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Da isch’s

Glück dahoam

Das Radio Tirol-Mundartlesebuch für Tiroler und andere Menschen

Inhalt

Titel

Einleitung

Mei Poppela schlåft wia a Bamperla fein – Texte für und über Kinder

Da Winta is koit, weil da Schnee runterfoit – Heiteres durch die Jahrhunderte

Dass de Henna guad legn und de Heustöck toi dagebn – Bauernleben

Ös isch schu viel, viel Jahr hea – G’schichtln und Geschichten

Jå schaug, die Engl sein scho då – Andächtiges und Besinnliches

Du herzig-liabs Biabal, leg die eina zu mir – Liebe und Heiraten

Mand’l ob’n Hunger g’schob’n – Land der Berge

Schraufts au enchan Radio, noa isch ålls koa Miah! – Gstanzln aus der „Radio Tirol Sommerfrische“

Anhang

Impressum

Weitere E-Books aus dem Haymon Verlag

Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser,

2013 erschien im Haymon Verlag „Das Radio Tirol-Wörter­buch der Tiroler Mundarten“, das auf erfreulich großes Interesse bei einer breiten Leserschaft in ganz Tirol stieß und mit Begeisterung angenommen wurde. So entstand die Idee, nach diesem Wörterbuch ein Nachfolgeprojekt ins Leben zu rufen, das die Wörter nicht nur sammelt und erklärt, sondern auch zeigt, wie sie verwendet werden.

Wichtig war uns dabei, zu zeigen, dass Tirolerisch nicht nur im Alltag gesprochen, sondern auch geschrieben, gesungen, auf Handybildschirmen und Tastaturen getippt und außerdem erzählt wird, heute ebenso wie seit vielen Jahren. Das Ergebnis ist ein buntes Potpourri an Texten, alte und neue, gereimte und gejodelte, alles, was das Herz von MundartliebhaberInnen begehrt. Neben traditionellen Sagen, Geschichten, Liedern und Sprüchen können Sie Songtexte von aktuellen Pop- oder Rap-MusikerInnen in Tiroler Mundart hören und finden viele klingende Namen, die auch eng mit dem ORF Tirol verbunden sind. Felix Mitterer, Werner Pirchner, Viktor Haid alias Herr Reindl, Toni Knittel von Bluatschink oder Harry Prünster. Vertreten sind Texte aus allen Regionen Nord- und Osttirols. Auch nach Süd­tirol gibt es einen kleinen Exkurs – genauer: ins Ultental – und wer könnte uns besser dorthin mitnehmen als Manfred Zöschg alias Luis aus Südtirol?

Besonders freut mich, dass im Rahmen unserer wochenlangen Radio Tirol-Aktion „Gstanzlfreitag“ hunderte HörerInnen unserer Einladung gefolgt sind, Gstanzln zu verschiedensten Themen einzusenden. Eine Auswahl dieser Gstanzln bildet den krönenden Abschluss dieses Mundart-Lesebuchs. Insgesamt eine weitere gelungene Initiative des ORF Tirol und des Haymon Verlags für die Bewahrung der Tiroler Dialekte.

In Mundart-Texten sieht man besonders gut eines: Sie liegen unserem Empfinden häufig näher als die Schriftsprache. Es ist die Sprache, in der wir denken, jene, in der wir mit unseren FreundInnen oder unserer Familie kommunizieren. Vielleicht hat man deshalb oft den Eindruck, dass Mundart-Texte besonders einfach und mit wenigen Sätzen ein Gefühl oder einen Gedanken so authentisch ausdrücken können. Nicht zuletzt darum ist das Kapitel über die Liebe in diesem Mundart-Lesebuch so besonders schön geworden.

Ein weiterer Grund, warum uns die Mundart so nahe ist und sich so vertraut anfühlt: Für viele von uns ist sie die Sprache unserer Kindheit. Reime, Lieder, Spiele – all das haben wir auf Tirolerisch erlernt und geben es so an die nächste Generation weiter.

