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HAYMON verlag

Lukas Morscher

Innsbrucker
Alltagsleben
1930–1980

Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 50

Wir danken der Tiroler Tageszeitung für die Möglichkeit der kostenfreien Nutzung von Texten und Bildern.

Zeitungsverzeichnis:

IN

Innsbrucker Nachrichten

NSZ

Neueste Sport-Zeitung, Wochen-Sportbericht der Innsbrucker Nachrichten

NZ

Neueste Zeitung, Abendausgabe der Innsbrucker Nachrichten

TT

Tiroler Tageszeitung

© der Zeitungstexte bei den jeweiligen Zeitungen

© 2012

HAYMON verlag

Innsbruck-Wien

www.haymonverlag.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7099-7656-2

Umschlag- und Buchgestaltung, Satz:

hoeretzeder grafische gestaltung, Scheffau/Tirol

Grafische Nachbearbeitung der Abbildungen: Benno Monz

Abbildungen: Wenn nicht anders angegeben, Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck

Postkarte am Umschlag: Vorarlberger Landesbibliothek

S. 113: Polizei Innsbruck

S. 128: DI W,A. Schwaighofer

S. 147: Gerhard Plattner

S. 151, 155, 156, 167, 168, 180,181, 187, 189, 191, 198, 205, 214, 219, 221, 225, 230, 232, 253: frischauf-bild, Innsbruck

S. 163, 182, 190, 194, 202, 206, 246: Erich F. Birbaumer

S. 179: Hannes Gasser

Trotz intensiver Bemühungen konnten nicht alle InhaberInnen von Bildrechten ausfindig gemacht werden. Für entsprechende Hinweise ist der Autor dankbar.

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.haymonverlag.at.

VORWORT

Christine Oppitz-Plörer

Bürgermeisterin und Kulturreferentin der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck

Eine spannende Reise in Innsbrucks Vergangenheit!

Ein Blick zurück in die Geschichte ist wie ein Blick durch ein Fernglas: Weit entfernt liegende Ereignisse erscheinen uns nahe, neue Blickwinkel eröffnen uns eine andere Sicht auf die Dinge. Vieles erscheint vertraut, manches jedoch fremd. Doch unbestreitbar bleibt, dass der Bezug zur Vergangenheit unser Verständnis für die Gegenwart schärft.

Derart spannende Perspektiven eröffnet uns Stadtarchivar DDr. Lukas Morscher, wenn er uns mit seiner großartigen Buchreihe über das Innsbrucker Alltagsleben in längst vergangene Zeiten entführt. Standen im Vorgängerwerk noch die Jahre 1880 bis 1930 im Mittelpunkt, so begleitet er uns nun mit dem Buch, das Sie, liebe LeserInnen, gerade in Händen halten, durch die „nächsten“ 50 Jahre zwischen 1930 und 1980 – ein Zeitraum, der mit mindestens ebenso span-nenden großen und kleinen Alltagsgeschichten aufwarten kann. Dabei ist es ihm sehr gut gelungen, auch schwierige Jahre der Innsbrucker Geschichte, die ihre Schatten bis in heutige Tage werfen, sensibel aufzuarbeiten und ihnen einen angemessenen Platz einzuräumen.

Es erstaunt auch mich immer wieder, wie sich unsere Landeshauptstadt im Lauf der Zeit gewandelt und zu dem entwickelt hat, was sie heute ist: eine moderne Stadt, die ihren BewohnerInnen hohe Lebensqualität, Sicherheit und wirtschaftlichen Wohlstand bietet. Charakterisierungen wie „alpin-urban“ oder „Hauptstadt der Alpen“ sind zu international bekannten Markenzeichen geworden und mit der Stadt mittlerweile untrennbar verbunden.

Der Blick zurück in die Geschichte ist aber oft auch wie der Blick in einen Spiegel: Viele der Geschichten, die uns in diesen Büchern begegnen, kommen uns aus heutiger Zeit nur allzu bekannt vor – seien es politische oder wirtschaftliche Ereignisse, heitere Anekdoten aus Kultur und Alltag oder weltgeschichtliche Meilensteine und deren Rezeption im „kleinen“ Innsbruck. Der Wandel mag das Beständigste in unserer Welt sein, doch es tut gut zu sehen, dass manche Dinge sich dennoch niemals ändern. Ich bedanke mich daher ganz herzlich bei DDr. Morscher für seine leidenschaftliche Arbeit und wünsche ihm, dass auch diesem Buch die gebührende Aufmerksamkeit zuteil wird.

Innsbruck, September 2012

Lukas Morscher

Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck

Eine Art „Gebrauchsanweisung“ zu diesem Buch

Wie schon der erste Band „Innsbrucker Alltagsleben 1880–1930“ ist die vorliegende Fortsetzung kein Geschichtsbuch. Allerdings ist es auch nicht das „Geschichteln-Buch“, als das der erste Band noch hätte durchgehen können: Die Zeit bis nach dem Zweiten Weltkrieg ist zu turbulent, brutal, tragisch, umwälzend und humorlos, um es als solches bezeichnen zu können.

Fortgeführt wurde die bewährte Praxis, manche Berichte nicht „aufzulösen“, also das Ende der Geschichte nicht zu erzählen. Dies soll den Anstoß geben, sich mit dem Ausgang eines Ereignisses auseinanderzusetzen und selbst nachzuforschen; sehr gerne auch im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck.

