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Titel

Hans Moser

Das Radio Tirol-

Wörterbuch der Tiroler Mundarten

In Zusammenarbeit mit Robert Sedlaczek

Lieber Leserinnen und liebe Leser,

über die Bedeutung der Mundart für eine regionale Kultur kann man viele Seiten mit klugen Gedanken füllen. Man kann Sprachforscher­Innen, KulturwissenschaftlerInnen und EthnologInnen zitieren oder gelehrt über Identität und Sprache philosophieren. Man kann das Wort „Mundart“ aber auch wörtlich und persönlich nehmen. Das erlaube ich mir hier zu tun. Ich komme aus Osttirol. Da sprechen die Menschen in Innervillgraten anders als die in Außervillgraten oder in Obertilliach und die im Lienzer Becken anders als die im Iseltal oder im Defereggental.

Gemeinsam ist den Dialekten meines Heimatbezirkes eine bestimmte Melodie, in der ich mich, sobald ich über dem Felbertauern bin, zuhause fühle – ohne es groß zu bemerken. Dasselbe spürt ein Mensch aus Innsbruck, dem Tuxertal, einer aus Nauders, dem Lechtal oder dem Brixental, überall, wo in überschaubaren Räumen diese besonderen Sprachmelodien die Wahrnehmung der Welt gestalten. Das Gleiche spürt auch der Spitzenmanager, der aus seinem professionellen Umgang mit internationalen Sprachen übergangslos in seinen heimatlichen Dialekt wechseln kann. In all diesen Mundarten schwingen Erfahrungen, Gegenwärtigkeiten und Erinnerungen mit, die man, so unterschiedlich die Lebensgeschichten auch sein mögen, unwillkürlich mit den anderen Menschen dieser Region teilt.

Was ist so spannend an den Dialekten, an der Mundart im 21. Jahrhundert?

Mir erscheinen „Mund-Arten“, in denen für mich auch das Wort „art“, Kunst, oder die „Art und Weise“, wie jemand spricht, steckt, als Muttersprache schlechthin. Als Ursprache des Herzens, die man von Kindheit an versteht. Dabei ist das Herz nicht unbedingt immer voll Freude und Zuneigung. Auch Dialekte bilden mit ihren Wortschöpfungen die Grobheiten der menschlichen Kommunikation ab. Aber ich vermute, keine Hochsprache der Welt, außer, sie wird von Dichterinnen und Dichtern gebraucht, hat die Direktheit, das Selbstbewusstsein, die Spontanität und auch die Zartheit, die unsere Dialekte ausstrahlen.

Mundarten zu pflegen und ihre Wörter festzuhalten, wie in dem vorliegenden Buch, ermöglicht uns, sich der erfrischenden Besonderheit regionaler Sprachen bewusst zu bleiben. Das hat viel mit Neugier zu tun, mit Freude an originellen Wortschöpfungen, an Lautmalereien, an Humor, an positiver Verwurzelung mit dem Land, aus dem man kommt. Sprache, auch Dialektsprache, wandelt sich ständig. Gingen die Dialekte, die Mundarten verloren, wäre die einzigartige Verbindung zwischen regionalen Erfahrungsräumen und Sprache verloren, die sich in diesen Erfahrungsräumen bildet und sie benennt.

Das aber wird nicht passieren – dank den Wörtersammlerinnen und -sammlern von Radio Tirol. Die Zahl an Rückmeldungen auf unsere Aufrufe, Dialektausdrücke aufzuschreiben und weiterzugeben, war überwältigend. Tausende haben bei der „ORF Radio Tirol Sommer­frische“ 2013 und auf unserer Homepage tirol.ORF.at ihre besonderen Mundart-Ausdrücke aufgeschrieben.

Der ORF Tirol engagiert sich mit dem „Radio Tirol-Wörterbuch der Tiroler Mundarten“ für die Bewahrung der Tiroler Dialekte – nicht zuletzt auch im Sinne unseres öffentlich-rechtlichen Auftrages. Es ist wichtig, gegen das Aussterben der Dialekte etwas zu unternehmen.

Auch die Leserinnen und Leser dieses wunderbaren Mundart-Wörter­buches werden dazu beitragen, dass Begriffe für Gegenstände, Tätigkeiten etc., die es nicht mehr gibt, erhalten bleiben und vielleicht da und dort neue entstehen.

Wir werden selbstverständlich auch in Zukunft in unserem „Påtschn­kino“ über neue Mundart-Entwicklungen berichten.

Helmut Krieghofer

Landesdirektor ORF Tirol

Hinweise zur Entstehung und zum Gebrauch dieses Wörterbuchs

Für wen ist dieses Buch gedacht? Pauschal lässt sich diese Frage ganz einfach beantworten: für alle Liebhaber der Tiroler Dialekte und für alle, die sich für Dialekte interessieren.

Das Wort Liebhaber heißt im Französischen amateur. Im Deutschen bezeichnen wir damit jemanden, der eine Tätigkeit aus Liebhaberei, oft auch ohne größere Fachkenntnisse betreibt.

Dieses Buch ist für Amateure, also für Liebhaber der Tiroler Dialekte, genauso wie für Experten und Fachleute erstellt; kurz für all jene, die sich mit der Sprache befassen, aus welchem Motiv auch immer. Es ist für jene, die gerne in einem Wörterbuch schmökern und dann schmunzeln, und vor allem für Neugierige, die etwas besser Bescheid wissen wollen als die anderen.

Wäre dieses Wörterbuch ausschließlich für Fachleute verfasst, dann würde es sich einer Lautschrift bedienen, die dem Amateur fremd ist. Es müsste außerdem die Etymologien der Wörter so detailliert begründen, dass sie dem kritischen Blick von Fachkollegen standhalten können – auch dieses Verfahren wäre dem breiten Lesepublikum nicht zuzumuten.

Es gibt bereits ein wissenschaftlich fundiertes Wörterbuch, das den Anspruch der Vollständigkeit mit der Forderung nach lautlicher Genauigkeit verbindet und bis heute eine unerschöpfliche Fundgrube des Tiroler Wortschatzes ist: das zweibändige „Wörterbuch der Tiroler Mundarten“ von Josef Schatz. Es ist 1955 erschienen, 1993 unverändert nachgedruckt worden und noch heute lieferbar. Dort sind allerdings viele Wörter nur dann aufzufinden, wenn man Vorkenntnisse in der dialektalen Lautgeschichte hat. Die Boassln bzw. Boasslbeeren (Berberitzen) etwa sind dort nicht unter Boa-, sondern unter Bai- zu finden usw. Außerdem sind die etymologischen Hinweise so formuliert, dass sie für Nicht-Fachleute nur schwer verständlich sind.

Neben dieser angesehenen Fachpublikation gibt es eine ganze Reihe von populären Wörterbüchern. Meist handelt es sich um reine Wortsammlungen, die über den detaillierten Gebrauch der Wörter und deren Herkunft kaum Auskunft geben.

Wir haben versucht, einen neuen Weg einzuschlagen. Sie finden in dem nun vorliegenden Buch alles, was Sie über ein Wort wissen müssen; wie es verwendet wird und woher es stammt oder stammen könnte. Wer über die Geschichte eines Wortes Bescheid weiß, kann mit dem Wort mehr anfangen. Und wenn wir in einigen Fällen die Herkunft nicht klären konnten, dann scheuen wir uns auch nicht, das zuzugeben.

