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Natalka Sniadanko

Der Erzherzog,
der den Schwarzmarkt regierte,
Matrosen liebte und
mein Großvater wurde

Roman

Aus dem Ukrainischen von
Maria Weissenböck

1907

Aus einer alten Zeitung, die Halyna in der Truhe mit den Sachen ihrer Großmutter gefunden hatte, erfuhr sie vom Lokführer Felix Pfeiffer aus Bohdaniwka. Die Großmutter hatte aus der Zeitung ein Schnittmuster gemacht. Darauf stand geschrieben, dass Felix Pfeiffer am 22. November von seiner Frau verlassen worden war, genau an ihrem zweiundzwanzigsten Geburtstag. Der Lokführer nahm sich vor, sie mit einer Zeitungsannonce und mithilfe der Polizei suchen zu lassen. Felix’ Frau Bronislawa wurde als mittelgroß, mit braunem Haar und einer Warze im Gesicht beschrieben. Sie trug bei ihrem Verschwinden ein cremefarbenes Kleid und einen weißen Hut. Halyna sah diesen zornigen, vielleicht aber auch verstörten jungen Mann sofort vor sich und hielt sein Bild auf einem Blatt Papier fest. In ihrer Vorstellung hatte er leicht gelocktes, sorgfältig pomadisiertes Haar, schmale Lippen, braune Augen, eine gerade römische Nase sowie Schnurr- und Backenbart, war hager mit leicht gekrümmter Haltung und äußerst auffälligen Händen, zu groß und kräftig für seine Statur mit wulstigen, schmal zulaufenden Fingern. Wahrscheinlich waren seine Hände stets schweißnass, und gab man ihm die Hand, hatte man nachher das Bedürfnis, sich abzuwischen.

Am Morgen des 22. November, dem zweiundzwanzigsten Geburtstag seiner wunderschönen Ehefrau, wachte besagter Felix Pfeiffer auf, holte sein Geschenk aus dem Versteck und stellte fest, dass seine Frau verschwunden war. Jedoch nicht spurlos: Auf dem Tischchen mit dem abgebrochenen Bein, das an ihrer Bettseite stand, lagen ein altes Korsett und ein Unterrock mit Brandloch. Bronislawa hatte damals das Bügeleisen nicht rechtzeitig vom Unterrock genommen, weil sich Felix unbemerkt von hinten an sie herangeschlichen hatte, um sie zu küssen. Als er ihren herrlichen Geruch wahrnahm, konnte er nicht anders, als unter dem Rock nach ihrem Schoß zu suchen und ihn zu berühren. Kaum spürte er ihre Feuchtigkeit, knöpfte er seine Hose auf, drückte seine Frau mit aller Kraft nach vorne und drang in sie ein. Bronislawa nahm die bekannte, trockene Härte in sich wahr und kippte ihr Becken nach hinten, damit es weniger schmerzte. Wie gelähmt beobachtete sie, wie unter dem Bügeleisen ein schwarzer Fleck entstand.

„Nimm das Eisen weg“, flüsterte ihr Felix keuchend von hinten ins Ohr. „Ich bin gleich so weit, ein bisschen noch“ – er fand ihre Brüste unter der Bluse und knetete sie fest in den Händen.

Da machte Bronislawa einen jähen Schritt nach vorne, das Bügeleisen fiel zu Boden, Felix’ Glied glitt aus ihr, er schwankte und blickte seine Frau verwundert an. Als Nächstes warf Bronislawa ihn zu Boden und setzte sich auf ihn. Sie legte seine Hände auf ihre Brüste und begann, sich in dem Rhythmus zu wiegen, den sie in ihrem Inneren verspürte, anstatt sich seinem Rhythmus anzupassen. Nach ein paar Minuten erfasste sie ein süßes Beben, sie stöhnte und stand auf. Felix blieb mit steifem Glied auf dem Boden liegen. Bronislawa kehrte zum Bügeleisen zurück. Einige Sekunden später spürte sie erneut Felix hinter sich, doch diesmal bewegte er sich vorsichtiger und streichelte derweil ihren Schoß. Gleichzeitig erreichten sie den Höhepunkt, zum ersten Mal in ihrem bisherigen Eheleben.

