Titel

Wolfgang Hermann

Die Augenblicke

des Herrn Faustini

Roman

Einstiegszitat

Das Leben besteht nicht nur aus Spielerei, Bruno!

Passant zu seinem Cockerspaniel,

Deutschland

1

Ein regenfreier Samstagnachmittag. Die Werkbänke waren verwaist, Maschinen verrichteten in glühenden Hallen Dienst, beaufsichtigt von blassen übernächtigten Menschen. In den Gärten wurden die Gerätschaften angeworfen. Frauen knieten über Blumenbeeten, während ihre Männer im Unterhemd mit hochroten Köpfen den heulenden Rasenmäher vor sich herschoben. Allein die Kinder verschleuderten sorglos ihre Kräfte. Herr Faustini war in seinem wilden Garten um sein altes Haus im kleinen Dorf Hörbranz umzingelt von Rasenmähern und Meistern der Gartenverschönerung. Die Grillen, die eben noch ihren wunderbaren Klangteppich über die Wiese seiner Nachbarin, Frau Gigele, legten, waren verstummt. In der Nähe das Tuckern eines Baukrans, einzelne Rufe, ein Lastwagen fuhr mit lautem rhythmischen Piepsen rückwärts auf die Baustelle. Ein Fertigteilhaus, das seine Fertigstellung nicht erwarten konnte. Deshalb wurde auch samstagnachmittags gebaut. Garantiert schwarzarbeitfrei. Wo war das Glühwürmchen, das letzte Nacht allein den ganzen Garten erleuchtet hatte?

Die Samstagnachmittage gehörten den Rasenmähern. Es sei denn, es lag Schnee. Dann wartete man ungeduldig – man sprach in den Vorgärten zwischen zwei Gartentüren davon – auf die heraufkommende Rasenmähersaison. Manchmal, wenn Herr Faustini einen seiner Nachbarn seinen Rasenmäher schieben sah, fragte er sich, ob der Mensch den Kampf gegen das wuchernde Gras je gewinnen würde. Er, Faustini, freute sich, besonders nach einem langen Winter, kindisch am überall austreibenden grünen Leben. Der Mensch in dieser Talschaft rüstete bei einem Blick in den wiedererwachenden Garten sogleich das Gartengerät. In den Stunden der allgemeinen Rasenmäherbegeisterung fühlte sich Herr Faustini wie aus der Landschaft herausgeschnitten. Seine Nachbarn waren ihm ganz fremd.

Ausgenommen Frau Gigele, die morgens manchmal selbstvergessen mit Lockenwicklern im Haar im Garten zugange war. Auch Herrn Faustinis Kater schätzte Frau Gigeles Nachbarschaft. Auf seinen Streifzügen machte er regelmäßig Station bei ihr, ließ sich den Hals kraulen, und musste meist nicht lange auf einen Leckerbissen warten.

Ein kleines Mädchen erschien auf der Terrasse der namenlosen neuen Nachbarsfamilie mit einem Eis in der Hand, an dem sie hastig und verstohlen lutschte. Da fuhr sie unter der Zurechtweisung ihrer Mutter so zusammen, dass ihr das Eis aus der Hand fiel. Nun schimpfte die Mutter sie aus, das Mädchen schrie los. Die Mutter schimpfte lauter, und das Mädchen schrie aus Leibeskräften.

Für Herrn Faustini war dies das Zeichen zum Aufbruch. Er richtete dem Kater für alle Fälle seinen Futternapf mit einer Schale frischem Wasser, versperrte sein Haus und ging zur Bushaltestelle. Nicht lange, und er schaukelte ölgedämpft am Seeufer entlang nach Bregenz. Der Bahnhof war menschenleer. Ein klappriges altes Fahrrad trug einen Mann durchs Bild, der sich, seinem Gesichtsausdruck nach, in einer Stunde nicht mehr daran erinnern würde, je auf einem Fahrrad gesessen zu haben.

