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HAYMON

Überarbeitete Neuauflage der 1994 bei Deuticke erschienenen Originalausgabe.

© 2009
HAYMON verlag
Innsbruck-Wien
www.haymonverlag.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7099-7458-2

Umschlag- und Buchgestaltung: Kurt Höretzeder, Büro für Grafische Gestaltung, Scheffau/Tirol
Satz: Haymon Verlag/Manuela Weiß
Coverbild: Ausschnitt aus dem Comic „Torpedo. Man lebt nur zweimal“ von Jordi Bernet/Sanchez Abuli (Carlsen Verlag 1990)

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.haymonverlag.at.

Kurt Bracharz

Cowboy Joe

Kriminalroman

Kurt Bracharz
Cowboy Joe

1

Die Kuh saß auf der Straße, wie ein Hund, die Hinterbeine ausgestreckt, die Vorderbeine aufgestellt. Sie schwenkte den Kopf hin und her und brüllte ganz entsetzlich.

Revierinspektor Johann Natter hatte aus dem wilden Rollen der großen rot geäderten Augen und dem blutigen Schaum vor dem Maul des Tieres schon seine Schlüsse gezogen, bevor er sah, dass der Bauch aufgeplatzt war und ein langes Stück braungrüner Darm aus dem Fell heraushing und sich auf der Straße ringelte.

Wahrscheinlich waren das Rückgrat der Kuh gebrochen und ihre hinteren Extremitäten gelähmt.

Neben dem zertrümmerten Auto hatte sich ein Grüppchen Zuschauer versammelt, Erwachsene und Kinder. Sie sahen mit entsetzten Gesichtern dem Todeskampf des großen schwarz-weiß gefleckten Rindes zu.

Ein Mann lehnte am Unfallwagen und betastete die zerbeulte Karosserie, als handle es sich um ein Lebewesen. Es war der Lenker. Er war unverletzt geblieben, stand aber offensichtlich unter Schock.

Natter hatte sich sofort erkundigt, ob die Rettung gerufen worden war, und den Fahrer kurz befragt, ob ihm etwas passiert sei. Dann sperrte er mit seinem Kollegen Giesinger den Unfallort ab.

Während der ganzen Zeit hatte die Kuh unablässig gebrüllt.

Ein älterer Mann aus der Zuschauergruppe rief Natter zu: „So erschießen Sie doch das arme Tier, sehen Sie denn nicht, wie es leidet?“

Natter sah Giesinger an. „Ich denke, er hat recht. Die Kuh wird nicht mehr – so wie die beisammen ist … erschieß sie!“

Giesinger erwiderte heftig, aber mit gedämpfter Stimme: „Bist du deppert? Weißt du, was so eine Kuh kostet? Wenn der Bauer klagt, zahlst du zum Schluss noch elftausend Schilling!“ Dann rief er dem Mann zu: „Das geht uns nichts an, das muss ein Jäger tun!“

„Geben Sie mir die Pistole, dann tu ich es, ich habe einen Waffenpass!“ schrie der Mann zurück. Er wies auf die Kinder, die mit blassen Gesichtern, aber fasziniert die Kuh beobachteten. „Wie lang sollen denn diese Kleinen da noch zuschauen, wie sich das Tier quält? Das können Sie doch überhaupt nicht verantworten!“

Natter zog seine Glock und lud durch. Er schrie die Leute an: „Haltet euch die Ohren zu!“ Er trat vor die Kuh hin und zielte aus einem Meter Entfernung auf eine Stelle, an der die Stirnplatte zwischen den Hörnern beim Hin- und Herschwenken des Kopfes in sein Visier kommen musste. Ein aufgesetzter Schuss wäre besser gewesen, aber er wollte nicht auch noch den Gestank des verbrannten Fells riechen und mit Blut oder Hirn bespritzt werden. Er hatte den Finger am Druckpunkt und musste nur noch eine winzige Bewegung mit dem vordersten Fingerglied machen, als der Kopf der Kuh knapp vor der anvisierten Stelle war.

In der Gruppe schrien mehrere Personen auf, als der Schuss krachte. Obwohl er das Einschussloch nicht sehen konnte, war Natter sicher, richtig getroffen zu haben. Der Kuh warf es den Kopf zurück, dann hielt sie einen Augenblick in ihrer Bewegung inne, riss die Augen noch weiter auf und brüllte wie zuvor. Ihre Vorderhufe trommelten auf den Asphalt.

Nachdem er die erste Verblüffung, dass sie nicht tot war, überwunden hatte, schoss Natter ihr eine zweite Kugel in den Kopf. Diesmal hatte er nicht genau genug gezielt und traf das Ohr, aus dem Blut spritzte. Das Projektil fuhr seitlich in den Kopf des Tieres, tötete es aber genauso wenig wie der erste Schuss.

