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Georg Paulmichl

Bis die Ohren und
Augen aufgehen

Frühe Texte und Bilder

Herausgegeben und mit einem Nachwort
von Irene Zanol und Johannes Gruntz-Stoll

HAYMON verlag

 

 

 

»Die Landschaft
ist rundherum prima«

 

Prad

Prad liegt neben Agums.

Es wird von den Bergen überragt.

Prad besitzt zwei alte und eine neue Kirche.

Die Vereine tragen zur Tradition des Dorfes bei.

In Prad sind zwei Plätze für sportliche Ereignisse.

Eine Taverne zur besinnungslosen Unterhaltung ist in Prad gegeben.

Die Carabinieri sorgen für Ordnung in Prad.

Prad hat einen schönen Skilift mit wenig Schnee.

Der Arbeitsmarkt wird in der Industriezone gefördert.

 

Dorfbrunnen

Der neue Brunnen dient für die Bevölkerungsschicht.

Eine Wasserzierde braucht das Dorf.

Der Brunnen ist ein Künstlerwerk.

Eingesegnet hat ihn der Pfarrer und die Ministranten.

Der Dorfbrunnen hat keinen Hahn zum Händewaschen.

Den Wasserhahn haben die Politiker vergessen.

Auch für den Kuhdurst taugt der Brunnen nichts.

Der Brunnen hat für den Bürgermeister eine Ehre gebracht.

Die Musikanten haben den Brunnen mit Posaunen trillaliert.

 

Suldenbach

Der Suldenbach bekommt ein neues Gesicht.

Der alte Damm hat seinen Dienst erfüllt.

Jetzt wird der Damm einer neuen Bebauung unterzogen.

Bagger graben und schaufeln das Erdreich weg.

Lastwagen sind beladen mit großen Steinen.

Stauden und Bäume werden der Entwurzelung unterzogen.

Man will dem Wasser klare Grenzen schaffen.

Zuschauer sind beeindruckt von der Kraft der Maschinen.

Architekten studieren die Marschroute.

Staub, Geratter und Getöse erfüllen ihre Ohren.

Die Fische müssen sich ihr Vergnügen in anderen Flüssen suchen.

So wird der Fortschritt auch in Prad weiterbefördert.

 

Agums

Am Ende von Prad befindet sich das Dorf Agums.

Über dem Dorfe thront die Agumser Kirche.

Die Dorfruhe wird von Wiesen und Äckern umrahmt.

Ein Friedhof als letzte Zufluchtsstätte ist den Agumsern gegeben.

Der Bauernstand ist der wichtigste in Agums.

Alte Häuser zeugen von einer uralten Agumser Tradition.

Misthäufen zäunen die Wegränder von Agums.

Das Kronenwirtsgut dient zur Erfrischung der Gemüter.

Vor Jahren wurde Agums von Bränden heimgesucht.

Die ganze Agumser Bevölkerung war auf den Beinen.

Ihnen lag daran, den Brandstifter zu überführen.

Dieses Gelingen war den Agumsern jedoch verwehrt.

 

 

Georg Paulmichl (O.J.), Ohne Titel, Tempera auf Karton, 24,0 × 17,8 cm

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Das Stilfserjoch

Der Weg zum Stilfserjoch ist eng und kurvig.

Der Schnee bedeckt jahrein und jahraus die gesamte Passhöhe.

Berge ragen wie mächtige Zwerge zum Himmel empor.

Der Fremdenverkehr wird regelmäßig am Stilfserjoch oben betätigt.

Ein Paar Skier, und der Spaß ist unbegrenzt.

Die Hotels sorgen dafür, daß der Magen nie vor Leere knurrt.

Beim ersten Weltkrieg wurde auf dem Joch der Sieg der Kaiserjäger hart umringt.

Grabdenkmäler zeugen noch heute vom sinnlosen Opfergang der Kriegshelden.

Im Winter ist so viel Schnee, daß die Ruhe unumstößlich ist.

 

Churburg

Hoch über dem Tale schwebt die Churburg.

Die Churburg wurde erbaut, als noch die Grafen regierten.

Schwere Eisenrüstungen zeugen vom Rittertum.

Mit Lanzen und Schwertern wurde der Feind abgewehrt.

Viele Ritter sind beim Kampfe nicht mehr zum Leben erwacht.

Der Ritterberuf ist heutzutage ausgestorben.

Das Ritterleben hat keine Zukunft.

In der Churburg lebt ein Besitzer mit bissigen Hunden.

 

Marienberg

Das Kloster wurde von den Urmönchen erbaut.

Mit blanken Händen und Füßen wurden schwere Ziegel befördert.