Felix mochte es, seine Frau in den unpassendsten Situationen zu lieben. Anfangs sträubte sie sich dagegen, denn ihr gefielen diese plötzlichen, schnellen und manchmal schmerzhaften Liebesspiele nicht. Sie spürte noch keinerlei Genuss, da hatte er seine Sache bereits erledigt, küsste sie auf den Hals und ging zufrieden pfeifend davon. Sie aber kochte innerlich vor Wut und ekelte sich vor seinem Sperma, das an ihren Oberschenkeln hinunterglitt. All das kam ihr nicht richtig vor, und von Zeit zu Zeit versuchte sie, es anders zu machen. Wenn sie abends ins Bett ging, entblößte sie ihre Brüste und schmiegte sich an ihren Mann, der von der Arbeit erschöpft nur unzufrieden brummte und sich zur anderen Seite drehte. Am nächsten Morgen jedoch, wenn Bronislawa noch schlief, drang er ohne Vorwarnung in sie ein und ein paar kurze Bewegungen später war alles schon wieder vorbei. Felix war stolz darauf, dass er seine Frau so oft liebte, und er konnte es kaum erwarten, dass sie endlich schwanger würde, ein Kind wäre der Beweis seiner Männlichkeit. Doch Bronislawa wollte nicht schwanger werden, zumindest nicht, solange sie nach dem Liebesspiel nur Enttäuschung und Ekel empfand. Außerdem wollte sie reisen, wollte Venedig, Paris, Wien, Ägypten, Indien und Persien sehen. Manchmal sprach sie mit Felix über das Reisen, doch er hatte eine völlig andere Vorstellung davon. Er freute sich über die Ermäßigung, die er bei Bahnfahrten bekam, und plante für Sonntag einen gemeinsamen Ausflug nach Brjuchowytschi, um dort im Wald spazieren zu gehen. Bronislawa dagegen wollte exotische, unbekannte Länder bereisen – lange, vielleicht für immer.

Am Morgen des 22. November 1907 wurde dem Lokführer Felix Pfeiffer mit einem Mal klar, dass er von seiner Frau verlassen worden war, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch keine echten Beweise dafür gab. Sie konnte ebenso gut noch in der Bäckerei sein oder in der Küche sein Frühstück zubereiten. Doch auch ohne Beweise war Felix überzeugt, dass er richtiglag.

Im ersten Moment war er fassungslos, doch dann versuchte er zur gewohnten Morgenroutine zurückzukehren: sich waschen, anziehen, frühstücken und aus dem Haus gehen. Doch das war schwieriger als vermutet. Der Lokführer irrte auf der Suche nach den einfachsten Dingen wie einem frischen Hemd, Kaffee, der Kaffeekanne, Butter, Zucker oder Streichhölzern durchs Haus. Normalerweise bereitete Bronislawa all das für ihn vor. Sie stand früher auf, deckte den Frühstückstisch und legte alles, was er für die Morgentoilette brauchte, ordentlich neben die Schüssel mit warmem Wasser. Nun aber stellte sich plötzlich heraus, dass das Brot hart geworden, die Butter ranzig, der Käse aufgegessen, der Kaffee ausgeraucht und die gesamte Wäsche hoffnungslos verdreckt war. Felix nahm die Kaffeekanne, schaute hinein und sah den hart gewordenen Kaffeesatz vom Vortag darin. Er ärgerte sich, dass Bronislawa die Kanne nicht gewaschen hatte. Er stellte sie auf den Tisch, von dem Krümel auf den Boden rieselten. Vom Fenster aus beobachtete er einige Sekunden lang einen Mann, der eilig über die Straße lief, dabei den Hut auf seinem Kopf festhielt und sich nach einer Britschka umblickte. Der Mann verschwand um die Ecke. Felix drehte sich zum Tisch, auf dem sich das schmutzige Geschirr türmte, und fegte mit einer entschlossenen Bewegung alles zu Boden. Er stieg über die Scherben, putzte seine vom Vortag schmutzige Kleidung ab und lief aus dem Haus. Zuerst schlugen seine Beine den gewohnten Weg ein: zum Bahnhof, wo er arbeitete. Doch kurz vor dem Bahnhofsgebäude drehte er plötzlich um und lief in die entgegengesetzte Richtung.

„Meine Verehrung, Herr Felix, guten Morgen!“, rief ihm der Straßenkehrer hinterher, der bereits zum zweiten Mal an diesem Morgen den Bahnhofsplatz fegte, doch Felix schaute nicht zurück und hielt nicht an, um wie üblich mit ihm eine Papirossa zu rauchen.

Wie der Mann, den Felix eben vom Fenster aus beobachtet hatte, hielt er seinen Hut auf dem Kopf fest und überquerte schnellen, entschlossenen Schrittes die Straße. Er schaute weder nach links noch nach rechts, stürmte geradeaus, ohne den anderen Fußgängern auszuweichen, sein Blick war starr und konzentriert. Mädchen wichen ihm erschrocken aus, ältere Herren blickten ihm missbilligend hinterher, wenn er sie mit den Ellenbogen anstieß, doch Felix merkte von alledem nichts. Er sprang vom Trittbrett der noch rollenden Pferdestraßenbahn, lief, ohne irgendetwas zu beachten, über die Straße und geriet beinahe unter die Hufe der Gäule, die scheuten und zur Seite wichen. Fahrer und Schaffner pfiffen gleichzeitig. Eine ältere Passagierin lehnt sich aus dem Fenster des Waggons und rief Felix etwas hinterher, doch der hörte davon nur „soll dich der …“ und „völlig verrückt geworden“, er lief weiter, bog ab und erblickte im nächsten Augenblick das Hauptpostamt.