„Das gibt’s doch nicht“, rief der Mann aus der Zuschauergruppe. „Ist das eine Zirkusshow oder was? Wie lange wollen Sie noch so sinnlos herumballern, Sie misslungener Cowboy?“

Natter verlor einen Moment lang die Nerven. „Halten Sie den Mund! Ich mahne Sie ab! Wenn Sie nicht sofort aufhören, so pampig zu sein, mahne ich Sie nochmals wegen ungestümen Benehmens ab und nehme Sie anschließend fest!“ schrie er den lästigen Zuschauer an.

Er hielt die Glock mit ausgestreckten Armen immer noch auf die brüllende Kuh gerichtet. Jetzt schäumte sie nicht nur, sondern es troff ihr auch Blut aus dem Maul. Rotgefärbte Schaumflocken flogen nach beiden Seiten. Natter spürte, dass seine Hände zitterten.

„Setz doch den Schuss auf“, sagte Giesinger.

Natter trat einen Schritt vor und schoss der Kuh aus nächster Nähe durch das Auge eine Kugel in das Gehirn. Diesmal spritzte die Gallerte aus dem Augapfel. Der Gendarm hörte, dass in der Gruppe jemand zu kotzen begann.

Die Kuh fiel um und zappelte mit den Vorderbeinen, während die hintere Hälfte mit dem heraushängenden Darm ruhig liegen blieb. Aber das Gezappel waren nur noch letzte Reflexe, das Tier war jetzt wirklich tot.

Natter nahm das Magazin heraus und die Patrone aus der Kammer, drückte zur Kontrolle leer ab, gab die Patrone ins Magazin zurück und steckte es wieder in den Griff. Das gab ihm Zeit, sich ein wenig zu sammeln.

Der Mann mit den guten Ratschlägen war jetzt in voller Fahrt. „Prachtvoll“, schrie er. „Ein Schauspiel für die Kinder! Damit sie sich nicht immer die Brutalitäten im Fernsehen ansehen müssen, live ist es ja noch viel interessanter!“

Natter sah ihn kalt an. Er war jetzt wieder völlig ruhig. „Ich mahne Sie nochmals ab, wie ich es vorhin schon getan habe. Stellen Sie Ihr ungestümes Verhalten ein.“

Der Mann sah, dass der Gendarm es ernst meinte. „Meine Meinung können Sie morgen in der Zeitung lesen!“ sagte er. „Aber nicht etwa in der Leserbriefspalte. Ich bin nämlich Redakteur beim Mittwochblatt!

Das Mittwochblatt war eine Gratiszeitung mit hoher Auflage. Viele Anzeigen und ein unsäglich dummer redaktioneller Teil.

„Scheiße“, murmelte Giesinger.

„Von mir aus können Sie der Kaiser von China sein“, sagte Natter. „Das beeindruckt mich nicht im Geringsten.“ Aufgeblasenes Arschloch, setzte er in Gedanken hinzu. Er überlegte einen Moment lang, ob er den Mann schikanieren sollte. Der war mit dem Auto dazugekommen und am Unfallort stehen geblieben. Eine Überprüfung, ob das Wasser in der Scheibenwaschanlage ausreichte, brachte fast immer Ergebnisse. Natter hatte erst vor zwei Tagen in der Zeitung gelesen, dass in Italien ein österreichischer Urlauber eine sehr hohe Geldstrafe gezahlt hatte, weil sein Hund am Rücksitz nicht angeschnallt gewesen war. Ganz so weit musste man ja bei den Schikanen nicht gehen, aber ein Denkzettel konnte dem Journalisten nicht schaden.

Natter verwarf den Gedanken, riskierte aber einen Blick auf das Nummernschild. Irgendwann würde er den Herrn Redakteur schon kriegen, und wenn nicht er, dann ein Kollege. Gegen die Schmeißfliegen von der Presse halfen alle Polizisten zusammen, da war er sich sicher.

Wie durch den Gedanken herbeigerufen, tauchte eine Motorradstreife auf. Zwei junge Männer in schwarzem Leder, die sich auffallend ähnlich sahen. Vielleicht lag es auch nur daran, dass sie beide zu ihren Halbschalen-Jethelmen dieselben Sonnenbrillen trugen, jenes Ray-Ban-Modell, das amerikanische Polizisten bevorzugten. Das war schon ziemlich lässig, jedenfalls lässiger als die neuerdings zur Verfügung stehenden Vollvisierhelme von BMW, aber am allerlässigsten waren die Mikrophone zum Funkgerät 10, die seitlich am Helm angebracht waren und den Mund verdeckten. Mit dem ganzen technischen Krempel wirkten die beiden wie Cyborgs oder Terminators oder sonst etwas aus der nahen Zukunft. Wenn sie mit einem sprachen, sah man weder ihre Augen noch ihre Münder, und manche Leute wurden davon sicher eingeschüchtert.