Besondere Bedeutung hat die Mundart außerdem im bäuerlichen Bereich, im Brauchtum und in der Bergwelt, daher gibt es auch ein Kapitel mit Texten vom Grasausläuterspruch bis zum Gipfelbucheintrag.

In einer engen Beziehung steht die Mundart zum Humor. Zahlreiche Witze und Anekdoten funktionieren überhaupt nur in Mundart oder über deren Verhältnis zur Hochsprache, nicht zuletzt zu jenen unserer deutschen Nachbarn.

In diesem Sinne bleibt mir, Ihnen viel Spaß beim Schmökern, Lesen, Vorlesen, Weitererzählen und Nachsingen zu wünschen.

Unsere Mundart ist ausgesprochen lebendig, um nicht zu sagen „sakrisch guat“. Tragen wir gemeinsam dazu bei, dass das so bleibt!

Helmut Krieghofer

Landesdirektor ORF Tirol

Mei Poppela schlåft wia a Bamperla fein –
Texte für und über Kinder

Anna Otto-Härting, Telfs

Drei Wiagenliadlan

Mei Poppela

Mei Poppela schlåft wia a Kalbela guat,

Sein Harzela pumpert und stöibert sein Bluat –

Es ströckt seina Füasslan und Armelan aus

Und måcht si’ vun Löiben nou lång it viel draus.

Mei Poppela schlåft wia a Bamperla fein,

In Wiagela kannts jå it rüahwiger sein

Die Wanglan und ’s Kuiela flaumig und gsund,

Sein patschiarigs Mäulela kugelarund.

Mein Poppela schlåft wia a Bullela süass

Und wenn’s amol ståmpelt mit Händ und mit Füass

Išt Zeit, dass es au’wåcht – ob ear oder sie –

Es krahnt wia der Guggelar: „Giggeriggi!“

Bamperla Kälbchen

patschiarig drollig, possierlich

Kuiela Gesicht, Kinn

Bullela männliches Kälbchen

Mein Büabela, Rüabela

Mein Büabela, Rüabela, Zuggerwauwau,

I löig diar auf’s Böttl dein Muinzela drau’.

Kännts schnurren, kännts gurren, miauen mitnånd

Und’s Pöichmandl sant enk a Brismela Sånd.

Die Äugelan fållen vu salber glei zua

Und’s Büabl und’s Muinzl, dia göiben båld Ruah.

Båld håt schuan der Vollmun durch’s Fenšter ei’g’låcht,

Derweil ear die Roas über’s Nåchbårdåch måcht.

Ear zwinkert, ear blinkert, ear zwischbert und staunt,

Weil’s Muinzela tra’mt und a bissl miaunt.

Då winkt ear durch’s Fenšter: „Du, Muinzl, sei still,

Weil’s Büabala, Rüabela bunzelan will!“

Pöichmandl Sandmännchen

Brismela ganz kleines bisschen

Mein Mausela, Knauserla

Mein Mausela, Knauserla, Schatzela mein,

Döis goldena Köiferla wuzel m’r ein!

Geah, låss mi di’ habelan, kimm auf mein Årm,

Då schlöit diar mein Harzl gånz nåchent und wårm.

Dein Muatterla håt di’ hålt umadum gearn,

Dei’ Gsichtl muass decht nou a Röasela wearn!

Dein Mäulela knospat schua, wå’s es vermåg,

Du stråhlst wia die Sunna n’und kündest in Tåg.

Die Guggerlan bringen vun Himmel an Gruass,

Dear söit miar, wia guat i di’ hearrichten muass.

Drum höig ig und pflöig i mein Poppela fein,

Es mächt hålt sein Löbtig a Röasela sein!

Röasela Röslein

Kinderreime und -lieder

Es regelet, es schneibelet,

es geaht a kålter Wind.

Mei Våter ist ins Oberlånd,

i woaß it, wånn a kimmt.

letz ist a hålt kemmen,

was hat a denn gebråcht?

