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© 2001

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ISBN 978-3-7099-7450-6

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Ludwig Laher

Herzfleischentartung

Roman

Ich sagte einige Worte, darunter, daß ich nicht im Dritten Reich bin, sondern in Österreich.

Sebastian Rieß, Landarbeiter (bei der Einvernahme als Zeuge am 10. Februar 1941, auf die Frage, warum er am 11. August 1940 ins Arbeitserziehungslager St. Pantaleon-Weyer eingewiesen wurde.)

Ludwig Laher

Herzfleischentartung

Für Maria Daniel und Rudolf Haas
zum 66. bzw. 60. Geburtstag.

I.

Franz Kubinger ist fünfundvierzig, gottgläubig, verheiratet, kinderlos, unbescholten, er hat die Volksschule absolviert und eines Tages im Jahre 1939 eine gute Idee. Der fleißige Franz hat es bis zum Gaufachabteilungsleiter der Deutschen Arbeitsfront gebracht und kennt seinen Gauobmann gut. Der Gauobmann der DAF heißt formell August Eigruber, in Personalunion vor allem Gauleiter von und bald Reichsstatthalter in Oberdonau. Aber Kubinger kennt auch Eigrubers Vertreter im Amt gut, Franz Stadlbauer heißt der Mann. Auf den geschäftsführenden Gauobmann und den Gauleiter, guten Ideen gegenüber stets aufgeschlossen, wird Verlaß sein.

Kubinger, politischer Idealist der ersten Stunde, lebt in Linz an der Donau, ist seit 1933 schon eingetragener Parteigenosse und Haushälftenbesitzer an einem der landschaftlich schönsten Plätze im romantischen Salzkammergut. Dort möchte er am liebsten auch seine gute Idee verwirklicht sehen, die Fachleute von der Wildwasserverbauung jedoch raten dringend ab davon. Ungelernte Arbeitskräfte könnten den tosenden Gebirgsfluß nicht zähmen, meinen sie, ganz ausgeschlossen. Aber sie hätten da was, eine Alternative quasi, nur leider weit weg. Warum nicht eine reichlich überflüssige Moorlandschaft entwässern? Einem verdienten Ortsgruppenleiter der NSDAP, Bürgermeister obendrein und Obmann der lokalen Wassergenossenschaft wäre auf diese Weise sehr geholfen.

Franzens Begeisterung hält sich in Grenzen, aber um der guten Idee willen fügt er sich drein. Vom Gauleiter und Reichsstatthalter erwirkt er alsdann einen Brief an sich persönlich, darin erfährt er befriedigt, daß in dem Franz Kubinger und August Eigruber aufgezwungenen Kriege die Arbeitskraft jedes einzelnen Arbeitsfähigen zur Erfüllung diverser Aufgaben zum Einsatz kommen muß. So ist es, nickt Franz. Manche wollen aber partout nicht mitmachen, wird ihm erwartungsgemäß beschieden, und die kommen jetzt in eine Anstalt, ins Gaulager für Unwillige, für Arbeitsscheue, Asoziale. Die gute Idee des Franz. Um Lagerinsassen auszuwählen, einzuweisen, pädagogisch zu betreuen und gegebenenfalls wieder zu entlassen, wird ein Gaubeauftragter für Arbeitserziehung bestellt. Mit diesen Geschäften wird Pg. Franz Kubinger betraut, steht da schwarz auf weiß. Jetzt ist er endlich am Ziel seiner Wünsche, jetzt ist der Franz Herr über Leben und Tod.

So weit weg vom gemütlichen Zweitwohnsitz und wegen sonstiger zeitraubender Verpflichtungen will Kubinger sich aber nicht selbst die Hände schmutzig machen. Da kommt es äußerst gelegen, daß er nebenbei auch Obersturmbannführer im Stab der SA-Gruppe Alpenland ist. Franz bestimmt deshalb den bewährten Kameraden August Staudinger zum Lagerführer. Dieser fühlt sich beim Reichsarbeitsdienst sträflich unterbezahlt, ist als äußerst ehrgeizig bekannt und sucht deshalb ein verantwortungsvolleres Betätigungsfeld. Der Siebenundzwanzigjährige hat ursprünglich einmal Fleischhauer gelernt, vor der Heimkehr der Ostmark ins Reich verdingte er sich zeitweise als Bauernknecht, organisierte in seiner Freizeit im Wald Wehrsport- und Exerzierübungen für Gleichgesinnte und verhaftete am Tag X, dem zwölften März 1938, im Namen der neuen Machthaber unter anderen den Bürgermeister seiner Wohn- und tags darauf den Gendarmerierevierinspektor seiner Heimatgemeinde. Er scheint pädagogisch also bestens qualifiziert für Franz Kubingers unmißverständliche Vorgaben.