„Irgendwelche Probleme?“ erkundigte sich der eine bei Natter, ohne von seiner 1000er BMW abzusteigen.

„Schon gelöst“, sagte Natter mit einer Kopfbewegung zu der toten Kuh hin. „Die Kuh ist hinüber, ihr könnt euch höchstens ein paar Steaks herausschneiden. Das Auto ist im Eimer, der Fahrer unverletzt.“

Soeben kam die Rettung. Es gab aber für sie wenig zu tun, der Mann, der das Auto streichelte, stand nicht unter Schock, sondern trauerte bloß um sein Fahrzeug. Jetzt war es hinüber, das arme Ding. Er weinte beinahe, als er den Umstehenden erzählte, die Versicherung des Bauern werde ihm jeden Groschen ersetzen müssen. Natter dachte sich, er könne froh sein, dass er nicht auch noch das Auto hatte erschießen müssen, der Besitzer hätte ihm sicher Schwierigkeiten gemacht, und die Versicherung hätte dafür mehr verlangt als die 11.000 Schilling für eine Kuh.

„Wer bringt die verdammte Kuh weg?“ fragte der zweite Streifengendarm.

„Die Straßenmeisterei, schätze ich“, sagte Natter.

Die Verkehrsgendarmen starrten ihn an. Vielleicht sah es auch nur so aus, weil die Sonnenbrillen wie Glotzaugen wirkten.

„Du bist ein Wälder, stimmt’s, Kollege?“ sagte der eine.

„Und wenn?“ erwiderte Natter.

„Weißt du, warum die Kühe so blöd sind?“ fragte der erste Gendarm.

Nach einer kurzen Pause, in der niemand antwortete, sagte der zweite: „Weil sie bei Bauern aufwachsen.“

Sie lachten auf und starteten die Motorräder durch.

„Was war denn das?“ fragte Giesinger verblüfft.

„Leider gibt’s unter den Kollegen auch ganz große Arschlöcher“, sagte Natter zornig und ging zum Auto zurück, um mit der Funkleitstelle Kontakt aufzunehmen. Es ärgerte ihn, dass die zwei Verkehrsgendarmen aufgrund seines Akzentes erkannt hatten, dass er aus dem Bregenzerwald stammte. Vor allem in der Landeshauptstadt gab es eine Menge Leute, die Wälderwitze machten, so wie anderswo Burgenländerwitze erzählt wurden oder wie – ausgleichende Gerechtigkeit – die Schweizer und die Deutschen neuerdings Österreicherwitze erzählten. Aber dass er so von Gendarm zu Gendarm und in aller Öffentlichkeit angepflaumt wurde, war doch ein starkes Stück. Was unter Bekannten noch als Scherz durchgehen mochte, war unter Fremden auf jeden Fall eine grobe Beleidigung.

Scheiß Motorradbullen!, dachte sich Natter, der sonst nie dieses Wort für seine eigene Berufsgruppe verwendete.

2

Über Funk kam die Durchsage: „Die beiden Mäher sind da.“

„Was für Mayer?“ fragte Natter.

„Die Mä-her! Die beiden Gemeindearbeiter, die das Gras mähen sollen! Die hast du doch selbst bestellt, oder?“

„Ach die! Und was ist mit dem Walter?“

„Was für ein Walter?“

„Walter Alge von der Spurensicherung.“

Gemurmel im Äther. Dann: „Der ist schon dort. Er ist ja derjenige, der uns angerufen hat.“

Natter sah fluchend auf die Armbanduhr. „Wir hatten doch drei Uhr ausgemacht. Jetzt ist es erst Viertel vor. Na, wie auch immer, in zehn Minuten bin ich dort.“

„Ins Ried?“ fragte Giesinger und bog schon ab, ohne Natters Antwort abzuwarten.

