Letzter Applaus

Herbert Dutzler

Letzter Applaus

Ein Altaussee-Krimi

1

Auf diesen Einsatz hätte Gasperlmaier gern verzichtet. Zum einen, weil der ganze Wirbel ausgerechnet am Tag vor dem Beginn des Narzissenfestes stattfinden musste. Und zum anderen, weil er völlig gegen seine eigene Überzeugung handeln musste.

Es war wegen dem Trachtenparadies. Nicht, dass er an und für sich etwas gegen Trachten gehabt hätte, ganz im Gegenteil. Er trug seine Lederhose seit Jahrzehnten mit Stolz und Selbstverständlichkeit, wie auch seine Frau ihrer Arbeit als frisch gebackene Direk­torin der Altausseer Volksschule gewöhnlich im Dirndl nachging. Und jedes zweite Geschäft in Bad Aussee war ohnehin ein Trachtengeschäft, eine Lederhosenmacherei oder eine Stoffdruckerei. Daran lag es also nicht. Es lag nur an dem besonderen Trachtengeschäft, das heute eröffnet werden sollte. Das Trachtenparadies war nämlich kein alteingesessenes Geschäft, sondern eine Filiale einer Textilkette, die sich bereits über fast ganz Österreich und Bayern verbreitet hatte und Billigtrachten völlig unklarer Herkunft verkaufte. Gemunkelt wurde sogar, dass die angebotene Ware in Indien und Bangladesch gefertigt wurde. Aus billigem Ziegenleder sollten die Lederhosen sein, hörte man. Gasperlmaier hatte nichts, rein gar nichts, gegen die Inder an sich, und gegen die Ziegen schon gar nicht, aber dass im Ausseerland Lederhosen und Dirndl verkauft würden, die irgendeine bitterarme Näherin in einer Bruchbude am Brahmaputra zusammengestichelt hatte, das ließ ihn erschauern.

Und so hatte es natürlich, nachdem ruchbar geworden war, dass das Trachtenparadies eine Filiale in Bad Aussee eröffnen wollte, wütende Proteste aller Art gegeben. Ein Boykottaufruf in der Alpenpost war noch das Harmloseste gewesen. Etwas deutlicher war der Stammtisch geworden, sogar sein ehemaliger Postenkommandant, der Kahlß Friedrich. Der hatte hinter seinem Bier etwas von »Anzünden« und »Scheiben einschlagen« gemurmelt. Und darauf hingewiesen, dass er jetzt schließlich Zivilist sei und keine Uniform mehr trage, und als Pensionist könne er es sich jederzeit leisten, zivilen Ungehorsam in Betracht zu ziehen.

Warum er denn plötzlich so radikal sei, hatte Gasperlmaier gefragt. Er habe doch sonst nichts anderes im Sinn gehabt als seine Ruhe. »Eben!«, hatte der Friedrich gerufen und mit der flachen Hand auf den Tisch geschlagen. »Verstehst du denn nicht, dass es mit der Ruhe dann vorbei ist, wenn sich sogar hier die Großkonzerne mit ihrem Plastikgewand einnisten? Dann ist nämlich Feuer am Dach, wenn unsere Trachtenschneider in den Konkurs müssen!« So weit hatte Gasperlmaier selbst noch gar nicht gedacht. »Und wenn alles zugrunde geht, sperren auch noch die letzten Wirtshäuser zu!«, hatte der Friedrich gewettert. Damit hatte er Gasperlmaier völlig auf seine Seite gezogen. Er nickte ergeben.

Kurzum, für den Termin der Eröffnung des neuen Geschäfts in der Ischler Straße war gleichzeitig eine Protestkundgebung ebendort anberaumt worden. Die Straße hatte wegen des Menschenauflaufs vor dem Geschäftslokal bereits gesperrt werden müssen, und Gasperlmaier begab sich, zusammen mit der ­Manuela Reitmair, seiner Kollegin vom Posten in Altaussee, zum Ort des Geschehens, wo sie bereits von zwei Kollegen vom Bad Ausseer Polizeiposten erwarten wurden. »Dank schön, für die Verstärkung.« Der Grill Peter, einer der Kollegen, schüttelte ihnen die Hand. »Bis jetzt ist alles ruhig geblieben!« Gasperlmaier sondierte die Situation. Auf der einen Seite die Auslagenscheiben des Trachtenparadieses, mit großen Plakaten, die die heutige Neueröffnung in neonfarbenen Buchstaben auf schwarzem Grund ankündigten. Prosecco sollte es geben. Und Gutscheine sollten verschenkt und großzügige Rabatte gewährt werden. Gasperlmaier seufzte.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte sich bereits eine beträchtliche Anzahl Einheimischer versammelt, fast alle, wie er feststellte, in der Tracht und mit finsteren Gesichtern. Aber auch ein paar auffällig dünne Mädchen in Jeans und knappen Oberteilen fielen ihm auf. Gasperlmaier erschrak. Hatte man nicht in den letzten Monaten immer wieder von jungen Mädchen gehört, die sich mit entblößten Ober­körpern und Schriftzügen auf den Brüsten wütend protestierend den Ordnungskräften entgegengestellt hatten? Das fehlte hier gerade noch, dass sie halbnackte junge Frauen bändigen mussten. Gasperlmaier wandte sich ab. Vielleicht hatte ihm doch seine Phantasie einen Streich gespielt, und die Mädchen wollten bloß ein billiges Polyesterdirndl ergattern.

»Wenig los, da drinnen!« Die Manuela beschattete die Augen mit ihrer Hand und versuchte, durch die Auslagenscheibe zu spähen. »Da werden sie keine zweite Flasche Prosecco aufmachen müssen.« Plötzlich öffnete sich die Ladentür, und ein junger, dunkelhaariger Mann mit kantigen Gesichtszügen trat auf den Gehsteig. Er trug, wie Gasperlmaier feststellte, selbst das billige Trachtenimitat aus seinem Geschäft. In einer echten Ledernen, so dachte Gasperlmaier bei sich, hätte er vielleicht sogar ganz schneidig ausgesehen.

»Die Leute da sind geschäftsschädigend!« Der Mann deutete auf die Menge auf dem gegenüberliegenden Gehsteig. Ein kurzer Blick zeigte Gasperlmaier, dass sie sich noch einmal erheblich vergrößert hatte. Auch auf der Straße standen nun Menschen, sodass das Geschäft mehr oder weniger eingekesselt war, mit vier Beamten zwischen dem Eingang und der Menge. »Sorgen Sie dafür, dass die Straße frei wird und die Kunden ungehindert zu mir ins Geschäft kommen können?« Der Mann lächelte Gasperlmaier entgegen und schien, zumindest einstweilen noch, ziemlich gelassen. »Stern!« Er streckte Gasperlmaier die Hand hin. In einem Reflex ergriff der sie, um sie kräftig zu schütteln. Dumpfes Gemurmel und vereinzelte Buhrufe von der anderen Straßenseite waren die Folge. »Aha!«, schrie einer aus der Menge. »Die Polizei verbrüdert sich schon mit den Gaunern!« Das Geraune in der Menge schwoll an, doch der Kollege Grill schritt den Leuten mit erhobenen Armen entgegen. »Tut’s das doch nicht überbewerten, Leute! Wir verbrüdern uns mit gar niemandem! Wir haben nur dafür zu sorgen, dass hier das Gesetz eingehalten wird! Und euch bitt ich, von jeder Gewalt Abstand zu nehmen! Wenn wer in das Geschäft will, oder wieder heraus, dann dürft ihr mir keine Schwierigkeiten machen!« Gasperlmaier konnte nicht mehr tun, als zustimmend zu nicken. Die Buhrufe wurden weniger und verstummten schließlich. Dennoch war die Stimmung, so fand er, explosiv.