Das gleichförmige Quietschen der Radkurbel stand unbeweglich in der Luft vor den überlebensgroßen Köpfen der Lokalpolitiker, die jeden Platz, jede Straßenkreuzung, jede Verkehrsinsel, jede Plakatwand besetzten. Herr Faustini ging durch die Gesichter hindurch, von denen jedes Übermenschliches zu leisten versprach. Der Landeshauptmann hatte ganz alleine das Krankenkassengeld zurückgeholt, das der gierige Fiskus in Wien aus dem rechtschaffenen Vorarlberg herausgepresst hatte. Zudem liebte er die Jugend, versprach höchstpersönlich jedem einzelnen Lehrlingsanwärter eine Lehrstelle, hätschelte die Alten und begleitete voller Tatkraft die unaufhörlich aufstrebende heimische Wirtschaft. Der junge Kandidat der Freiheitlichen Partei ließ die Welt unmissverständlich wissen, dass ohne ihn weder Sicherheit noch Fortschritt, noch die Pensionen garantiert, ja nicht einmal Strom und fließendes Wasser je Einzug in diesem Land gehalten hätten, das in Sachen Wasserkraft und Elektrizitätsgewinnung immerhin seit hundert Jahren erschlossen war. Herr Faustini ging durch die Parolen hindurch wie er auch durch einen Regenguss hindurchging, an dessen Einsetzen er nichts ändern konnte. Sein Beitrag zum politischen Leben des Landes bestand seit einiger Zeit darin, dass er nicht mehr wählen ging. Zum ersten Mal war die Wahlpflicht an diesem Wahlsonntag aufgehoben. Das bedeutete für Herrn Faustini, dass die Wahlkommission seines Dorfes ihn nicht suchen lassen würde, wie am Wahlsonntag vor fünf Jahren, als er nach dem Sonntagsgottesdienst nicht wie die anderen geschlossen ins Wahllokal gegenüber gegangen, vielmehr einen Rundgang durchs Dorf gemacht hatte. Der Vorsitzende der Wahlkommission hatte jedoch den Ehrgeiz, als Erster in seinem Wahlsprengel das vollständig ausgezählte Ergebnis an die zentrale Wahlkommission in Bregenz weiterzuleiten. Einerseits um seine und die Zuverlässigkeit des ganzen Dorfes unter Beweis zu stellen, andererseits weil seine Frau mit dem Mittagessen wartete und auf pünktliches Erscheinen bei Tisch den allergrößten Wert legte. Schließlich stand noch ein Sonntagsausflug zu den Schwiegereltern an, für die Unpünktlichkeit dem Verfall der Sitten Tür und Tor öffnete. Herr Faustini war also quer über den Dorfplatz und an den Fenstern des Wahllokals vorbeigegangen, als würde ihn das alles nichts angehen. Da jedoch nach dem Gottesdienst das ganze Dorf ins Wahllokal strömte, blieb keine Zeit, nach Herrn Faustini zu schicken. Er würde gewiss nur eine Runde drehen, man würde jemanden nach ihm schicken, sobald der Ansturm nachgelassen hatte. Normalerweise saß er an Wahlsonntagen in der Nähe der Bushaltestelle und beobachtete den Verkehr, der nicht stattfand. Immerhin hatte er früher anstandslos gewählt. Wenn auch jeder im Dorf wusste, dass seine Stimme wohl eine der handverlesenen war, die nicht für den unumstrittenen Retter der Krankenkassenmillionen zählten. Hauptsache, der Vorsitzende der Wahlkommission konnte in Bregenz die vollständig abgehakte Wahlliste deponieren. Herr Faustini war es, der die Vollzähligkeit unterwanderte und so das Instrument der Demokratie, die freien und geheimen Wahlen, für welche die Altvorderen unter großen Opfern gekämpft hatten, aushebelte. Herr Faustini war den ganzen Wahlsonntag lang nicht auffindbar gewesen. Die nicht vollzählige Liste der Wahlkommission wurde unter Zähneknirschen als letzte aus dem Wahlsprengel in Bregenz abgegeben. Herr Faustini hatte dem Vorsitzenden sowohl das Wahlsonntagsmittagessen versaut, als auch dessen Schwiegereltern erzürnt, die über Gebühr auf den Sonntagsbesuch hatten warten müssen.