Auch in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg verändert sich die Welt laufend und grundlegend. Ereignisse der internationalen Politik und Technik schlagen sich viel schneller als früher auch in Tirol und Innsbruck nieder. Internationale Nachrichten nehmen immer mehr überhand, sodass für die kleinen „Hoppalas“ des täglichen Lebens immer weniger Platz bleibt. Gleichzeitig ist eine Art Stadt-Land-Gefälle zu beobachten: In Innsbruck scheint nichts Kurioses mehr zu passieren, weil der Innsbruck-Teil der Zeitung schon mit offiziösen Ereignissen gefüllt ist. In den einzelnen Talschaften aber, wo nicht jeden Tag ein Neubau einzuweihen ist, bleibt Platz für die so menschlichen Episoden. Aber seien Sie versichert, solche Dinge geschehen auch nach wie vor tagtäglich vor Ihrer städtischen Haustür, nur finden sie leider nicht mehr so leicht den Weg in das Printmedium.

Warum muss ich heute darüber informiert sein, wenn in China der sprichwörtliche Sack Reis umfällt? Gleichzeitig erfahre ich aber nichts über das (Un-)Glück meines Nachbarn, zumal mich das wesentlich mehr interessieren würde. Ich mag meine Nachbarn nämlich.

Ich habe versucht, Ereignisse, die die Welt bewegten, einzubinden, wenn sie in Innsbruck ihren Ausdruck gefunden haben. So war beispielsweise die Ermordung des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy ein Ereignis, das die Welt erschütterte. Und in Innsbruck? Auch hier gab es offenbar eine breite Trauer in der Bevölkerung, denn die amerikanischen Studenten der Universität Innsbruck bedankten sich in einem Leserbrief für die Anteilnahme der Tiroler Bevölkerung.

Aber nicht alle Aspekte konnten berücksichtigt werden. Überraschenderweise bleiben andere Ereignisse von weltweiter Bedeutung ohne lokale Ausprägung, wie z. B. die Mondlandung. Diese Ereignisse – so wichtig sie auch sein mochten – sind nur im internationalen Teil der „Tiroler Tageszeitung“ zum Ausdruck gekommen, daher konnte ich sie in dieses Buch auch nicht aufnehmen.

Gleichzeitig verdichteten sich die Ereignisse, es hat sich einfach in kurzer Zeit viel mehr ereignet. Berühmtheiten aus aller Welt gaben sich in Innsbruck ein Stelldichein. Filmschauspieler wie Omar Sharif, gekrönte Häupter wie Queen Elisabeth II. und zahllose HeldInnen aus der Welt des Sports konnten in Innsbruck begrüßt, bewundert und gefeiert werden. Ereignisse von überragender Bedeutung wie der Wiederaufbau nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die Olympischen Winterspiele 1964 und 1976, gesellschaftliche Umstürze, bauliche Veränderungen und die Umwandlung der Gesellschaft zu einer modernen passieren nicht von heute auf morgen. Meist ist dies ein jahrelanger Prozess. Diesen galt es in diesem Buch darzustellen, bei aller Knappheit des Platzes.

Andere Stichworte werden bei vielen, die die Zeit selber miterlebt haben, eine sofortige Assoziation auslösen: das Kennedy-Haus und Sigmund Kripp mit der MK, der Marianischen Kongregation, damals das größte Jugendzentrum Europas. Die Sportstars vergangener Jahrzehnte; Franz Klammer und sein „Ritt“ vom Patscherkofel, die Skispringer, gelegentlich sogar einmal ein Fußballer, als der Meistertitel in den 1970er Jahren häufig in Innsbruck gefeiert werden durfte. Aber auch die vielfältigen Anstrengungen, den Tourismus weiterhin anzukurbeln, sind vielen ebenso in Erinnerung wie die riesigen Zelte der internationalen Zirkusse, die hier Station machten.

Ein weiteres Phänomen ist, dass die Redaktionen der meisten Zeitungen zumindest in den ersten Jahrzehnten nach 1945 sehr konservativ waren. Aus der Weltsicht der „Chefetagen“ wurde eine – damals durchaus übliche – „Schere im Kopf“. Das heißt, dass nicht nur Nachrichten verbreitet wurden, sondern auch ein Weltbild: Kommunismus = böse. Wer gegen die katholische Kirche opponierte, gehörte ebenso zu den Gegnern. Wer nicht in diese Weltsicht passte, wurde als „Feind“ angesehen. Als solche galten z. B. die „Rolling Stones“ mit ihrem für die damalige Zeit revolutionären Konzert am 23. September 1973 in Innsbruck. Der kurze Bericht findet sich in diesem Buch fast in Originallänge. Heute würde ein solches „Event“ wohl ganz anders gewürdigt werden.

Dass ich mich ab 1945 ausschließlich an die „Tiroler Tageszeitung“ als Medium gehalten habe, hat den Grund, dass diese das am weitesten verbreitete Printmedium des Landes ist. So können sich die meisten Menschen auch in den ausgesuchten Beiträgen wiederfinden. Gleichzeitig kann man den Wandel in der Gesellschaft am besten darstellen, wenn man ein Medium durch die Jahrzehnte hindurch verfolgt.

An dieser Stelle soll auch der Generationen von RedakteurInnen gedacht werden, die noch mit Notizblock und Bleistift an die Stätten der Ereignisse gefahren sind. Diese Journalist-Innen alten Schlages könnten mit den heutigen KollegInnen nicht mehr mithalten. In ihrer Zeit aber waren sie für Information und Volksbildung zuständig. Eine Funktion, die sie bravourös erfüllt haben.

Natürlich habe ich mir auch diesmal erlaubt, ein paar Beiträge aus zweifachem Grund auszuwählen. Einige Daten und Ereignisse haben auch einen persönlichen Anstrich. Die Billard- Meisterschaft 1936 für Tirol ist vielleicht nicht von überragender Bedeutung. Aber sie ist ein Gruß an die, die das Spiel wirklich beherrschen. Ich zähle ganz sicher nicht dazu.