In der Gauhauptstadt Linz unterhalten sich die beiden bald ausführlich über organisatorische Belange. Bei den Einzuweisenden, erklärt der Franz dem August offenherzig, handle es sich durchwegs um Leute, die nichts wert seien. Man möge sie daher bei Bedarf an Bäume binden und anständig schlagen. Ist das gedeckt? fragt August vorsichtig. Ja, meint Franz. Er könne aber unmöglich die Verantwortung übernehmen, wenn dabei einer sterbe, bohrt August nach. Alles gedeckt, weiß Franz.

Die Zwangsauflösung der Gewerkschaften bedeutete die Geburtsstunde der Deutschen Arbeitsfront. Sie versammelt die in Industrie, Handel und Gewerbe tätigen Unter- und Arbeitnehmer des Dritten Reiches unter ihren breiten Fittichen und tut alles Weltanschauliche für die Steigerung der Produktivität. Die Mitgliedschaft bei der DAF ist, versteht sich, ebenso freiwillig wie obligatorisch. Der Gegensatz zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen erweist sich endgültig als überwunden. Wer daran nicht glaubt, für den haben sich Leute wie Franz Kubinger jede Menge gute Ideen einfallen lassen.

Karl Gumpelmaier zum Beispiel mag den Ortswalter der Deutschen Arbeitsfront nicht, er mag die Deutsche Arbeitsfront nicht. Karl ist Geschäftsführer eines holzverarbeitenden Betriebes im unteren Mühlviertel und will dem Ortswalter keine DAF-Fahne abkaufen. Er will auch keine Betriebsspende für die Deutsche Arbeitsfront geben. Damit nicht genug, schickt Karl Gumpelmaier dem armen Ortswalter gar eine Mahnung, nur weil der das Brennholz nicht bezahlt, das er für sich privat bestellt hat. Ortswalter Gerstl schickt Karl Gumpelmaier zum Ausgleich Menschen, die ihn abholen. Der DAF-Funktionär hat nämlich dieser Tage ein nützliches Rundschreiben erhalten, das ihn wie alle Bürgermeister des Gaues, wie die Kreisleiter der NSDAP, die Landräte, Arbeitsämter und viele andere mehr ermächtigt, solche wie den lästigen Karl bequem loszuwerden.

Gleich an der ehemaligen Grenze zum Altreich im äußersten Südwesten des Innviertels, St. Pantaleon heißt das Nest, haben sich findige Köpfe soeben daran gemacht, ein ungemein praktisches Arbeitserziehungslager einzurichten, und das wartet in Kürze auf Volksgenossen, die die Arbeit grundsätzlich verweigern, die dauernd blaumachen, am Arbeitsplatz fortwährend Unruhe stiften oder solche, die überhaupt jede Annahme einer Arbeit ablehnen, obwohl sie körperlich dazu geeignet sind. Sie müssen aber alle das 18. Lebensjahr erreicht haben. Auch asoziale Betriebsführer sind inbegriffen. Nur Fälle krimineller Natur können hieramts nicht behandelt werden. Und Schwerinvalide, weil schwere körperliche Arbeit geleistet werden muß. Ausgesprochene gewohnheitsmäßige Bettler sind unerwünscht, weil diese zu einer Arbeit nicht taugen.

Oskar Heinrich und Heinrich Müller sind zwar ohne Zweifel Volksgenossen, jedoch noch längst nicht achtzehn. Das macht aber in der Praxis gar nichts. Die Burschen bringen den engagierten Betriebsjugendwalter der Papierfabrik Steyrermühl zur Weißglut, weil sie mit seiner HJ-Truppe um keinen Preis turnen und Fußball spielen wollen. Heute nicht und nie. Die zwei Jugendlichen werden fristlos entlassen, nach sechzehn Tagen überraschend wieder eingestellt, scheinen sie nun doch geläutert, bereit auch, Tore zu schießen und zu verhindern. Schon beim ersten Spiel liefert sich einer von ihnen prompt mit besagtem Jugendwalter ein hitziges Ohrfeigenduell, der hat gerade vom Rundschreiben erfahren und tatsächlich Glück: Sie nehmen gleich beide.

Wladimir Bezdek ist zwar ohne Zweifel schon erwachsen, jedoch nicht Volksgenosse. Das macht aber in der Praxis gar nichts. Der einunddreißigjährige Mechaniker aus Clouboky bei Brünn arbeitet seit Jahren fleißig in der Gauhauptstadt Linz und liebt neuerdings ein deutsches Mädchen. Das spricht sich schnell herum im Betrieb, und einer aus dem Mechanikervolk geht pflichtbewußt zum Chef, meldet den flagranten Verstoß gegen das gesunde Volksempfinden. Der hat gerade das Rundschreiben mit dem praktischen Erlaß des Gauleiters abgeheftet und probiert es einfach auf gut Glück. Für Wladimir stehen die Lagertore weit offen.

