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Schnee, der
alles zudeckt

Bei Vera Adams
in Plymouth

„An das erinnere ich mich jetzt: Ich habe gehört, dass man mich auf einem Schlitten nach Hause gebracht hat, in die Maria-Theresien-Straße.“ Vera Adams schaut auf, in ihrem aufgeweckten Blick plötzlich noch mehr Lebendigkeit. Sie mag die kalte Jahreszeit, den Schnee. An dem litt Innsbruck im Dezember 1929 keinen Mangel und viele befürchteten einen ähnlich strengen und lawinenreichen Winter wie im Vorjahr. Da hatte die Kälte die städtischen Wasserleitungen zum Bersten gebracht, öffentliche Brunnen waren eingefroren wie Bäche und Flüsse, der Inn, die Donau ebenso, sie war von der Wachau bis nach Hainburg von einer durchgängigen, fast fünfzig Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Österreichweit waren die Temperaturen auf minus zwanzig Grad und tiefer gefallen, in Innsbruck an manchen Tagen auf bis zu dreißig Grad unter null. Das wäre wohl selbst Vera Adams zu frostig. Und ihr Mann Kenneth kann auf den Winter ohnehin verzichten. Im März 2010 waren die beiden zuletzt in Innsbruck, bei der Wiedereröffnung des Kaufhaus Tyrol, das im Bereich der Fußgängerzone in der Maria-Theresien-Straße Touristen wie Heimischen ein Blickfang ist. Für die Neugestaltung zeichnet der englische Architekt David Chipperfield verantwortlich, er hat sich mit seinen Bauten aus Beton und Glas vor allem in Japan und Deutschland einen Namen gemacht. Der einstige Gebäudekomplex wurde 2007 abgerissen, an seine Existenz erinnert immerhin eine Gedenktafel im Erdgeschoß, rechter Hand gleich nach dem Haupteingang, sehen werden sie nicht viele. Der von der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg verfasste Text lautet:

An dieser Stelle befand sich das 1908 gegründete Warenhaus „Bauer und Schwarz“, das 1938 arisiert wurde und von 1966 bis 2007 als „Kaufhaus Tyrol“ weiterbestand. Die Familien Bauer und Schwarz waren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Innsbruck ansässige jüdische Kaufmannsfamilien, die mit dem Bau ihres Warenhauses das erste moderne Großkaufhaus Westösterreichs schufen. Das Warenhaus überstand die Herausforderungen des Ersten Weltkriegs, der Weltwirtschaftskrise und der Inflationszeit. Das Ende der langen jüdischen Kaufmannstradition erfolgte 1938 mit dem „Anschluss“. Die Mitglieder der beiden großen Familien wurden verfolgt, vertrieben und einige von ihnen ermordet.

Steht man in einem der Obergeschoße des neugestalteten Kaufhauses, kann man in westlicher Richtung die Anichstraße hinabsehen, an deren Ende sich die Innsbrucker Universitätsklinik befindet. Dort wird Vera Adams am 16. Dezember 1929 als Tochter von Helene und Ernst Schwarz geboren. Just am Tag ihrer Geburt beginnt es in den Nachmittagsstunden zu schneien, bald sind die Straßen der Stadt weiße Bänder und für Automobile unpassierbar. Also geht’s auf Kufen in die Maria-Theresien-Straße zurück, „wir haben eine sehr schöne Wohnung gehabt, direkt über dem Warenhaus in der obersten Etage.“ Dort wächst sie mit ihrem um drei Jahre älteren Bruder Karl-Heinz in Verhältnissen auf, die dem bürgerlichen Habitus entsprechen. Auf Bildung wird viel Wert gelegt, auf gute Ausdrucksformen, sie sind die Ingredienzien vorzeigbaren Lebensstils. Zu dem passt eine Fotografie der Mutter am Grand Piano zwar weit besser als die Tatsache, dass Helene Schwarz die Familie 1935 verlässt, um mit einem anderen Mann zusammenzuleben. Das aber erwähnt Vera Adams so beiläufig wie die Vorliebe ihres Vaters für die Lieder von Franz Schubert und Hugo Wolf. Es ist nicht Distanz zu ihren Eltern, sondern zu einem Leben, unter das sie einen Schlussstrich gezogen hat. Und ziehen musste.