Abschließend sei mir noch eine persönliche Anmerkung erlaubt: Mein Antrieb, diesen zweiten Band „Innsbrucker Alltagsleben“ zusammenzustellen, war die Tatsache, dass ich immer wieder positive und interessierte Rückmeldungen zu einzelnen Beiträgen bekomme. Es freut wohl jeden Autor, wenn er wahrnimmt, dass seine Arbeit von der Leserin und dem Leser geschätzt, aber auch hinterfragt wird. Ich freue mich also über Ihre Rückmeldungen. Vor allem, weil bei diesem Band viele von uns bereits persönliche Erlebnisse mit den Zeitungsberichten verbinden. Ich auch.

Innsbruck, September 2012

Eine Zeit der Umbrüche

Es ist grundsätzlich schwer, einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in wenigen Zeilen zu charakterisieren. Völlig unmöglich ist dieses Unterfangen aber für das 20. Jahrhundert. Es gibt zahlreiche Fachbücher, welche diese Zeit darstellen. Daher sollen im Folgenden nur einzelne Aspekte beleuchtet und ein grober Überblick gegeben werden.

In den 50 Jahren zwischen 1930 und 1980 erfuhren alle Lebensbereiche einen totalen Umbruch. Es waren also nicht nur die schrecklichen Jahre des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, die keinen Stein auf dem anderen ließen.

Nach dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war der politische und wirtschaftliche Neuanfang ein sehr schwerer, und die neuen Institutionen der Politik und der Wirtschaft konnten sich nur langsam durchsetzen. Die Inflation, eine unübersichtliche Parteienlandschaft, der Verlust von Südtirol, die weitgehende Abhängigkeit von Deutschland, der nur langsam wieder anlaufende Tourismus sind nur einige wenige der zahllosen Problemfelder. Diese Stichworte umschreiben die Lage der ersten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Wenig Grund für die Menschen, positiv in die Zukunft zu blicken.

In den 1930er Jahren verschärfen sich vor allem die politischen Auseinandersetzungen, sodass es 1934 sogar zu einem – wenn auch sehr kurzen – Bürgerkrieg kommt. Die Ermordung des seit 1933 diktatorisch regierenden Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß am 25. Juli 1934 ist ein weiterer Schritt in Richtung des sich anbahnenden politischen Zusammenbruchs. Die Frage der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit dieses „Rest-Österreichs“ wird immer dringlicher. Der Schutz in einem großen und wiedererstarkten Deutschen Reich scheint für die meisten der einzige Weg. Der Austrofaschismus ist bei der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich. Das gesellschaftliche Klima ist sehr frostig, der Antisemitismus überaus weit verbreitet.

Im Tourismusbereich, in dem vor allem die deutschen Gäste eine tragende Rolle spielen, bringt die sogenannte Tausend- Mark-Sperre 1933 diese wichtige Einnahmequelle beinahe vollständig zum Erliegen. Deutsche Staatsbürger müssen bei einem Grenzübertritt nach Österreich 1.000 Reichsmark bezahlen. Das entspricht heute etwa einem Wert von 3.500 bis 4.000 Euro. Naturgemäß ist dies keine gute Voraussetzung für den Tourismus. Die neuen Seilbahnen auf den Hahnenkamm, die Zugspitze sowie auf die Nordkette und den Patscherkofel sind dennoch Tourismusmagneten.

Der in Tirol und ganz Österreich auftretende politische Radikalismus rührt von einer weitgehenden Unerfahrenheit mit den demokratischen Spielregeln her, aber auch von dem Bewusstsein, nichts mehr verlieren zu können. Der aus dieser Sicht „logische“ Anschluss an das Deutsche Reich erscheint als die Lösung, um der Probleme Herr zu werden, stellt sich aber kurz darauf als große Katastrophe heraus.

In Innsbruck sind diese Prozesse zu Beginn der 1930er Jahre etwas abgeschwächt wiederzufinden. Alle politischen Richtungen vereint der Widerstand gegen den Verlust von Südtirol. Da es in Tirol wenig große Industrien gibt, ist auch die Sozialdemokratie schwächer ausgeprägt als in anderen Teilen des Landes. Gleichzeitig ist die Begeisterung für den Anschluss auch hierorts überaus groß.

Der Besuch Adolf Hitlers am 5. April 1938 in Innsbruck wurde zu einem frenetisch gefeierten Ereignis, das Ergebnis der Volksabstimmung in Innsbruck war ebenso eindeutig wie überall sonst in der „Ostmark“, wie Österreich nun für einige Jahre heißen sollte.

Inhaftierungen politisch (Anders-)Denkender und die schrittweise Vertreibung und Ermordung der jüdischen Mitbürger stehen an der Tagesordnung. Nach den ersten militärischen Erfolgen kommt der Krieg bald auch nach Innsbruck. Anfangs „nur“ mit Verwundetentransporten, bald auch mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern und schlussendlich mit bombenbeladenen Flugzeugen. Die Folgen sind etwa 500 Tote und nahezu 60 Prozent beschädigten bzw. zerstörten Wohnraums. Es dauert viele Jahre, bis sich Innsbruck von dieser Katastrophe erholt.

Die amerikanischen Befreier verlassen Tirol im Juli 1945 bereits wieder, um der französischen Besatzungsmacht Platz zu machen. Man betrachtet die Besatzer als „notwendiges Übel“ und begegnet ihnen mit einer klugen Politik der Zurückhaltung. Die vielen Jahre ihrer Anwesenheit hatten weniger Einfluss auf das Leben der Tiroler, als es bei einer so langen Besatzungszeit zu erwarten gewesen wäre. Entsprechend sind die Spuren heute kaum mehr zu finden.