Im Weiler Weyer, Gemeinde St. Pantaleon, befindet sich ein ansehnliches Bauerngut mit angegliederter Gastwirtschaft, ausgedehnten Stallungen und einst über hundert Joch Grund. Es gehört Reichsdeutschen aus Bayern, sie haben die Liegenschaft bald nach dem Ersten Weltkrieg erworben. In der ganzen Gegend waren die Geratsdorfers die einzigen, die zu Zeiten des österreichischen Ständestaates keine Veranlassung sahen, der Vaterländischen Front beizutreten. In den Starhembergversammlungen rief man daher kurzerhand zum Boykott ihres Wirtshauses auf. Die Bauersleute mußten schließlich zur Begleichung der Bierschulden sogar anfangen, Land zu verkaufen.

Auch jetzt, nach Anschluß und Kriegsbeginn, bietet die Gaststube meist mehr Platz, als dem Wirt lieb ist. Immer noch stehen die meisten Einheimischen vielem äußerst reserviert gegenüber, was sie mit der neuen Ordnung in Verbindung bringen. Zu allem Unglück fiel der Bauer vor zwei Jahren vom Dach, seither funktioniert sein rechtes Bein nur noch eingeschränkt. Eine Operation der Bäuerin kostete eine weitere Kuh, und einem gewissen Herrn Glück hat man leichtfertig Bürgschaft geleistet, das war noch viel teurer. Natürlich weiß Bürgermeister Michael Kaltenberger von den finanziellen Problemen der Familie mit ihren drei Kindern. Ihm schwebt deshalb vor, sein sehnlich herbeigewünschtes Erziehungslager bei ihnen daheim aufzuschlagen, der ideale Ort wäre das.

Dieser Herr Kaltenberger waltet nicht nur als Bürgermeister, er leitet, wie wir schon erfahren haben, auch die Ortsgruppe St. Pantaleon der NSDAP und steht der Wassergenossenschaft als Obmann vor. Er gibt den Standesbeamten und den Dorfwirt, nebenbei hat er auch noch eine eigene Landwirtschaft im Ausmaß von immerhin dreißig Hektar, und als Viehhändler ist er in weitem Umkreis ein Begriff. Unter Kollegen macht er dem Wirt und Bauern Max Geratsdorfer in aller Freundschaft ein verlockendes Angebot, das der in seiner Notlage nicht ablehnen kann: Ich pachte Haus und Hof mitsamt dem Viehbestand, den Grün- und Ackerflächen auf sechs Jahre, investiere auch ordentlich in die Gebäude, weil die Partei hier ein mustergültiges Erziehungslager einrichten will. Schließt das Lager früher, was sehr unwahrscheinlich ist, erlischt das Pachtverhältnis nach ein paar Monaten Kündigungsfrist. Bis dahin sind deine Kinder jedenfalls groß und können übernehmen.

In Kaltenbergers zentral gelegenem Gasthaus ist immer viel los, kürzlich erst versammelten sich hier Frauen über Frauen im besten Feiertagsgewand zur eindrucksvollen Muttertagsfeier. Dabei stand natürlich die offizielle Ehrung der Deutschen Mutter durch Verleihung des Mutterkreuzes in Gold, Silber und Bronze im Mittelpunkt. Der Herr Ortsgruppenleiter, dessen Gattin Theresia ihm als Ortsfrauenschaftsleiterin treu zur Seite steht, ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen, allen siebenundsechzig qualifizierten Gemeindebewohnerinnen die verdiente Auszeichnung persönlich umzuhängen und eindringlich auf ihre große Aufgabe im Schicksalskampf des deutschen Volkes zu verweisen.

Wir kommen zufällig zurecht, als wahre Menschentrauben vor dem auch als Kino verwendeten Mehrzwecksaal anstehen. Zweimal hintereinander sind die Vorstellungen des Erfolgsfilms ‚Morgenrot‘ völlig ausverkauft. Unter nationalsozialistischer Führung kann ein Deutschland, das solche Helden hervorbringt, keinen Krieg verlieren, lautet die unmißverständliche Botschaft des aufwendigen U-Boot-Spektakels, das im Ersten Weltkrieg spielt. Zum Beweis garniert die neueste Wochenschau den propagandistischen Hauptinhalt des Streifens mit aufgeputztem Dokumentarmaterial über den fulminanten Siegeszug im Westen. Der alte Erzfeind Frankreich hat soeben kapituliert, als nächstes wird England dran glauben müssen.