Eingeschoßige Häuser, Ziegelfassaden, grau wie der Himmel, der zu Phrasen verführt. Elburton, am Stadtrand von Plymouth, ist so trostlos wie jeder andere Ort bei Regenwetter. Dennoch, als Vera Adams auf Krücken gestützt vors Haus tritt, vermag nur ihr Blick die plötzlich drückende Stimmung zu verscheuchen. Als wollten ihre Augen alles vertreiben, was der Lebensfreude zuwiderläuft.

Für Letztere weiß Elburton durchaus zu sorgen, man trifft sich in The Elburton Inn oder in The Ships Tavern, einem Pub, untergebracht in einem Haus aus dem späten 16. Jahrhundert, das einst eine eigene Cider-Presse beherbergte. Der nahe Park, benannt nach King George V, lädt zu Spaziergängen ein, im kaum fünfzehn Minuten entfernten Plymouth ist das National Marine Aquarium zu besichtigen, eines der größten seiner Art. Einer der beliebtesten Treffpunkte der Stadt ist The Hoe, ein Hügel, der einen schönen Ausblick auf den Hafen ermöglicht. Dort lief 1620 die Mayflower aus zu ihrer Fahrt nach Amerika. Auch soll auf The Hoe Francis Drake noch seine Partie Bowls fertiggespielt haben, ehe er gegen die anrückende spanische Armada in den Kampf zog. Vermutlich würde sich Vera Adams lieber über solche Dinge unterhalten, Gesprächen über die Vergangenheit geht sie aus dem Weg, sich selbst ebenso, wäre als Behauptung naheliegend, indes nicht ganz zutreffend. Zum einen erinnert sie sich an wenig, zum anderen ist da eben diese Lebensfreude, die dem Gedächtnis einen Riegel vorschiebt. Das baut Brücken über Abgründe und Teile der Vergangenheit werden zum blinden Fleck. Der erstreckt sich über ihre Kindheit, die Tage der Flucht –

Sich über ernste Themen Gedanken zu machen, entspreche nicht ihrem Naturell, sie krame nicht in sich herum, sie denke positiv. Sie sei anders als ihr Vater, betont sie mehrmals.

„Ich führe ein nervöses unbefriedigendes Leben. Ich bin nicht in Innsbruck und bin noch nicht in England. Die politische Lage ist wieder äußerst angespannt. Es besteht große Kriegsgefahr. Den Krieg und den Zusammenbruch möchte ich gerne irgendwo anders erleben. Hier nicht. Ich bin von Hass und Verachtung erfüllt“, notiert Ernst Schwarz in sein Tagebuch. Ein einzigartiges Dokument, das die Angst spürbar werden lässt, die in den Märztagen 1938 die Innsbrucker Jüdinnen und Juden erfasste. „Heute sind braune Horden durch die Stadt gezogen und sangen: Hängts die Juden, stellts die Schwarz an die Wand!“

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Vera Adams’ Großeltern Victor und Rosa Schwarz mit ihren zehn Kindern 1904. 1. Reihe v.l.n.r.: Theodor, Susanne, Rosa, Regina, Hedwig, Kurt; 2. Reihe, stehend v.l.n.r.: Josef, Richard, Victor, Ida, Walter, Ernst

Eingeschüchtert und verbittert, Ernst Schwarz wird ein Gedanke zum Anker: Die Kinder müssen außer Landes gebracht werden, rasch. Und so bemüht er sich um die nötigen Dokumente, im Juli 1938 erhält er einen Pass für Karl-Heinz, der Freude darüber folgt die Verzweiflung: „Meine Stimmung ist seit Tagen entsetzlich. Mit Veraleins Pass geht es einfach nicht vorwärts. Nun warte ich schon fünf Wochen und nun soll er erst nach Wien gehen. Wie man uns quält!“

Endlich trifft auch Veras Pass ein, am 11. August 1938. Neunzehn Tage später kommen die Geschwister mit einem Kindertransport in England an.