Der Herr Stern stand immer noch neben ihm und schien die Aufregung ohne jede Gefühlsregung hinzunehmen. »Das ist am Anfang oft einmal so«, sagte er. »Die Leute gewöhnen sich schon daran. Und den Touristen ist es eh wurscht, wo sie ihre Trachten kaufen.« Gasperlmaier schnaubte, hielt aber den Mund. Dafür ertönte ein Ruf aus der Menge: »Das ist doch keine Tracht, was ihr da verkauft, das sind doch bestenfalls Faschingskostüme! Eine Schande ist das!« Bravo-Rufe und Applaus unterstützten den jungen Mann mit Hut und Gamsbart, der kämpferisch die Faust hochreckte. Genau das hätte auch Gasperlmaier gesagt – wenn es ihm denn eingefallen wäre. Gerade in Stresssituationen fehlten ihm oft die richtigen Worte.

»Bravo! Zeigen wir’s denen!« Gasperlmaier fuhr herum. Die Stimme kam ihm bekannt vor. In der zweiten Reihe hinter den dünnen Jeans-Mädchen stand seine Tochter Katharina, die Faust emporgereckt. Ihn traf fast der Schlag. Was, wenn sich die Katharina hier vor den Leuten entblößen würde? Womöglich von einem Pressefotografen mit einem schwarzen Slogan auf der Brust abgelichtet werden würde? Auf der Titelseite der Schillingzeitung? Gasperlmaiers Magen zog sich zusammen, gleichzeitig befahl er sich, nicht hysterisch zu werden. Schließlich war die Katharina morgen im Finale bei der Wahl der Narzissenkönigin, und warum hätte sie die ganze Auswahlprozedur auf sich nehmen sollen, wenn sie hier heute alles aufs Spiel setzen wollte? Dennoch, sie hatte in letzter Zeit einen aus seiner Sicht etwas überzogenen Gerechtigkeitssinn entwickelt. Ständig wurde zu Hause über Tierrechte, über den übermäßigen Fleischkonsum ihrer Familie, und nicht zuletzt über den fairen Handel mit Textilien diskutiert. Gasperlmaier hätte es lieber gesehen, wenn sie für ihre bevorstehende Matura gelernt hätte. Er hatte schon eine regelrechte Aversion gegen die Wörter »Bio« und »Fair Trade« entwickelt. Jeder zweite Satz der Katharina fing, selbstverständlich in möglichst vorwurfsvollem Ton, damit an. So, als ob er persönlich hauptverantwortlich wäre für die Ausbeutung der Dritten Welt und die Schandtaten der Nahrungs­mittelindustrie.

Neben der Katharina stand eine dunkelhaarige, hagere Frau, die Gasperlmaier nicht kannte. Wegen ihrer Größe fiel sie ihm auf, sie überragte die Katharina um fast eine ganze Kopfeslänge. Ihre dunklen Augen schienen ihn zu fixieren, und um ihren Mund machte sich ein etwas hämischer Zug breit. Er wandte sich ab, stellte fest, dass er zu schwitzen begann, und nahm seine Dienstmütze ab. Der Kreis der Demonstranten um das Geschäftsportal schien enger zu werden. Plötzlich stürzten die dünnen Mädchen, die Gasperlmaier ohnehin schon die längste Zeit verdächtig vorgekommen waren, schreiend aus der Menge hervor, zogen Spraydosen aus ihren Handtaschen und versuchten, zwischen ihnen hindurch zu den Auslagenscheiben zu gelangen. Gasperlmaier erwischte eine von ihnen und fasste sie um die Mitte. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, dass die Manuela eine andere mit beiden Händen am Arm zurückhielt und der Grill Peter hinter ihm im Gerangel mit einem der Mädchen stöhnte. Das Mädchen, das er selbst festhielt, wand sich wie ein Aal. »Polizeibrutalität!«, schrie sie. »Das ist ein sexueller Übergriff!« Gasperlmaier bekam eine Spraydose gegen die Wange. Sie schepperte zu Boden, und Gasperlmaier ließ das Mädchen los, hauptsächlich, um ihren Fingernägeln zu entgehen, aber auch, um die Spraydose an sich zu bringen. Gegen den Widerstand des Mädchens, das sich nun an ihm festkrallte, konnte er sich die Dose schnappen. Triumphierend streckte er sie in die Höhe. Ihre Besitzerin stand ihm nun etwas ratlos, mit zerzausten Haaren und schwer atmend, gegenüber.

Gasperlmaier sah zur Auslagenscheibe und traute seinen Augen nicht. Der Kahlß Friedrich hatte sich im Schutz des Gerangels zwischen den Mädchen und der Polizei herangeschlichen und war gerade dabei, seiner Katharina eine Spraydose zu entwinden. »Mach dich nicht unglücklich, Mäderl!«, ächzte er. »Du willst schließlich Narzissenkönigin werden!« Endlich hatte er die Dose in der Hand, seinen Pranken war die Katharina nicht gewachsen. »So!«, sagte er, »und jetzt sagst mir, was ich hinsprühen soll!« Gasperlmaier dachte, er hätte sich verhört. Nur um seine Ruhe zu verteidigen, griff der Friedrich plötzlich zur Gewalt? Die Katharina beugte sich zum Friedrich und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Daraufhin zückte der die Dose und begann zu sprühen.

Gasperlmaier sah ihm mit offenem Mund zu. Er konnte doch nicht seinen ehemaligen Postenkommandanten festnehmen, um ihn daran zu hindern, eine Auslagenscheibe zu besprühen! Von hinten nahte der Herr Stern, dessen Billigtracht, wie Gasperlmaier nicht ohne Genugtuung feststellte, bereits in Fetzen hing. Sie hatte dem Angriff der Mädchen offenbar nicht standhalten können. Wenn man bedachte, wie viele Raufereien eine ordentliche Ausseer Lederhose praktisch unversehrt überstand – dafür gab es zahllose Beispiele –, war die Überlegenheit traditioneller Handarbeit bereits erwiesen. Der Herr Stern versuchte den Friedrich von der Auslagenscheibe wegzuzerren, doch der schubste den Stern nur mit der freien Linken beiseite wie eine ­lästige Fliege.