A Kühlal im Stallal,

a Rossal im Wagal,

a Poppal im Wiagal,

a Schnapsal im Taschal,

a Buttal im Zeggal,

a Ringal am Fingal,

a Bussal auf d’Nåcht!

Zeggal Körbchen

Geizkrågn, Hennamågn,

wårt, i wear’s da Muetta sågn,

Muetta sågg’s an Våta,

Våta sågg’s an Schmied,

Schmied sågg’s an Håmma,

Håmma schlågg di zsåmm.

Oans, zwoa, drei,

bigga, bagga, bei

Hansl is im Hennastoll,

Greatl laß mi ei.

Sunna, Sunna ruck

Wenn es den Hütebuben langweilig wird, seufzen sie:

Sunna, Sunna ruck,

No a großes, großes Stuck!

Stöckn schwar,

Stottla laar,

Mir war lieber, lieber,

Wenn bald Hoamfahrtszeit war!

Stottla Holzschachtel, in der die Hirten das Essen mitnehmen

Stumpfada Besn

Wo bist so lang gwesn?

An Himmö drei Wochn,

bin i selb aufi krochn.

D’Muatergottes tuat spinna,

die Engei toan singa,

die Hirtn toan blasn,

die Schafei toan grasn,

aufn himmlischn Wasn.

Bigga , bagga, Bejsnschtiel,

hockt a Mandl af dår Miihl,

håt a schtabigs Hiatl au,

umadum voll Fejdern drau.

Kimmb dår bease Wiedår,

schtoaßt des Mandl niedår,

kimmb die ålte Flejdermaus,

rupft ihm ålle Fejdern aus.

Wiedår Widder

In Gottes Namen giahn ma schlåfn,

sechs Engl tian ins bewåchn,

zwoa z’kopfnd, zwoa z’fuaßnd, zwoa nebn mein,

laß diar dös ganze Haus empfohln sein.

Heia popeia, wos raschpöt im Stroah?

Die Gansei geahn barfuas, sie hom koane Schuah.

Da Schuasta hods Leda, koan Loast ned dazua.

Eatz ku ea nit mochn a die Gansei a Schuah.

Bim, Baum,

Meßnerzaun,

roate Kuah

und a g’scheckats

Kaibi dazua.

Dös is da Daumen,

der schüttelt die Pflaumen,

der klaubt sie auf,

der brings dem Jogg

und der hots der Muatta klog.

Variante:

Des is da Daumen,

dea schüttlt de Pflaumen,

der hebb se auf,

der bring se noch Haus

und da Kloane isst se olle auf!

Heia, pumpeia, wos raspelt im Stroah,

s’Katzl is g’storbn und s’Meisl is froah.

Der is an Wåld gångn,

der hat an Håsn gfångn,

der håt’n hoambråcht,

der håt’n bråtn,

und der Spitzbua håt’n gessn.

Rößl, Rößl b’schlog ma,

af Hall ani foahr ma,

af Hall um a Solz,

ins Pitztal um a Schmalz,

übern Fern, um an Kearn,

frißt mei Rößl goar so gearn.

Homma s’Nagele einigschlagn,

miß ma’s wieder außigrobn.

Rößl beschlagn,

Hall fahrn,

um a Salz,

um a Schmalz,

um a Fassl Fieslboan.

Kimb mei Rössl wieder hoam.

Jetzt ham mir an Nagl z’tiaf eingschlagn,

müaß man wieder außa grabn:

gizigizi … (Kitzeln)

Fieslboan Pferdebohnen

Mausi, Mausi, kriacht ins Hausi,

neamb dahoam wia s’Dianei alloa,

und s’Dianai kun nit auftoa.

Kloa bin i, kloa beib i

groaß mecht i nit werdn.

Schea runggat, schea bunggat

wia a Haselnusskern.

runggat runzelig

bunggat knollig, gedrungen

„I leg mi nida“,

sog da oite Wida;

„I leg mi danebn“,

sog die Ebn;

„Und i leg mi auf mei Wampö“,

sog des kloa-winzig Lampö.