Die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind von Mangel an allen Ecken und Enden gekennzeichnet: wenig Nahrung, wenig Freiheit, schlechte Wirtschaftslage, wenig Wohnraum. Doch schon bald wächst auch der Bedarf an Unterhaltung. Die modernen Strömungen der Jugendkultur gelangen über den Atlantik auch nach Innsbruck. Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis der Wirtschaftsaufschwung und die positive Stimmung auch in Tirol um sich greifen.

Der Einfluss der katholischen Kirche auf das Leben der Menschen ist enorm groß. Die neuen Freiheiten und Strömungen werden heftig bekämpft. Comics werden zum Feindbild gemacht, der sogenannte Schundroman als verwerfliches Schrifttum abgetan. Dennoch lässt sich die neu entstandene Freiheit nur aufhalten, aber nicht verhindern. Die Jugend der Nachkriegszeit will Jazz, will Freiheit, will ihr Leben selbst gestalten. Daraus entwickeln sich in den späten 1960er Jahren die Studentenproteste, die das gesellschaftliche Gefüge schwer erschüttern werden.

Im Laufe der späten 1940er und der 1950er Jahre kann die ärgste Wohnraumnot bekämpft werden, und schon denkt man an neue Herausforderungen. Bereits für 1960 bewirbt man sich – wenn auch erfolglos – um die Austragung der Olympischen Winterspiele. 1964 werden die IX. Olympischen Winterspiele dann in Innsbruck stattfinden. Dieses Ereignis und auch weitere, die in diesem Jahr stattfinden, bilden quasi symbolisch den Abschluss des Wiederaufbaus und den Beginn des modernen Innsbrucks. Denn 1964 wird Innsbruck auch Bischofssitz und erhält zudem den Europapreis. Innsbruck als (kleine) europäische Stadt wird wieder in den Kreis der geachteten Städte „aufgenommen“. Diese doch sehr markante Zäsur ist bis heute immer etwas unterschätzt geblieben.

Die neue Zeit bringt auch neue, herausfordernde Aufgabenstellungen: Beispielsweise sollte die Verkehrsbelastung zwar durch die neu gebaute Autobahn entschärft werden, jedoch tritt das Gegenteil ein. Auch im innerstädtischen Verkehr frisst der Straßenbau die wenigen freien Flächen immer schneller auf. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems kann hier nicht Schritt halten. Zudem wird infolge einer tragischen Fehleinschätzung die sogenannte Haller Straßenbahn 1974 eingestellt. Ein Fehler, der kaum wieder gutzumachen ist. Gleichzeitig entstehen neue Straßenzüge, die uns heute so vertraut sind: der Südring, die Freiburger Brücke, die Grenoblerbrücke, die Bachlechnerstraße.

Der Flughafen steht zwischendurch vor seinem Ende. Eine Volksabstimmung soll über seine weitere Zukunft entscheiden. Diese – ein demokratiepolitisches Armutszeugnis mit einer Wahlbeteiligung von etwa zehn Prozent – sichert ihm dennoch seine weitere Existenz. Heute stellt der Flughafen einen der wichtigsten Faktoren für den (Winter-)Tourismus und für die Regionalwirtschaft dar. Er ist aber auch für die TirolerInnen selbst ein Tor in die Welt.

In Innsbruck entsteht quasi aus dem Nichts das größte Jugendzentrum Europas: das Kennedy-Haus von Pater Sigmund Kripp. Diese Einrichtung ist ihrer Zeit weit voraus – zu weit womöglich. In den Jahren ihres Bestehens ist die MK, die Marianische Kongregation, wie sie eigentlich genannt wird, eine prägende Institution für eine ganze Generation damals junger Innsbruckerinnen und Innsbrucker. Schlussendlich wird Sigmund Kripp abgesetzt. Die damals noch sehr traditionsverhaftete Amtskirche hat die ungleiche Auseinandersetzung gewonnen, letztendlich aber doch verloren.

Die Wirtschaft boomt, Innsbruck boomt. Und es geht immer so weiter. Na ja, nicht ganz. Es folgt der Ölpreisschock. Die Jahre des Wirtschaftswunders sind vorbei und die Energiekrise offenbart erstmals die Verschiebung des politischen Gewichts. Die Zeiten, als Europa den Erdball nach Belieben beherrschte, sind endgültig Vergangenheit.

Mit den XII. Olympischen Winterspielen 1976, die Innsbruck aufgrund des Rückzuges von Denver in den USA quasi als Ersatz austragen kann, wird die Stadt wieder ins internationale Rampenlicht gerückt. Die Reichen und Schönen aus den Illustrierten reisen wieder nach Tirol.

Die Entwicklung Innsbrucks von einer einigermaßen modernen Stadt in den 1920er Jahren zu einer, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen ist, ist ein Prozess, den die Menschen und politischen Vertreter der Stadt allen weltpolitischen Turbulenzen zum Trotz immer weiter vorangetrieben haben. Der Traditionalismus ist als Werthaltung bis heute vorhanden. Aber inzwischen orientiert man sich an der modernen Gesellschaft mitteleuropäischer Prägung. Und da ist Innsbruck heute in vielen Bereichen ein Vorbild.

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Zwischenkriegszeit

1930

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Ein Familienausflug mit einem Automobil war etwas ganz Besonderes. Allerdings mussten alle Beteiligten erst die Spielregeln des neuen Straßenverkehrs lernen.