Für die Ankunft hat Vera Adams keine Bilder, weiß, dass die Quäker die Flucht ermöglichten und sich zunächst auch in England um sie kümmerten. Später kommt sie zu einem kinderlosen älteren Ehepaar, gut habe sie es dort gehabt. „Aber ich kann mich auch erinnern, dass sie auf der Straße gegangen sind und zu den Leuten gesagt haben: This is our little refugee girl.“ Die drei leben an der Südküste, aus Angst vor der drohenden deutschen Invasion wird Vera Adams jedoch bald zu einer anderen Familie in Englands Norden geschickt. Kaum hat sie sich ein wenig eingewöhnt, muss sie weiter. „Die dritte Familie“, sagt sie, habe sie adoptieren wollen. „Doch mein Vater war dagegen. Und dann bin ich in ein Internat gekommen.“ Dort bleibt sie bis zu ihrem neunzehnten Lebensjahr, rückblickend keine schlechte Zeit, eine gute aber auch nicht, am schönsten allemal die Ferien, in denen sie Verwandte in Manchester besuchen konnte.

Von ihrem Bruder wurde sie gleich nach der Ankunft in England getrennt. Ihren Vater sieht sie erst Monate später wieder. Ernst Schwarz wurde im Oktober 1938 inhaftiert, nach seiner Freilassung im März 1939 gab es für ihn nur noch ein Ziel: zu den Kindern, nach England. Ende März gelang ihm die Flucht. Noch im Juli des Vorjahrs notierte er: „Wenn ich nach England gehen sollte, bin ich doch ein Fremder.“ Als einer jener Menschen fühlte er sich, „die man in ihrer Heimat nicht wollte, weil sie dort als Schädlinge angesehen werden.“ Ähnlich empfand sein Bruder Richard Schwarz: „Wer noch nicht aus seiner Heimat als Bettler schuldlos verstoßen wurde, kann das doch nie und nimmer erfassen.“

Nach Schulabschluss und Internatszeit will Vera Adams an die Universität. „Aber mein Vater hat gesagt, er könne sich das nicht leisten und ich wolle mich ohnehin nur amüsieren. Ich war eben nicht akademisch inkliniert.“ Sie lacht kurz auf, der Schalk in ihren Augen unübersehbar. Da aus einem Studium nichts werden soll, sie Sprachen mag und gern mit Menschen zusammen ist, entscheidet sich Vera Adams für das Hotelfach. Sie besucht eine Schule im Schweizerischen Neuchâtel, um sich Französischkenntnisse anzueignen. „In der Schule gab es eine große Feindschaft zwischen den Deutschsprechenden und den Französischsprechenden – und ich war englischsprechend.“

In der Schweiz ist ihre beste Freundin eine Kanadierin. Einmal reisen die beiden nach Frankreich, an der Grenze stoßen sie auf Probleme. Ihre Freundin wurde in Indien geboren und Vera Adams besitzt keine gültigen österreichischen Papiere. „Wir waren second class citizens“, sagt sie und lacht erneut. Plötzlich wird sie ernst, denn in die Schweizer Tage fällt der Tod ihres Bruders Karl-Heinz, er nimmt sich 1949 das Leben. Wenig weiß sie über ihn zu sagen, nach der geglückten Flucht habe sie ihn selten gesehen. Er besuchte eine andere Schule, die mit Kriegsbeginn evakuiert wurde. Später studierte er in Manchester.

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Ernst Schwarz mit seinen Kindern Karl-Heinz und Vera 1937

„Karl-Heinz war, er hat den Eindruck gemacht, dass er ganz normal ist. Heute glaube ich, er muss einer von denen gewesen sein, die man bipolar nennt, manisch-depressiv. Ich habe das gehört, erlebt hab ich es nicht, dass er manchmal himmelhochjauchzend und dann zu Tode betrübt war. Und ich weiß, er hat gesagt, dass er sich das Leben nimmt. Aber damals hat man gedacht, wenn er davon spricht, wird er das nicht machen.“

Nach dem Tod des Bruders kehrt Vera Adams nach England zurück, lebt ein Jahr mit ihrem Vater im Norden Londons zusammen. Über Karl-Heinz sprechen sie kaum. „Mein Vater war keiner, der das Herz geöffnet hat. Wir sind manchmal zum Grab gegangen, das war sehr weit weg, in East End. In unserer Nähe gab es keinen Friedhof, auf dem Menschen bestattet wurden, die sich das Leben nahmen.“

Vera Adams und ihr Vater, genießerisch die eine, spartanisch der andere, beharrlich in die Zukunft schauend die Tochter, fortwährend die Vergangenheit im Blick Ernst Schwarz. „Er hat gedacht, ich bin nicht ernsthaft genug, ich nehme das Leben zu leicht.“ Zu Streit kam es in dem Jahr ihres Zusammenlebens jedoch nicht. Vera Adams besucht eine Schule für Sekretärinnen, erhält ein Abschlusszertifikat, beginnt hernach in Hotels zu arbeiten – und an ihrem Arbeitsplatz zu wohnen. Denn als ihr Vater 1950 ein zweites Mal heiratet, zieht sie aus der gemeinsamen Wohnung aus, beginnt ein Wanderleben. „In zehn verschiedenen Hotels hab ich gearbeitet. Damals war das sehr leicht, nicht so wie heute. Ich hab gekündigt und gleich am nächsten Tag wieder einen Posten gehabt.“ Für fünf Monate arbeitet sie als Sekretärin in Mailand, die Liebe hat sie dorthin gezogen, doch die Beziehung findet ein abruptes Ende. Ihr damaliger Freund schreibt für L’Unità, die kommunistische Zeitung Italiens, eines Tages hat er wieder in Florenz zu tun, Vera Adams reist ihm nach, um ihn zu überraschen – und wird selbst böse überrascht: Ihr Freund ist verheiratet.

In Italien hält sie nun nichts mehr, im Schreck über das Beziehungsende und zugleich im Wunsch, Neues kennenzulernen, kehrt sie Europa den Rücken. Israel ist ihr Ziel, dort leben zahlreiche Verwandte. Zunächst wohnt sie bei einer Tante in Haifa, findet dann eine Anstellung in einem Hotel in Caesarea. Die Stadt in der nördlichen Scharonebene am Mittelmeer galt in der Antike als eine der bedeutendsten Palästinas. Vom alten römischen Hafen schwärmt Vera Adams noch heute, auch habe sie damals oft die Möglichkeit genutzt, schwimmen zu gehen, gerade im Meer habe sie das früher gern getan. Viel ist sie mit den Verwandten unterwegs, einige Pioniere darunter, die Unterhaltungen auf Deutsch, die Vergangenheit wird nicht thematisiert. Sie fühlt sich wohl in Israel, doch ihr Drang nach permanenter Veränderung ist stärker: „Wenn man in England ist, kann man einen Sprung in andere Länder machen, von Israel aus muss man schon einen großen Sprung machen.“ Mitte der 1960er-Jahre kehrt sie nach London zurück, leitet dort das Büro ihres Vetters, der eine Firma besitzt, die Möbelstoffe aus Belgien importiert.

„Es hat mir nicht geschadet, dass ich in so vielen verschiedenen Berufen gearbeitet habe.“ Als Sekretärin, im Hotelgewerbe, als Lehrerin, die Immigranten Englisch vermittelt, nicht zuletzt als Reiseleiterin. Diese Funktion führt sie für drei Saisonen nach Österreich, nach Lech am Arlberg, Seefeld und Westendorf im Tiroler Unterland. Dort verliebt sie sich in den Sohn eines Hoteliers, aber – „Seine Eltern haben meine Familie gekannt, vor dem Krieg auch in unseren Geschäften eingekauft. Und sie hatten was dagegen, dass er mich heiratet. Sie wollten keine jüdischen Kinder haben. Das war Ende der 1960er-Jahre, erstaunlich, nicht?“ Die beiden hätten sich davon nicht abhalten lassen, doch die Beziehung habe ohnehin nicht lange gedauert, winkt sie ab. „Aber er ist noch dort, ich habe es gesehen im Prospekt, der schöne Wirt.“

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Ernst Schwarz 1938. Rechts die Innsbrucker Maria-Theresien-Straße in den Tagen nach dem „Anschluss“

Vier Jahre nach Kriegsende kehrte Vera Adams das erste Mal in ihre Geburtsstadt zurück. Welche Erinnerung sie daran habe? „Nur dass mir die Landschaft sehr gefallen hat, sonst gar nichts.“ Sie sei danach öfter nach Tirol gekommen, beruflich, privat, angezogen habe sie dabei stets eins: „Die Berge – it’s my natural habitat.“ Kenneth Adams wird hellhörig, als seine Frau englisch spricht. An ihn gewandt fährt sie fort: „He asked what attracted me in Austria. And I said the mountains.“

Beim Wandern lernten sich die beiden kennen. Das Wandern sei ihre große Leidenschaft – und die beste Möglichkeit, sich mit Menschen anzufreunden. Das habe sie immer so gehalten, schon in ihrer Londoner Zeit. Damals war sie Mitglied eines Clubs, der jeden Sonntag Ausflüge in die Umgebung der Metropole unternahm. Als sie später nach Plymouth übersiedelte und in dieser Stadt niemanden kannte, schloss sie sich wieder Wandergruppen an.

„Ken und ich sind gleich gut ausgekommen miteinander und haben leicht gesprochen, beide haben wir klassische Musik geliebt. Ich kann mich erinnern, das erste Mal, als ich in seiner Wohnung war, hat er Schallplatten vorgespielt, Brahms und so.“

Kenneth Adams, drei Jahre älter als Vera, wächst in einem Waisenhaus auf. Mit achtzehn tritt er der Britischen Armee bei, wird in Ägypten für den Kriegseinsatz ausgebildet und landet im Sommer 1944 mit seiner Truppe in Italien. Nach dem Kriegsende bleibt er noch ein Jahr in Venedig stationiert, ehe er nach England zurückkehrt. Dort findet er Anstellung bei der Eisenbahn, bezieht eine Wohnung in London Paddington. Das erste Treffen mit Vera ist ihm in bester Erinnerung geblieben, und selbstredend jener Tag, an dem er ihr einen Heiratsantrag machte: „She said she is Jewish. So I recall ‚so what‘, I said.“

Ken Adams pflichtet seiner Frau bei, als die Rede auf deren Vater Ernst Schwarz kommt: „He was a bitter man.“ Aber er wäre ebenso verbittert gewesen, hätte er das durchmachen müssen, was sein Schwiegervater erlitt. Dennoch sei das Verhältnis ein sehr gutes gewesen, und denke er an die erste Begegnung mit Ernst Schwarz, müsse er heute lachen: „Er schaute mich nur an. Eine halbe Stunde lang. Sonst nichts. Und drei Monate später dann das erste Hallo.“

„Ja, ich habe mir Kinder gewünscht“, jedoch das Alter – Vera ist einundvierzig, als sie Kenneth Adams heiratet. Von der eigenen Kindheit ist ihr nicht mehr geblieben als ein paar Erinnerungsfetzen, Bilder, die plötzlich auftauchen, wieder verschwinden. Heute Morgen sei ihr eingefallen, dass sie sich in Innsbruck als Kind zum Geburtstag immer Faschiertes oder Schnitzel zum Essen gewünscht habe. „Ich bin ein Genussmensch, vielleicht eine Österreicherin im Temperament.“ Dementgegen, leben könnte sie nicht mehr in Österreich, auch wenn sie einräumt, dass sie sich dort schon wohlfühle, „wegen der Landschaft“. Hassgefühle habe sie nie empfunden bei ihren Besuchen der alten Heimat, sie sei eben ganz anders als ihr Vater, wiederholt sie.