Natter hatte am Vortag einen Toten im Graben einer geschotterten Riedstraße gefunden, einen alten Mann, der neben seinem Fahrrad lag. Ein Bauer hatte die Rettung gerufen. Die Meldung war per Funk an Natter weitergegeben worden, weil der mit dem Streifenwagen zufällig in der Nähe war. Natter war die Schotterstraße entlanggefahren, bis er den Mann und das Fahrrad im Graben liegen sah. Der Radler war äußerlich unverletzt, aber nicht bewusstlos, sondern unzweifelhaft tot. Auf den ersten Blick sah es aus, als sei der Mann an einem Herzinfarkt gestorben und mit dem Fahrrad von der Straße gestürzt. Auf den zweiten Blick gab es eine Unstimmigkeit: er hatte einen Schuh verloren. Ein Herzinfarkt zog niemandem den Schuh aus, wohl aber ein Unfall. Natter sicherte ab und machte eine Reihe Polaroidfotos, während er auf die Rettung wartete. Die kam bald, nahm den Mann aber nicht mit. Der Notarzt betastete die äußerlich unversehrte Leiche und sagte, hinten links im Beckenbereich sei eine weiche Tasche, womit er meinte, dass der Knochen mit großer Kraft zertrümmert worden war. Natter rief über den Meldekopf Rhein den Leichenbestatter. Der kam nach einer Weile, die der Gendarm für eine Untersuchung des völlig unbeschädigten Fahrrads benützte, und brachte den Toten, der keine Ausweispapiere, aber eine auf vermutlich seinen Namen lautende Verkehrsverbundsnetzkarte bei sich hatte, nach Hohenems in die Leichenkammer des Spitals. Natter fuhr zum Posten und verbrachte zunächst einige Zeit damit, mittels Telefon die Identität des Mannes zu klären, indem er der Reihe nach die Namensliste im Telefonbuch durchging. Dann verständigte er das Gericht. Der Richter ordnete die Obduktion an, nachdem Natter ihm von dem Schuh berichtet hatte.

Die Obduktion fand am nächsten Vormittag statt.

„Sehen Sie“, sagte der Arzt, ein Innsbrucker namens Kalkbrenner. „Ich habe diese Tasche aufgeschnitten, und was finden wir hier? Der Beckenring ist offen, ich kann da die Finger hineinstecken!“ Er demonstrierte es. Obwohl Natter schon während der Ausbildung bei Obduktionen zugesehen hatte, grauste es ihn immer noch. „Der Mann muss einen ungeheuren Schlag hier drauf bekommen haben.“ Kalkbrenner meinte die linke Hüfte.

„Der Seitenspiegel eines hochrädrigen Fahrzeugs“, sagte Natter. „Ein Pritschenwagen, ein Anhänger oder ein Jeep-Rückspiegel. Kein Traktor, weil der zu langsam wäre.“

„Die Schlussfolgerungen überlasse ich Ihnen“, erwiderte der Arzt. „Auch was die Geschwindigkeit betrifft.“

„Aber sie muss bei 50 km/h gelegen haben, um so einen Bruch zu verursachen?“

„Gut möglich. 10 km/h würden jedenfalls nicht ausreichen.“

„Aha“, sagte Natter, der wusste, dass aus dem Arzt keine konkretere Angabe als die über den vermutlichen Todeseintritt am Samstagnachmittag herauszubringen sein würde. Er setzte sich wieder ans Telefon, rief die Gemeinde an und verlangte, dass das hohe Gras am Straßenrand gemäht würde. Man versprach ihm für nachmittags um drei Uhr zwei Männer mit Sensen. Natter verfertigte die Pressemitteilung wegen tödlichen Verkehrsunfalls mit Fahrerflucht und ließ sich dann mit der Kriminalabteilung verbinden, wo er seinen Bekannten Walter Alge von der Spurensicherung fragte, ob er Zeit und Lust hätte, sich diese Sache anzusehen. Es war ein Gefallen, um den er da bat, denn eigentlich war die KA nicht zuständig. Alge war ausnahmsweise nicht ausgelastet und zeigte sich bereit, dem jungen Kollegen zu helfen.

„Wir haben drei ausgemacht“, sagte Natter, als Giesinger um fünf vor drei neben dem Bus der Spurensicherung bremste.

„Weiß ich doch“, erwiderte Alge gut gelaunt. „Aber die Burschen waren schon da, und ich dachte, du kannst vielleicht ein paar Minuten früher kommen.“

Die Burschen waren ein älterer und ein junger Mann mit wettergegerbten Gesichtern, die bereits zu mähen begonnen hatten. Die Beamten gingen langsam hinter ihnen her und sammelten aus dem gemähten Gras auf, was da so nach und nach zum Vorschein kam.

Es war nicht wenig: Abfälle aller Art. Umweltschutz hin oder her, die Mehrzahl der Bevölkerung schmiss offensichtlich nach wie vor alles in den Straßengraben. Außerdem wimmelte es von kleinen Tieren. Was auch immer die Beamten anfassten, sofort sprangen mit einem Knackgeräusch Heuschrecken weg oder seilten sich Spinnen ab. Dazu mussten die Gendarmen Fliegen, Mücken und Bremsen verscheuchen.

„Ich komme mir vor wie bei der Seeputzete“, sagte Alge mit einer Konservendose in der Hand.

„Bei was?“

Alge fiel ein, dass Natter nicht wie er am Bodenseeufer wohnte. „Es gibt eine jährliche Aktion zur Reinigung des Bodenseeufers durch Freiwillige. Ich tu da immer mit. Daran erinnert mich das hier, vom frischen Geruch des Grases mal abgesehen.“

Sie warfen den Müll auf einen Haufen. Bisher war nichts Brauchbares aufgetaucht, aber sie hatten auch gut fünfzehn Meter vor der Stelle, wo der Tote gelegen hatte, mit ihrer Suche begonnen.