Ebn Mutterschaf

Ringl, ringl reia,

die Köchin steht beim Feia,

die Suppn geht ihr üba,

do kimb a groaßer Wida

und stoaßt die Köchin nieda.

Da kimb a kloane Feldmaus

und lupft die Köchin wieder auf.

Ringelringelreia, samma unsa dreia,

sitz ma untam Hollerbusch,

sog’n ma olle husch husch husch.

Stieglitz, Stieglitz

Refrain: Stieglitz, Stieglitz, s’Zeiserl is kronk!

Strophen

1) Geama zum Bader, loss ma’s zua Oda, Ref.

2) Reiß ma eam a Fedal aus, mochma eam a Bettal drauß, Ref.

3) Bind ma eam as Kepfal ei, wead scho glei bessa sei, Ref.

Wenn die Muattår s’Kibele treib,

gib se miar an Buttår.

Buttår streich i af’s Semelebrout,

isch bessår wia a Zuggår.

Zuggår giib i in Rössl,

Rössl gib miar Miescht.

Miescht giib i in Ackerle,

Ackerle gib miar Kerelen,

Kerelen giib i in Miller,

Miller moult miar Meahl.

Meahl giib i dår Muattår,

Muattår båcht mir Kråpfn,

Kråpfn giib i in Våttår,

Våttår gib mir Geld,

Geld giib i in Kaiser.

Kaiser gib mir Ross und Wougn,

daß i kunn in Himml auifoahrn.

Reita, reita Rössl,

dou oubm schteaht a Schlössl.

Dou oubm schteaht a goldnes Haus

und dou schaugn drei Freielen heraus.

Die oana schpinnt a Seida,

die oana måcht a Kreida,

die oana geaht ins Gloggnhaus

und låßt die heilige Sunnå aus.

Hossa, hossa Reita,

boi er foit, oft schreit a,

foit er in an Grabn,

fressn eam de Rabn,

foit er in an Sumpf,

oft tuats bein Reita „plumps“!

A Schiff fâhrt nâch Amerika,

wâs hâts denn glâdn?

Bier, Schnâps, Wein?

Bier Bier Bier –

Du bisch a Stier!

Wein Wein Wein –

Du bisch a Schwein!

Schnâps – den mâg ih nit –

und Du kimsch mit!

Oans zwoa drei vier fünf sechs siebn,

die âlte Frau kocht Rübn,

die âlte Frau kocht Speck,

und Du bisch weck!

Winddä, wanddä, wåffa Handä?

(Jemand hält in einer Hand eine Überraschung versteckt, z.B. eine Süßigkeit. Er gibt die Hände hinter den Rücken, sagt den Vers und lässt das Kind raten, in welcher Hand sich die Überraschung verbirgt.)

Hannes, der Täufer,

der Buttermilchsäufer,

der Erdäpfelpantscher,

der Weiberleutlantscher.

Sepp, Tepp, Hennadieb,

hat die Weiberleut so lieb.

Michele, Machele,

br... ins Kachele,

’s Kachele rinnt,

’s Michele stinkt.

Nikolaus, Nikolaus,

bring ins a toate Maus

und a långs Bandl dru,

daß der (Name) ziachn ku.

Annamirl, Zuckerschnirl,

geah mit mir in Keller,

um a Weindl, um a Bratl,

um an Muskateller.

Helene, widi wene,*

widi wuta katene,

widi wuta katutz,

ist d’Helene nix nutz.

* wird je nach Namen abgewandelt

Schneider Schneider leich ma d’Scha

(Kinderspiel)

Jedes Kind steht bei einem Baum, nur eines nicht. Dieses Kind geht dann zu jemandem, der an einem Baum steht und sagt:

„Schneider Schneider leich ma d’Scha!“

Der Angesprochene antwortet:

„Geh zum Nachbarn, der hot’s a!“

Das ist das Kommando zum Plätzewechseln und das „baumlose“ Kind versucht, schnell einen Baum zu ergattern, sodass dann jemand anders in der Mitte stehen muss.