Gleichzeitig haben wir uns um eine einfache Darstellungsweise und um große Benützerfreundlichkeit bemüht. Sie können sofort in unserem Wörterbuch schmökern, sie brauchen nicht seitenlange Listen mit der Bedeutung von Sonderzeichen zu studieren, und ebenso lange Abkürzungsverzeichnisse.

Mit dem kleinen Kreis über dem Buchstaben a sind Sie ja vertraut, damit wird auch in Dialektgedichten und in Texten von Tiroler Liedern signalisiert, dass der Vokal zwischen a und o anzusiedeln ist, zum Beispiel in den Wörtern åndertålb und Fåsching. Dieser Laut ist übrigens typisch für den bairisch-österreichischen Dialektraum, zu dem auch Tirol gehört.

Ein zweites Sonderzeichen ist der Akzent bei Diphthongen. Damit kennzeichnen wir, dass der Hauptakzent auf dem ersten Vokal des Diphthongs liegt: Blúima, Flóach. Ein Tiroler wird freilich nie auf die Idee kommen, diese Diphthonge auf dem zweiten Vokal zu betonen, ein Besucher aus Hamburg oder Berlin vielleicht schon.

Damit ist schon fast alles erklärt. Kürze und Länge wird so gekennzeichnet, wie Sie es vom Gebrauch des „Österreichischen Wörterbuchs“ und des „Rechtschreibdudens“ sowie des „Großen Wörterbuchs der deutschen Sprache“ des Dudenverlags gewohnt sind. Eine betonte Kürze wird durch einen Punkt unter dem Vokal gekennzeichnet, eine betonte Länge durch einen Strich unter dem Vokal: Bntl, barabern, Baunze. Hier sind wir auch schon am Ende der Gebrauchsanweisung. Wenn Sie sich intensiver mit der Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben befassen wollen, dann beachten Sie bitte die Darstellung im Anhang.

Wie ist dieses Wörterbuch erstellt worden? Wir haben uns zunächst das Schatz’sche Wörterbuch und die bestehenden Wortsammlungen vorgenommen, auch jene, die im Internet abrufbar sind. Damit war ein Grundstock gelegt, eine vorläufige Wortsammlung.

Diese haben wir Gewährsleuten aus allen Bezirken Tirols vorgelegt, mit der Bitte, sie kritisch zu prüfen und Korrekturen bzw. Ergänzungen vorzunehmen. Diese Gewährsleute waren Experten auf ihrem Gebiet, die meisten von ihnen haben sich bereits intensiv mit dem Dialekt ihrer Region befasst. Wir sind diesen Gewährsleuten zu großem Dank verpflichtet, ihre Rückmeldungen waren für uns sehr wertvoll. Sie haben uns auf neue Wörter und fehlende Bedeutungen aufmerksam gemacht und dort korrigiert, wo wir falsch lagen oder ungenau waren. Außerdem haben wir sie gefragt, welche Wörter nur noch der älteren Generation bekannt sind, im Alltag aber nicht mehr verwendet werden. Diese haben wir später mit dem Vermerk veraltet gekennzeichnet.

In einem weiteren Arbeitsgang haben wir unsere vorläufige Wortsammlung durch Wörter ergänzt, die im Rahmen der vom ORF Tirol initiierten Aktion aus allen Ecken Tirols hereingeschneit kamen. Soweit sie nicht ohnehin schon in der Sammlung enthalten waren, haben wir in Klammern angemerkt, aus welchem Ort sie gemeldet wurden. Dies bedeutet natürlich nicht, dass sie nur dort verwendet werden, sie können auch in anderen Regionen Tirols in Gebrauch sein.

Gibt es das überhaupt, „den“ Tiroler Dialekt? Streng genommen natürlich nicht. Jedes Tal hat seine Besonderheiten – das fängt schon mit den Lauten an: das Wort Stein zum Beispiel wird im Unterinntal bis etwa Hall als Stoan ausgesprochen, wobei das n kaum zu hören ist und das vorhergehende a nasaliert wird. Nach Westen hin heißt es unnasaliert Stoan – das n ist zu hören. Im Zillertal ist Stuan üblich, wobei nasaliert wird. Im Paznaun, im Stanzertal und im Drautal heißt es Stan, entweder nasaliert oder nicht nasaliert. Und solche Lautunterschiede gibt es viele.

Was für die Laute gilt, trifft auch für die Wörter selbst zu. Dem Fasching in den Bezirken Kufstein und Kitzbühel entspricht die Fasnacht im übrigen Land. Westlich von Schwaz heißt der Gletscher Ferner, östlich davon Kees. Ähnlich sind die Zuntern und die Latschen verteilt. Solche Wortgrenzen gibt es immer wieder, manchmal steht auch ein Tal oder ein Bezirk für sich allein da – besonders gilt das für die Bezirke Osttirol und Reutte.

Wie geht das Wörterbuch mit den Lautunterschieden zwischen den Dialekten um? Im Normalfall haben wir an den Anfang der Artikel mehrere Lautvarianten gestellt: beim Verb „gehen“ etwa gen, gean und gian. Diese Variantenlisten sind nicht vollständig (beim konkreten Beispiel könnte man ge oder gea mit nasaliertem Vokal hinzufügen), sie sollen lediglich eine Vorstellung davon vermitteln, wie groß die lautliche Streubreite ist. Bei der alphabetischen Einreihung der Artikel gehen wir in der Regel von der Form aus, die der Standardsprache am nächsten kommt: die Ålm ist also bei Å + l eingeordnet, obwohl es im Unterinntal die Lautung Åem (also Å + e) gibt. Wir verlassen uns dabei auf die Fähigkeit der Unterinntaler, diese Einordnung nachzuvollziehen, weil sie aus ihrer Alltagserfahrung wissen, dass ihrem e oder i in diesem Wort ein standardsprachliches l entspricht; von den beiden Varianten auf|mar und au|mar (= aufmerksam) steht dem entsprechend auf|mar an der Spitze und nicht au|mar.

Welche Wörter wurden aufgenommen? In diesem Wörterbuch sind nicht nur die alten Dialektwörter vermerkt, also jene, die als urtümlich und bodenständig gelten. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich die Tiroler Sprachlandschaft verändert, es wurden auch Wörter aus anderen Gebieten importiert, zum Beispiel Hawerer und Sandler aus dem Wienerischen. Hätten wir auf diese Wörter verzichtet, wäre das Bild der Tiroler Sprachlandschaft unvollständig.

Das Buch verzeichnet außerdem auch Wörter der Standardsprache, die im Tirolischen eine zusätzliche Bedeutung haben. Blått und die Verkleinerungsform Blattln stehen deshalb im Wörterbuch, weil die Blattln in Tirol eine bestimmte Speise bezeichnen.

Wörter des Standarddeutschen wie Baum und Haus werden Sie in unserem Wörterbuch nicht finden, sehr wohl aber den Bambecker und das Redhaus – übrigens unabhängig davon, ob es ein bestimmtes Wort nur in Tirol gibt oder ob es auch über Tirol hinaus verwendet wird. Wörter wie Pfintztag und Pfoad sind im gesamten bairisch-österreichischen Dialektraum heimisch, außerdem ist Tirol auch ein Teil des noch größeren süddeutschen Dialektraums.

In einigen Fällen konnten wir den Gebrauch der Wörter und Wendungen durch kurze Zitate aus Tiroler Liedern oder aus Werken von Tiroler Dialektdichtern illustrieren. Vielleicht weckt das eine oder andere Zitat bei Ihnen Erinnerungen an Ihre Jugend. In diesen Zitaten finden Sie Dialektwörter, die schon so gut wie ausgestorben sind. Vielleicht gelingt es uns auf diesem Weg, sie der Vergessenheit zu entreißen.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen, Entdecken und Schmökern.