03. MAI Image

Randbemerkungen eines Innsbruckers

Den armen Fußgängern, die in der Stadt und im Tal schon lange nichts mehr zu lachen haben, ergeht es allmählich wie den friedlichen Tieren, die vor der vielgerühmten Zivilisation Schritt für Schritt das Feld räumen und in die Einsamkeit und Unwegsamkeit der Hochwälder und des Gebirges flüchten mußten, soferne sie nicht überhaupt schon ausgerottet sind. Nun kommen auch die Menschen dran, die so altmodisch geblieben sind, daß sie sich noch immer auf ihren zwei eigenen Beinen fortbewegen und hie und da das Bedürfnis haben, draußen in der schönen Natur den Frieden zu suchen, den sie im rücksichtslosen Verkehrsgetöse der Stadt nicht mehr finden können. Die Zone innerhalb welcher die Fußgänger noch auf Schonung ihrer Nerven und Ohren rechnen können, steigt immer höher. Letzthin trieb sogar schon auf dem Wege des Verschönerungsvereines, der hinter dem Rechenhof vorbei zum Thaurer Schloß führt, ein Motorradfahrer sein Unwesen. Und das Neueste ist eine richtige Autofahrt auf dem schmalen Karrenweg, der von Tulfes nach Windegg führt, und auf dem kein Mensch ausweichen kann, es sei denn, daß er mit affenartiger Behendigkeit den Zaun überklettert.

Soll man denn nirgends mehr ohne Angst und Aerger, ohne Getöse und Gestank seinen freien Tag genießen können? Ist denn der Fußgänger vogelfrei? Wie kommt er dazu, auf seinem schmalen Spazierwege immer bereit sein zu müssen, vor einem jählings daherdonnernden Kraftfahrzeug gehorsam auf die Seite zu springen? Irgendwo müssen sich doch auch Kinder und ältere Leute ohne Gefahr für ihre Sicherheit in der Natur ergehen und erholen können. Man kann sie doch nicht in die höchsten Höhen hinaufscheuchen wie das Wild! Es würde auch einem Benzinnarren nicht schaden, wenn er auch gelegentlich einmal ein Stück zu Fuß ginge, wenigstens dort, wo sein Karren von rechtswegen gar nicht hingehört. Hier muß wohl von der Behörde einmal Ordnung geschaffen werden! Image IN, Nr. 101, S. 8.

06. MAI Image

Turnen, Sport und Spiel

Die Tiroler Fußballmeisterschaft – I.A.C. – Sportverein 7:0 (5:0)

Dieser Meisterschaftskampf, zu dem die Unterlegenen mit ganz unzureichendem Erfolg für die Verletzten Dittrich und Landrichter antreten mußten, endigte, wie vorauszusehen, mit einem überlegenen Siege des kompletten I.A.C., der keinen ernstlichen Gegner hatte und nach Belieben siegte. Der Sportverein hatte unter diesen Umständen von vornherein keinerlei Aussicht auf ein günstiges Abschneiden; dazu kam noch, daß der Verband im letzten Moment den vom Besetzungsausschuß bestimmten Schiedsrichter Verdroß absetzte und den Herrn Bauer einsetzte, der bekanntlich als warmer Freund des Sportvereins gilt. Der ohnehin mehr als schwache Sportvereinsangriff verlor dadurch den letzten Rest an Spielfreude und Selbstvertrauen und das Ergebnis war katastrophal. Es ist bezeichnend, daß im ganzen Spiel mit Ausnahme von einigen Eckbällen kein einziger Schuß gegen das I.A.C.-Tor fiel; die Spielweise des Sportvereinsangriffes war auch wirklich eine restlose Vorführung aller Fehler und Mängel, die eine Stürmerreihe überhaupt besitzen kann.

Es fehlte einfach an allem; die Leute waren sogar zu faul, um zu kämpfen und laufen und der überlegene Sieg des I.A.C. ist daher vollständig klar und verdient. Image NZ, Nr. 108, S. 5.

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Fußball in seiner heutigen Form entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Österreich werden die ersten Vereine kurz vor 1900 gegründet.

09. MAI Image

Fahnen heraus!

Die Landesleitung des Selbstschutzverbandes Tirol ersucht uns um Aufnahme des folgenden Aufrufes: Einem Jahrzehnt Tiroler Heimatwehr gelten die feierlichen Kundgebungen, die am 10. und 11. d. M. in Innsbruck und im ganzen Lande Tirol veranstaltet werden. Die heimattreue Bevölkerung weiß, was in dieser Zeit an mühevoller Aufbauarbeit geleistet worden ist, um ein Machtinstrument zu schaffen, das unseren Staat vor dem größten Unheil, vor dem Untergang in dem bolschewistischen Sumpf, bewahrt und das es sich zur Aufgabe gemacht hat, unser in Parteien und Klassen zerrissenes Volk wieder zu einem einigen kraftbewußten Ganzen zusammenzuschmieden. Image IN, Nr. 106, S. 1 f.

13. MAI Image

Oeffentliche Versammlung der Nationalsozialisten

Am Samstag, den 17. Mai, abends 8 Uhr, spricht im großen Stadtsaal der nationalsozialistische Abgeordnete Dauser aus München über Warenhäuser und Konsumvereine. Image IN, Nr. 109, S. 4.

21. MAI Image

Gründung einer Gesellschaft zur Förderung des Golfsportes in Tirol

Am 19. d. M. fand im Landhause unter dem Vorsitze des Landesrates Dr. Pusch über Ersuchen eines Proponentenkomitees eine Besprechung wegen Gründung einer Gesellschaft zur Förderung des Golfsportes in Tirol statt. Der Leiter des Landesverkehrsamtes, Ing. Hradetzky, erläuterte ausführlich alle Gründe, die die Konstituierung einer solchen Gesellschaft zur Förderung des Golfsportes wünschenswert und notwendig machen und wies besonders darauf hin, daß der Golfsport nicht nur beim englischen und amerikanischen Publikum weit verbreitet sei, sondern auch in allen Schichten des deutschen Volkes immer mehr Anklang finde. [...] Image IN, Nr. 116, S. 4.