Als sie ungefähr auf der Höhe des Leichenfundes waren, tauchten Splitter von Spiegelglas auf. Alge sammelte sie sorgfältig ein und gab sie vorsichtig in einen Plastiksack. „Das könnte hinhauen“, sagte er. „Sieht nach Resten von einem Jeep-Außenspiegel aus. Passt gut in deine Theorie.“

Sie suchten weiter. Als nächstes interessantes Objekt zwischen gebrauchten Präservativen, Papiertaschentüchern und ähnlichem Abfall fand sich ein zweimal zerrissener Bausparvertrag.

„Der liegt höchstens seit gestern hier“, sagte Alge. „Außer etwas Morgentau hat er noch keine Flüssigkeit gesehen. Wer wirft einen nicht abgelaufenen Bausparvertrag weg?“

„Ein Besoffener“, erwiderte Natter, „ein Besoffener, der in diesem Fall wahrscheinlich“ – er setzte die Papierstücke wie ein Puzzle zusammen – „Ernst Niedermayer heißt.“

Sie suchten weiter, fanden aber nichts weiteres, was für den Fall irgendwie brauchbar aussah.

„War’s das, oder braucht ihr den anderen Straßenrand auch noch?“ fragte der jüngere Mäher.

„Danke, ich glaube, wir haben schon gefunden, was wir suchten“, sagte Natter. Die Mäher setzten sich in ihren Mitsubishi und fuhren weg.

„Hast du Zeit für ein Bier?“ erkundigte sich der Spurensicherer.

„Im Dienst?“

Alge lachte. „Ich muss dich eh zum Posten zurückbringen. Ich weiß ein nettes Gasthaus auf dem Weg.“

Als er das Lokal sah, fragte sich Natter, was daran nett sein sollte, aber er sprach seine Zweifel nicht aus. Man konnte in einem kleinen Gastgarten sitzen. Dort wurde man von fetten Rinderbremsen mit schillernden Kugelaugen attackiert, die von einer Kuhweide hinter dem Haus herüberflogen und ausgeprägten Appetit auf Menschenblut hatten. Da sie viel langsamer als Fliegen waren, konnte man sie leicht erschlagen, wenn man sie rechtzeitig entdeckte.

„Willst du immer noch zur Kriminalabteilung?“ fragte Alge.

„Auf lange Sicht auf jeden Fall“, erwiderte Natter. „Und nicht zur Spurensicherung oder zum Branddezernat, sondern gleich zu den Mördern.“ Das war interner Jargon für die Abteilung Leib und Leben.

„Ist auch nicht interessanter als die anderen Abteilungen, bloß grausiger.“

„Trotzdem. Die kleinen Betrüger und Hühnerdiebe und andere solche Typen interessieren mich nicht, aber gegen Mörder und Totschläger muss man was tun“, sagte Natter.

Alge unterdrückte ein Lächeln und zerquetschte sorgfältig eine Bremse, die er von seinem Handgelenk gepflückt hatte. Aus dem Insekt trat so viel frisches rotes Blut aus, dass man sah, dass es sich gerade vollgesogen haben musste.

„Sauviech, verdammtes! Ob die nicht AIDS übertragen können?“

„Von den Kühen?“

Alge sah sein Gegenüber an, bis er erkannte, dass die Frage ernst gemeint war.

„Nein, von einem AIDSler natürlich. Die sticht erst den und steckt dann ihren Rüssel mir rein. Der Stechrüssel von dem Biest ist keine Einwegspritze.“

„In den Zeitungen stand jedenfalls, Mücken könnten das Virus nicht übertragen.“

„Na, wenn es in den Zeitungen steht, muss es ja wahr sein. Hast du schon eine Pressemitteilung über den Unfall gemacht?“

„Mit Zeugenaufruf, klar. Heute Vormittag.“

„Wahrscheinlich hast du mit diesem Niedermayer eh schon den Täter.“

„Warum macht der so was? Ich meine, warum wirft er den Bausparvertrag weg?“

„Frag ihn selber.“

„Mach ich. Sobald wir ihn haben.“

Natter zögerte eine Weile, dann erzählte er Alge von der Motorradstreife.

„Das müssen die Zwillinge gewesen sein“, meinte Alge. „Als Vollidioten in weitem Umkreis bekannt. Können zwar gut Motorrad fahren, sonst allerdings nichts. Wenn’s nach mir ginge, würden solche Typen nicht eingestellt oder bald wieder geschasst.“

„Das sind richtige Zwillinge?“

„Ja, eineiige, aber man weiß nicht, welcher von beiden das Ei hat.“

Natter starrte ihn an.

„Das war ein Witz“, sagte Alge schließlich.

