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Mario Zenhäusern über Peter Schröcksnadel: Peter Schröcksnadel – vom Studienabbrecher zum Paradeunternehmer

Peter Schröcksnadel – vom Studienabbrecher zum Paradeunternehmer

Von Mario Zenhäusern

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Peter Schröcksnadel. Auf seinem Schreibtisch steht eine Tafel: „I am a very responsible person. Every time something goes wrong, i am responsible.“

Die Jugend

Wer sich heute im Internet über Peter Schröcksnadel in- formiert, ihn also auf gut Neudeutsch googelt, erfährt Folgendes: Peter Schröcksnadel (* 30. Juli 1941 in Innsbruck) ist ein österreichischer Unternehmer und seit 1990 Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), von 2009 bis 2012 Präsident der European Ski Federation (ESF) und Vizepräsident des ÖOC. Das ist nur die halbe Wahrheit: Der umtriebige 72-Jährige steckt stellt weit mehr dar, als sich hinter diesen wenigen Zeilen verbirgt. Im Zuge der Gesprächsreihe „Zeitzeugen“, veranstaltet von Casinos Austria, der Tiroler Tageszeitung und dem ORF Tirol, ließ der mächtige ÖSV-Chef im Interview mit Elmar Oberhauser erstmals hinter die Kulissen blicken.

Geboren in Innsbruck, wuchs Schröcksnadel in gutbürgerlichem Hause auf. Seine Eltern betrieben eine Schneiderei, die recht gut ging. Der junge Peter besuchte die Volksschule in Innsbruck – aber nicht lange: „Ich hatte da einen Schulkollegen aus Saggen, der war Halbwaise und konnte damals nicht in Innsbruck bleiben. Seine Mutter meinte deshalb, er solle nach Lienz ins Internat gehen.“1 Schröcksnadel überlegte nicht lang und überredete seine Eltern, auch ihn nach Lienz zu schicken. „Ich wusste ja nicht, was ich da tue, wenn ich mitgehe ins Internat. Es war furchtbar, ich könnte heute noch zur Klasnic-Kommission gehen und mich beschweren.“ Schon im ersten Jahr beschloss er deshalb, sich aus dem Staub zu machen. Gemeinsam mit einem zweiten Innsbrucker schlich er sich in den Zug nach Innsbruck, kam aber nicht weit: „Bereits um 4:15 Uhr wurden wir von der Polizei schon wieder aus dem Zug gefischt und danach – als 11-Jährige – zwei Tage lang eingesperrt.“

Die jungen Ausbrecher merkten, dass auf diese Weise kein Erfolg zu erzielen sei. Sich mit dem Schicksal abfinden wollte der junge Schröcksnadel aber auch nicht. „Hier bleibe ich nicht!“, beschloss er trotzig. Jahre später verlegte er sich aufs Streiken: „Ich gab einfach keine Schularbeiten mehr ab. Da ist den Eltern nichts anderes mehr übrig geblieben, als mich rauszunehmen.“ Der junge Mann hatte also sein Ziel erreicht: Er kam zurück nach Innsbruck. Das Gymnasium in seiner Heimatstadt durfte er aber nicht besuchen, „denn da ist mein Bruder gegangen, der war auch nicht der Bravste“. Also führte ihn sein Weg nach Reutte, wieder in ein Internat. Weil es ihm auch da nicht behagte, suchte er sich im Nachbarort Höfen bei einer netten Familie ein Zimmer und erklärte seinen Eltern kompromisslos: „Ihr könnts mich abholen oder dalassen, aber ins Internat gehe ich nicht mehr zurück.“

Nun, die Eltern hatten ein Einsehen und beließen den angehenden Maturanten in Höfen. Der bedankte sich, indem er selber für seinen Unterhalt aufkam: Er half auf dem Hof fleißig mit und verdiente sich so Geld für Verpflegung und Unterkunft. Und, angenehmer Neben effekt, auch die Noten in der Schule besserten sich. „Obwohl mir das damals niemand zugetraut hätte, konnte ich mir sogar mit Nachhilfeunterricht ein bisschen Geld dazuverdienen.“