25. JUNI Image

Innsbrucker Gemeinderat

Förderung oder Hemmung von Filmaufnahmen in Tirol?

Die Gemeinderäte Stadtrat Zech und Genossen stellten einen Antrag betreffend der Förderung von Filmaufnahmen in Tirol. Die städtische Verkehrssektion möge sich sofort über die Zulassung von Filmaufnahmen schlüssig werden und mit dem Landesverkehrsamte zwecks gemeinsamer Stellungnahme Fühlung nehmen.

Vor wenigen Wochen waren die Filmoperateure des bekannten deutschen Regisseurs Dr. Fanck auf dem Hafelekar und wollten für den deutschen Tonfilm „Sterne über dem Montblanc“ den berühmten Kunstflieger Ernst Udet drehen, wie er mit seinem Flamingo aus dichten Wolken auftaucht. Doch nach wenigen Tagen wurde der deutschen Filmgesellschaft das weitere Kurbeln von der Landesregierung verboten, während unsere Nordkettenbahn bereit war, dem Unternehmen weitestgehend entgegenzukommen. Image IN, Nr. 143, S. 5.

27. MAI Image

Faltbootunglück

Am Samstag nachmittags sind zwei Burschen im Inn bei der Innbrücke mit einem Faltboot umgekippt und in den Inn gefallen. Das Boot wurde flußabwärts getrieben. Die Burschen schwammen dem Boote ein Stück nach, konnten es aber nicht erreichen und stiegen ans Land. Ein zugeworfener Rettungsring wurde von ihnen abgelehnt. Ein Bursche zog das Boot beim Löwenhaus aus dem Inn. Image IN, Nr. 121, S. 7.

14. AUGUST Image

Prämien für die Tötung von Giftschlangen

Die Tiroler Landesregierung hat beschlossen, daß bis auf weiteres für die Tötung jeder Giftschlange eine Prämie von 1 S gewährt werde. Wer diese Prämie beansprucht, hat den Kopf der getöteten Schlange an das Amt der Tiroler Landesregierung einzusenden, worauf nach der Feststellung, daß es sich tatsächlich um eine Giftschlange handelt, die Auszahlung der Prämie erfolgt. Image IN, Nr. 186, S. 4.

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Eine ganz frühe Form der Produktwerbung: Die Sammelbilder bei Liebigs Fleischextrakt, die bereits seit zirka 1875 in kurzer Form das Wissen der Zeit an die meist jungen Sammler vermittelten.

1931

5. JÄNNER Image

Turnen+Sport+Spiel

Die ersten Amateurboxkämpfe in Innsbruck: Glänzender Verlauf – Mehrere tausend Zuseher

Die sportliche Bilanz des in organisatorischer Hinsicht glänzend aufgezogenen Großkampf-Propagandaabends brachte auf der ganzen Linie eine derart hervorragende Ausbeute, daß der 1. T.R.S.C. mit froher Hoffnung in die Zukunft sehen kann. Was die Aktionäre des Boxkampfabends zwischen den Seilen zeigten, war derart hohe boxsportliche Schule, demonstriert von den erstklassigsten Vertretern und Repräsentanten des Bayerischen Amateur-Box-Verbandes, der wohl im ganzen europäischen Kontinent als durchaus erstrangig zu bezeichnen ist, daß einem für den wirklichen propagandistischen Erfolg und Einschlag auf den ersten Anhub nicht bange zu sein braucht. Das Publikum, das Runde für Runde des kampfdurchpulsten Boxabends mit größter Anteilnahme verfolgte und vom ersten bis zum letzten Gongschlag von den gezeigten Leistungen fasziniert war, hat durch spontanen Beifall selbst auf offener Szene den Beweis vom sportlichen Werte des Boxsportes als Leibesübung, der vom Veranstalter zu erbringen war, in vollem Umfange bestätigt. Image IN, Nr. 3, S. 5.

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Die Station Seegrube und die dortige Terrasse ist seit ihrer Eröffnung die „In-Location“ der Innsbrucker Jugend in jeder neuen Generation. Bis heute.

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Hier trifft man sich und kann Kontakte knüpfen. So manche langjährige Beziehung nahm hier ihren Anfang.

1. FEBRUAR Image

Ein Skisonntag am Hafelekar

Noch vor etwa vier Jahren hätte man ein dickes Fragezeichen hinter diese Ueberschrift gesetzt. Oder vielleicht nicht einmal das, denn daß da oben für den Skiläufer nichts zu holen sei, stand so ziemlich außer Frage. Zwar gab es auch früher schon vereinzelte Liebhaber absonderlicher Skitouren, die im Frühjahr zur Firnschneezeit durch die große Rinne, an deren oberem Ende heute die Bergstation der Nordkettenbahn steht, mit Skiern herunter „bögelten“, aber die Mehrzahl zog doch eine andere Art des Gleitens in der Schneerinne vor. Heute darf man an Stelle des Fragezeichens einen schlichten Punkt setzen, der bedeutet, daß gar nichts Fragliches und Problematisches mehr ist an einem Skisonntag auf dem Hafelekar. Und die Seegrube ist die Skifestwiese von Innsbruck. Es ist alles da, was zu einer Festwiese im allgemeinen und zu einer Skifestwiese im besonderen gehört. Im allgemeinen: Festlicher Schmuck, den besorgen Sonne, Schnee und Felsen und der blaue Himmel. Eine festlich wimmelnde frohe Menschenmenge, die sieht man am besten, wenn man bei der Bergfahrt aus der Seilbahnkabine von oben herab die weiße Muschel der Seegrube mit ihrem krabbelnden Inhalt überblickt, und schließlich Stätten, wo für leibliche Genüsse gesorgt wird, deren sind gleich zwei da. Zur Skifestwiese im besonderen aber gehört ein wechselndes Skigehänge, steil und sanft, nach Bedarf für Geübte und solche, die schon die Hoffnung aufgegeben haben, es je zu werden, und für zwei- und mehrköpfige Skifamilien. Dazu Skilehrer, Sprunghügel und Liegestühle. Aber die Hauptsache bei jeder Festwiese ist natürlich die Berg- und Talbahn oder die Rutschbahn. Man fährt um einen Schilling hinauf und rutscht auf irgend eine Weise herunter. Das ist auch da so, natürlich rutschen alle mit Brettern an den Füßen, aber die Art und Weise ist trotzdem verschieden. Mit der Bahn von der Seegrube aufs Hafelekar und Ski herunter, das wiederholt man solange, bis man den Knieschnapper kriegt, dann wird es Zeit für den Liegestuhl oder die Restauration. Image NZ, Nr. 26, S. 3.