Die Menge hatte inzwischen begonnen, den Friedrich mit Sprechchören anzufeuern. Auch ein Trans­parent war aufgetaucht. »Fairer Handel mit fairer Tracht!«, stand darauf, und die dunkelhaarige Frau, die Gasperlmaier vorhin schon aufgefallen war, hielt ein Plakat in die Höhe, auf dem in schwarzer Schrift stand »Weg mit den Bluttextilien!« Sie hatte den Karton auch noch üppig mit roten Blutstropfen garniert. Mit emporgereckter Faust feuerte sie die Sprechchöre noch zusätzlich an. Gleichzeitig schien sie zu lächeln und suchte Blickkontakt zu ihm. Lachte sie ihn etwa aus?

Als sich Gasperlmaier wieder der Auslagenscheibe zuwandte, hatten zwei weitere herbeigeeilte Polizisten den Friedrich an beiden Armen gepackt und weggezerrt. Gasperlmaier kannte die beiden nicht, sie waren wohl von den Ausseern zur Verstärkung herbeigeholt worden. Auf der Scheibe stand nun »Weg mit den Bluttex«, denn der Friedrich hatte das Wort nicht mehr fertig schreiben können. »Das Trachtenparadies ist eine Hölle!«, skandierten nun die Demonstranten, und der Friedrich und die Katharina schrien mit. Dazu reckte seine Tochter im Rhythmus die Faust in die Höhe. Wieder hatte sie sich neben die dunkle Frau gestellt. Langsam wurde Gasperlmaier alles ein wenig zu viel. Der Friedrich grinste und rief zu ihm herüber: »Na, wie hab ich das gemacht, Gasperlmaier? Ich als Pensionist kann mir das erlauben, ich brauch nichts mehr vom Staat. Und die Pension werden’s mir wegen ein paar Farbklecksern schon nicht wegnehmen.« Gasperlmaier seufzte. Natürlich war es ihm recht, dass anstelle der Katharina der Friedrich die Scheibe besprüht hatte, aber mit seiner Tochter würde trotzdem ein ernstes Wörtchen zu reden sein, heute Abend, zu Hause.

»Das funktioniert so nicht! Immer nur kuschen und den Mund halten!« Kaum hatten der Christoph und die Christine die Teller weggeräumt, hatte die Katharina den Waffenstillstand gebrochen, der während des Essens verordnet worden war. Gasperlmaier rang nach Worten. »Das sagt ja auch niemand! Aber man muss doch nicht gleich, man sollte doch zuerst …« Der ­Christoph sprang ihm bei. »Man muss doch nicht gleich kriminell werden!« Gasperlmaier nickte. Die Christine setze sich wieder zu ihnen. »Im Prinzip ist es aber etwas Richtiges und Wichtiges, wofür sich die Katharina einsetzt«, gab sie zu bedenken. Die nickte so eifrig, dass die Haare flogen. »Die Näherinnen in Kambodscha oder in Bangladesch, die verdienen ein paar Euro am Tag, und dafür arbeiten sie vierzehn Stunden, sechs Tage in der Woche!«, ereiferte sie sich. »Und dann kommt da so ein Pseudo-Trachtenverein und will uns das Zeug, das in Asien aus billigsten Materialien zusammengenäht worden ist, als Tracht verkaufen! Was glaubst du denn, warum ich mich als Narzissenkönigin beworben habe?« Gasperlmaier verstand nicht recht. »Was hat denn das Trachtenparadies mit dem Narzissenfest zu tun?« Jetzt mischte sich auch die Christine ein. »Wenn wir die Tradition und das Narzissenfest ernst nehmen, dann müssen wir auch zu authentischer Tracht stehen – zu Stoffen, die in unserer Heimat entstanden sind, aus Produkten, die bei uns wachsen, und zu Gewand, das bei uns genäht worden ist.« Der Christoph grinste. »Da dürftet ihr aber auch keine Baumwolle hernehmen!« Die Katharina beugte sich vor und fuhr ihm über den Mund. »Es gibt auch zertifizierte Bio-Baumwolle aus Fair-Trade-Anbau! Was glaubst du, wozu wir eine Projektarbeit über die Vermarktung nachhaltiger Produkte im Tourismus gemacht haben!« Anscheinend, so schien es Gasperlmaier, waren an dieser Diskussion, außer ihm, ausschließlich Expertinnen und Experten aus der Textil­branche beteiligt. Wieder flogen ihm die Begriffe »Bio« und »Fair Trade« nur so um die Ohren. Zwar schwieg er, denn es redeten ohnehin schon mindestens zwei Familienmitglieder durcheinander. Aber ob das Trachten­paradies wirklich so schlimm war, daran zweifelte er. Womit würden die armen Näherinnen denn ihr Geld verdienen, wenn ihnen auch noch diese Arbeit abhandenkam, weil die Europäer gar so sehr dagegen protestierten?

»Und wenn die Gemeinde nichts tut, und wenn der Hausbesitzer sich für gar nichts interessiert als die Miete für das Geschäftslokal, dann muss man halt zu drastischeren Mitteln greifen, damit die Leute kapieren, dass eine Ziegenlederhose aus Pakistan oder ein Dirndl aus Malaysia keine Tracht sind.« Die Katharina schlug mit der Faust auf den Tisch, was ihr eine beruhigende Geste seitens ihrer Mutter eintrug. »Wenn das alles stimmt, was ihr in eurer Projektarbeit geschrieben habt, dann muss ich dir eigentlich recht geben«, sagte sie. »Aber hysterisch braucht sie deswegen nicht gleich werden. So haben sie wenigstens Arbeit, da unten!«, meinte der Christoph. »Das ist ein unglaublich ethnozentristisches Argument!«, schimpfte die Katharina, und Gasperlmaier beschloss, angesichts unverständlicher Fremdwörter ab jetzt höchstens noch besänftigend, nicht aber fachlich, in die Debatte einzugreifen. Hätte er seine Bedenken eingebracht, wäre er jetzt selbst zur Zielscheibe der Wut seiner Tochter geworden. Er trank sein Bier aus.

Dann fiel ihm aber doch noch eine Einzelheit ein, die für ihn noch nicht ganz geklärt war. »Warum, eigentlich, bewirbst du dich jetzt als Narzissenkönigin?« »Na, weil ich da die Chance bekomme, meine Botschaft hinauszutragen: Tracht ist nur dann etwas wert, wenn auch das dahinter stehende Handwerk wertgeschätzt wird. Wenn lokal gekauft und gearbeitet wird, wenn die Wertschöpfung hier stattfindet. Was das Trachtenparadies verkauft, das hat genau so viel Wert wie eine Badehose mit Lederhosenaufdruck: Keinen!«

Die Christine seufzte. »Kind, du hast ja in fast allem Recht. Aber ob der Tourismusverband mit deiner Einstellung viel Freude haben wird, das wage ich zu bezweifeln.« Die Katharina tat den Einwand mit einer lässigen Handbewegung und einem Pfauchen ab. »Die sollen froh sein, wenn es jemanden gibt, der wirklich was vom Tourismus versteht!« Die Katharina war nämlich gerade dabei, die Tourismusschule abzuschließen. Die schriftliche Matura hatte sie schon gemacht, und das noch dazu mit lauter guten Noten. Gasperlmaier hatte sich zwar gesorgt, dass das ganze Theater mit dem Narzissenfest dazu führen würde, dass sie sich keine Zeit mehr für die Schule nahm, aber da konnte er eigentlich gar nichts sagen: Die Noten passten. Und sie wollte jetzt auch Tourismusmanagement studieren. Und redete schon davon, dass sie weiß Gott wo, in Sri Lanka oder Singapur, in einem Hotel arbeiten wollte. Sogar einen Chinesisch-Kurs hatte sie deswegen belegt. Immer mehr Touristen kämen aus China, meinte sie. Gasperlmaier hätte es lieber gesehen, wenn sie nach der Schule in einem Hotel in der Umgebung gearbeitet hätte. Jetzt, wo der Christoph schon die meiste Zeit in Wien war, wollte er nicht auch noch die Katharina so weit weg wissen. Aber, was sollte man machen?