Es ist daher wirklich kein Wunder, daß Michael Kaltenberger erst jüngst von einem provokanten Gast bis ins Mark getroffen wurde: Der Mann wollte die Einschätzung des Hausherren, schon im kommenden Herbst werde der Krieg gar sein, nicht teilen. In den Abendnachrichten um zehn hatte es soeben geheißen, Calais sei gefallen, der Wirt gab England noch höchstens ein paar Wochen, worauf ich erwiderte, daß dieser Krieg solange wie der Weltkrieg, oder gar noch länger dauern würde und Amerika, sowie Rußland, kämen auch noch dazu. Darauf kam Kaltenberger zu mir, schimpfte mich einen schlechten Deutschen und schlug mir zweimal ins Gesicht, wobei ich zwei Zähne einbüßte. Dieser Vorfall wird selbstverständlich ein Nachspiel haben. Demnächst wird der vorlaute Wirtshausgast eine Vorladung zur Gestapo erhalten.

Die Stimmung unter den meisten Bauernfamilien im Ort bleibt trotz der Propagandaflut reserviert bis ablehnend. Die Partei sieht sich deshalb genötigt, dem beschworenen großen Ganzen auf lokaler Ebene spürbare Wohltaten zur Seite zu stellen. Gerade läßt sie geeignete Räumlichkeiten adaptieren, um einen sogenannten Erntekindergarten einzurichten. So werden sich Landwirte und Gesinde heuer ohne Sorgen um den Nachwuchs völlig darauf konzentrieren können, Getreide und Gemüse einzubringen. Fleisch ist längst schon rationiert, eine Mißernte wäre nicht leicht zu verkraften.

Die frisch angeheuerte Wachmannschaft des Erziehungslagers besteht, Respekt, aus lauter kleinen Führern. Im Zivilleben sind die Herren über die unteren Sprossen der Erfolgsleiter bislang nicht wirklich weit hinausgekommen, in der feschen braunen Uniform hingegen haben sie sich über das einfache Fußvolk längst erhoben und dürfen sich Oberscharführer und Truppführer, Obertruppführer und Sturmführer der SA-Standarte 159 nennen. Das klingt ausgesprochen gut. Endlich wird ihnen auch ein adäquates Aufgabengebiet zuteil, und ein bißchen stolz macht es sie schon, Positionen zu bekleiden, die in ähnlichen Anlagen der elitären SS vorbehalten sind.

Frische Mauern und Stacheldraht sichern das Gelände, soeben kommt ein Wagen durch das Tor. Karl Gumpelmaier muß aussteigen, die Fahrt hat mehrere Stunden gedauert. Kann aber auch sein, daß Karl wie viele Schicksalsgenossen per Zug eintrifft. Kraftfahrzeuge dürfen nämlich selbst von Parteidienststellen nur noch eingeschränkt benutzt werden. Die Eisenbahner haben bald ein Auge für solch kleine Grüppchen männlicher Reisender mit Fahrziel Bürmoos, dem nächstgelegenen Bahnhof, von denen nicht alle ein paar Stunden später sichtlich entspannt die Rückreise antreten. Wenn wir auch nicht genau sagen können, auf welchem Weg Karl Gumpelmaier angeliefert wird, was weiter geschieht mit ihm, darüber müssen wir keine Mutmaßungen anstellen, das wissen wir.

Die Kerle waren nicht gerade gesprächig, als sie ihn mitnahmen. Warum sie ihn holten und wohin die Reise ging, sagten sie ihm nicht. Er hat einen Zorn und keinen kleinen. Denen wird er was erzählen, weiß er. Auf dem Weg zur Kanzlei der Lagerleitung sieht er aus dem Augenwinkel welche, die schauen nicht gut aus. Karl Gumpelmaier ist kurz irritiert. Drinnen vor dem Lagerführer will er auf den Tisch hauen, spricht von Willkür, protestiert lautstark gegen die lächerlichen Einweisungsgründe, die ihm jetzt knapp vorgelesen werden, aber da trifft ihn schon der erste präzise Fleischhauerfaustschlag, das Blut ist warm im Gesicht. Gumpelmaier wird sich schnell vieles abgewöhnen.

Außerhalb des Lagers herrscht vergleichsweise beschaulicher Alltag. 1940 ist der Krieg weit weg, das Getreide steht schon hoch in diesem Frühsommer, hier leben vor allem Bauern. Die meisten Einwohner von Haigermoos und Umgebung hatten verhältnismäßig viel Freude mit dem österreichischen Ständestaat, mit den Klerikern und denen in Trachtenanzügen an der Macht. Die Nazis dagegen sind vielen in der Seele zuwider. Die blödesten Burschen, die nichts gelernt haben und nichts können, schimpfen brave Landwirte hinter vorgehaltener Hand, die stolzieren jetzt wie die Gockel in allen möglichen Uniformen herum, führen sich als Herren auf und stehlen dem lieben Herrgott den Tag. Über den Hochwürdigen Herrn Pfarrer und die göttliche Ordnung reißen sie ordinäre Witze, und brutal sind sie nicht nur, wenn sie gesoffen haben.