Hans Moser und Robert Sedlaczek

A

a <unbetonte Form des unbestimmten Artikels, alle drei Genera>: ein, eine, ein.

a [eigentlich: auch]: 1. auch: der is a då (= der ist auch da) 2. wirklich, allen Ernstes, ganz bestimmt: der is a a Dolm (= er ist wirklich ein dummer Mensch).

a-: <in Osttirol auch erster Teil von Ortspräpositionen und Orts­ad­verbien; wohl aus her- und hin->: anaufe (= oben, hinauf), awaus (= hinunter), ahíage (= diesseits, hier), anịddn (= herunter).

A, Óub, Öiwe, die [ahd. au, Plural: ewi; die Pluralform zeigt, dass im Ahd. das auslautende -u einem -w entsprochen hat, weshalb das Wort in anderen Dialekten auch als Ewe erscheint): weibliches Schaf.

å|ạ, å|: siehe åcha(r), å(e)chi.

a méaras <Adv.> [zu mehr und zu mehrere; belegt bei Mayr]: sehr viele.

a sosn [Herkunft unklar; belegt bei Mayr]: so ist es, deswegen: a sosn halber hätte er kein Recht v a sosn so: so ist es.

åb-, å- o- <Vorsilbe bei Verben> [wie in der Standardsprache ab-, aller­dings öfters mit zusätzlichen oder anderen Bedeutungen; in der Folge einige Beispiele]: si von wås nix åb|beissn können (= keinen Nutzen von etwas haben); åb|bee(r)ln (= Beeren abstreifen), åb|blattln (= 1. einen Krautkopf entblättern 2. verschwinden, abhauen); åb|bussln (= abküssen); åb|eiln (= weglaufen, weggehen, zuvorkommen); åb|essn, si abessen (= einer Speise überdrüssig werden); jemanden åb|fåhrn lassen (= jemanden abweisen); åb|fieseln (= abnagen, Fleisch vom Knochen lösen); åb|fliagn (= weglaufen, verschwinden); åb|fotzn (= ohrfeigen), åb|gehn (= fehlen); mia geht nix åb (= ich hab alles); si åb|gfrettn [siehe Gfrett] (= sich mit etwas abmühen); åb|häuteln (= die Haut abziehen); åb|krageln (= den Hals umdrehen, umbringen); åb|låssn (= ermüden); åb|neidln (= lieb­kosen); åb|påschn: (= sich aus dem Staub machen); åb|passn (= auflauern); åb|schmiern (= 1. abschmieren 2. bestechen); åb|schwentzn (= flüchtig spülen); åb|speisn gehen (= zur Kommunion gehen); åb|spenen (= ein Kalb von der Kuh entwöhnen, ein Ferkel von der Muttersau etc.); åb|stiern (= verhöhnen, aufreizen, pflanzen); åb|stressn (= sich Stress machen, beeilen); wårm åb|trågn (= ein Haus anzünden, verbunden mit Versicherungsbetrug); åb|treibm (= die Milch entrahmen); åb|wangln [zu Wange] (Zillertal) (= liebkosen); si åb|zina (= abzürnen, sich ärgern).

å-, ạ̊b-, o- <Vorsilbe bei Substantiven und Adjektiven> in den folgenden Verwendungen: weg von etwas, herunter: Åb|biss, der (= schädliches Abbeißen von Gras/Zweigen durch das Vieh); Åb|druck, der [laut Schatz wohl vom Abdrücken des Gewehrs] v an lest’n Åb|druck (= im letzten Augenblick); Åb|seite, die [Tuxertal] (= Schattenseite); åb|lag <Adj.> [Ötztal] (= leicht geneigt); Åb|wille, der [eigentlich: Abwille; Imst]: (= Abneigung, Widerwillen); Åb|wurf, der [eigentlich: Abwurf; Substantivierung zu abwerfen]: (= abgeworfenes Hirschgeweih).

åb|gölzn, å|götzn <ist> [vermutlich zu dem bei Schatz belegtem Wort Geller (= abprallende Gewehrkugel, Abpraller, Prellschuss, Gellschuss): abprallen, abspringen.

Åch, der: siehe Årsch.

å|cha(r), å|a, o|a, å|wa [aus ab und her (= zum Sprecher herunter); der Zusammenhang mit standardsprachlich herab ist den Sprechern nicht bewusst]: 1. <Adv.> herunter, herab 2. <Vorsilbe> åcha|fålln (= herunterfallen), åcha|grissn (= herabgerissen); åcher|treibm (= Milch entrahmen).

åch|atzn, åch|etzn, åch|itzn <hat> [abgeleitet vom Wehlaut ach mit dem Suffix -atzen, -etzen, -itzen, siehe dort] (veraltet): ächzen, stöhnen.

Åch|atzerei, die [zu åchatzen] (veraltet): übertriebenes, mitleid­heischendes Stöhnen.

Ạ̊chatz|werch, das [zu åchatzen] (veraltet): übertriebenes, mitleid­heischendes Stöhnen.

achl, achle <Adj.> [abgeleitet vom Wehlaut ach]: schwächlich.

å(e)|chi, å|i, o|a, å|wa <Adv.> [aus ab und hin; siehe åcha(r)]: hinunter, hinab.

Ạ̊chte, Ạchte, die [mhd. achte; Substantiv zu achten]: das Achten v Ạchte wissen: kundig sein, sich auskennen.

Ạ̊chter, der [Zahlsubstantiv wie Einser, Zweier etc.]: 1. Ziffer acht 2. (auch süddt.) verbogenes Rad am Fahrrad.

ạ̊chtn <hat> v etwas nicht ạ̊chtn: von etwas nicht Notiz nehmen.

Åch|zeit, die [eigentlich: Arbeitszeit; belegt bei Mayr]: 1. Zeit zwischen Frühstück und Neun-Uhr-Pause 2. kurz andauernde, unangenehme Zeit (während eines Schneesturms, eines Regengusses etc.).

Åckerei, die [siehe åckern; belegt bei Mayr]: 1. mühselige Arbeit 2. scherzhaftes Geraufe von Liebespaaren.

ạ̊ckern <hat> [eigentlich: mit dem Pflug bearbeiten]: 1. viel und mühselig arbeiten 2. auffällig arbeiten, übertrieben etwas tun.

A|dabei, der [aus dialektal a dabei (= auch dabei)] (auch bairisch): jemand, der überall dabei sein will.

Adams|putz, der [2. Bestandteil: Putz (= Kerngehäuse eines Apfels), mhd. butze (= Kobild); nach einem alten Volksglauben sitzt im Inneren von Früchten ein Kobold; das Kompositum Adamsputz geht von der Vorstellung aus, dass dem biblischen Adam das Kerngehäuse des von Eva dargereichten Apfels in der Kehle stecken geblieben ist]: Adamsapfel (Prominentia laryngea), bezeichnet den bei Männern hervorspringenden Abschnitt des Schildknorpels (Cartilago thyroidea) des Kehlkopfes.

a|diam: siehe atie(m).

Åding|hauffm, der [1. Bestandteil: Herkunft unklar; 2. Bestandteil: mhd. hūfe, ahd. hūfo (= Haufe, Menge, Schar)]: Grashaufen (zum Trocknen von aufgehäuftem Gras).

adjas, adjes <Grußformel> [volkstümliche Variante von adieu; zu frz. adieu, eigentlich: à dieu (= zu Gott, Gott befohlen); belegt bei Mayr]: Gruß zur Verabschiedung.

