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Titel

Tirol hautnah erlebt

Alexandra Plank-Holzknecht über Julia Gschnitzer:
„Nur ein Leben wäre mir viel zu langweilig“

Prolog

Als ich gebeten wurde, über die Schauspielerin Julia Gschnitzer einen Beitrag für dieses Buch zu schreiben, reagierte ich zunächst verhalten. 40 Seiten sind ganz schön viel Holz, wie man so schön auf Tirolerisch sagt, für jemanden, der wie ich gewohnt ist, auf Zeile zu schreiben. Um 80 Jahre Lebenszeit abzubilden, sind es dann aber fast wieder zu wenig. Nach einigem Zögern sagte ich zu, weil ich es als Ehre begreife, diese großartige Künstlerin, hinter der sich eine facettenreiche Persönlichkeit verbirgt, vielen Menschen noch etwas näher zu bringen. Und weil eine Annäherung an die große Charakterschauspielerin Julia Gschnitzer immer auch eine Liebeserklärung an das Theater ist. Und das Theater ist für mich das künstlerische Medium, das mich zutiefst berührt, zum Nachdenken, zum Lachen und Weinen bringt und mich oft auch ärgert – wenn ein Stück schlecht umgesetzt wird oder nicht für die Bühne taugt.

Es folgten das Sichten von Material, das schon über die Schauspielerin erschienen ist, und sehr lebendige Gespräche mit Julia Gschnitzer. Wichtig war mir auch, einige Produktionen zu beschreiben, in denen ich ihre Authentizität in den unterschiedlichsten Rollen erlebt habe. Freunde sagen viel über einen Menschen aus, deshalb habe ich auch Weggefährten wie Felix Mitterer, Martin Sailer und Judith Keller befragt. Der einhellige Tenor bei den Angefragten lautete: „Für die Julia mache ich das.“ Gschnitzer kommentierte diese Bereitwilligkeit lakonisch: „Ja, die werden sich denken, vielleicht haben wir sie ja nicht mehr lange.“ Die Bereitschaft der Vielarbeiter freute sie aber sichtlich. Entstehen sollte keine Biografie, sondern vielmehr ein Portrait. Gerhard Polt sagte zum Thema Biografie anlässlich seines 70. Geburtstages treffend: „Ein lebender Mensch verdient keine Biografie.“ Das Leben von Gschnitzer bis ins Detail auszuleuchten, soll anderen überlassen bleiben. Das hier ist der Versuch des Herantastens an eine bescheidene, beeindruckende Frau. Möge die Übung gelingen.