Blinde Kuh

(Kinderspiel)

Der Spieler mit den verbundenen Augen muss nicht nur einen Mitspieler fangen, sondern ihn auch durch Abtasten erkennen.

Im Keller isch es finster,

es scheinen Sunn und Mu’n,

miar hockn üns ålle nieda,

auf welchn Stoan hockst du?

Der Spieler mit den verbundenen Augen setzt sich auf ein Knie eines der sich niederhockenden Mitspieler und muss diesen erraten.

Christa Astl, Buch b. Jenbach

’s Biabl måcht a Roas

Ganz friah is no gwesn, d’Sunn geht grad auf.

’s kloane Biabl mag nimma schlafn. Kraxlt aussa vo da Bettsteign,

schliaft eine ins Pfoadl, saust ausse auf d’ Wies und umme zum Bachl.

Schwimmt a Fischl daher. ’s Biabl fragt: „Wo wohnst?“ –

„Am Bachlrand, untan Stoan“, sagts Fischl.

„Mag mit, mags sechn!“, sagts Biabl.

„Kimm“, sagts Fischl.

’s Biabl steigt ins Bachl, aba d’ Stoana san glitschig, es rutscht aus

und liegt im Wassa.

Kimmt an Antn daher, packt ’s Biabl beim Pfoadnzipfl und ziahgts aussa.

„Wo wohnst?“, fragts Biabl wieder. – „Im Schilf, am See, muass hoam zu meine Oa!",

schnattert de Antn. – „Mag mit, mags sechn!“, sagts Biabl.

„Hock auf!“, sagt de Antn. ’s Biabl hockt se auf ihrn Buckl

und hebt se fest beim Hals ein.

Aba de Antn kriagt an Hunga und taucht Kopf unter ins Wasser. ’s Biabl macht an

Purzigagl und fliagt kopfüba ausse auf d’ Wies.

Kimmt a Vogl daher, suacht an Wurm.

„Wo wohnst?", fragt ’s Biabl wieder.

„Im Woid, aufn hoachn Bam“, zwitscherts Vogal, „muass hoam zu meine Kinda!“

„Mag mit, mags sechn!“, sagts Biabl.

„Steig auf!“, zwitscherts Vogal und fliagt mit eahm weit fort auf de hechste Tannen.

’s Biabl hockt im Voglnest, so hoach oben! Es mag owischaugn, loahnt se ausse –

und rumperdibum –

liegts voan Bettl aufn Bodn und de Sunn lacht eina durchs offene Fenster.

Pfoadl Hemdchen

Lilo Galley, Innsbruck

Baschti’s Entschuldigung

Unter mein Gârtn hât vor lânger Zeit a Maulwurffamilie mit ihrn Kind glebt! Der Baschti wâr a Mords Spitzbua, drum hât die Mama fescht aufpasst auf iahm. Am liabschtn isch er alloan durch die erdign Gäng spaziert! Dâ wârn Käferlen, Raupn und Regnwürmer, de er noh nit gsehgn hat.

Wenn die Mama a Futter gsuacht hat, hât sie zum Baschti gsagt. „Bleib schian brav in Dein Zimmer“, „ih bring Dar was Guats zum Schleckn mit!“ Der kloane Maulwurf hâts hoch und heilig versprochn, âber kaum wâr die Mama wek, isch er außi auf die erdign Gäng.

Gleih am Anfâng isch iahm a freindlicher Regnwurm begegnet: „Jâ hallo, wer bischn Du, und wia hoaschn Du? Ih bin der Seppl, der fleißigschte Regnwurm unter der Erd!“

„Ih hoaß Baschti, ih geah auf Entdeckungsreise“, hât der Maulwurf gsâgt, und isch weitermarschiert!

Immer weiter wek isch er, bis er ober iahm an helln Fleck entdeckt hât.

’s Herz hat iahm bis zum Hâls aua klopft, wia er zu dem Fleck auigrabblt isch.