Ådl, der [mhd. adel (= Jauche); geht zurück auf ein germanisches adelōn (= Jauche), das aber nur erschlossen, also nicht belegt ist; hat sich vermutlich früher im Konsonanten von Adel (= edles Geschlecht) unterschieden] (auch bairisch): Jauche.

ådln <hat> [siehe Ådl]: mit Jauche düngen.

å|drat <Adj.> [eigentlich: abgedreht; laut Jakob aus der Sprache der Tischler: auf der Drehbank geglättet]: durchtrieben, raffiniert.

å|dụrch <Adv.> [abdurch]: hinweg, fort.

å|fa(d)nig <Adj.> [zu Faden]: 1. widerhaarig, lästig, widrig 2. lang­weilig.

Åfl, Ofl, Ofle [mhd. afel (= eiternde Materie in Geschwüren; entzündete Stelle überhaupt)]: Eiter.

åfl(n), afl(n) <hat> [zu Åfl]: eitern, schwären v ein afelner Mensch: [belegt bei Mayr]: ein fader Mensch.

aflig <Adj.> [siehe Åfl]: eitrig.

ạ̊ft, ạ̊fter(n) <Adv.> [zu mhd. und ahd. after (= hinten, hinter, dahinter, danach; verwandt mit englisch after; später hat sich daraus das Substantiv After (= Darmausgang) entwickelt] (auch bairisch): dann, nachher: „Tret ma åft ins neie Jåhr, / schick viel Flåchs und Schaflhåår, / Woad und Troad soll guat gedeihn / und viel Hennei in der Steign …“ ist der Beginn eines Volksliedes von Tobi Reiser, der angab, das Lied 1923 im Pongau aufgezeichnet zu haben.

Ạ̊fter-: kann als 1. Bestandteil auch ausdrücken, dass es sich um eine minderwertige Variante einer Sache handelt: Ạ̊fter|gwand: Ersatzgewand v Ạ̊fter|grummet: dritte Mahd (meist nur noch im Weidebetrieb verwertet) v Ạ̊fter|klee: Klee der letzten Mahd v Ạ̊fter|leder (Osttirol) Fersenverstärkung beim Schuh v Ạ̊fter|most: der zweite (schlechte) aus dem Trebernstock gepresste Most.

Ạ̊fter|mantig, der [mhd. after (= nach, hinter); also Tag nach dem Montag] (Außerfern): Dienstag.

å|garbt <Adj.> [zu ahd. garwen (= fertig machen), das auch im Wort Gerber steckt]: abgenützt, abgewetzt (die Kleidung).

Åg(e), Ågn, Ågnen, Ång, Ången, die [mhd. agene, agen (= Spreu), zu ahd. agana (= Spreu)]: 1. Spreu, Abfall beim Brecheln 2. Baum­nadeln.

aglat <Adj.> [Adjektiv zu Auge]: Ränder um die Augen habend.

Å|gschmåch, der [zu älterem Abgeschmack (= schlechter Geschmack); vgl. standardsprachlich abgeschmackt; als Präfix entwickelt ab- die Nebenbedeutung miss-, los-, wider- (vgl. Abgrund, abhold etc.)]: wider­wärtiger Mensch.

Ag|stål, Aug|stål, der [mhd. und ahd. ougstal (= Augenhöhle; eine Augen­krankheit der Pferde); 1. Bestandteil oug (= Auge); 2. Bestandteil stal (= Steh-, Sitz-, Wohnort; Stall)]: Augenkatarrh.

å|gwixt, å|gwaxlt <Adj.> [eigentlich: abgewichst, zu wichsen, eine Variante von wachsen (= Wachs auftragen, die Schuhe polieren); mit einer ähnlichen Bedeutungsübertragung wie in raffiniert; die Lautähnlichkeit zu Witz könnte eine Rolle gespielt haben]: verschlagen, hintertrieben.

åi|schlịntn, åwi|schlịntn, óichi|schlịntn <hat> [1. Bestandteil: abhin; 2. Bestandteil: dialektal für schlingen]: verschlingen.

Å|klọckn, das [mhd. klocken (= klopfen), also abklopfen]: Kinderspiel, mit Hölzern wird ein A geformt, einer zählt, bis alle versteckt sind, sucht sie, die anderen zerstören das A.

akrat, akrạtt <Adj.> [Mundartform von akkurat; lat. accuratus (= sorgfältig), zu accurare (= mit Sorgfalt tun), zu curare (= kurieren)]: sorgfältig, ordentlich, genau: ein akrater Mensch.

Ǻle, siehe Nåle.

Aleze(staudn), die: Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Berg-­Johannisbeere (Grossulariaceae), gehört zur Familie der Stachelbeergewächse.

Ạlgschne, Ạlzele, die [Herkunft unklar]: Elsen, Beeren der gewöhnlichen Traubenkirsche (Prunus padus), sie wird auch Ahlkirsche oder Sumpfkirsche genannt (in anderen Teilen Österreichs Ölexen, Elexsen, Ölasn, Öxn oder Ösn).

ạ̊ll(er)|weil, åe|wei <Adv.> [1. Bestandteil: aller- dient vor Substantiven, Adjektiven, Adverben als Verstärkung; 2. Bestandteil: mhd. wīl(e), ahd. (h)wīla, (= Zeit; eigentlich Ruhe, Rast, Pause)]: immer, stets, wiederholt.

åll|gebot, åll|póut, ålle|put(n) <Adv.> [zu Gebot bzw. Pout (= Angebot zum Kauf)]: immer wieder einmal, ab und zu.

ạ̊ll|weg, ạ̊ll|wa, ạ̊lm <Adv.> [1. Bestandteil: siehe åll(er)weil; 2. Bestandteil: mhd. weg, wec (= Weg)]: jedenfalls.

Ạ̊lm, Ạ̊em Ạ̊lb, Ạ̊lwe, Ạ̊lpa, die [aus mhd. alben, gebeugte Form von mhd. albe, ahd. alba, ursprüngliche Bedeutung wahrscheinlich Berg, frühe volksetymologische Anlehnung an lat. albus (= weiß)] (auch süddt.): der sommerlichen Weidenutzung dienende Wiese im Gebirge, Hochweide.

Ạ̊lm|åbtrieb, der: Abtreiben des Viehs von der Alm in die Winterställe.

Ạ̊lm|auftrieb, der: Hinauftreiben des Viehs auf die Almen im Früh­sommer.

ạ̊lmen, åemen <hat> [siehe Ålm]: (Vieh) auf der Alm halten.

Ạ̊lmer, Åemer, Ạ̊lmerer, der (auch süddt.): Senn, Almhirt.

Ạ̊lm|rausch, Åem|rausch, der [2. Bestandteil wohl zu lat. ruscus (= Mäusedorn)] (auch süddt.): bewimperte Alpenrose (Rhododen­dron hirsutum), gehört zur Familie der Heidekrautgewächse.

Ạ̊lm|rousn, Åem|ruasn, die; Verkl. (selten) Ạ̊lm|re(a)sal, [siehe Ålmrausch] (auch süddt.): bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum): „In die Berg bin i gern, und då gfreit si mei Gmiat / wo die Ålmröserln wåchsn und der Enzian blüaht ...“ ist der Beginn eines der beliebtesten Volkslieder im Alpenraum.

å|loamig <Adj.> [zu mhd. lüeme (= matt, sanft, milde)] (veraltet): schlapp, schwach.