Der Schweiß rann den Mönchen über die Ohren hinunter.

Als der Klosterbau fertig war, konnten die Mönche mit dem Klosterleben beginnen.

Junge Schüler aus dem Vinschgau wurden im Kloster zum Leben erzogen.

Im Kloster sind strenge Regeln.

Der Mönchsberuf geht heutzutage seinem Ende entgegen.

Die Leute haben keine Zeit mehr.

 

Heimat

Früher wurde die Heimat vom Krieg umlagert.

Die Heimat gehört den Kriegsveteranen.

Auf zum Schwur, Tiroler Land.

Die Heimatvereine haben alle eine Aufgabenliste.

Sie bereinigen die Natur von den Wildschäden.

Die Heimat wird regiert vom Krisenstab.

Alles gehört dem Präsidenten und der SVP.

Im Heimattal gibt es Raufbolde.

Die Tiere haben keinen Verstand für die Blumenpracht.

Im Heimatland gibt es Berge, Schützen und Dachstuhlbrände.

Die Alkoholkontrolle wird vom Gemeindearzt gesteuert.

Der heilige Nepomuk muß die Wasserfluten in der Heimat schützen.

Die Mordlust treibt auch in der Heimat ihre Runden.

Am Ende verschlingt die Heimaterde alle Untaten und Gebeine.

 

Alpenecho

Sulden ist ein Dorf zwischen den Dolomiten.

In Sulden wohnt der Fremdenverkehr.

Sie lieben den Fremdenverkehr wie angegossen.

Die Hotels sind so sauber, daß man sich drin spiegeln kann.

Die Fremden wandern zu den Alpenkühen hinauf.

Die Sennerin jodelt, daß die Fremden nur so klatschen.

Die Landschaft ist rundherum prima.

Die Fremden kommen mit den vollen Hosentaschen nach Sulden.

Wenn die Suldner im Notstand sind, kommen die Hubschrauber.

Im Hirnkastl schwankt es, wenn die Fremden zu viel trinken.

 

Atlantik im Ozean

Die Eskimos wohnen in einem Land, wo es den ganzen Tag schneit.

Die Flocken prasseln wie Regentropfen auf die Eskimos.

Sie müssen warme Socken anziehen, sonst werden die Füße knallhart.

Die Eskimos essen den ganzen Tag Schneesuppe mit Schnittlauch.

Wenn ein Fest ist, tanzen sie, bis der Schnee schmilzt.

Wenn die Eskimos nach Afrika fahren, bekommen sie einen Sonnenbrand am Buckel.

Dann reiben sie den Buckel mit Eis ein.

 

Mexiko

Wenn man über die Ozeane fährt, gelangt man nach Mexiko.

In Mexiko scheint immer die Sonne, Sonnenbrände sind reichlich.

Teile von Mexiko sind von der Wüste heimgesucht.

Den Urlaubern werden mexikanische Tänze serviert.

Viele Sehenswürdigkeiten und Hotels sind in Mexiko.

An vielen Orten stehen alte Tempel und Indianerstatuen.

Das fremde Auge kann sich in Mexiko weit erstrecken, denn das Land ist groß.

Doch in den großen Städten wohnt eine unerbittliche Armut.

 

Die Städte

In den Straßen reihen sich die Häuser übereinander und durcheinander.

Hochhäuser überragen alle Berge.

Menschen huschen wie die Hasen durch die Geschäfte.

Busse und Untergrundbahnen befördern Menschen zum Bestimmungsort.

Polizisten versuchen dem Verkehr Einhalt zu gebieten.

Getränkebuden und Imbissstuben reihen sich in Reih und Glied.

Sirenenheulende Rettungsautos sausen durch die Straßen, um Unfalltote zu retten.

Fabrikschlote verdunkeln die Sichtweite.

In den Fußballstadien brüllen die Leute um die Gunst des Sieges.

Alle Religionen versammeln sich in der Stadt und können angebetet werden.

Straßenlampen beleuchten dunkle Geschäfte.

Viele Städte sind schon über das Maß gewachsen.

» Im Winter wachsen
keine Blumen«

 

Die Wallfahrtsgeschichte

Es war einmal um Pfingsten, als der Heilige Geist gekommen war.

Er kam wie eine Feuerzunge auf die Menschen.

Der Heilige Geist kann nicht sprechen, er ist nur eine Taube.

Die Schützen, die Musikkapelle und ich sind Wallfahrten gegangen.

Ich habe immer die Hände um den Heiligen Geist gefaltet.

In meinem Herzen habe ich die Erleuchtung gespürt.

Nachher war das Herz rein wie Edelstein.

Die Pfarrer sind intelligent und katholisch.