Zum winzigen Haigermoos mit seinen gut sieben Quadratkilometern Fläche gehören auch die paar Häuser von Weyer. Nach dem Anschluß hat sich keiner gefunden, der den Nazi-Bürgermeister machen wollte, das heißt, sie haben schon einen eingesetzt, aber der hat sich nach ein paar Wochen ein Attest geholt, Nervenleiden. Also ist das Dorf kurzerhand eingemeindet worden, im größeren Nachbarort St. Pantaleon herrscht an Hakenkreuzlern nämlich kein Mangel. Da kann man eben nichts machen, nur beten und abwarten. Und nicht hinschauen, wenn die SA täglich zeitig in der Früh die klapprigen Häftlinge durch Wald und Flur treibt, gut drei Kilometer zum kleinen Fluß im Waidmoos.

Der Große Brachvogel brütet dort noch regelmäßig, und den endgültigen Verlust des Birkwildes wird die Jägerschaft erst in sechsunddreißig Jahren beklagen. Ein paar Kilometer weiter im Südosten wird bereits seit den achtziger Jahren industriell Torf abgebaut, jetzt soll es dem gesamten verbliebenen Sumpfgebiet an den Kragen gehen. Schon 1935 wurde die Entwässerung des Ibmer Moores einmal in Angriff genommen, doch brach man das ehrgeizige Unternehmen wegen Geldmangels bald wieder ab. Die Nationalsozialisten nehmen nun einen neuen Anlauf, wollen insgesamt gar dreitausendsiebenhundert Hektar trockenlegen, nicht weniger als zweihundertfünfzig Bauernhöfe sollen auf dem Areal entstehen, ein gigantisches Vorhaben ist das. Die Moosach, das Flüßchen, dem sie zu diesem Zweck sein Bett neu vorzeichnen wollen, bildet die natürliche Grenze zu Salzburg.

Noch sind längst nicht alle wehrfähigen Männer im Krieg, manche haben beim Wasserwirtschaftsamt Arbeit und Brot gefunden. Kräftige Kleinhäusler und Landarbeiter aus der Umgegend sorgen also ab sofort gemeinsam mit den Lagerinsassen an der Baustelle für enorme Erdbewegungen, kleiden die neuen Ufer mit Granitfelsen aus. Damit alles klar ist, wird den Zivilarbeitern gleich nach Anlieferung der ersten unfreiwilligen Kollegen anläßlich eines Betriebsappells von Regierungsbaurat Dipl.-Ing. Langgartner, Bürgermeister Kaltenberger und Lagerführer Staudinger eröffnet, es werde wohl vorkommen, daß die Inhaftierten bei der Arbeit geschlagen würden. Darüber müsse unter allen Umständen geschwiegen werden, Zuwiderhandelnde hätten schwere Folgen in Kauf zu nehmen, dürften zwar gerne an der Baustelle weiterarbeiten, aber als Häftlinge.

Johann Gabauer hat in seinem Leben viel getrunken. Gearbeitet auch, aber das ist schon lange her. Für das idyllische, klimatisch bevorzugte Dorf am Südrand des Böhmerwaldes, in das es den gebürtigen Wiener vor Jahren verschlagen hat, ist der Hans bis zum heutigen Tag bloß ein zwielichtiger Zugezogener. Seit einiger Zeit setzt der Alkohol Gabauers Körper mächtig zu, der schmächtige Mann kränkelt, er ist jetzt dreiundfünfzig, schaut aus wie siebzig, vernachlässigt sich, aber sterben tut er nicht. Man müßte lügen, wollte man behaupten, mit ihm hätte wer noch viel Freude. Da beruhigt es, daß die neue Obrigkeit sich jüngst bereit erklärt hat, selbst scheinbar aussichtslose Fälle wie diesen Quartalsäufer zum ordentlichen Menschen zu erziehen. Fort also ins Lager mit ihm.

Ferdinand Hammerschmied wird ihn verfehlen, denn als er eintrifft, ist Johann Gabauer schon umgebracht. Daß Hammerschmied, von Beruf Zimmerer und selbst aktiver Nationalsozialist, sich plötzlich in dieser elenden Besserungsanstalt unter all den asozialen Elementen wiederfindet, schmerzt ihn beträchtlich, verdanken tut er’s seinem losen Mundwerk. Hätte er sich die lautstarke Auseinandersetzung verkniffen und seinen gewendeten Chef nicht vor Zeugen an seine frühere Mitgliedschaft im roten Republikanischen Schutzbund erinnert, wäre ihm einiges erspart geblieben. Immerhin verzichtet Lagerkommandant Staudinger in seinem Fall auf die üblichen Begrüßungsprügel. Mitfühlende Parteigenossen zuhause in Nettingsdorf setzen gleich alle Hebel in Bewegung, und nach vier Wochen entlassen sie den Ferdinand am Tag vor dem Heiligen Abend 1940. Er muß unterschreiben, nichts gehört und nichts gesehen zu haben.

Hören und Sehen vergehen in diesen Monaten vielen, die, bunt zusammengewürfelt, hier schuften, bis manche umfallen, andere sterben. Johann Gabauer macht den Anfang. Schnell findet die SA-Wachtruppe heraus, daß er der Allerschwächste ist, daß ihm der Alkoholentzug schwer zu schaffen macht, daß er sich wunderbar erniedrigen läßt und dabei doch so schön demütig bleibt. Mitte Juli fällt Johann auf der Baustelle ansatzlos um. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, schlagen sie ihn mit Gummiknüppeln auf den nackten Oberkörper so heftig, daß er auf einem Radkarren zurück ins Lager gefahren werden muß. Jeden Tag, wenn die Kräfte ihn verlassen und er zu schwach ist weiterzuarbeiten, wiederholt sich ab nun dasselbe Spiel: Prügel, Fußtritte, Scheinertränkung im Fluß. Schließlich ist das Ende seiner Leidensgeschichte absehbar: Heute drischt ihn der Lagerleiter höchstpersönlich, zückt dann den Dienstdolch und bedroht ihn mit dem Abstechen. Ein anderes Wachorgan ersucht den Delinquenten kurz darauf um bindende Auskunft, ob er ihn erschießen oder ertränken solle. Gabauer bittet Truppführer Josef Mayrlehner untertänig, sich selbst ertränken zu dürfen. Man gestattet ihm dieses Privileg. Johann watet mühselig torkelnd ins tiefere Wasser. Plötzlich schreit er laut um Hilfe, gestikuliert wild, daß es, aus einiger Entfernung betrachtet, lustig plantscht. Mithäftlinge müssen die Jammergestalt aus dem Wasser ziehen, wieder wird er bis zur Besinnungslosigkeit geprügelt. Er wacht so schnell nicht auf. Mit nassem Zeug liegt Gabauer an diesem kühlen, windigen Sommertag stundenlang auf einem Schienenrollwagen und wird endlich abtransportiert, zum Gemeindearzt.

Der Doktor ist zugleich Lagerarzt. Im Dorf sieht man es nicht allzu gern, daß er alteingesessene Kranke einfach liegen und stehen läßt, wenn sie ihn draußen bei den Verbrechern brauchen. Und sie brauchen ihn oft. Drei-, viermal die Woche kommt er üblicherweise vorbei, Notfälle nicht eingerechnet. Er sieht alles, behandelt Wunden, Erfrierungen, bringt mittelschwer Verletzte mitunter sogar in seinem Privatwagen ins Spital und tut doch nichts gegen die Übergriffe. Es gibt eine Lagerordnung, körperliche Züchtigung der Inhaftierten ist demnach grundsätzlich untersagt, umbringen nicht vorgesehen. Drei Tage behandelt Dr. Straffner den sterbenden Johann Gabauer noch im Lager, Lungenentzündung steht auf dem Totenschein. Seine Leiche landet schließlich ohne viel Aufsehen auf dem Gemeindefriedhof, wo noch ausreichend Platz ist, wie die Häftlinge von ihren feixenden Aufsehern erfahren. Johann geht andernorts niemandem ab.

Der Pfarrer von St. Pantaleon kann seinen Vornamensvetter nicht christlich begraben, auch wenn er wollte, sitzt er doch seit mehreren Wochen schon im Linzer Gestapogefängnis in Untersuchungshaft. Sein Sündenregister ist lang: Just zu den allgemein bekannten Zeiten der HJ-Appelle im Dorf bietet er in seiner Kirche ungeniert sogenannte Christenlehren für die Jugend an, die Anordnungen des Luftgaukommandos rücksichtlich des Läutens der Kirchenglocken ignoriert er einfach. Auch ist ihm eine versuchte Sammlung zu Gunsten des Kapuzinerordens anzulasten. Am 10. 5. 1940 besuchte er abends in seinem Pfarrdorfe die nicht zu seinem Anhängerkreis gehörende Frächtersgattin Johanna Nußbaumer in ihrer Wohnung, um ein Paket abzuholen. Die beiden kommen auf dies und das zu reden, darunter auf mögliche Gefahren für die deutschen Soldaten in Norwegen.