»Wer war denn eigentlich die Frau, die da neben dir gestanden ist«, wollte er nun doch noch wissen, »die große, dunkelhaarige?« »Wen meinst du?«, fragte die Katharina etwas irritiert zurück. »Na, die mit den dunklen Augen! Die uns immer so angestarrt hat! Und ein Transparent hat sie auch gehabt!« Die Katharina sah auf ihren Teller. »Ich weiß gar nicht, von wem du redest«, nuschelte sie mit halbvollem Mund. Das entsprach wohl nicht ganz der Wahrheit, doch Gasperlmaier wollte nun lieber seine Ruhe haben und die Debatte beendet wissen.

»Ich leg mich dann einmal aufs Sofa!« Er stemmte sich hoch und suchte nach der Fernbedienung des Fernsehers. Nach der erregten Debatte hatte er Lust auf ein bisschen Fernsehen, das ihm in der Regel lediglich dazu diente, völlig untätig auf dem Sofa zu liegen, gelegentlich in der Zeitung zu blättern und ansonsten wenig vom Programm mitzubekommen, bevor er einschlief. Das bevorstehende Wochenende würde ohnehin hart werden: Beim Narzissenfest wurde immer Dienst bis zum Umfallen geschoben, und er brachte dabei so viele Überstunden zusammen, dass er sich meist am Anfang der Schulferien eine Woche hatte freinehmen können. Schulferien, so erinnerte er sich, hatten seine Kinder keine mehr, damit war es vorbei. Aber die Christine, die hatte welche. Obwohl sie, was die erste Ferienwoche betraf, schon abgewinkt hatte: Jetzt, als Direktorin, könne sie nicht so einfach nach dem Ende des Unterrichts in die Ferien verschwinden wie früher. Gasperlmaier fragte sich, wozu das Ganze dann gut sein sollte. Wegen der 300 Euro, die sie jetzt im Monat mehr verdiente, wäre das sicher nicht notwendig gewesen.

Morgen Abend aber hatte er sich frei genommen: Denn da würde die große Wahl zur Narzissenkönigin im Kurhaussaal in Bad Aussee stattfinden. Und sogar die Frau Doktor Kohlross würde dabei sein. Sie war bei Ermittlungen im Ausseerland in der Regel die zuständige Chefinspektorin, und zwischen ihr und Gasperlmaier hatte sich mittlerweile so etwas wie Freundschaft entwickelt. Obwohl er sich ihr immer ein wenig unterlegen fühlte und sie insgeheim verehrte. Und zwar völlig ohne jeden Beigeschmack der Begehrlichkeit, versicherte er sich zumindest selbst. Die Frau Doktor war allerdings derzeit in Karenz, ihre kleine Sophie Franziska war gerade einmal drei Monate alt. Deshalb hoffte Gasperlmaier, dass kein Gewaltverbrechen passieren möge, bis sie wieder im Dienst war.

Vor ein paar Wochen hatte die Frau Doktor angekündigt, an diesem Wochenende einmal nach Aussee kommen zu wollen, denn ihre Mutter habe Zeit zum Babysitten. Mit knapper Not hatte man bei der Karin, der Cousine der Christine, noch ein Zimmer auftreiben können – denn das Ausseerland war während des Narzissenfestes restlos ausgebucht. Auf den Ortswappen war sie zwar nirgends zu sehen, doch war die Narzisse die geheime Wappenblume des Ausseerlandes. Gegen Ende Mai bedeckten Millionen der weißen Sterne die Wiesen, und schon seit Jahrzehnten feierte man das Narzissenfest mit Blumenkorsos, bei denen teils gigantische Figuren aus Narzissenblüten gesteckt wurden. Insgeheim fragte sich Gasperlmaier allerdings manchmal schon, warum man um ein paar Blumenfiguren ein solches Aufsehen machte. Aber den Ausseern konnte es nur recht sein: Das Narzissenfest spülte viel Geld in die Kassen des regionalen Tourismus. Nur, dass man an diesem Wochenende manchmal beim Schneiderwirt nicht einmal am Stammtisch einen Platz bekam, das ärgerte ihn schon ein wenig.

Gasperlmaier spürte ein etwas unangenehmes Gefühl im Magen, wenn er an die morgige Wahl dachte. Ob es die Katharina wegstecken würde, wenn man sie nicht wählte? Oder, anders gedacht, ob sie den ganzen Rummel verkraften würde, wenn man sie wählte? Ihm war jedenfalls bei der ganzen Angelegenheit ein wenig unwohl.

Herbert Dutzler

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© Foto: Julian Dutzler

Zum Autor

Herbert Dutzler, geboren 1958, aufgewachsen in Schwanenstadt und Bad Aussee, lebt als Krimiautor, Lehrer und LehrerInnenbildner in Schwanenstadt. Bisher erschienen bei HAYMONtb die ersten vier Fälle des Altausseer Polizisten Gasperlmaier, Letzter Kirtag (2011), Letzter Gipfel (2012), Letzte Bootsfahrt (2013) sowie zuletzt Letzter Saibling (2014).

Impressum

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Satz: Da-TeX Gerd Blumenstein, Leipzig

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Cover: Letzter Saibling

Der Gasperlmaier hat schon viel erlebt – aber so etwas Furchtbares ist ihm noch nie untergekommen: Leichenteile im malerischen Toplitzsee. Das Verbrechen hat offenbar mit dem jährlichen Fischessen des Altausseer Skiclubs zu tun. Doch als grausamen Killer kann Gasperlmaier sich keinen seiner Skiclub-Freunde vorstellen.

Mit dem liebenswürdigen Inspektor hat Herbert Dutzler die Herzen der Krimi-Fans erobert: Spannung, umwerfende Komik und originelle Figuren im gemütlichen Ausseerland.

Herbert Dutzler

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Ein Altaussee-Krimi

ISBN 978-3-7099-3582-8

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Der Gasperlmaier hat es nicht leicht: Ein mysteriöser Anruf führt ihn auf den Loser, wo gleich zwei Frauenleichen zu seinem neuesten Mordfall werden. Während Gasperlmaier gegen Höhenangst und seinen schwachen Magen kämpft, tun sich für ihn und Frau Doktor Kohlross vom Bezirkspolizeikommando Liezen immer neue brisante Fragen auf.

Herbert Dutzler schafft es mit seinem ihm eigenen amüsanten Ton auch in seinem zweiten Krimi, das Ausseerland und seine Bewohner absolut authentisch wirken zu lassen. Besonders den liebevoll gezeichneten Gasperlmaier, etwas ungeschickt, aber stets pflichtbewusst, schließt man sofort ins Herz und fiebert bis zur letzten Seite mit, ob er es schaffen wird, den Täter ausfindig zu machen.

„Krimi-Großmacht Österreich. Herbert Dutzler ist der heiße Name für temperierte Sommerzeiten."

News, Susanne Zobl

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Da kann selbst einem erfahrenen Dorfpolizisten der Appetit vergehen: In pikanter Pose wird die Leiche eines Geschäftsmannes gefunden. Schnell kommen dubiose Details ans Licht. Bestechung, unseriöse Grundstücksdeals – hinter der idyllischen Kulisse des Ausseerlandes geht nicht alles mit rechten Dingen zu.

Der sympathisch-tollpatschige Gasperlmaier verlässt sich in seinem dritten Fall so lange auf sein Bauchgefühl, bis ihm flau im Magen wird: Auch seine Mutter scheint nämlich in den Fall verwickelt zu sein.

„Eine gut aussehende Ermittlerin, ebensolche Zeuginnen, viel Bier und Lederhosen und Trachten-Kulturgeschichte geben dem Mordfall, was er sonst noch braucht. Nette Ironie.“

Die Presse am Sonntag, Rainer Nowak

Herbert Dutzler

Letzte Bootsfahrt

Ein Altaussee-Krimi

ISBN 978-3-7099-7590-9

€ 9.99

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Cover: Letzter Kirtag

So etwas hatte selbst Gasperlmaier noch nie gesehen. Dabei hat er schon viel gesehen, der Gasperlmaier, schließlich ist er seit mehr als zwanzig Jahren Polizist in Altaussee. Aber ein Erstochener am Montag in der Früh im Festzelt vom Altausseer Kirtag, das ist auch für ein gestandenes Mannsbild wie ihn zu viel. Und so trifft er eine falsche Entscheidung – nicht die letzte an diesem Tag, und auch der Tote, der in seinem eigenen Blut im Festzelt hockt, wird nicht das einzige Opfer bleiben.

Herbert Dutzler setzt in seinem ersten Krimi ein mörderisches Karussell in Gang, das die unschönen Seiten der Ausseer Postkartenidylle zeigt. Konsequent aus der Perspektive von Gasperlmaier erzählt, findet Dutzler einen ganz eigenen Ton, der das Lokalkolorit glaubhaft wiedergibt. Mit dem liebenswürdig tollpatschigen Dorfpolizisten hat er einen originellen Ermittler geschaffen, der für Spannung und Schmunzeln gleichermaßen sorgt – den Gasperlmaier wird man sich merken müssen!

„Der sympathische Gasperlmaier erobert die Herzen der LeserInnen im Sturm und auf weitere Altaussee-Krimis darf gehofft werden.“

Bibliotheksnachrichten, Michaela Grames

Herbert Dutzler

Letzter Kirtag

Ein Altaussee-Krimi

ISBN 978-3-7099-7542-8

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2

Es schien der Christine nichts auszumachen, dass die Frau Doktor Gasperlmaier fest an sich drückte und ihm zwei Küsse auf die Wangen drückte, als sie sie abholten. »Ihr glaubt ja gar nicht, wie ich mich freu! Das erste Mal ohne die Sophie! Ich weiß schon gar nicht mehr, wie das ist, allein in einem Bett zu schlafen, ohne dass man von einem Schreihals spätestens um drei Uhr früh wieder aufgeweckt wird!« Die Frau Doktor, fand Gasperlmaier, sah phantastisch aus. Natürlich hatte sie sich ein Ausseer Dirndl besorgt, und ihr dunkles, von ganz dünnen orangeroten Strähnen durchzogenes Haar, das über ihre Schultern floss, passte hervorragend zur Tracht. Fast wie Schwestern sahen die beiden Frauen aus, gleich groß, in etwa auch die gleiche Figur, nur hatte die Christine die Haare dunkelblond gefärbt. Schon als sie zum Auto gingen, kam sich Gasperl­maier ein wenig ausgeschlossen vor. Die beiden Frauen tratschten und kicherten wie alte Freundinnen. »Man kommt ja zwischen Stillen und Wickeln und Baden und Hintern einschmieren und Wäsche waschen praktisch zu nichts, ich erinnere mich noch gut daran!«, hörte er die Christine sagen.

Es war schon lange her, dass Gasperlmaier das letzte Mal bei der Wahl der Narzissenkönigin dabei gewesen war, er konnte sich kaum noch daran erinnern. Missvergnügt stellte er fest, dass die besseren Tische, von denen man eine gute Sicht auf die Bühne hatte, allesamt von sogenannten Prominenten besetzt waren, vom Landeshauptmann abwärts. Dafür saßen sie wenigstens an ihrem Tisch mit lauter Bekannten zusammen, meist Freunde und Freundinnen der Katharina und deren Eltern. Und natürlich hatten sich zu diesem Anlass alle in ihre beste Tracht geworfen. Bereits nach wenigen Minuten begann Gasperlmaier in seinem Rock zu schwitzen. Die Männer am Tisch, so stellte Gasperlmaier fest, warfen der Frau Doktor verstohlene Blicke zu, wenn sie sich sicher waren, dass ihre Ehefrauen sie nicht beobachteten.

Gasperlmaier ließ seine Blicke nach oben schweifen, und da sah er plötzlich den Herrn Stern vom Trachten­paradies in der ersten Reihe auf dem Balkon sitzen und angeregt mit einem Paar plaudern, das neben ihm saß. Natürlich hatte er wieder ein paar dieser elenden Fetzen an, die er in seinem Geschäft als Tracht zu verkaufen wagte. Dass der sich da hertraute? Er war sich sicher, wenn der etwa auf dem Klo im Keller ein paar handfesten Ausseer Burschen in die Hände fiel, würde es ihm übel ergehen. Fast wünschte sich Gasperlmaier, dass es so kommen möge.