„Fast so gut wie der von denen.“

Alge hatte den Witz mit den Kühen gar nicht so übel gefunden, aber natürlich nicht gelacht, als Natter erzählte, wie er beleidigt worden war.

„Na schön“, sagte er. „Bei mir ist es immer besser, du lässt ein paar Witze zusammenkommen und lachst dann einmal für alle … Sie sind keine echten Zwillinge, wir nennen sie bloß so, weil sie gern zusammen fahren und weil sie gleich aussehen, wenn sie ihre Sonnenbrillen aufhaben. Sie heißen Lenz und Schiller.“

„Zwei Arschgesichter“, murmelte Natter. „Gleichen sich wie eine Arschbacke der anderen.“ Er trank aus. „Ich muss zurück zum Posten.“

Er zahlte die ganze Zeche. Alge protestierte nicht einmal pro forma, schließlich wussten beide, dass er Natter einen Gefallen tat mit seiner Spurensicherung.

Zuerst sah es so aus, als sei Ernst Niedermayer nicht leicht aufzutreiben. Seine Adresse stand zwar auf dem Bausparvertrag, aber in seiner Wohnung war er nicht. Der Arbeitgeber war bald eruiert. Dieser Mann, ein Gastwirt und Diskothekenbetreiber, konnte nur sagen, dass der Kellner Niedermayer seit zwei Tagen nicht an seinem Arbeitsplatz erschienen war. Da er ihn erst vor Kurzem eingestellt und in diesen wenigen Tagen als unzuverlässig einzuschätzen gelernt hatte, fand er daran nichts Besonderes.

„Hat er ein Auto?“

„Einen alten Daihatsu-Jeep.“

„Trinkt er?“

„Der Jeep säuft sicher eine Menge Sprit.“

„Ich lass ein paar Schmäh zusammenkommen und lach’ dann einmal für alle“, sagte Natter, der sich Alges Spruch gemerkt hatte und sich freute, ihn so schnell anbringen zu können. „Also: Trinkt der Mann?“

„Noch mehr als der Jeep, glaube ich. Ich hätte ihn sowieso bald auf die Straße gesetzt, wenn er sich nicht selbst verzogen hätte. Er trank während der Arbeit ein Viertel nach dem anderen. War zwar ein geübter Säufer, sodass man es ihm nicht anmerkte, aber ich kann so jemanden nicht brauchen. Wir spielen hier nicht Dinner for one, wenn Sie wissen, was ich meine.“

„Wo könnte er sein? Hat er Verwandte oder Bekannte, von denen Sie wissen?“

„Weiß ich nicht. Hab ihn in den paar Tagen nie mit jemandem gesehen, auch nicht mit ’ner Frau.“

„Wenn er wieder auftaucht, rufen Sie uns sofort an.“

Noch am späten Nachmittag ließ Natter die Fahndung nach dem Mann und nach einem Jeep oder jeepähnlichen Fahrzeug mit beschädigtem Seitenspiegel hinaus. Damit war vorläufig alles getan, was in der Sache unternommen werden konnte. Natter erledigte noch, was am Dienstende so anfiel: füllte die Dienstvorschreibung aus, nahm die Austragung im Fahrtenbuch vor, verabschiedete sich von Giesinger, der auf den Computer einhackte, und ging zu seinem Auto.

Er fuhr zu einem Supermarkt und kaufte Katzenfutter. Daheim parkte er vor dem Haus. Natter hatte mit etwas Glück eine zwar bescheidene, aber auch billige Wohnung in einem kleinen alten Bauernhaus an der Peripherie von Lustenau gefunden. Er wohnte ebenerdig, im ersten Stock hatte ein Amateurmaler eine Art Atelier eingerichtet. Manchmal zogen Farbgerüche herunter und stiegen Natter unangenehm in die Nase. Der Besitzer des Hauses, ein Programmierer, wohnte im Ortszentrum, war aber den größten Teil des Jahres in den USA. Natter blieb also die meiste Zeit völlig ungestört. Er achtete nicht auf die teilweise schiefen Wände, den rohen und unebenen Holzfußboden und den verwilderten kleinen Garten neben dem Häuschen. Er hatte an seinen vorigen Dienstorten schon viel schlechter gewohnt.

Sein Haustier, ein großer gefleckter Kater, den er aus dem Tierheim geholt und mangels einen besseren Einfalls Garfield genannt hatte, erwartete ihn in denkbar schlechter Laune. Er stieß ständig jenes gepresste heisere Quäken aus, das er statt Miauen als einzige Lautäußerung neben Fauchen hervorbrachte, während er mit funkelnden grünen Augen zusah, wie Natter die Dosen auspackte, nach dem Öffner suchte und schließlich den Inhalt einer Konserve auf einen Teller schüttete.