Auf dem Weg zu Frau Nußbaumer trifft Hochwürden zufällig den Bürgermeister. Bei den späteren Gestapovernehmungen des Priesters im Gemeindeamt werden Hitlerjungen bestätigen, was sie, vor dem geöffneten Fenster lauschend, mitgehört und Ortsgruppenleiter Kaltenberger umgehend hinterbracht haben: Johann Fuchs, zweiundsechzig Jahre, ledig, Pfarrer in St. Pantaleon, will weder glauben, was die Feindsender bringen, noch was die unseren sagen. Ironisch erklärt er zudem der bestürzten Frau Nußbaumer, einer ausgewiesenen Anhängerin anderer Kreise, wörtlich: Auch im Weltkriege hat es immer geheißen, die Deutschen siegen, siegen, siegen, und zum Schlusse haben sie solange gesiegt, bis sie zusammengeschlagen waren. In einem vorsorglich abgefangenen Brief aus dem Gefängnis an seine hochbetagte Mutter, der die Anklage eindrucksvoll untermauert, versteigt sich der beschuldigte Geistliche gar zu der frechen Behauptung, die Zeiten wären danach, daß nicht die schlechtesten Leute jetzt im Zuchthaus sitzen.

Sebastian Rieß arbeitet in der Landwirtschaft und kommt mit der Magd seines Dienstherrn nicht aus. Ich gehe, sagt er am elften August 1940 zur Bäuerin und macht sich mit einem Handkoffer voll Wäsche zu Fuß auf den Weg in den Salzburger Pinzgau, von wo er herstammt. Am Ortseingang von St. Pantaleon legt er bei einem Bauern kurz Rast ein. Nur wenig später erscheinen drei Herren, die dem Sebastian als Bürgermeister Michael Kaltenberger, Lagerkommandant August Staudinger und Aufseher Josef Mayrlehner vorgestellt werden. Es ergibt sich ein intensives Gespräch über dies und das. Der Landarbeiter auf der Durchreise hält die gute Idee des Franz Kubinger für keine gute Idee. In seinen Augen, meint Sebastian irgendwann im Laufe der Unterhaltung weiter, sei übrigens hier immer noch Österreich und nicht das Dritte Reich.

An dieser Stelle will August Staudinger nicht länger diskutieren. Er macht Ernst. Ein kräftiger Faustschlag läßt Sebastian Rieß gegen den hölzernen Gartenzaun prallen. Seine Unterlippe schwillt sofort an, er wird ins Lager abgeführt. Nach seiner Einlieferung hörte man aus dem Erziehungslager schreien und bald darauf wurde Riess beobachtet, dass er bedeutend schwerer als bei der Einlieferung verletzt war. Er hatte am Kopf blaue und grüne Verfärbungen. Diese rühren von zehn Schlägen mit dem Gummiknüppel über die linke Kopfseite, immer auf dieselbe Stelle, verabreicht in der ersten Nacht durch den Chef persönlich, der Überstunden nicht scheut, wenn es darum geht, Menschen zu bilden. So gelingt es ihm tatsächlich binnen weniger Stunden, den Neuen davon zu überzeugen, daß seine Geographiekenntnisse bedauerlicherweise nicht dem letzten Stand entsprachen. In den kommenden Wochen wird Sebastian Rieß an der Baustelle stets bevorzugter Prügelkandidat sein, bis er nicht mehr aufhören wird, Blut zu spucken. Dr. Straffner wird ihn schließlich zur Vorsicht ins Spital schaffen lassen.

Vom Nachbardorf Roding, jenseits der Salzburger Grenze auf einer nahen Anhöhe gelegen, hat man bei Schönwetter einen herrlichen Rundblick von den Alpen im Süden über das wellige, dünnbesiedelte Hügelland bis zum nördlichen Horizont. Den Fluß unten sieht man auch an trüben Tagen. Dort spielt es sich gewaltig ab in diesen Monaten, der Bevölkerung bleibt nichts verborgen. Zudem halten einige Wasserwirtschaftsarbeiter in den Wirtshäusern nicht ganz so dicht, wie es ihnen eingetrichtert wurde. Die Einwohner murren mehr und mehr, regen sich auf, am meisten darüber, daß die SA, offenbar als Ausdruck besonderer Erniedrigung, unter wilden Drohungen tschechische Gefangene anhält, Prügelstrafen an deutschen, also österreichischen Leidensgenossen zu vollziehen, und das möglichst so saftig, daß es spritzt.

Schauen wir doch auch einmal hinunter: Jeweils drei Häftlinge schieben da einen Kippwagen Erde, Fassungsvermögen ein dreiviertel Kubikmeter, auf provisorischen Geleisen anfangs leicht, dann steiler bergauf. Fünfundzwanzig Fahrten inklusive Beladung pro Schicht sind das absolute Minimum. Mit ihrem schlechten Schuhwerk, oft nur gewöhnlichen Holzpantoffeln, ist das für die armen Schweine besonders bei Regen und Nässe eine Heidenanstrengung. Immer wieder rutschen sie aus, fallen zu Boden, die Lore droht zurückzugleiten, mit aller Kraft stemmt man sich dagegen. An der steilsten Stelle steht gern ein Aufseher, der Erzieher genannt werden will. Sein Gummiknüppel sucht sich den Schwächsten des Trios und tanzt so lange auf seinem Rücken, bis die verbleibenden zwei allein es irgendwie schaffen, den Scheitelpunkt zu erreichen. Entwischt ihnen das Gefährt, stürzt es beim Zurückfahren gar um, können auch sie sich auf Prügel gefaßt machen. Es ist gerade wieder einmal so weit, und ein in der Nähe werkender Zivilarbeiter schreit Alois Rosenbichler wütend an: Wenn wir den Krieg verlieren, werden sie dich zerreißen! Der aber läßt nur kurz von seinem Opfer ab, grinst breit und meint: Wir verlieren den Krieg nicht.