11. MÄRZ Image

Fortschritte in der Laubenbeleuchtung der Innsbrucker Altstadt

Die Aktion der Beleuchtung der Lauben hat ein neues schönes Stück geschaffen. Es ist das eiserne Leuchtschild für das Weinhaus „Jörgele“, darstellend die zwei Kundschafter aus dem gelobten Land mit der Traube, ein altes Wirtshauszeichen in neuer Fassung, verbunden mit dem Gedanken der Lichtreklame, durchaus dem Charakter der Lauben angepaßt. Das Schild entstammt einer Zusammenarbeit des Prof. Arch. Fritz Müller und der kunstgewerblichen Metallwerkstätte Viktor Friedrich. Im gleichen Laubenbogen wurde für das Branntweingeschäft Baumann ebenfalls ein Leuchtschild angebracht. In diskreter, durch ein Reklamezeichen wirksamer Form wurde das Pfeilerschild ausgeführt. Die ausgeführten Beispiele guter Leuchtschilder hatten zur Folge, daß weitere Aufträge erteilt wurden von Café und Konditorei Baumann, Installateur Josef Harter, Manufakturwaren Julius Bauer, Speisehaus R. Lamprechter und der Bäckerei Gstier, wo das schon bestehende Zunftzeichen beleuchtet werden soll. Image IN, Nr. 58, S. 6.

27. MÄRZ Image

Vom städtischen Dampfbad in Innsbruck

Die Verwaltung ersucht uns um Bekanntgabe, daß einem wiederholt geäußerten Wunsche der Bevölkerung entsprechend in der Medizinalbadeabteilung der Badeanstalt eine Einrichtung getroffen wurde, mit der es möglich ist, Pistyaner Schlammpackungen und Schlammbäder sowie Heublumenbäder und Heublumenpackungen zu verabreichen. – Aus dem Publikum liegen uns Beschwerden vor, daß im Dampfbad die Sitzbrausen unbrauchbar sind, da eine Wassermischung nicht möglich ist. Image IN, Nr. 71, S. 6.

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Zu einer Zeit, als bei weitem nicht alle Wohnungen über eigene Bäder verfügten, dienten die öffentlichen Bade-Einrichtungen nicht nur der Erholung, sondern vor allem der Körperreinigung.

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Das sogenannte Bienergassl südlich von Schloss Büchsenhausen ist noch immer ein Weg für Eingeweihte.

11. DEZEMBER Image

Eine vernachlässigte Gasse

Aus dem Leserkreise wird uns geschrieben: Die Bienergasse, die an der Grenze zwischen Hötting und der Stadt Innsbruck bei Schloß Büchsenhausen entlang zieht, ist gegenwärtig arg vernachlässigt. An der Straßentafel, die von der Höttinger-Ried-Gasse her den Weg weist, kann man die Straßenbezeichnung nur schwer erkennen, weil die Untergrundschrift, das Verbot für Auto- und Radfahren, durchdringt. An der Nordseite der Gasse ist aus der Wand, die zur ehemaligen Bierbrauerei gehört, ein mehrere Quadratmeter großes Stück herausgebrochen, das durch hölzerne Planken gestützt werden muß. Die Mauern bröckeln langsam ab und fast überall fällt das Gesims herunter, so daß das Gehen durch die Gasse mit Gefahren verbunden ist. Image IN, Nr. 284, S. 7.

31. DEZEMBER Image

Dienst am Kunden bei der Post

Generalpostdirektor Doktor Aigner hat an das Personal einen Erlaß herausgegeben, in dem die Post- und Telegraphenbediensteten darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie nicht nur durch tadellose Pflichterfüllung, sondern darüber hinaus auch durch weitestgehendes Entgegenkommen, durch Hilfsbereitschaft und persönliche Höflichkeit die Oeffentlichkeit davon überzeugen, daß die Post das ernste Bestreben hat, ihre Kunden zufriedenzustellen. An die leitenden und Kontrollbeamten der Verkehrsämter wendet sich der Erlaß mit der Mahnung, in allen Fällen, in denen ihre Entscheidung in laufenden Verkehrsfragen eingeholt wird, ihnen Wünsche und Beschwerden vorgebracht werden, nicht nur den starren Buchstaben der Dienstvorschriften anzuwenden, sondern den Parteien auch durch hilfsbereites und verständnisvolles Eingehen auf ihre Wünsche und durch zweckmäßige Unterweisungen an die Hand zu gehen. Image NZ, Nr. 297, S. 4.