Der Gendarm stellte dem Kater das Fressen hin. Er lehnte mit verschränkten Armen am Küchenschrank, während das Tier seinem Namen alle Ehre machte und gierig das Fleisch in sich hineinschlang. Der Doseninhalt war in kürzester Zeit weggeputzt. Es kam schon fast an jenes Schlupp! hin, mit dem der Comic-Garfield sich die Lasagne ins Gesicht klatscht.

Danach ging es allerdings anders weiter als in dem Strip. Natters Garfield schnüffelte an dem sauber geleerten Teller, schaute dann Natter an und trottete eine Weile mit halb aufgerichtetem Schwanz in der Küche hin und her, bis er stehenblieb, würgte und das ganze soeben hinuntergeschlungene Fressen wieder auskotzte.

„Mein Gott, Garfield“, sagte Natter. „Was bist du nur für ein Arschloch!“ Die Katzenkotze stank sauer, obwohl das Fressen nur ganz kurz in Garfields Innerem gewesen war. Mit der Kotzerei ging das nun schon eine ganze Weile, ohne dass das Tier sichtbar abgenommen hätte. Vermutlich stellte Garfields Bulimie-Nummer irgendeine für Katzenkenner klar entschlüsselbare Botschaft dar, aber Natter war nicht der Mann, der mit seinem Haustier einen Katzenpsychiater aufgesucht hätte.

Der Gendarm wischte mit Küchenkrepp den Dreck zusammen, wobei er die Luft anhielt, und entsorgte ihn gleich in die Biotonne, hundert Meter die Straße hinauf. Der Kater lief hinter ihm her, um zu sehen, was er machte. Vielleicht ernährte sich Garfield von den Ratten, die dank dieser Biotonnen in den letzten Monaten vermehrt aufgetaucht waren. Die Kotze enthielt geheime Lockstoffe, die die dicksten Ratten mit fettmarmoriertem, zartem Fleisch anlockten … Natter schüttelte sich bei dem Gedanken und beim Anblick des üblichen Madenrennens von den Abfällen zum Tonnenrand hinauf.

Während Garfield draußen blieb, kehrte Natter in die Wohnung zurück und schrubbte zuerst den Boden, dann wusch er sich sorgfältig die Hände. Er war kein Sauberkeitsfanatiker, aber geruchsempfindlich.

Sein eigenes Abendessen bestand aus Wurst, Käse und Brot, wozu er ein Bier trank und eine Fernsehserie auf RTL anschaute. Die Katze schlich quäkend um ihn herum, aber er beachtete sie nicht.

Jetzt galt es nur noch, den Abend totzuschlagen. Natter war müde, aber doch nicht so, dass es nur noch zum Fernsehen reichte. Er zog sich um, holte sein Rennrad aus dem Holzschuppen und fuhr auf Nebenwegen nach Bregenz.

Er hatte auf dem betonierten Strandweg, unter dem die Pipeline die Bregenzer Bucht entlanglief, nach Lochau fahren wollen; aber es war an einem Abend wie diesem einfach nicht zu schaffen. Auf dem schmalen Streifen wimmelte es so von Badenden und Spaziergängern, Pennern und Radfahrern, dass an richtiges Fahren nicht zu denken war. Mit etwas Disziplin hätten alle Platz gefunden, aber die meisten Leute verhielten sich so, als seien sie allein auf der Welt. Natter warf nach den ersten zweihundert Metern das Handtuch, drehte um und fuhr über die Bahngeleise stadteinwärts.

Ein paar Minuten später hielt er vor einem Ziel, das er eigentlich heute Abend nicht im Sinn gehabt hatte. Er kettete das Rad an ein massives Stahlgeländer und ging über die Straße auf den Club Gurbet Spor ve Kültür Dernegi zu, hinter dessen vorhanglosen Fenstern man Männer in einem bescheiden eingerichteten Raum Tee trinken sah.

Als Natter eintrat, verstummten die Gespräche. Wer mit dem Rücken zum Eingang saß, drehte sich um.

Ein vollbärtiger Mann, der trotz der Hitze eine gestrickte Rundmütze trug, stand auf und sagte zu Natter verhältnismäßig freundlich, aber mit einer abweisenden Gebärde: „Privat! Das hier ist ein Club. Hier gibt es nichts zu essen. In der nächsten Parallelstraße ist ein sehr gutes türkisches Lokal.“

„Ich weiß“, sagte Natter. „Ich suche meinen Freund Erol Kurban. Ist er nicht da?“

Kurban kam im selben Augenblick aus einem der hinteren Räume.

Natter sagte: „Merhaba!

Kurban erwiderte: „Merhaba. Hoş geldin!

Hoş bulduk!

Sie umarmten sich. Die Männer an den Tischen widmeten sich wieder ihren vorigen Beschäftigungen. Erol Kurban war nicht nur einer der wenigen seriösen Dolmetscher, sondern auch ein bekannter Boxer. Man akzeptierte, dass ihn von Zeit zu Zeit Fremde im Club aufsuchten.