Ạ̊lpe, Ạ̊lbe, die [Herkunft wie Alm, vor allem alemannisch]: der sommerlichen Weidenutzung dienende Wiese im Gebirge, Hochweide.

ạ̊lpm <hat> [siehe Ålpe]: (Vieh) auf der Alpe halten.

ålsa, åesa: als ein: ålsa Junger (= als ein junger Mensch), åesa Kind (= als ein Kind).

ålspa, ålsumar <Adv.> (Zillertal) [mhd. alswā (= anderswo); im Ahd. Verschleifung des Genitivs von alles mit wara (= wo)]: auswärts, in der Fremde.

ạ̊lt|båchn, ået|båchn <Adj.> [eigentlich: altbacken]: altmodisch, veraltet, überholt.

ạ̊lt|franggisch, ået|franggerisch <Adj.> [altfränkisch; laut Grimm sowohl im guten Sinne altväterisch als auch für veraltet, den Forderungen der Gegenwart nicht entsprechend; gemeint ist altertümlich nach Weise der fränkischen Vorfahren; eine Maske mit Allonge­perücke im Schemenlaufen heißt Altfrank]: altmodisch, veraltet, überholt.

ạ̊lt|vat(e)risch, ået|vadrisch <Adj.> [zu Altvater (= Vorfahr, Patriarch; in Tirol auch: Brautvater bei einer Hochzeit); gemeindeutsch: alt­väterisch; die ironische Bedeutung ist laut Kluge von Anfang an häufiger als die eigentliche Bedeutung, nämlich altehrwürdig]: altmodisch, rückständig.

Ạ̊lwer, der [aus ahd., mhd. alb (= mythisches Wesen), vgl. Alptraum, der Name Alberich]: Teufel.

Amerẹlln, Ambrẹlln, die (Plural) [zu lat. amarus (= sauer, bitter)] (veraltet): Sauerkirsche (Prunus cerasus, auch Prunus cerasus subsp. cerasus var. cerasus), Glas- oder Wasserkirsche.

amerig <Adj.> [ahd. āmarag (= sehnsuchtsvoll, verlangend)]: 1. etwas nicht erwarten könnend, auf Nadeln sitzend 2. nach einer guten Speise verlangend, ohne hungrig zu sein.

am|ea, am|ẹrscht, am|éadn <Adv.> [eigentlich: am ersten; mhd. erst ist der Superlativ zu ē, ēr (= früher, vormals, eher)]: vorher, früher.

å|míadln <hat> [abmüdeln, d. h. müde machen]: beharrlich auf etwas drängen.

Åmperẹll, Åmperö, Ombrẹlle, Morẹlle, der [ital. ombrello, zu spätlat. umbrella (= kleiner Schatten); vgl. engl. umbrella (= Regenschirm); das Wort hat also in Tirol die Bedeutung Regenschirm, in seinem Herkunftsland Italien die Bedeutung Sonnenschirm] (veraltet): Regenschirm.

ạ̊n-, n-, oun-, n-, - als Vorsilbe bei Verben (wie in der Standard­sprache an-, allerdings öfters mit zusätzlichen oder anderen Bedeutungen; in der Folge einige Beispiele; wir führen hier aus Platzgründen nur die schriftsprachnahe Form ån- an, dies bedeutet nicht, dass es sich dabei um die häufigste Form handelt; im Gegenteil: ab etwa Telfs östlich ist es die Form un-, u-, im Rest des Landes o(u)n-): ạ̊n|bantln (= mit jemandem flirten/ Streit suchen); ạ̊n|brunzn: (= anurinieren); ạ̊n|drahn (= anstänkern); ạ̊n|fichtn (= Verlangen, Lust erwecken); es fichtet mi ạ̊n (= ich möchte es haben; siehe fichtig); ạ̊n|filln (derb) (= schwängern); si ạ̊n|flaschln (= sich betrinken); jemanden ạ̊n|fliagn (= jemanden agressiv angehen); jemanden um etwas ạ̊n|gehn (= jemanden um etwas bitten; z. B. Geld); ạ̊n|gentzn [Oberinntal] (= anschneiden); ạ̊n|gspeist (= verärgert); jemanden ạ̊n|haun (= jemanden um etwas bitten); jemandem etwas ạ̊n|kennen (= eine Eigenschaft/Stimmung bemerken); ạ̊n|kentn (= anzünden); ạ̊n|legn (= anziehen); si ạ̊n|påmpfn (= sich vollessen), ạ̊n|påtzn (= beschmutzen); ạ̊n|pickn (= ankleben); ạ̊n|pumpm (derb) (= schwängern); ạn|rachn (= ohrfeigen); jemanden ạ̊n|rearn (= bittend belästigen); etwas ạ̊n|rigeln (= etwas locker machen); ạ̊n|sågn (= im Kartenspiel eine Ansage machen bzw. Schlag und Trumpf angeben, etwa beim Watten); ạ̊n|schåffn [zu schaffen; gesamtdeutsch sind heute die Bedeutungen: etwas erwerben, Geld verdienen, Prostitution betreiben etc.] (= anordnen, befehlen); ạ̊n|singen (Zillertal) (= mit Spottliedlein reizen); ạ̊n|soachn (= anurinieren); ạ̊n|spenadln (= mit einer Stecknadel befestigen); ạ̊n|stiefeln (= anstiften); ạ̊n|tauchn (= sich besonders anstrengen), (si) ạ̊n|trenzn: (sich) bekleckern; jemandem ạ̊ntian (= jemanden betreuen, versorgen); si wås ạ̊n|tuan/-toan (= sich viel Mühe geben; sich umbringen); ạ̊n|weige(r)n (= Verlangen wecken); ạ̊n|zigln [zigln: eigentlich züchten] (= sich eine Krankheit oder Ungeziefer zuziehen).

ạ̊n- als Vorsilbe bei Nomen, Adjektiven und Adverbien: ạ̊n|fåckln (= anbändeln, sich näher kommen); ạ̊n|habig (= anhänglich); Oun|heib (Oberinntal) (= Henkel, Griff); ạ̊n|lag, ạ̊n|lage, ạ̊n|lagig [mhd. læge (= niedrig, flach)]: (= leicht ansteigend, ein wenig geneigt vom Gelände); ạ̊n|lassig [mhd. an(e)lāʒ = Ort, von dem das Rennen ausgeht]: (= sexuell zudringlich); Ạ̊n|schåffer, der; (auch süddt.): (= jemand, der Arbeiten anordnet und beaufsichtigt, Vorarbeiter); Ạ̊n|schåfferei, die (auch süddt.): (= unangenehmes Anschaffen).

ana, acha: siehe eina.

Å|nach, das [vgl. dazu Ahnle] (veraltet): Enkelkind.

Anal, Ạndal, Ạnder, der [Mundartform des männlichen Vornamens; er stammt von altgriechisch andreia (= Tapferkeit, Tüchtigkeit, Mannhaftigkeit) beziehungsweise vom Adjektiv andreios (= mannhaft, tapfer, tüchtig) ab]: Andreas.

Andl, Anle, Nadl, Nandl etc., das oder die [Verkleinerung zu Ahn, dieses zu mhd. an(e), aus ahd. ano, ursprünglich ein Lallwort der Kinder­sprache für ältere Personen aus der Umgebung des Kindes; das d zwischen n und l ist ein Sprosskonsonant zur Erleichterung der Aussprache (wie in Dirndl)]: Großmutter.

an|ånan, an|óuscht <Adv.> [an anderem Ort]: woanders.

