Zur unmöglichen Aussicht

Gustav Ernst

Zur unmöglichen Aussicht

Roman

Kagraner stieß eines Tages, ich saß auf der Terrasse des Cafés in der Sonne und las Zeitung, im Vorübergehen versehentlich gegen meinen Tisch. Er entschuldigte sich, beteuerte seine Unschuld, er habe nur dem Kellner, der ein volles Tablett zwischen den Stühlen balancierte, ausweichen wollen, als er plötzlich innehielt und sagte: Verzeihung, mein Herr, Ihre Aktentasche. Was ist mit ihr?, fragte ich und betrachtete meine Aktentasche. Es ist die gleiche, die mein Freund hatte, sagte er. Ihr Freund, sagte ich, hat er sie denn nicht mehr? Ich weiß es nicht, sagte Kagraner, erlauben Sie mir, dass ich mich kurz setze? Aber ich bitte Sie, sagte ich und rückte ihm den Stuhl zurecht. Sie müssen wissen, sagte er, ich habe meinen Freund aus den Augen verloren. Seit Jahren kein Lebenszeichen von ihm. Nichts, was ich mit meinem Freund irgendwie hätte in Verbindung bringen können. Und jetzt das. Darf ich mir die Tasche genauer ansehen? Sie meinen, es ist seine Tasche?, fragte ich. Nein, nein, sagte Kagraner, ich bitte Sie, das wäre doch ein merkwürdiger Zufall. Aber interessieren würde mich schon, und ich bitte Sie, mich nicht misszuverstehen, ich möchte Ihnen auf keinen Fall zu nahe treten, sagte er, aber wenn Sie mir die Frage gestatten: Wo haben Sie die Tasche her?