„Komm, wir gehen nach nebenan“, sagte er.

Der nächste Raum war genauso bescheiden eingerichtet – kleine Tischchen, unterschiedliche Stühle, ein Bild von Özal Turgut neben einem von Atatürk, darüber die Fahne. Diese Dinge hingen in jedem Raum an der Wand. In der Ecke saßen zwei alte Männer und spielten Tavla.

Kurban bestellte Tee, nachdem er Natter gefragt hatte, ob er Raki trinken wolle und dieser verneint hatte. Ein junger Mann brachte zwei Gläser, in denen Teebeutel hingen. Kurban zuckte die Achseln, als er bemerkte, dass Natter die Teebeutel kritisch ansah. „Es geht alles in diese Richtung“, sagte er. „Wenn du einen türkischen Kaffee willst, kriegst du ihn eher in einem Café in der Fußgängerzone als in einem unserer Lokale. Den letzten richtigen Çay hab ich letztes Jahr im Vogelbasar in Istanbul getrunken.“

„Und die da draußen? Was sind das für welche?“

„Wer denn?“

„Der mit der Mütze an dem Tisch mit den Vollbärtigen zum Beispiel. Der mir gleich sagte, hier sei alles privat.“

Kurban runzelte die Stirn. „Das sind unsere Islamisten. Der mit der Mütze ist ein Hodscha und ein schrecklicher Wichtigtuer. Die anderen sitzen da und hängen an seinen Lippen. Es sind noch wenige, aber es werden immer mehr. Sie erzählen dir ständig von Ägypten, Algerien und vom Iran, wenn du ihnen überhaupt zuhörst.“

„Und die versammeln sich genau unter dem Bild von Atatürk!“

Kurban lächelte. Über dieses Thema hatten sie sich früher schon unterhalten. Atatürk war immer noch eine unbestrittene Autoritätsfigur. Seine Maßnahmen zur Trennung von Islam und Staat – die freilich dem Wesen des Islams widersprachen – gerieten jetzt mehr und mehr in Vergessenheit.

Natter rührte Zucker in seinen Tee und kostete. Dann erzählte er Kurban von seinem Dienst. Sie hatten ein stillschweigendes Abkommen, bestimmte Themen auszusparen. Natter sagte oder fragte niemals etwas, was man so verstehen konnte, als bitte er um eine dienstlich verwendbare Information über Kurbans Landsleute. Er wusste nicht einmal, ob es Kreise gab, die Kurbans Freundschaft mit einem österreichischen Gendarmen scheel ansahen. Die beiden waren freilich alte Freunde, aus einer Zeit, da Natter noch nicht gewusst hatte, welchen Beruf er später ausüben würde.

Kurban erzählte von den letzten und den nächsten Kämpfen. Er kämpfte bei den Dornbirnern, in einer Amateurstaffel, die in den letzten Jahren die meisten Begegnungen mit anderen Boxclubs gewonnen hatte. In ein paar Tagen stand eine tschechische Mannschaft auf dem Programm.

„Bin neugierig, wie die sind“, sagte Kurban. „Früher hat man die Ost-Sportler hoch eingeschätzt, aber mit denen, gegen die wir bisher gekämpft haben, hatten wir keine besonderen Probleme.“

Natter sagte, er werde sich den Kampf anschauen, wenn es sich ausginge. „Und wir spielen auch mal wieder“, sagte er mit einer Kopfbewegung zu den beiden alten Männern hinüber, deren Würfel auf dem Tisch klackten.

„Klar“, sagte Kurban. „Komm einfach vorbei. Lass dich nicht von den Bärtigen abschrecken. Sie bellen zwar, aber noch beißen sie nicht.“

Sie umarmten sich. Kurban ging mit ihm zur Tür. Natter grüßte erst seinen Freund mit „Hadı eyvallah!“ und dann die Islamisten mit einem lässig hingesagten „Ala’smarladık“ (das war idiomatisch, wer Türkisch genau nach dem Lehrbuch sprach, würde Alah’a ıslamardik sagen). Trotz ihrer Überraschung antworteten sie alle korrekt: „Güle güle.“

Während Natter mit dem Rad heimfuhr, dachte er über das noch in Kurbans Satz vom Bellen und Beißen nach.

3

„Der Chef will dich sofort sehen, mit Betonung auf sofort“, sagte Giesinger, als Natter am Morgen die Wachstube betrat.

„Chef?“ sagte Natter, nachdem er an die Tür zum Büro des Postenkommandanten geklopft und sie vorsichtig geöffnet hatte.

„Mach die Tür zu und setz dich hin.“ Sieber war wirklich schlechter Laune. „Schon gesehen?“

„Was gesehen?“

„Cowboy Joe?!?“