ånder(t)|hålb <Adv.> [1. Bestandteil: aus ahd. ander (= zweiter)]: eineinhalb.

Åne|wånter, der [1. Bestandteil: anhin, 2. Betandteil: zu wenden]: Streifen zum Umdrehen am Ackerende.

an|galing, in|galing, an|galschn, (der)|galigst <Adv.> [zu gach (= jählings), siehe auch dort]: 1. mit der Zeit 2. womöglich.

Ạ̊ngl, die [Herkunft wie Angel (= Gerät zum Fischfang), aber auf eine alte Bedeutung des Worte zurückgreifend; mhd. angel, ahd. angul, zu ahd. ango (= Haken; eigentlich: der Gekrümmte, Gebogene)]: Stachel der Wespen, Hornissen, Bienen.

ạ̊ngl <Adv.> [mhd. ange, vgl. eng]: knapp v angl gehn: sich knapp ausgehen.

ạ̊ngln, g|ẹngle <hat>: stechen (von Wespen, Bienen, Hornissen).

anidn: siehe nidn.

Anóuscht: siehe O(a)rt.

ạ̊nte [zu ahd. antōn (= beklagen, tadeln)] (Tuxertal, Zillertal, Osttirol): leid: es tuat ma ånte.

ạnt(e)|risch: siehe entrisch.

ạntern, ạntln, meist: nåch|antern <hat> [ahd. ant(e)ron (= nachahmen, wiedergeben)]: nachäffen, verspotten.

Ạ̊nt|las, der [gleichbedeutend mit Ablass; Fronleichnam wurde großer oder langer Antlass genannt, weil er in der früheren Betrachtung eine ganze Woche dauerte]: Fronleichnam.

Ạ̊nt|las|krånz, der [siehe Åntlass]: von den Mädchen beim Fronleichnamszug getragener Kranz.

Ạ̊nt|las|schwånz, der [siehe Åntlass, belegt bei Mayr] (veraltet): scherzhafte Bezeichnung für jene junge Frau, die als Letzte zum Empfang des Buß- und Altarsakraments kommt.

ạ̊ntn <hat> 1. etwas schmerzlich oder traurig empfinden 2. Heimweh haben.

Ạnze, Ạnz(n), Ạtze, die [aus tschechisch ojnica (= Gabeldeichsel)]: Deichsel für ein Zugtier.

ạnzln <hat> [Herkunft unklar] (Osttirol): ärgern, necken.

ạpach <Adj.> [Herkunft unklar] (Zillertal): witzig.

aper, awa <Adj.> [zu mhd. ābar, ahd. ābar, eigentlich: nicht (Schnee) tragend; verlockend, aber laut Kluge lautlich schwer vergleichbar, ist das unklare lat. apricus (= offen, sonnenbeschienen)] (auch süddt., schweizerisch): ganz oder größtenteils schneefrei: „Feld und Roan sein widar appar, / schoan in Jooch zua geat dar Schnea …“ (= der Schnee zieht sich aufs Joch zurück) („Aus dem Frühlingslied“ von Carl v. Lutterotti).

apern, awan <hat> [zu aper]: tauen.

Aper|schnålzn, das: Volksbrauch des Winteraustreibens.

Appọrtl, das [franz. apport, eigentlich: das Herbeibringen, zu apporter] (auch bairisch): Gegenstand, den ein Hund apportieren soll (z. B. ein Stück Holz): Bring’s Apportl!

Å|raftl, das [aus mhd. ranft (= Einfassung, Rand)] (St. Veit i. O.): unmöglicher Sitzort, Ecke.

Ạrch(e), die [ahd. archa aus lat. arca (= Behälter)]: Uferschutzbau am Bach.

ạrchne(n) <hat> [siehe Arch(e)]: einen Uferschutzbau errichten.

Ạrfe, Ạrle, die [Herkunft unklar, auch im Namen Arlberg]: Zirbelkiefer, Arbe, Arve, (Pinus cembra).

ạ̊rg <Adj.> [mhd. arc. (= schlecht, böse, gefährlich); zunächst intensivierend bei Adjektiven und Verben (z. B. es ist årg kalt; wir håbm årg gefroren), dann auch mit der Bedeutung groß, stark, heftig (z. B. eine arge Enttäuschung) und letztlich als Adjektiv mit positiver Bedeutung]: tüchtig: ein årger Arbeiter.

ạrggn, ạrgn <hat> [zu arg mit dem ahd. Suffix -jan] (Zillertal): 1. Schmerz verursachen 2. Widerwillen erregen 3. ekeln.

Ạ̊rm|stizl, der [2. Bestandteil: entrundet von Stützel; dieses zu stützen]: gestrickter Pulswärmer für Männer und Frauen.

Ạ̊rsch, Åsch, Åch, der [mhd. und ahd. ars, ursprünglich: Erhebung; vorstehender Körperteil; das Wort steht gesamtdeutsch für Gesäß; einige Wendungen sind typisch für den Tiroler Raum und für andere österreichische. Mundarten]: Gesäß v er schliaft eam in Årsch eini (= er versucht, durch Unterwürfigkeit sein Wohlwollen zu erlangen); Leckts mi åm Årsch (Götzzitat); mit oan Årsch auf zwoa Kirchtåg tånzn (= zwei Dinge zugleich machen); er hupft eam mit n nåckertn Årsch ins Gsicht (= er beschimpft ihn heftig und grob); i reiss ma den Årsch für di auf (= ich tu alles für dich); ums Årsch|leckn (= ganz knapp verfehlt; um ein Haar daneben).

ạ̊rsch|atzen, ạ̊rsch|etzen, ạ̊rsch|itzen <hat> [siehe Årsch; belegt bei Mayr]: 1. mit dem Gesäß hin und her wetzen 2. beim Gehen das Gesäß geziert verdrehen.

Ạ̊rschinger, der [siehe Årsch; belegt bei Mayr]: einer, der alles verkehrt anpackt.

Ạ̊rsch|kitzler, der; Åsch|kitzl, die [2. Bestandteil: Substantivbildung zu kitzeln; die Nüsschen der Hagebutte sind mit feinen, widerhakenbestückten Härchen bedeckt, die bei Hautkontakt Juckreiz hervorrufen; Kinder nutzten sie zum Herstellen von Juckpulver; laut Grimm ist Arschkitzel ein volkstümlicher Ausdruck für Hagedorn und möglicherweise franz. grattecu, gratecul nachgebildet]: Hagebutte (Rosa canina).

Ạ̊rsch|krinne, die [2. Bestandteil: mhd. krinne (= Einschnitt, Rinne)]: Gesäßfalte.

Ạ̊rschling|betrieb, der [1. Bestandteil: siehe arschlings]: schlecht geführter, defizitärer Betrieb.

Ạrschling|kaiwi, das [1. Bestandteil: siehe arschlings, 2. Bestandteil: Mundartform von Kalb]: Kalb, das verkehrt auf die Welt kommt (und unterentwickelt ist).

ạrschlings, aschlings <Adv.>: rückwärts, rücklings.

Ạ̊rsch|zågl, der [2. Bestandteil zu mhd. zagel (= Schwanz)]: Steißbein.

ạ̊rtlen <hat> [zu mhd. art (= Herkunft, Abkunft)] (Grinzens): ähnlich sein.