Herr Faustini bestieg den Regionalzug. Irgendwo dämmerte ein Reisender in den Nachmittag. Im Zug war viel Platz, um seine Gedanken schweifen zu lassen. Doch wohin sollten sie an einem Samstag vor einer Wahl schweifen? Sie würden ja doch nicht weit kommen. Neben ihm lag ein Hochglanzmagazin, auf dessen Titelblatt kein Lokalpolitiker abgebildet war. Während der Zug aus dem Bahnhof rollte, schlug er das Magazin auf. Wenn man dem Heft trauen durfte, hielt die Stadt Dornbirn den Weltrekord in Lebenskultur, in Modernität und Weltoffenheit. Urtümliche Almen, die von bodenständigen Bauern bewirtschaftet wurden, gehörten ebenso zu Dornbirn wie moderne Hochleistungsbetriebe, in denen die Arbeiter den ganzen Tag beglückt und fair entlohnt lächelten. Fasziniert blätterte Faustini in dem Magazin, er erkannte die Stadt nicht wieder. Sie schien allein im Dienst des Menschen und seines Wohlbefindens errichtet worden zu sein. Eine Stadt, deren leuchtenden Bildern sich keiner entziehen konnte. Was war an einem Tag wie diesem, da der Zug durch ein Spalier von Wahlplakaten rollte, besseres zu tun, als in Dornbirn, dem Zentrum der höheren Lebensart auszusteigen?

Um den Bahnhof gähnte auch hier die Leere. Vor dem Haupteingang standen zwei türkische Einwanderer der ersten Generation, in deren Augen das Feuer Anatoliens nachbrannte. Obgleich sie den Glauben an die heimwärts führenden Gleise verloren hatten, blieben sie von Anfang an im Umkreis des Bahnhofs, der ihnen in all den Jahren, in denen sie hier nicht hatten heimisch werden können, Ankerpunkt geworden war. Herr Faustini nickte den beiden zu, die seinen Schatten im gleißenden Schimmer ihrer Augen vorüberziehen ließen.

Die Dornbirner Bahnhofstraße war für Herrn Faustini schon immer eine Prüfung gewesen. Er fühlte sich auf Herz und Nieren geprüft, und nur in seinen stärksten Momenten hatte er standgehalten. Üblicherweise war er als Gehender auf dieser Straße sich selbst abhanden gekommen, hatte sich andernorts mühsam wieder neu zusammensetzen müssen.

Waren es die nunmehr geschlossenen Altdeutschen Stuben gewesen, die alle Kraft aus seinen Beinen, mit denen er an ihnen vorüberging, gesaugt hatten? Noch immer meinte Herr Faustini zu spüren, wie um die Altdeutschen Stuben das Licht schrumpfte. Die Zeiten, da hier unschuldige Passanten angelockt worden waren, altöltriefende Pommes frites zu tanken, schienen vorbei. Um die Theken stand nun ein Hauch von Verlassenheit.

Am Ende der Bahnhofstraße wurde Herrn Faustini leichter. Er wusste jetzt wieder, weshalb er für gewöhnlich einen Bogen um Dornbirn machte. Von den Tücken der Bahnhofstraße war im Hochglanzmagazin nichts zu finden gewesen. Ob die Dornbirner ihre Bahnhofstraße einem ahnungslosen ausländischen Investor andrehen könnten?

Die Bahnhofstraße mündete in die leere Fußgängerzone. Herr Faustini prüfte unwillkürlich, ob seine Beine noch da waren, dann schritt er über den Marktplatz, den die wuchtigen Säulen der überdimensionierten Pfarrkirche dominierten. Ein paar Schritte weiter, vorbei an Kleidergeschäften, einer Bank, einem Papiergeschäft, einem Biergarten, und die Fußgängerzone und mit ihr das Stadtzentrum waren zu Ende.