Als unterernährter, zwangsarbeitender Spielball soll man an der Baustelle möglichst ohne Kreislaufkollaps auskommen. Sonst wird man flugs ins Bewußtsein zurückgeschlagen. Auch soll man sich als knapp achtzehnjähriger Jugendlicher den linken Fuß nicht beim Geleise der Materialbahn einklemmen. Wegen dieser Verzögerung in der Arbeitsleistung versetzte ihm Alois Rosenbichler mit dem Gummiknüttel so heftige Hiebe gegen den Kopf, dass Schmidhuber umfiel. Während er am Boden lag und noch immer mit dem Fuß eingeklemmt war, versetzte Rosenbichler ihm einen Tritt mit der Stiefelspitze in das Gesicht, sodass Schmidhuber an den Lippen und in der linken Augengegend leicht verletzt wurde. Während der Misshandlungen mit dem Gummiknüttel bedrohte Rosenbichler ihn überdies mit dem Erschiessen, um sein Aufstehen zu erzwingen. Da Schmidhuber aber nicht aufstehen konnte und infolge der Misshandlung bewusstlos wurde, musste er von Mithäftlingen in das Lager getragen werden.

Franz Ennsthaler aus Sierning, fünfzig Jahre alt, wird Ende August 1940 an der Baustelle friedhofsreif geprügelt, wacht aber im Krankenhaus noch einmal kurz auf. Zwischen den Hieben habe man ihn wiederholt ins Wasser geworfen und untergetaucht, haucht er dem leitenden Arzt ins Ohr. Den Dreivierteltoten lassen sie, wesentlicher Teil der Erziehungsmaßnahmen ist das bekanntlich, durchnäßt stundenlang an einer Bank lehnen, rundum wird derweil fleißig weitergeschuftet. Der Mediziner veranlaßt die Leichenöffnung. Befund: Über den ganzen Rücken ausgebreitete, oberflächliche, blutige Epitheldefekte, besonders an den vorspringenden Teilen des Rückens sowie am Hinterkopf und Oberarm. Todesursache: Gehirnblutung. Wieder sehen Ärzte alles und tun nichts.

Leicht verspätet und ohne daß dabei auf lästige Details wie Mord und Totschlag eingegangen wird, erhält Mitte September die interessierte Öffentlichkeit von der rauhe Wirklichkeit gewordenen guten Idee Franz Kubingers Kenntnis. Die Zeitung weiß viel Erbauliches zu berichten: Ueber Auftrag des Gauleiters wurde in St. Pantaleon ein Arbeitserziehungslager für arbeitsscheue Elemente eingerichtet. Trotz der kurzen Zeit des Bestehens desselben, hat sich das Lager schon in deutlicher Weise als segensreiche Einrichtung erwiesen. Die Angehaltenen werden nämlich zu den Entwässerungsarbeiten im Ibm = Waidmoos eingesetzt und durch diese zusätzlichen Arbeitskräfte wird das dringende Projekt der Ibm = Waidmoosentwässerung einer rascheren Fertigstellung zugeführt.

Mit siebzehn wanderte der jetzt dreiundzwanzigjährige SA-Oberscharführer Alois Rosenbichler aus dem benachbarten Ostermiething ins gelobte Deutsche Reich aus, wo er sich als Malergehilfe durchschlug. Nach dem Umbruch kurz zurück in der Heimat, eroberte er schließlich Polen mit. Später wegen eines Magenleidens als dienstuntauglich aus der Wehrmacht entlassen, lehnte er die vom Fürsorgeoffizier angebotene zivile Arbeitsstelle ab und folgte stattdessen dem Ruf seines Standartenführers, die Wachmannschaft in Weyer zu komplettieren. Gegen beinharte Konkurrenz gewinnt er bei den Häftlingen schon bald den Ruf, der brutalste, der sadistischste aller Aufseher zu sein.

Alois Rosenbichler selbst bereiten seine Gewaltexzesse hingegen durchaus keine nennenswerten Schlafstörungen. Zahlreiche Zeugen werden dem Oberstaatsanwalt später bestätigen, Rosenbichler habe in der Postenhütte an der Baustelle oft selig geschlummert. .