Ạ̊rwas, Ạ̊rwes, die (Plural): Ạ̊rwassn, Ạ̊rwessn [mhd. areweiʒ, arwiʒ, arwis, erweiʒ, erbeiʒ, erbiʒ; ahd. araw(e)iʒ; weitere Herkunft unklar; aus den zahlreichen mittelmhd. Varianten ist einerseits der Standardausdruck Erbse entstanden, andererseits die Tiroler Mundartform]: Erbse (Pisum sativum).

Ạrzali, das [zu mhd. erze-, ahd. arzi-, aus spätlat. archi-, aus griechisch archi- (= der Erste, Oberste); im Standarddeutschen noch bei Erzengel, Erzbischof etc.; der Erz wäre demnach verhüllend für den obersten der Teufel, das Arzali eine Verkleinerungsform]: 1. Teufelchen 2. (Paznaun): Teufel.

å|schau|scheich <Adj.> [eigentlich: abschauscheu]: nicht schwindelfrei.

Ạ̊spe, die [ahd. aspa (= Espe)]: Zitterpappel.

ạ̊spele <Interj.> [Schatz schwankt in der Herleitung zwischen verschliffenem als woll (= als wohl) und verhüllend ital. ostia (= Hostie)]: Ruf des Erstaunens, der Verlegenheit.

Ạ̊spölter|baum, der [siehe Åspe] (Zillertal): Zitterpappel.

Ạ̊ssl(e), Nạ̊ssl, Ạ̊stl, die; Ạ̊tzler, Ạ̊tzel, der (Zillertal) [laut Kluge sind die dialektalen Formen genauso wie das standardsprachliche Assel entlehnt aus ital. asello zu lat. asellus (kleiner Esel); deshalb heißt das Tier auch Maueresel oder Eselchen; vielleicht wurde damit zuerst eine auf Eseln schmarotzende Laus bezeichnet; Formen mit -tz- treten auch beim Wort Esel auf]: Assel.

åßig <Adj.> [zu mhd. und ahd. āʒ (= Speise für Menschen und Tiere); verwandt mit Aas (= Tierleiche, Kadaver), letzteres unter Einfluss von mhd. ās (= Fleisch zur Fütterung der Hunde)]: bekömmlich, schmackhaft.

Ạste, die [ahd. ouwist (= Schafstall), vgl. A, Oub]: Bergweide mit Stadel.

Åter(e), Åda, die [mit Verlust des anlautenden n durch falsche Ab­trennung aus mhd. nāter(e), ahd. nāt(a)ra, vielleicht ursprünglich: die sich Drehende, die sich Windende]: Natter.

atíe(m), atía|wet, atíe|mål, a|díam <Adv.> [mhd. etewenne, eteswenne (= zuweilen, manchmal, dann und wann)]: manchmal, wohl v adiam amoi [verdeutlichende Verdoppelung]: manchmal.

Åtn, Åtum, Ådn, Åpm, Nådn, der [mhd. atem (= Atem), ahd. atum (= Atem); ursprünglich: Hauch, Seele]: Atem.

åtnen, åpmen, åtatzn, atnitzn [Mundartform von atmen, teilweise mit der Endung -atzen, siehe dort]: atmen.

atnig <Adv.> (Zillertal): leicht atmend.

auf, af <Präposition> wird vor Ortsnamen auch in der Bedeutung nach verwendet: auf Håll gian (= nach Hall gehen).

auf-, au-, dient wie standardsprachlich auf- als Vorsilbe bei Verben, aber zusätzliche Bedeutungen im Tirolischen: auf|achn (Tuxertal), auf|archn (Zillertal) (= aufschürfen; die Haut), auf|åmmen (= die Wöchnerin pflegen); auf|atzn (= junge Tiere künstlich aufziehen); auf|bisch(l)n (= die Tiere zum Almabtrieb mit Blumen schmücken); auf|blatteln (= aufblättern, die Schwächen aufzeigen); es hat ihn auf|blattelt (= er ist gestürzt); auf|deitn (= angeben, groß aufreden); auf|denkn (= sich erinnern); auf|drahn (= zu schimpfen anfangen, wütend werden); auf|faseln (= Aufklauben von Fallobst); auf|geign (= 1. mit der Geige aufspielen, eine großartige Leistung vollbringen 2. angeben); auf|hausen (= abwirtschaften); auf|hussn (= aufhetzen, aufwiegeln); auf|klau(b)m (= Stück für Stück aufheben, z. B. Holz); auf|kranzn (= den Kühen den Kopfschmuck aufsetzen); auf|krautn (= verbrauchen, kaputtmachen, zerlegen); auf|legn: a auf|glegter Blödsinn (= ein offensichtlicher Unsinn); auf|losn (= zuhören, aufmerken); auf|mandln (= aufbegehren); au|mutze (Oberinntal) (= schmücken); auf|neffn (= wundreiben); auf|ridln (= auflockern); auf|pappln, au|peppln (= aufziehen); si auf|pudeln (= sich entrüsten, sich aufspielen); auf|reckn (= es schaffen, zu überleben); auf|stelln: an Baam auf|stelln (= sich widersetzen, trotzen); den håt s aufgstellt (= der ist gestürzt); auf|zwickn (= eine Person für sich gewinnen, mit der Absicht, eine sexuelle Beziehung einzugehen; auch: jemanden zur Belustigung zornig machen).

auf|gåntern <hat> [zu Gånter]: Stämme schichten.

aufa|nåchend <Adv.> [mhd. ūf eine næhe; siehe nåchnt; belegt bei Mayr]: halbwegs, beiläufig.

Auf|aschling, der [zu Årsch, siehe dort]: unerwartete Schwierigkeit.

auf|denkat måchn <hat> [mundartlich: auf etwas denken, statt standardsprachlich: an etwas denken]: an etwas erinnern, das zu tun ist.

Aufe, die [aus mhd. uve, ufe, ahd. ūfo; lautmalend für den Ruf des Vogels] (Zillertal): Uhu (Bubo bubo).

auf|ent|lein(en) <hat> [wohl zu mhd. ne (= Seil, Leine, die aus līn (= Flachs) besteht); das anlautende en- ist Rest einer alten Negations­partikel]: 1. (Oberinntal) aufreihen, auf die Reihe bringen, bearbeiten mit einer Häkelnadel 2. (Unterinntal, belegt bei Mayr) auftauen: die Erde ist noch nicht aufentleint; diesen Loda muss man erscht aufentlein, bis er jå sagt.

auf|ent|lign, auf|entlein <Adv.> [zu aufentleinen]: aufgetaut.

auf|fa, auffn, au|a, au|her, auche [eigentlich ein mundartliches aufher, wo standardsprachlich herauf steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform aufher verloren gegangen]: herauf [als Vorsilbe auch mit Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung zum Sprecher und aufwärts ist]: Bist no’ drunten im Keller? – I kimm glei auffa!

auf|fasln <hat> [faseln (= irre reden) hat mehrere Nebenbedeutungen: planlos arbeiten; zupfen, Fäden herausziehen etc.]: aufklauben (z. B. Fallobst).

auf|fi, auf|fe, au|i [eigentlich ein dialektales aufhin, wo standardsprachlich hinauf steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform aufhin verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung vom Sprecher weg und aufwärts ist]: hinauf: Schau, der Bua kraxelt auffi auf die Leiter! v Warst nid auffigstiegn, warst ned åwigfalln! v oane auffikriagn (= eine hinaufkriegen): einen Schlag abbekommen.

auf|mar, au|mar <Adv.> [wohl zu mhd. mære (= Nachricht, Kunde)]: achtgebend, aufmerksam.

auf|mar werden <ist> [siehe aufmar]: achtgeben.

auf|mar måchn <hat> [siehe aufmar]: aufmerksam machen.

auf|taggln <hat> [laut Duden zu auftakeln (= das Schiff mit Takelwerk versehen); mit der Form auftakeln auch standardsprachlich; vielleicht gehört das Wort allerdings zu den von Schöpf vermerkten Verben taggln (= herumschmieren) und taggelen, taggn (= im Wasser, Schlamm herumfahren, herumwühlen]: sich über­mäßig und geschmacklos mit Schminke, Kleidung oder Schmuck herausputzen.

auf|wachln <hat> [siehe wachln] (Absam): großspurig daherreden, angeben.