Das Paar neben dem Herrn Stern allerdings, das konnte man deutlich erkennen, war in edle Tracht gehüllt, die sicherlich nicht aus dem Diskontladen stammte. Der Mann trug sein graues Haar kurz geschnitten und hatte eine sportliche Figur, die Frau schien um einiges jünger und ziemlich mager zu sein. Eben lachten alle drei, und der Grauhaarige klopfte dem Herrn Stern auf die Schulter. Wer die beiden wohl sein mochten? »Kennst du die?« Er tippte der Christine auf die Schulter, die sich von ihm abgewandt hatte und im Gespräch mit der Frau Doktor war. »Schau einmal hinauf. Da, der eine in der Billigtracht und daneben, die Blonde und der Grauhaarige. Kennst du die?« Verstohlen deutete Gasperlmaier in etwa in die Richtung, die er meinte. »Ja, der eine ist doch der Geschäftsführer vom Trachtenparadies, oder?« Gasperlmaier nickte. »Aber die zwei anderen?« Die Christine zuckte mit den Schultern. »Nie gesehen.«

Überhaupt, so stellte Gasperlmaier fest, waren sehr viele Leute im Raum, die er nicht kannte. Einerseits mochte das mit seinem schlechten Personengedächtnis zu tun haben, aber andererseits … Wer waren die alle? »Da sind so viele … von außerhalb?« »Na ja«, meinte die Christine, »das werden halt die Fans der Kandidatinnen sein. Für die wird ja auch immer ein Kontingent Karten zurückgehalten.« Gasperlmaier trank von seinem Bier und streckte die Füße unter dem Tisch so weit aus, wie das in dieser Enge eben möglich war. So war das also. Man musste nicht nur Kandidatinnen importieren, sondern auch noch deren Anhängerschaft. Wenn es nach ihm gegangen wäre – im Ausseerland hätte es genügend geeignete Mädchen gegeben. Und zur Not konnte man ja, so gestand er gerne zu, den Rest des Salzkammerguts auch noch dazu nehmen. Dann aber sollte Schluss sein. Am Ende würde noch einmal eine Wienerin Narzissenkönigin werden, wenn man so weiter­machte.

Nach einer, wie er fand, recht langwierigen Begrüßung und einer aus seiner Sicht völlig unnötigen Tanzeinlage trat der Moderator mit den zehn Kandidatinnen auf die Bühne, die sich heute der Wahl stellten. Die Katharina, fand Gasperlmaier, sah zauberhaft aus. Nur ihr Gesichtsausdruck schien ein wenig ernst. Hoffentlich führte sie nicht schon wieder etwas im Schilde, was ihr unerwünschte Aufmerksamkeit verschaffte. Die Christine applaudierte kräftig und ließ sich sogar zu ein paar Bravo-Rufen hinreißen, wie auch die meisten anderen am Tisch. Gasperlmaier nahm den Zettel zur Hand, der jedem Gast als Wahlunterlage zur Verfügung gestellt worden war und die wichtigsten Daten jeder Kandidatin anführte. Die meisten, so stellte er fest, waren ein paar Jahre älter als die Katharina, es war nur eine weitere dabei, deren Alter mit 19 angegeben wurde. Dafür war die Katharina die einzige Kandidatin aus der Gegend. Zwei waren aus dem oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes und je eine aus Schladming und der Weststeiermark, die anderen alle aus Salzburg, Tirol und – er hatte es befürchtet – sogar Wien. Er holte seine Brille heraus, um die Kandidatin aus Wien genauer unter die Lupe zu nehmen. Aussetzen konnte man an ihr nichts, befand er. Sogar das Lächeln war einnehmend. Dennoch war das ihr Fest, ein Fest der Ausseer, auch wenn es von Tausenden Touristen aus ganz Österreich und Deutschland gestürmt wurde. Und die Narzissen­königin sollte auch eine Ausseerin sein.

Die ersten fünf Kandidatinnen, die Katharina befand sich nicht darunter, nahmen auf den Sofas auf der Bühne Platz, und der Moderator begann, sie nach der Reihe auszufragen. Was sie sich für die Zukunft wünschte, wurde die erste gefragt. »Jedes Jahr das Gleiche!«, flüsterte die Christine. Die hatte mit dieser Wahl mehr Erfahrung, denn sie war ehrenamtlich für das Narzissenfest tätig und deshalb in den letzten Jahren öfters am Wahlabend dabei gewesen. »Mehr Frieden, und weniger Gewalt auf der Welt!«, antwortete die Kandidatin. Die übrigens, so stellte Gasperlmaier fest, blond gefärbte Haare hatte. Wie auch drei weitere der Damen, nur eine war dunkelhaarig. Die Christine beugte sich zu ihm herüber. »Den Weltfrieden wünschen sie sich. Auch wie jedes Jahr.« Zum Schluss des Interviews, das an Gasperlmaier vorüberzog, ohne dass er nachher hätte sagen können, worum es gegangen war, forderte der Moderator die Kandidatin auf, eine Anekdote aus ihrem Leben zu erzählen. »Natürlich vorbereitet!«, wisperte ihm die Christine ins Ohr. Gasperlmaier wurde flau im Magen. Was, wenn sich die Katharina für eine Episode entschieden hatte, in der auch er vorkam? Gab es irgendetwas, wo er sich ungeschickt angestellt hatte? Wo er sich blamiert hatte, und womit er womöglich wieder im Faschingsbrief landen würde, wenn die Katharina es von der Bühne herunter erzählte? Ihm fielen einige Situationen ein, die dafür in Frage kamen.

Nach den Interviews bekamen die Kandidatinnen noch den Auftrag, ein paar Dinge aus dem Publikum zu holen: einen Schuh, einen Trachtenstutzen und einen Ausseer Hut. Kreischend stoben die Mädchen in den Saal, während ihnen Freunde und Familien schon mit den verlangten Utensilien entgegeneilten. In weniger als zwei Minuten waren alle wieder auf der Bühne, nur die eine oder andere Hochsteckfrisur zeigte Auflösungstendenzen. Die Frau Doktor, stellte Gasperlmaier fest, amüsierte sich blendend und klatschte bei jedem Applaus eifrig mit.

Der Moderator war schließlich zufrieden und entließ die Kandidatinnen. Gasperlmaier sah etwas nervös auf seine Füße hinunter. Das Einzige, was er beitragen konnte, falls auch die Katharina dieselbe Aufgabe gestellt bekommen würde, war einer seiner Stutzen. Sollte er ihn am Ende gleich ausziehen? Flüsternd frage er die Christine danach, die aber winkte nur ab. »Da werden schon ihre Freunde dafür sorgen!«

Die Katharina hatte die Nummer 6 und wurde in der zweiten Runde als Erste interviewt. Gasperlmaier war so unruhig, dass er begann, an seinen Fingernägeln herumzukauen. Das hatte er nicht mehr gemacht, seit er vor mehr als zwanzig Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatte. Die Christine musste ihn mit einem sanften Klaps auf die Finger zur Ordnung rufen. Er trank den letzten Schluck seines mittlerweile warm gewordenen Biers und blickte sich nach einer Kellnerin um. Weit und breit war keine zu sehen. Allerdings stellte er fest, dass er aufs Klo musste. Dafür war aber jetzt eindeutig der falsche Zeitpunkt. Schon hatte die Katharina zu reden begonnen. »Ich mach gerade die Matura«, sagte sie, »und dann will ich Tourismusmanagement studieren!« »Respekt!«, antwortete der Moderator, »Und was würden Sie danach gerne arbeiten?« »Am liebsten im asiatischen Raum, da würden mich natürlich auch die Arbeitsbedingungen der einheimischen Bevölkerung sehr interessieren, egal, ob sie im oder außerhalb des Tourismus arbeiten.« Gasperlmaier wurde warm. Er war sich fast sicher, dass die Katharina die nächste Frage dazu benutzen würde, um ihre Botschaft loszuwerden. »Aha«, sagte der Moderator nur. Der kannte die Katharina nicht. »Und warum möchten Sie Narzissenkönigin werden?« Die Katharina räusperte sich. »Es ist mir wichtig, mit der Tracht auch die Forderung nach fairer Bekleidung in die Welt hinauszutragen. Kleidung sollte unter fairen Bedingungen hergestellt werden, wer sie macht, sollte von seiner oder ihrer Arbeit leben können, und was die Tracht betrifft, sollten Materialien und Arbeit aus unserer Gegend kommen. In Asien gefertigte Billigtrachten sind eine ethische und ökologische Katastrophe, und dagegen stehe ich auch als Narzissenhoheit, falls ich gewählt werde.«

