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Irene Rapp über Peter Habeler: Der Berg als Ort der Selbsterfahrung

Der Berg als Ort der Selbsterfahrung

Peter Habeler über die vielen Gipfel der Gefühle

Von Irene Rapp

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Jänner 2013: Im Innsbrucker Casino unterhielten sich Elmar Oberhauser und „Berg-Professor“ Peter Habeler über die Faszination Berge.

Vorwort

Das Internet ist in Zeiten wie diesen das Nonplusultra der Bereitstellung von Information jeglicher Art. Gibt man etwa das Stichwort „Peter Habeler“ ein, werden innerhalb von 0,13 Sekunden 180.000 Ergebnisse angezeigt. Und sucht man auf Wikipedia nach dem Zillertaler, finden sich folgende – überraschend wenige – Fakten: Peter Habeler (* 22. Juli 1942 in Mayrhofen, Zillertal) ist ein österreichischer Extrembergsteiger, der durch die Erstbesteigung des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff 1978 berühmt wurde. Dem Zillertaler gelangen spektakuläre Erstbegehungen in den amerikanischen Rocky Mountains, er war der erste Europäer an den Big Walls im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien (USA) und kletterte in kürzester Zeit durch die El-Capitan-Südwestwand, die damals als die schwierigste bekannte Klettertour der Welt gab. Im Jahr 1969 schloss er sich mit Reinhold Messner zu einer erfolgreichen Seilschaft zusammen.

Laufbahn: Habeler gelangen u. a. die Begehung der Yerupaja-Ostwand in den peruanischen Anden und die Durchsteigung der Eiger-Nordwand in knapp neun Stunden. Die Nordwand des Matterhorns bezwang er in vier Stunden. In einer Zweierseilschaft mit Reinhold Messner gelang ihm 1975 die Besteigung des Hidden Peak (8.080 m) ohne künstlichen Sauerstoff. Das war die erste Besteigung eines Achttausenders im Alpinstil. Sein größter Erfolg war 1978 die Erstbesteigung des Mount Everest, des höchsten Berges der Welt, ohne künstlichen Sauerstoff, ebenfalls wieder zusammen mit Reinhold Messner. Außerdem bestieg er weitere Achttausender, wie den Cho Oyu (8.188 m), den Nanga Parbat (8.125 m) und den Kangchendzönga (8.598 m).

Gesellschaftliche Aktivitäten: Peter Habeler ist Ehrenmitglied im Kuratorium des Arbeitskreises Christlicher Publizisten.

Auszeichnungen: 1999 Berufstitel Professor.

Soweit zum Wikipedia-Eintrag: Doch wie nüchtern ist diese Information, wie wenig sagt sie eigentlich über den Menschen Peter Habeler aus! Wer einmal das Glück hatte, den Zillertaler kennenzulernen – sei es als Vortragenden, als Bergführer oder überraschend auf einer Hütte – der erlebt anderes.

Wie humorvoll etwa der Mensch hinter den Fakten ist.

Welch unvorstellbare Geschichten er erzählen kann, in einer Dramatik, die die Geschehnisse von einst wieder lebendig werden lassen und mit welch leuchtenden Augen er Gäste in seine geliebten Berge führt.

Wie wohl er sich auf den Hütten fühlt, wie sehr er sich mit den Menschen dort identifiziert. Und wie lange er dort mit alten und neuen Bergkameraden zusammen sitzen, Witze erzählen und ein Schnapsl oder Glasl Rotwein trinken kann – doch am nächsten Morgen wieder taufrisch zu neuen Bergabenteuern aufbricht – so, als hätte er zwölf Stunden Schlaf und kein einziges Stamperl Schnaps oder Glas Rotwein genossen.

Die Infos aus dem Internet können nur die Suppe sein. Das Salz darin ist der direkte, unmittelbare Kontakt mit dem Menschen – wie es etwa beim Zeitzeugen-Gespräch im Jänner 2013 im Innsbrucker Casino möglich war.

Peter, der Glückliche

Peter Habeler. Mit welchen Beinamen könnte man den Finkenberger versehen? Mit Peter, der Himmelsstürmer, wie er in den einleitenden Begrüßungsworten zum Zeitzeugen-Gespräch am 15. Jänner 2013 im Innsbrucker Casino bezeichnet worden ist?

Mit Peter, der Jungbrunnen, weil man ihm die über 70 Jahre in keinster Art und Weise ansieht?

Oder mit Peter, der Glückliche? Denn dass er im Großen und Ganzen glücklich sein muss, das zeigt vor allem sein Gesicht, in welchem weder Verbitterung noch Kummer, noch Schmerz ihre Spuren hinterlassen haben.

Und so kann auch der bekannte ORF-Mann Elmar Oberhauser zu Beginn des Zeitzeugen-Gesprächs als Moderator seine Überraschung nicht verbergen. „Wie bei der Vorbereitung zum Gespräch mit dem inzwischen verstorbenen Innsbrucker Alt-Bischof Reinhold Stecher bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es kaum Menschen gibt – oder eigentlich habe ich gar keinen gefunden – der negativ oder schlecht über Sie spricht. Sie sind sehr beliebt, haben ein hohes Ansehen, wie schafft man das?“, fragt er seinen Gesprächspartner.

Nur einen kurzen Moment lang ist Peter Habeler sprachlos. „Ja, das ist eine gute Frage“, wagt er dann den Versuch einer Erklärung. „Vielleicht, weil ich positiv denke. Weil ich tolle Wegbegleiter hatte. Und weil ich in meinem ganzen Leben von jedem immer gut behandelt worden bin. Die Bitterkeit hat es nie gegeben“, sagt der Bergsteiger und blickt ins Publikum. Dort sitzen unter den zahlreichen interessierten Gästen auch viele seiner Wegbegleiter aus früheren Tagen. Von Horst Fankhauser, Jugendfreund und Kletterpartner sowie langjährigem Pächter der Franz-Senn-Hütte in den Stubaier Alpen, über den weltbekannten Chirurgen Raimund Margreiter bis hin zu Wolfgang Nairz, der 1978 als erster Österreicher auf dem Gipfel des Mount Everest stand.