiter zur Verfügung gestellte Nutzgartenflächen durchzogen dieses Wohngebiet. Diese Grünflächen prägten die Dorflandschaften im Rheintal und im Walgau nachhaltig und verbanden sich harmonisch mit der bereits vorhandenen Gartenkultur der Kleinlandwirtschaften.

Regelrechte Arbeitersiedlungen entstanden erst mit der beginnenden Einwanderung von Arbeitskräften aus dem Trentino in den 1870er-Jahren. Sie bildeten zum Teil baulich und sozial abgeschlossene Einheiten und befanden sich zu ihrer Bauzeit häufig am Rand des Siedlungsgebietes. Noch zwei weitere Gruppen von Wohnbauten sind im Zusammenhang mit der Industrialisierung zu nennen: erstens die Arbeiter-Eigenheime, die in Form von Gemeinschaftsprojekten ab 1910 entstanden waren. Sie wurden von genossenschaftlich geführten Bausparkassen finanziert. Es kam aber auch vor, dass ein Industrieunternehmen der Belegschaft einen Teil seiner Grundstücke für den Eigenheimbau günstig überließ, um somit die Bindung ans Unternehmen zu stärken. Die zweite Gruppe sind die zwischen 1939 und 1941 entstandenen, oft großzügig inmitten des Ortsgebietes angelegten „Südtiroler Siedlungen“. Sie wurden zwar nicht direkt von Unternehmen errichtet, die Bewohner fanden aber vorwiegend in der Industrie Arbeit und deren Zuzug wurde von den Industriellen begrüßt.

Industrie im Dorf

Das Bild von den neuen Unternehmern, die im 19. Jahrhundert mit Profitwillen und Expansionsdrang über bäuerlich geprägte, „unberührte“ Ortschaften hereinbrachen, ist einseitig und entspricht einer Verklärung in späteren Zeiten. In Dörfern, deren Bevölkerung regelmäßig saisonal auswärts Arbeit suchen musste, war die Ansiedlung eines Industriebetriebs ein erstrebenswertes Ziel, auch wenn der Beruf des Industriearbeiters nicht besonders angesehen war.

Manche Dorfbewohner verdienten auch ganz gut mit den Unternehmen, denen sie die begehrten Grundstücke, Wasserrechte, Waldbesitz oder Gebäude oft um ein Mehrfaches des ursprünglichen Wertes verkaufen konnten. Die Gemeinden verkauften auch deshalb Gemeindebesitz an die Unternehmer, weil diese, wie bereits erwähnt, bereit waren, in der Folge auch Verpflichtungen für die Gemeinschaft zu übernehmen. Durch den Erlös aus den Verkäufen kamen die Gemeinden zu Kapital, mit dem sie Schulden tilgen, eine Schule oder ein Armenhaus errichten konnten.28 Kreishauptmann Ebner (1790 – 1876), der Chronist der Industrialisierung in Vorarlberg, wunderte sich in diesem Zusammenhang über die Unternehmer, die teils stark überzogene Preise zahlten: „Wie groß muss daher der Gewinn sein, den solche Fabriken ihren Eigentümern abwerfen, wenn derlei überspannte Auslagen so leicht bestritten werden können?“29

Die Industrieunternehmen waren auch stets bestrebt, weiteren Grundbesitz rund um ihre Fabrik zu erwerben. Dabei ging es einerseits darum, eine Bodenreserve für spätere Expansionen zu schaffen, andererseits um die Sicherung der Ressourcen Holz und Nahrung. Da in Vorarlberg kaum Bodenschätze vorhanden waren und die Verwendung fossiler Brennstoffe lange zu teuer war, hatten Holz und im Rheintal auch Torf als Brennstoff für die Dampfmaschinen der Fabriken einen sehr hohen Stellenwert. Genauso wichtig war Holz als Baustoff für die Industriegebäude, Wohnhäuser und Kanalbauten. Die Holznutzung war ein häufiges Konfliktthema zwischen Industriellen, Gemeinden und Landesbehörden.30 Eine positive Auswirkung des gestiegenen Interesses an der Ressource Wald war die zunehmende Beachtung der Waldpflege und Forstkultur im 19. Jahrhundert. Gemeinden und auch private Waldbesitzer begannen mit Aufforstungen und kümmerten sich um Forstschäden.

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Bau der Druckrohrleitung im Dorfzentrum von Frastanz, um 1920

Ein weiterer Konfliktherd zwischen Unternehmen und Gemeindevorstehungen war, wenn man so will, das Umweltthema. Es ging nicht um Umweltschutz im heutigen Sinn, sondern meist ganz handfest um die Auswirkungen von Wasserverschmutzung auf die Mitnutzer eines Gewässers. Die Gemeinden bezogen ihr Trinkwasser oft aus denselben Bächen, die auch industriell genutzt wurden. Verschmutzte Abwässer gefährdeten die Gesundheit und die wirtschaftliche Existenz aller Wassernutzer unterhalb der Fabriken. Aber auch die Beeinträchtigung der Luft konnte ein Grund für das Einschreiten der Behörden sein.

Grundsätzlich positiv betrachtet wurden die Beteiligungen der Industriellen an öffentlichen Bauprojekten der Gemeinde, die nicht direkt mit der Fabrik zu tun hatten und der gesamten Bevölkerung zugutekamen. Kindergärten, Turnhallen, Bibliotheken und andere öffentliche Einrichtungen wurden von den Unternehmern oft mitfinanziert oder gar gestiftet.

Weniger zwischen den Gemeinden und den Fabriksherren als zwischen diesen und den Vertretern der Kirche entbrannten im 19. Jahrhundert heftige Auseinandersetzungen, die Kinderarbeit und Fabriksarbeit ganz allgemein betreffend. Von kirchlicher Seite wurde die Veränderung