Auge|pọppele, das [zu lat. pupilla, ursprünglich Mädchen; die Bedeutungsübertragung hängt laut Kluge damit zusammen, dass man im Augapfel des Gegenübers sein eigenes Spiegelbild sieht] (veraltet): Pupille.

Aug(e)|pram(e), die (Plural) [zu mhd. brem (= Verbrämung, Rand, Einfassung)]: Augenbrauen.

Augn|luck, Augn|lauch, die [verwandt mit Lücke, zu ahd. luhhan (= verschließen)] (Zillertal): Augenlid (Palpebra).

Augn|schatz, der [2. Bestandteil zu schätzen; belegt bei Mayr] (ver­altet): Augenmaß; Schätzvermögen mit dem Auge.

Augn|trost, der [mhd. ougentrost; die Pflanze wurde als Augenheil­mittel verwendet]: Augentrost (Euphrasia; eine Pflanzengattung in der Familie der Sommerwurzgewächse, Orobanchaceae).

Augn|wéal, das, Augn|wẹrre, die [2. Bestandteil: zu mhd. werre (= Maulwurfsgrille) mit und ohne Verkleinerungsendung; laut Hornung deshalb, weil man der abergläubischen Meinung war, dass dieses Tier derartige Krankheiten heraufbeschwört] (Unterinntal): Gerstenkorn am Auge.

Augn|zånd, der [Mundartform von Augenzahn, nach dem Volksglauben stehen diese Zähne mit den Augen in Verbindung]: Eckzahn im Oberkiefer (Dens caninus).

aus- als Präposition: mit der klassischen Bedeutung heraus; daneben auch als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei zum Ausdruck gebracht wird, dass ein Vorgang abgeschlossen ist: es håt si aus|gregnt (= der lange Regen ist zu Ende). In der Folge Beispiele für die klassische Verwendung: aus|boandln (= von den Knochen lösen, verwertbare Teile aus einem Schrottauto ausbauen); aus|begeln (= ausbügeln, eine Sache wieder in Ordnung bringen); aus|fratscheln (= aushorchen); si aus|gehn (= gerade ausreichen); aus|gfren (= den Brunftgeschmack des Fleisches ausfrieren); aus|grausing (= hinausekeln); aus|kegeln (= ausrenken); si die Augen aus|kegeln (= angestrengt oder versteckt die Blicke auf etwas werfen); aus|kommen (= entfliehen, entwischen); es is eam oana aus|kommen (= er hat eine Darmblähung entweichen lassen); aus|larn (= ausleeren); aus|låssn (= freilassen, loslassen); nix aus|låssn (= geizig sein); er låsst nix aus (= 1. er begeht eine Peinlichkeit nach der anderen 2. er ist nicht wählerisch in Bezug auf Frauen); aus|leichn (= ausleihen; sich jemanden vornehmen, vorknöpfen); aus|packln (= heimlich vereinbaren, einen faulen Kompromiss schließen); aus|reibm (= mit der Bürste oder mit einem groben Tuch reinigen); aus|roatn (= ausrechnen, deuten, zurechtlegen); aus|richtn (= 1. jemanden schlecht machen 2. eine Botschaft über­mitteln); aus|rinna (= ein Leck haben; heftig schwitzen); aus|sackeln (= jemanden um seine letzte Barschaft bringen); aus|schau(g)n: då schaut’s åber aus (= hier ist es aber unaufgeräumt); so schaut’s aus (= so ist es); aus|schnåpsn (= verein­baren); aus|schwoabm [zu mhd. sweiben = schwenken, spülen] (= aus­spülen, ausschwemmen); aus|stawan (= entstauben); aus|wassan (= Bockfleisch in Milch einbeizen, es verliert den Bockgeschmack); aus|zachn [zu zach (= zäh ausdauernd)] (= dauernd lästig sein); aus|zuzeln (= aussaugen).

aus|gschamb, aus|gschamt <Adj.> [eigentlich: jemand, der sich nicht mehr schämen kann]: in unverschämter Weise das übliche Maß überschreitend: diese Preise sind ausgschamb.

Aus|kear, die [zu mhd. keren (= kehren, fegen)]: in den Weg einge­lassene Regenrinne.

aus|roaterisch <Adj.> [zu ausroaten; ursprünglich: sich ausrechnen; Präfixbildung von mhd. reiten (= bereit machen, zählen, rechnen] (veraltet): leicht angerührt, durch eine nicht böse gemeinte Bemerkung beleidigt.

aussa 1 [eigentlich ein dialektales ausher, wo standardsprachlich heraus steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform ausher verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung zum Sprecher hin und von innen nach außen ist]: heraus: kim aussa!

aussa 2 als Präfix bei Verben: aussa|apern (= durch die Schneeschmelze zum Vorschein kommen); aussa|findn (entdecken), aussa|båchn (= herausbacken); aussa|ruckn (= mit einem versteckten Gegenstand, mit einer Nachricht herausrücken).

Aussa|gåb, die [zu aussageben (= herausgeben)]: Wechselgeld.

Aussar|schlåk, der (Zillertal): Hautausschlag.

aussi, ausse 1 [eigentlich ein dialektales aushin, wo standardsprachlich hinaus steht, doch ist das Verständnis für die Schriftform aushin verloren gegangen; als Vorsilbe mit zahlreichen Verben kombinierbar, wobei die Bewegungsrichtung vom Sprecher weg und von innen nach außen ist]: hinaus.

aussi 2 als Präfix: aussi|beissn (= hinausekeln); aussi|grasn (= fremdgehen); aussi|haun (= hinauswerfen); aussi|passn (= warten, bis der Kellner Sperrstunde macht); aussi|stampern (= hinausjagen).

ausst <Adv.>: draußen v ausst tuats pritschn (= draußen regnet es in Strömen).

auss(t)ig, <Adj.>: außen befindlich.

aus|wårtn <hat> [Verbalform zum Substantiv Wärter mit der Grundbedeutung jemand, der jemanden betreut, auf jemanden oder auf etwas aufpasst; zu mhd. werter, ahd. wartari; heute standardsprachlich meist im Sinn von Aufseher im Gefängnis]: Kranke pflegen.

Auter, Aiter, das oder der [wie standardsprachlich Euter zu mhd. iuter, ūter, ahd. ūtar(o), eigentlich: Schwellendes]: Euter.

awich, gawich <Adj.> [sehr alte Ableitung von der Vorsilbe ab-; mhd. æbech (= verkehrt); ahd. apuh (= rückseitig, links, übel)]: 1. verkehrt: die awiche Seitn eines Stoffes (= die Rückseite) 2. links: awich und krecht (= links und rechts) 3. (Osttirol): störrisch, unangenehm.

Azar, die [Substantivierung zu mhd. æʒen (= essen), ahd. aʒan (= ernähren); verwandt mit jägersprachlich äsen] (Zillertal) (veraltet): Mutterbrust.