Ui, wârs da herobn hell! Die Aigln hâm iahm vo der Sunn direkt weah tun. „Hm, dâ riachts gânz ânders, als bei uns dahoam!“

Der Baschti hât fasziniert gschnuppert! Die Nâsn hâtn kitzelt und er hât lautstârk gniast! Hatschi! „Wâs wâr iatz des?“ Die Mama isch iahm eingfalln, wia sie dazählt hat, dass ober der Erdn a Wiesn mit viele Bluamen und luschtige Schmetterling isch. De spieln fângelex und kitzln jedn Maulwurf auf der Nâsn! Die Mama hât âber ah gsâgt, dass a Maulwurf auf der Wiesn nix verlorn hat, dâ muaß er sterbn.

Grâd oamâl wollt er noh vo die Schmetterling kitzelt werdn und oamâl noh den siassn Duft vo die Bluamen riachn.

Aber dâ isch schu a groaßer dunkler Schâttn auf iahm zuakemmen. „Oije, nix wia wek!“, hât er sich denkt, und isch zruck in die Erdn. S’schlechte Gwissn hât’hn pâckt. Schnaufeter und daschwitzt isch er in sein Zimmer glândet!

Die Mama wâr ah schu dâ! Vor lauter rern hât sie gschwollene Augn kriagt! Des wollt er nit, der Baschti. Des mâg er echt nit, wenn sei Mama rert!

„En- Entschuldige“, hât er gstottert, ih bleib gwieß dahoam, wenn Du nit dâ bisch! Ih versprich Dars, drei Finger auf Maulwurfherz!“

Die Mama wâr noh lâng traurig, und des hât sich der Baschti guat gmerkt!

Lilo Galley, Innsbruck

Wenn sich zwoa streitn, gfreit sich der Dritte

Am liabschtn isch der Michl im Gârtn vo der Oma! Dâ kânn er mitn Hund fângelex spieln und stundlâng die Bluamen giaßn!

Beim Wiesn mahn hilft er ah, rechnt an groaßn Haufn zâmm und lâsst sich ins frische Grâs einifâlln.

Und wenn er fertig isch mit der Arbeit, hât er an Hunger und gfreit er sich auf a guate Jausn im Frein.

Oamâl wâr er bsunders fleißig. Er hât die Bluamen gossn und ’s Unkraut zupft, wâs iahm die Oma zoagt hât! „Aua! Wâs wârn des? Mei Hand brennt“, hât er gruafn.

„Du hâsch wâhrscheinlich in a Brennessl griffn“, moant sei Oma. „Lâss a kâlts Wâsser drüber rinnen, nâh werds gleih wieder besser!“

Gach hât er die Hând unters kâlte Wasser gheb. Mit an Mords Zorn hât er auf de Brennessl gschaug. Oh! Dâ wâr jâ noh oane! Iatz hât er gâr noh eppes redn ghert! Jâ genau, de zwoa Brennessln streitn mitnând! Mâh, wâr des aufregend! Zwoa Brennessl streitn mitnând! Er hât sich fâscht nimmer schnaufn traut und lei mehr glost: „Du geahsch mâr auf die Nervn mit Deiner bledn Angeberei, âlm des gleiche mit Dir, echt lângweilig“, hât die Oane zur andern gschumpfn.

„Hehe Du spitzes Blattl Du, Du willsch ja lei so schârf sein wie ih, âber des kannsch Du nit, weil Du schwâch bisch, viel schwächer als ih!“

Gib nit so un Du schräge Wurzl Du, Du hâsch in Michl a lei brennt, weil Du âlle Zackn gnommen hasch!“

„Jâjâ sowieso, Du Neidhâmml, ih kunn mit OAN Blattl so schârf sein wie a gânzer Sack voll Pfeffer!“

„Du, Du bisch jâ lei a grausigs Unkraut, jâ genau, a schiachs grausigs Unkraut bisch Du!“