Der Moderator schien etwas verwirrt, im Saal aber brandete Beifall auf, denn alle wussten natürlich, worum es ging: um das Trachtenparadies. Und für diese Textilkette und ihre Waren hatte keiner im Ausseerland etwas übrig. Die Frau Doktor war sogar aufgesprungen und schrie: »Bravo! Bravo!« Gasperlmaier warf einen Blick auf den Balkon. Der Herr Stern saß scheinbar ungerührt da, applaudierte aber nicht. Das Paar neben ihm klatschte recht gemessen, ohne wahre Begeisterung. Ihm traten die Tränen in die Augen. Einerseits vor Rührung, weil seine Tochter so gut reden konnte, dass sie dafür sogar Applaus bekam – andererseits aber auch aus Sorge. Was musste sie sich unbedingt in die Politik einmischen? Wer würde so einem widerspenstigen Wesen eine Anstellung geben?

»So eine Tochter kann man sich nur wünschen!« Ein kräftiger Schlag auf die Schulter ließ ihn fast vom Sessel taumeln. Hinter ihm stand der Korn Christian, ein Kamerad von der Feuerwehr, der fast zwei Meter groß war und entsprechende Arme und Hände besaß. Die Christine wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. »Völlig egal, ob sie gewählt wird oder nicht – sie hat was Wichtiges gesagt.« »Eine tolle Tochter!«, pflichtete auch die Frau Doktor bei. »Die wird’s weit bringen!« Gasperlmaier fragte sich, ob man das als versteckten Vorwurf betrachten musste. Er hatte es ja nicht gar so weit gebracht. Provisorischer Kommandant eines Zwei-Mann-Postens, der wahrscheinlich sowieso der nächsten Reform zum Opfer fallen würde.

Der Moderator fühlte sich durch die Reaktion des Publikums motiviert, der Katharina zu ihren Vorhaben zu gratulieren – und vergaß darauf, sie nach einer Anekdote aus ihrem Leben zu fragen. Gasperlmaier fiel ein Stein vom Herzen.

Die restliche Veranstaltung zog wie durch einen Schleier an ihm vorbei. Erst bei der musikalischen Einlage, die die Pause zur Stimmabgabe einleitete, kam er wieder richtig zu Bewusstsein. »Abstimmen, Franz!« Die Christine musste ihn erst in die Rippen stoßen, damit er den Stimmzettel zur Hand nahm. »Keinesfalls die aussichtsreichsten Kandidatinnen anstreichen!«, empfahl die Frau Doktor, »Denn die sind die stärkste Konkurrenz für die Katharina!« So setzte Gasperlmaier eine Kandidatin aus der Weststeiermark, deren Akzent ihm überhaupt nicht gefallen hatte, auf den zweiten Platz. Außerdem hatte die ein sehr spitzes Kinn gehabt. Und die mit dem Weltfrieden setzte er auf den dritten, die hatte als Einzige einen wirklich einfältigen Eindruck hinterlassen.

Endlich konnte er aufs Klo, aber selbst dort fehlte die nötige Ruhe. Von allen Seiten wurde ihm gratuliert, und jeder wünschte der Katharina den Sieg. Gasperlmaier musste sich zum Wasserlassen in eine Kabine einschließen, sonst hätte er nicht einmal zu dem Gelegenheit gefunden, wofür er heruntergekommen war.

»Die Jury hat getagt, die Stimmzettel sind ausgezählt, und hier ist das Ergebnis!« Der Moderator übergab dem Obmann des Narzissenfestvereins ein großes Kuvert. Die Musiker spielten einen Tusch, während sich alle zehn Kandidatinnen nebeneinander auf der Bühne aufreihten. Der Moderator nannte noch einmal alle mit ihrem Namen und ihrer Nummer, und wieder bekam die Katharina den längsten und lautesten Applaus. Gasperlmaier begann langsam daran zu glauben, dass sie tatsächlich gewählt werden würde.

Der Obmann wartete, bis im Saal völlige Ruhe eingekehrt war. »Die erste Narzissenprinzessin ist …« Ein leiser Trommelwirbel ertönte. »Lisa Baumgartner aus Gmunden!« Keiner an Gasperlmaiers Tisch sagte etwas. Die Prinzessin trat vor, hüpfte aufgeregt auf der Bühne herum und wischte sich Tränen aus den Augenwinkeln. Der Trommelwirbel begann erneut, der Applaus erstarb. Man wartete gespannt auf den nächsten Namen. »Die zweite Narzissenprinzessin ist Katharina Gasperlmaier aus Altaussee!« Jetzt war der Teufel los im Saal. Zuerst fiel die Christine ihm um den Hals, danach gleich die Frau Doktor. Ein wenig schauderte er, als ihm einfiel, dass es das erste Mal war, dass er sie so ganz und gar im Arm hielt. Sie roch gut. Eigentlich hatte er diese ganze Wahl nie so richtig ernst genommen, und als sich die Katharina angemeldet hatte, hatte er gemault, dass sie lieber für ihre Matura lernen sollte. Aber jetzt wurde er so richtig mitgerissen, streckte wie alle anderen die Arme in die Höhe und jubelte, wie er es schon lang nicht mehr getan hatte. Schade, dass die Mutter das nicht miterleben konnte. Aber sie hatte ja auch ausgerechnet vergangenen Montag ihre Kur antreten müssen. Die Katharina winkte, sichtlich erleichtert, ins Publikum und trat ein paar Schritte nach vorne, um sich neben die andere Prinzessin zu stellen.

Es dauerte eine Zeitlang, bis wieder Ruhe im Saal hergestellt werden konnte, sodass der Obmann die Narzissenkönigin nennen konnte. Als der Trommelwirbel begann, schrie noch jemand in den Saal »Katharina!«, aber dann wurde es still. »Die Narzissenkönigin des heurigen Jahres ist Carola Hanser aus dem schönen Zillertal!« Neuerlich brandete Applaus auf, die gewählte Kandidatin, groß und sehr blond, schlug die Hände vor das Gesicht, wankte aus der Reihe hervor und wurde vom Moderator an der Hand genommen, der sie zu ihrem Thron geleitete. Links und rechts davon hatten schon die beiden Prinzessinnen Stellung bezogen. Die Katharina strahlte. Das ernste Gesicht war verflogen, jetzt schien sie die Aufmerksamkeit des Publikums in vollen Zügen zu genießen.