In einem Gastgarten saßen ein paar müde Männer vor ihrem Bier, als Herr Faustini vorbeiging auf der Suche nach der Stadt. Wohin immer er seinen Blick wandte, sah er das Versprechen auf eine Stadt, die nicht da war. Hier musste sie doch sein. Aber wieder nur gähnend leere Straßen. Herr Faustini ging geradeaus und war schon draußen aus der Stadt, die nicht da war.

An einem Gartentor standen zwei Männer. Ob er sie fragen könnte, wo sich hier die Stadt versteckt hielt? Da sagte einer der beiden Männer in nasalem Ton: Das Kricket-Spiel ist auch nicht rasenschonend. Der andere nickte, als hätte er verstanden. Dabei war deutlich sichtbar, dass auch er in Gedanken anderswo war. Herr Faustini jedenfalls hatte nichts verstanden. Nur dass zwischen dem nasalen Ton des Mannes und dem herrschaftlichen Haus hinter ihm ein Zusammenhang bestehen musste. Das ist laut dem Magazin die Gartenstadt, dachte Herr Faustini, was bedeutete, dass es Herrschaftshäuser gab mit großen Gärten, in denen man ganz von selbst begann durch die Nase zu reden. Das mochte vom täglichen Prüfen des Dufts der Rosen kommen, die den Aufgang zu jedem herrschaftlichen Haus säumen. Wer ständig den Duft wunderbarer Rosen einatmete, dessen Stimme nahm vielleicht einen Tonfall an, der leicht als Herrschaftstonfall missverstanden wurde. Als Herrschaft hatte man es in diesem Land zu dieser Zeit auch nicht leicht. Vorbei waren die Zeiten, da man wie ein König in seinem Schloss residierte. Was blieb einem anderes übrig, als über unbezahlbare Personalkosten zu jammern? Wer jammerte hier eigentlich? Stand da ein verarmter Graf auf den Stufen und klagte in den Sommertag? Nein, Rosen, Portale, Herrschaften, das alles war nur Herrn Faustinis kleine Sommerphantasie, ein Blick durch den Zaun der Zeit. Oder hatten die Altdeutschen Stuben wieder einmal gesiegt und Herrn Faustini aus seiner eigenen Haut fallen lassen?

Herrn Faustinis Blick fiel durch einen Gartenzaun auf einen alten Steinbrunnen, in dessen Wasser sich die Abendsonne spiegelte, als ihn der Geruch von Duschgel ablenkte. An ihm gingen zwei junge Männer vorbei, ganz in eine Wolke aus Gerüchen gehüllt, die ohne Zweifel der Anlockung von jungen Frauen dienten. Das Haar des einen Burschen wippte zuversichtlich, während der andere über sein Mobiltelefon im breitesten, raumverdrängenden Dialekt eine Verabredung einfädelte. Herr Faustini folgte den beiden, gerade weit genug entfernt, um nicht in ihre Duschgelspur zu geraten, gerade weit genug, um seine eigene Witterung aufnehmen zu können. Die beiden näherten sich dem Marktplatz, von wo ein eigenartiges Summen zu hören war, oder war es mehr ein Vibrieren? Im Schaufenster einer alten Buchhandlung lag noch immer, wie schon vor zwanzig Jahren, Mein erstes Kochbuch, und es sah genauso aus wie damals. Herr Faustini blieb einen langen Augenblick stehen und sah in die Tiefe der Jahre hinab, die aus dem Umschlag des Kochbuchs heraufstiegen. Das war wieder so ein Moment, der Gefahr lief, nicht zu vergehen. Er hätte gut und gerne einen Monat, vielleicht auch ein Jahr vor Mein erstes Kochbuch verharren können, das er – vor wie vielen Jahren? – schon in welcher Küche hatte stehen sehen?