„Moment, nimm Dein Maul nit so voll, Du bisch genauso a Unkraut, âber a gânz gwehnlichs stinkats Unkraut bisch Du, des koschtet mih lei an Grinser! Ha!“

Der Michl hât gmoant, er tramt. „Streitn de echt oder tram ih wirklich?“

Nâh hât er sich an teiflischn Plan ausdenkt. Er isch zur Oma gângen und hât sie neigierig gfragt: „Oma, sein Brennessln a Unkraut?“ „Mhm jâ und na, Brennessel sein a Unkraut und a Heilkraut, ma kânn sie firn Tee nemmen und an gsundn Spinat kochn!“

„Und wâs mâchsch Du mit die Brennessel im Gârtn?“

„Ih ziach die Handschuach un, reiß sie aus und wirf sie aufn Komposchthaufn, dass Du Dih nimmer brennsch!“

„Derf ih des toan?“

„Jâ freilig derfsch Du, âber pass au, dass Dih nit wieder brennsch! Du woasch ja, es tuat teiflisch weah!“

„Isch guat Oma, ih hol mar Deine Handschuach!“ Wia a Indianer isch er mit Herzklopfn zu die Brenessln gschlichn. De zwoa wârn âlm noh beim Streitn. Fascht schu in die Blattln sein sie sich glegn.

„So! Es zwoa Damischn, Es kemmts iatz aufn Komposchthaufn, dâ kennts nâh weiter gscheit sein und streitn, bis aus Eich a Komposcht wordn isch!“

„Na! Du frecher Dozn Du, wâs bildesch Du Dar überhaups ein? Ins ausreißn? Mir brennen Dih volle, grâd dass woasch! Volle brenn mar Dih! Verschwind Du Gâgl Du!“

„Aso, Es wollts mih noh amâl brennen, dass ih nit lâch! Ausser mit Eich und aui aufn Komposcht! Ho ruck und wek seids! Iatz kennts schrein, soviel ’s wollts! Mei Oma hât nämlich gsâgt, wenn sich zwoa streitn, gfreit sich der Dritte ge!“

Hilda Außerlechner, Kartitsch in Osttirol

Rache

A Fliage belästigt ’s Büabl,

floicht umanåndå ba sei’m Gsicht,

schon gånz rebellisch va Zorn,

gånz damisch isch der klane Wicht.

Er fångt se, reißt ihr die Flügl aus,

weil des Gånze a Ende nehm muiß.

„So“, såg er, „du teppata Fliage,

hitz geahsche ah amål zi Fuiß!“

Monika Duregger, Kundl

NULL GWICHT

Da Woistand bring ins gar vü guats und dös is guat aso;

Grad bois amend ums Gwicht no geht is nimma jeda froh.

Boi a dö ganzn Kurn nit helfn, tuast da söwa load;

Du schwindlst weg an ganzn Bauch mit oana weitn Pfoad.

So wia da Hansä, a ea hat’s Gfret und deafat essn nia;

und deszwegn tuats eam oft daloadn und trinkt an etla Bier.

Sei Frau dö pflanzt’n wieda amoi wia’s rumpln heat dö Waag’;

hat eam dawischt bein Gwichtabwägn – was ea schu gar nit mag.

Dö kloane Leni is bei eam und heat di Mama lachn;

an Tat so tratzn, dös geht nit, was sand denn dös fia Sachn!?

No schreit dö Mam a ummanand, sie wead iatz schu zur Plag:

„Geh, Hansä, kunnt i grad dafragn, was sagt denn iatz dö Waag?“

Da Hansä moant: „So … 89, dös hätt i gar nit glabt,

dös is ja überhaupt nit wüd, dös is jo woi dalabt!“

Sei Moidö schüttelt lei an Kopf, dö glabt eahm d’Gschicht gar nia,

wei 89 is zweach fia oan dea ausschaug wia a Stier!

S’Lenä dö is ganz vazagt wia d’Mam mit’n Tat tuat werkn,

Sie schaug auf’d Waag und sigg dö Zoin und tuat si’s ganz guat merkn.