1932

13. APRIL Image

Ein Telegramm Professor Piccards an die Tiroler Landesregierung

Die Gondel soll vorläufig in Tirol bleiben – Der Transport nach Innsbruck

Wie wir erfahren, ist im Laufe des heutigen Vormittags bei der Tiroler Landesregierung ein in Zürich aufgegebenes Telegramm eingetroffen, in dem Professor Dr. Piccard mitteilt, daß die Gondel seines Stratosphärenballons vorläufig nicht nach Brüssel weitergesandt werden soll und daß zunächst weitere Weisungen abgewartet werden mögen.

[...] Mittlerweile wurde im Laufe des heutigen Tages mit dem Weitertransport der Gondel im Oetztale begonnen. Die Gondel konnte gestern abends nur bis Obergurgl gebracht werden und erst in den heutigen Vormittagsstunden traf die Expedition mit ihr in Zwieselstein ein. Dort wurde sie auf ein Lastenauto verladen, worauf sofort die Fahrt nach Innsbruck begonnen wurde.

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Ein Blick von „oben“ auf die 1912/15 errichtete Neue Universität am Innrain, die sich damals noch am Stadtrand befand.

Man rechnet, daß die Gondel nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr in Innsbruck eintreffen wird. Das Auto wird voraussichtlich über die neue Universitätsbrücke fahren und dann eine Schleife durch die Hauptstraßen der Stadt machen. In Anschluß an diese Rundfahrt wird die Gondel zur neuen Universität gebracht, in deren Hof sie verbleiben wird, bis die von Professor Dr. Piccard angekündigten weiteren Weisungen eintreffen. Image NZ, Nr. 84, S. 1.

20. APRIL Image

Innsbruck, das österreichische Heidelberg

Betrachtungen am Beginn des Sommersemesters – Die Ursachen des Aufstieges unserer Universität

Der Aufschwung, den die Innsbrucker Universität in den letzten Jahren genommen hat, hängt vor allem mit der besondern landschaftlichen Lage unserer Stadt zusammen, wird aber auch durch die billigen österreichischen Kolleggelder und die relativ geringen Lebenshaltungskosten in Oesterreich gefördert. Das Durchdringen der modernen Bestrebungen, die nach dem Grundsatze „Mens sana in corpore sano“ eine harmonische Ausbildung des Menschen sowohl in geistiger, als auch in körperlicher Richtung propagieren, fällt mit dem ruckartigen Steigen der Frequenzziffern an unserer Universität zusammen. Die einzigartige Gelegenheit, die die Universitätsstadt Innsbruck für jede Art Wintersport, für Sommerbergsteigen und Wandern bietet, erklärt die Vorliebe, die besonders in Deutschland für die tirolische Universität besteht. Heute ist Innsbruck auf dem besten Wege, den berühmten deutschen kleinen Universitätsstädten, wie Greifswald, Marburg oder Heidelberg, die ihr persönliches Gepräge durch die Universität und ihre Studenten erhalten, an die Seite treten zu können. Vereint es doch die Vorteile einer kleinen Universität – individuellere Behandlung beim Unterricht, als sie in der Großstadt möglich ist, freiere Entfaltung des studentischen Lebens – mit ganz besonderen landschaftlichen Vorzügen und den sich daraus ergebenden Annehmlichkeiten. Image NZ, Nr. 90, S. 3.

27. APRIL Image

Starhemberg übersiedelt nach Innsbruck

Das „Salzburger Volksblatt“ meldet: Der Bundesführer des Heimatschutzes, Fürst Starhemberg, wird, wie aus sehr gut informierter Quelle verlautet, seinen künftigen ständigen Wohnsitz in Innsbruck nehmen. Er hat sich in Innsbruck bereits eine Jahreswohnung sicherstellen lassen. Image IN, Nr. 97, S. 7.

29. APRIL Image

Frauen, Achtung!

In der letzten Zeit mehren sich wieder in Innsbruck die Anzeigen über schamlose Belästigungen von Frauen und Mädchen durch einen ungefähr 20- bis 25jährigen Burschen. Als Ort für seine Umtriebe sucht er sich meist wenig begangene Straßen und Wege in den äußeren Bezirken aus. Dabei hat er sogar die Frechheit, sich von seinem Treiben auch dann nicht abhalten zu lassen, wenn mehrere Frauen oder Mädchen beisammen sind; meist hat er es allerdings auf Frauen oder Mädchen abgesehen, die allein gehen. Er trägt eine Knickerbockerhose, eine Sportmütze und eine Sportweste und führt zeitweise auch ein Fahrrad bei sich, das er dann, wenn er entdeckt oder wenn um Hilfe gerufen wird, zur Flucht benützt. Image IN, Nr. 99, S. 8.

29. APRIL Image

Auf frischer Tat ertappt

Im Hofe Templstraße 2 hat ein junger Bursche von der Trokkenleine weg mehrere Wäschestücke entwendet. Als er sah, daß er bemerkt wurde, flüchtete er. Während er verfolgt wurde, hat man auch gleich die Polizei verständigt. Der Bursche wurde dann im Hause Templstraße 12, im Keller versteckt, von einem Schutzmann aufgestöbert und in Haft genommen. Image IN, Nr. 99, S. 8.

1. MAI Image

Inserat: Lanser See, Bad ab 1. Mai wieder eröffnet.

Wassertemperatur 15°. Image NZ, Nr. 100, S. 12.

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Aussicht über den Lansersee auf den Patscherkofel und den Glungezer.

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Die Beisetzung von Sylvester Fink, der bei der sogenannten Höttinger Saalschlacht zu Tode kam, ähnelte beinahe einem Staatsbegräbnis.

30. MAI Image

Gendarmeriebericht über die blutigen Zusammenstöße in Hötting

Die Pressestelle des Landesgendarmeriekommandos Tirol gibt über die zum Großteil bekannten Vorfälle in Hötting noch nachstehenden zusammenfassenden Bericht aus: