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Nina Werlberger über Hans Peter Haselsteiner: „Danke vielmals, ich hab’s gut erwischt.“

„Danke vielmals, ich hab’s gut erwischt.“

Von Nina Werlberger

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„Ich glaube, ein Unternehmer ohne soziale Verantwortung verdient seine Position nicht.“

Der Tiroler

Wenn Hans Peter Haselsteiner heute von Wien nach Innsbruck will, nimmt er den Privatjet. Taucht er im Unterländer Erl auf, breitet man ihm den roten Teppich aus. Kein Wunder: Die Familienstiftung Haselsteiners hat mehr als 20 Millionen Euro in das neue Festspielhaus investiert, das Ende 2012 offiziell eröffnet wurde. Tirols Landeshauptmann Günther Platter meinte bei der offiziellen Eröffnungsfeier: „Wir können dir nichts schenken, aber etwas geben“, und überraschte Haselsteiner mit der höchsten Auszeichnung, die Tirol zu vergeben hat: dem Ehrenzeichen des Landes. Wo auch immer Haselsteiner in Tirol auftritt – beim Zeitzeugen-Gespräch von Tiroler Tageszeitung, ORF und Casinos Austria oder bei einer Veranstaltung vor Studenten – die Säle sind voll, die Menschen wollen hören, was einer der erfolgreichsten Tiroler Unternehmer aller Zeiten zu sagen hat.

Von der Hitler-Straße in die Welt

Als Hans Peter Haselsteiner am 1. Februar 1944 in Wörgl geboren wurde, deutete nicht viel darauf hin, dass er fast 70 Jahre später einer der reichsten Österreicher sein würde. Und doch kann man den Unternehmer, Förderer, Politiker, und Menschen Haselsteiner nicht verstehen, wenn man das Umfeld nicht kennt, in dem er aufgewachsen ist. Wenn man nicht weiß, wie ihn die Mutter geprägt hat, die alleinerziehende Lehrerin, die passionierte Volksmusikantin, der starke politische Geist. „Sie hat mir im Wesentlichen das Allermeiste mitgegeben“, sagt Hasel-steiner. Zum Beispiel folgende Weisheit: „Am Monatsersten muss die Geldtasche so dick sein, dass sie stehen kann. Am Monatsletzten kann sie dünn sein, denn dann kommt ja wieder etwas.“1

Wenn sich das Einzelkind Hans Peter Haselsteiner im Jahr 2013 an Wörgl erinnert, fällt das Wort Kuhdorf. „Wenn ich das Haus verlassen habe, war ich auf dem Bauernhof. Neben uns war der Unterkrumbacher Bauer in der Adolf-Hitler-Straße 9. So hieß die Bahnhofstraße bis zu meinem ersten Geburtstag, bevor sie wieder Bahnhofstraße geworden ist.“ Als Wörgl im Jahr 1951 zur Stadt erhoben wurde, stand die Mutter des siebenjährigen Hans Peter im Mittel punkt des Geschehens. Es gab einen dreitägigen Festakt, bei dem Bundespräsident Theodor Körner am Bahnhof empfangen wurde. Dazu wurde ein Festgottesdienst mit dem Fürsterzbischof zelebriert und ein Festumzug durch die Stadt abgehalten, an dem sich 112 Gruppen und 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer beteiligten. Mittendrin: Hasel steiners Mutter Herma, die mit ihrem Mädelchor einen großen Festwagen bespielte. Die Sängerin und Chorleiterin war weithin bekannt, trat oft im Rundfunk auf. „Sie hat mir die Liebe zur Musik mitgegeben“, erzählt Haselsteiner.

Tatsächlich war es aber viel mehr als das. Einfühlsam und zugleich mit klar vorgegebenen Werten erzog die Lehrerin ihren Sohn, was ihn nachhaltig prägen sollte. „Die Mutter war sehr prinzipientreu. Sie hatte ein Wertegerüst, das für sie selbstverständlich war. Daran gab es nichts zu deuteln.“ Was man tut und was nicht, stand niemals zur Diskussion. Mit der Kirche habe die Mutter nicht viel am Hut gehabt, obwohl sie bei den Ursulinen-Schwestern sehr katholisch erzogen worden sei. Religiöse Normen bildeten somit nur einen Teil des Wertegerüsts. „Ein anderer waren meine bäuerliche Großmutter und mein Eisenbahner-Großvater. Sie haben einfach gesagt: ‚So ist das.‘ Da hat’s nichts gegeben“, sagt Haselsteiner, der bekennende Agnostiker und Freimaurer.2

Der Vater, ein Stuttgarter Architekt, spielte in den Kindheits- und Jugendjahren eine untergeordnete Rolle. Als er starb, war Hans Peter Haselsteiner gerade 14 Jahre alt. Anders als die Mutter erlebte er ihn als durchaus streng. „Er hat mich auch selten gehabt, und wenn ich dann bei ihm war, musste er in den wenigen Wochen alle Erziehungsbemühungen nachholen, die er sonst während des Jahres versäumt hat.“

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