Sie kennt nu nit dö Zwoarareihn lei oanzeln grad dö Zoin,

„Iatz wea i d’Mam ois eichisagn, dös lassn ma ins nit gfoin!“

Dö Mam spott’ weita: „89! – Dös hätt i nia daratn;

obwoi i moa da sand dia woi dö Zoin durchnandagratn!“

Iatz oba greift dö Leni ei und schreit … is fast schu hoasa:

„Woi Mama, i hus ganz guat gsechn: zwoa Nulln, und a Oasa!!!“

Rosi Lochmann, Langkampfen

Schmettaling

Wia sche hot’s so a Schmettaling,

er fliagg von Bliah zu Bliah.

Oft kosta Nektar dort und do –

er hot koan Gnäd, koa Miah.

So sche is er – so zart und fei,

er flottat sovü gean.

Er flottat hi – er flottat her –

er mog zu neamand g’hean.

Min spitzign Vözei busslt er

de schenstn Bleami o.

De Käfa schaun gonz neidig her,

de Maus huckt traurig do.

Jo, waar i grod a Schmettaling,

wos taat I dafia gebm!

So luftig schaukin und so gring

des waar a herrlichs Lebm!

Vözei Gesichtchen, Mündchen

Veronika Schneider (Boarnvroni), Hatting

Zmårgets voarn Schualgiahn

Der Summer isch schå vellig fiahr.

In Örchtig hoasts zmårgets wieder auschtiahn. Schual giahn.

S’zoudropfete Madl tschianglt in die Kucha, wou die Muatter groud eikentet.

„Geah Lisl, eadele it sou umanånd! Schaug die u, du zoudropfeter Schlåmpertatsch!

Geah umma zun Psych und kammpl di.

Nåcha gibsch in Tata die begelte Pfoat und in Gscholder, gschlein di, er håts gneatig.

Houl må vun Gadele an Loab und schneidn mit då Broutgruml au und nimm må a Plandl mit!

Mir loapesch s’Raftl!

Wås schtriangeschn asou? Gschlein di! Tschergn tuasch wia a ålts Weibets!“

„I bin nou dasig und miad und zkålt isch mår a!“

„Hear au toasn, derload mår it, riahr di, når weard dår wårm!“

„Mama, mi måchts geangetzn, der Butter isch jå schå ranzig und die Marmelad hantig.“

„Hear au sumsn, måch fertig mitn Mårgetsessn und geah fiarschig, sinsch versaumsch nou in Zug, nå kunnsch z’Fuaß übern Iii zun Poschtauto giahn!“

S’Lisele påckt die Schualtascha und in Zegger und schpring ausa bei dår Tiar.

„Pfiati, dergårgl it, bei dein Gneat!“, schreit die Muatter nou nåch

und s’Lisele pefflt lei mea zrugg, „jå, jå isch schå guat, pfiat enk!“

fiahr vorbei

zoudropfet zerstrubbelt, ungekämmt

Örchtig Dienstag

zmårgets morgens

Psych Spiegel

Tata Vater

Gscholder Jacke

Mir loapesch s’Raftl! Mir hebst du den Anschnitt auf, lässt du den Anschnitt übrig!

geangetzn würgen, erbrechen

si dergågln stolpern

Kathi Kitzbichler, Erl

A Goaß und a Schnegg

Im Rathaus ums Egg

worn a Goaß und a Schnegg.

Sie hom an Termin

im Hauptbüro drin.

De Schneggn kimmb dru,

de Goaß steht no u.

Und glei drauf, horugg,

kimmb de Schnegg wieda zrugg.

Do frogt de Goaß, wiaso,

bist du scho wieda do?

Jomei, des is gonz klor,

weil i vo ins de Schlaua wor.

Hu koa Problem, weil mit mein Griaß,

liegt mia a jeda zu de Fiaß.

I tua net meggan sondan schleimen,

draus kust da iaz a Gschicht zomreimen.