Innerhalb weniger Sekunden war die Bühne voll von Menschen mit allen Arten von Kameras, die Katharina war ihren Blicken entschwunden. »Komm!« Die Christine zog ihn vom Stuhl, in Richtung Bühne. An der Seitentreppe stand ein schwarz gekleideter Security-­Mann. »Kein Zutritt! Außer, Sie haben eine Akkreditierung!« Die Christine ließ sich nicht einschüchtern. »Die habe ich! Ich bin die Mutter!« Sie schob den Mann einfach zur Seite und zog Gasperlmaier an der Hand hinter sich her. »Hallo, das …!« Der Mann schrie ihnen noch hinterher, aber da standen sie schon auf der Bühne. »Hintenrum!«, kommandierte die Christine, als sie sich einer Dreierreihe von Fotografen gegenüber sah. Tatsächlich konnten sie, außen an den Fotografen vorbei, hinter den Thron vordringen, die Christine stieß nach vorn, während sich Gasperlmaier losriss und zurückblieb. »Katharina!« schrie die Christine, die drehte sich um, und sie fielen sich in die Arme. Die Foto­grafen knipsten weiter drauflos, doch zwei weitere Security-Männer eilten herbei und versuchten, die Christine von der Katharina wegzuziehen. Einer handelte sich dabei einen wuchtigen Schlag mit der Handtasche ein, schließlich aber gelang es ihnen doch, die Christine wieder aus dem Blitzlichtgewitter zu entfernen. Etwas derangiert stand sie neben Gasperlmaier, dem die Szene peinlich gewesen war.

»Ich hab sie wenigstens einmal umarmt, das genügt mir schon. In den nächsten Tagen werden wir sie nämlich nur zu Gesicht bekommen, wenn wir uns bei irgendeiner Veranstaltung unter das Publikum mischen.« Gasperlmaier nickte und spähte versonnen in eine Ecke der Bühne, wo eine der unterlegenen Kandidatinnen in ein Taschentuch heulte. Es war die dunkelhaarige. Eine ältere Frau hatte ihr den Arm um die Schulter gelegt. Bei den Verliererinnen, so dachte Gasperlmaier bei sich, nahm man es anscheinend nicht so genau mit der Abschirmung von der eigenen Familie.

Schließlich traten sie den Rückweg an ihren Tisch an. Gasperlmaier wollte heim. »Gehen wir noch wohin feiern? Kommt die Katharina mit?« Die Frau Doktor war ziemlich aufgekratzt und hatte rote Wangen bekommen. Unsicher zuckte Gasperlmaier mit den Schultern. »Ich hab die nächsten Tage praktisch ununterbrochen Dienst, und …« »Ach was!« Die Christine unterbrach ihn mit einer wegwerfenden Armbewegung. »Unser Kind wird nur einmal Narzissenprinzessin! Jetzt wird gefeiert!«

Gasperlmaier wurde in den Keller geschickt, um die Mäntel und Schirme der Damen zu holen. Widerstrebend ließ er sich aus dem Kurhaus hinausziehen. Draußen regnete es. Heftig. »Wir gehen gleich gegenüber ins Hotel!«, kommandierte die Christine.

Gasperlmaier drückte die Christine eng an sich, während sie die wenigen Schritte zum Hotel ­Kaiser Franz zurücklegten. Der Regen prasselte auf den Schirm herunter, sodass der triefend nass war, als Gasperlmaier ihn eine Minute später im Foyer des Hotels in den Schirmständer lehnte.

»Herzlichen Glückwunsch, Frau Direktor!« »Gasperlmaier genügt!«, antwortete die Christine und hielt dem Mann ihren nassen Mantel hin, den er etwas verdutzt entgegennahm. Es war der Chef des Kaiser Franz, Josef Schernsteiner, der sonst die Nase recht hoch trug, sich aber diesmal herabließ, auch Gasperlmaier die Hand zu schütteln. »Gleich zwei Damen im Gefolge, Herr Postenkommandant?« Gasperlmaier war die Großtuerei mit Titeln lästig, vor allem, weil er sich völlig unsicher war, mit was für einem Titel der Chef des Hotels anzusprechen war. Als Ausweg entschied er sich dafür, einfach die Frau Doktor am Arm herbeizuziehen und sie vorzustellen. »Das ist die Frau Doktor Kohlross!« Der Schernsteiner begann zu strahlen. Etwas schmierig, wie Gasperlmaier fand. Er nahm die Rechte der Frau Doktor sogar mit beiden Händen. »Aber doch nicht dienstlich, wie ich hoffe?« Die Frau Doktor schüttelte den Kopf und versuchte, ihre Hand zu befreien, was ihr erst beim dritten scharfen Ruck gelang. »Ich bin privat da. In Karenz. Und schließlich hat es ja kein Verbrechen gegeben, oder?« Sie wandte sich ab und folgte der Christine, die sie zu sich in die Bar winkte. »Bissl feiern!«, nuschelte Gasperl­maier noch und folgte den Damen, die schon in einer Nische Platz genommen hatten.

Die Kellnerin, die an ihren Tisch herantrat, gefiel Gasperlmaier schon viel besser als der Schernsteiner. Ihr Lächeln war auch bei weitem sympathischer. »Ich zahl eine Flasche Sekt!«, rief die Frau Doktor, noch bevor Gasperlmaier ein Wort an die Kellnerin hatte richten können. »Wir haben was zu feiern!« »Wir haben es schon gehört. Die Katharina ist zur Prinzessin gewählt worden. Herzlichen Glückwunsch, Frau Lehrerin!« »Ah!«, strahlte die Christine, »das ist ja die Eva! Nur, an deinen Familiennamen erinnere ich mich jetzt nicht mehr.« »Rastl. Ich bin bis 2002 bei Ihnen in der Klasse gewesen. Dann sind wir allerdings übersiedelt, und meine Eltern wohnen in Bad Ischl. Jetzt bin ich wieder da.« »Die Eva! Jetzt erinnere ich mich wieder!« »Was für einen Sekt darf ich Ihnen denn bringen?« Wieder kam Gasperlmaier nicht zu Wort. Allerdings hätte er auch nicht gewusst, was er sagen sollte. »Haben Sie einen österreichischen Winzersekt?«, fragte die Frau Doktor. »Einen Schilchersekt vom Langmann hätten wir da, aus der Weststeiermark.« »Den nehmen wir!« Gasperlmaier murmelte irgendwas von »Sicher sehr teuer!« vor sich hin, worauf ihn die Frau Doktor gegen den Oberarm boxte. »Jetzt sei doch nicht so fad! Du bist der Papa der Prinzessin! Praktisch also König, geadelt! Da musst du schon ein bisschen über die Schnur hauen!«

Nachdem sie angestoßen hatten und drei weitere Bekannte an ihren Tisch getreten waren, um zu gratulieren, fragte die Frau Doktor: »Was passiert eigentlich mit den dreien jetzt? Sollten die nicht auch zum Feiern hier sein?« »Da gibt’s leider nichts zu feiern!«, antwortete die Christine. »«