Er gab sich einen Ruck und ging weiter. Seine Beine folgten ihm. Das Summen wuchs mit jedem Schritt an. Ein heiseres Lachen, ein zweites Lachen antwortete. Er bog um die Ecke und übersah den Marktplatz, der schwarz war von Menschentrauben, die um ein paar Weinstände herum aneinanderklebten. Eine eigene elektrische Spannung lag in der Luft. Wenn so viele Menschen eng beisammen stehen, dann entsteht also Strom, dachte Herr Faustini. Er ging schnurgerade über den Platz zwischen zwei Menschentrauben hindurch. Dabei verkleinerte er seine Augen zu Sehschlitzen, um umso stärker den Strom der Menschen aufnehmen zu können. Hundert Stimmen durchflossen ihn, ein Dutzend verschiedene Duschöle zogen an seiner Nase vorbei, ihm schwindelte leicht, doch schon verebbte der Strom, er war durch, seine Batterien würden eine Zeitlang reichen. Um die nächste Hausecke herrschte Leere, die Stadt war verschwunden. Herr Faustini konnte getrost in den Zug steigen, das Magazin der Stadt Dornbirn weglegen und hernach mit dem Bus nach Hörbranz schaukeln.

Diesmal würde der Vorsitzende der Wahlkommission pünktlich zum Wahlsonntagsmittagessen zu Hause sein. Die Mitglieder der Wahlkommission würden Herrn Faustini frühmorgens an ihrem Wahllokal vorübergehen sehen. Da es jedem nun freistand, die Wahl zu ignorieren, würden sie sich darauf einigen, diesmal Herrn Faustini zu ignorieren. Sein Fernbleiben würde sich positiv auf die Ästhetik des Dorfergebnisses auswirken.

2

Ein paar Tage später hatte Herr Faustini entgegen seiner Gewohnheit ein festes Ziel: seine erste Therapiestunde. Er hatte nämlich das Telefonbuch aufgeschlagen beim Buchstaben P wie Psychotherapie, obgleich er leises Misstrauen gegen die in jedem Dorfkern im frisch renovierten Ärztehaus ansässigen Psychotherapeuten hegte.

Von den acht eingetragenen Therapeuten waren drei Frauen. Unter den Frauen hatte er die mit dem angenehmsten Namen ausgewählt: Angela Nussbächle. Einer Engelin würde er sich doch anvertrauen können? Besonders wenn die Engelin von einem Nussbaum nahe einem kleinen Bach herstammte.

Herr Faustini fuhr nach Dornbirn, schritt ohne Ich-Verlust durch die Bahnhofstraße, stieg im Psychotherapeutenhaus die Treppe hinauf, klingelte, trat nach dem Summton ein, führte sich ins Wartezimmer, nahm Platz, und ein freundliches Gesicht lugte aus dem Behandlungszimmer und bat ihn einzutreten. Herrn Faustini schien es, er ginge in Zeitlupe über die Schwelle. Sein erster Besuch bei einer Psychotherapeutin war schon eine Zeitverzögerung wert. Niemals hätte er daran gedacht, sich selbst in Reparatur zu geben. Aber es musste sein, bevor der Riss irreparabel wurde. So hatte es Herr Faustini mit Elektrogeräten auch stets gehalten. Bis der Tag kam, an dem er beim Elektriker mit seinem alten Rasierapparat belächelt wurde, als wäre der ein Fundstück aus prähistorischer Zeit. Gerade dass man ihn nicht ans Landesmuseum verwies, denn wer weiß, vielleicht böte dieses Gerät bald einen so ungewöhnlichen Anblick wie die Versteinerung einer Meeresschnecke auf viertausend Metern Seehöhe.

Was führt Sie zu mir?, fragte Frau Nussbächle mit ausbalancierter Freundlichkeit. Zugleich mit der Freundlichkeit schwang auf dem Resonanzboden ihrer Stimme die Bereitschaft, sich nun eines Problembergs anzunehmen und ihn Schicht für Schicht umzugraben. Frau Nussbächles Augen ruhten mit einer ihm bislang unbekannten Verbindlichkeit auf Herrn Faustini. So war das wohl, wenn man einen Menschen in Reparatur gab. Schließlich war der Mensch das heikelste Präzisionsinstrument, noch heikler als sein alter Braun-Rasierer – requiescat in pacem – je gewesen war.