Er sah sich im weitläufigen Foyer um, genau in der Mitte stand in majestätischer Pose erstarrt ein ehrwürdiger Aufseher mit gezwirbeltem Schnurrbart und dem hohen Hut eines österreichischen Pedellen, auf seinem langen Uniformrock prangten zwei Reihen blank polierter Knöpfe, eine Auszeichnung – schwarz-gelb mit eingestickten Initialen – und das Ehrenkreuz für langjährige Verdienste in der kaiserlich-königlichen Armee. Der Aufseher musterte Felix von Kopf bis Fuß und trat von einem Bein auf das andere, als wundere er sich, wohin dieser schlampig gekleidete Mann so eile. Felix blieb einen Augenblick stehen und holte tief Luft, dann ging er durch die massive Holztür zu seiner Rechten und reihte sich in die Schlange der Wartenden ein. Vor ihm drehte ein Gymnasiast den Kopf nach allen Seiten, er trug eine neue Uniform von Sajdlek, dessen Laden sich auf dem Heiligen-Geist-Platz neben dem Hausdurchgang befand. Dort arbeitete eine kleine, reizende Schwarzhaarige mit Grübchen am Kinn als Verkäuferin, auf die Felix seinerzeit ein Auge geworfen hatte. Der Gymnasiast wollte, dass alle seine hohe schwarze Moirékappe mit dem geschwungenen Emblem des Gymnasiums „G IV“ und seine Glacéhandschuhe bemerkten, die noch ganz neu rochen. Deshalb drehte er den Kopf nach allen Seiten, rückte seine Kappe zurecht, in der ihm offensichtlich viel zu heiß war, zog dann eine Zeitung aus der Tasche und raschelte laut damit. Felix blickte ihm über die Schulter und ließ seinen Blick automatisch über die Seite mit den Annoncen schweifen. „Seriöser, gut situierter Kavalier will per Briefkontakt junge, hübsche, tugendhafte Dame von guter Statur kennenlernen. Mitgift unerheblich, Austausch von Fotos obligatorisch. Briefe an die Redaktion der ‚Sonntag‘, Kennwort ‚Der Einsame‘.“ Darunter befand sich noch eine Annonce: „Nehme junges, hübsches, tüchtiges Fräulein zur Frau. Mitgift nicht obligatorisch. Brief mit Foto bitte an die Redaktion.“

Felix’ Aufmerksamkeit wurde von der längsten Annonce gefesselt. Aufgegeben von einer Frau, die einen Zopf „im Wert von 12 Kronen“ verlor, als sie die Akademiestraße, die Halyzka-Straße, die Kiliński-Straße und die Karl-Ludwigs-Straße entlangging. Zum ersten Mal an diesem Morgen lächelte Felix unwillkürlich, denn er stellte sich die unattraktive und unachtsame Salka H. vor, eine Schriftführerin, die ihres Zopfes verlustig gegangen war, noch bevor sie ihre Kavaliere damit beeindrucken konnte. In ihrer Verzweiflung gab sie danach auch noch eine stattliche Summe für den Abdruck einer Annonce in der Morgenzeitung aus. Felix dachte an das dichte Haar seiner Frau, das die Farbe von Schaum auf dem Kaffee hatte, ein klein wenig heller als die Farbe des Kaffees selbst, nachdem der Schaum verschwunden war. Einige Strähnen lösten sich immer unter ihrem weißen Hut. Er dachte an Bronislawas cremefarbenes Kleid und versuchte sich daran zu erinnern, wie viele Häkchen er an diesem Kleid öffnen musste, wenn sie es abends auszog, und wie mit jedem Häkchen sein Verlangen wuchs, den warmen, duftenden Körper seiner Frau endlich zu berühren. Einen Augenblick lang verlor sich Felix, tauchte ab in seine Träume, um sich kurz darauf wieder an den Grund seines Kommens zu erinnern, und sein Blick verfinsterte sich. Als er an der Reihe war, befeuchtete er den Bleistift konzentriert mit Speichel, schrieb sorgfältig Buchstabe für Buchstabe, überdachte jedes Wort, denn es kostete ihn mindestens zehn Kreuzer. Einen Moment überlegte er, wie er die Farbe ihres Haars beschreiben sollte, denn „Schaum auf dem Kaffee“ waren ganze vier Worte, außerdem war fraglich, ob jemand diesen Vergleich verstehen würde, deshalb schrieb er einfach: „braun“. Den Zopf seiner Frau erwähnte er nicht.

1969–2008

Halyna kam am 18. August 1969, eine Stunde vor Mitternacht zur Welt. Am gleichen Tag, genauer gesagt, in der gleichen Nacht, einundzwanzig Jahre davor war im Krankentrakt eines Kiewer Gefängnisses der Totenschein ihres Großvaters ausgestellt worden – ukrainischer Oberst, Truppenführer bei den Sitsch-Schützen, in Paris zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, in Wien der österreichischen Staatsbürgerschaft entledigt, nach jungen Matrosen und reizenden Damen schmachtender Besucher Pariser Bordelle, Spion des englischen und französischen Geheimdienstes, Sympathisant der Organisation Ukrainischer Nationalisten: Erzherzog Wilhelm von Habsburg-Lothringen.

Für Halyna war er Großvater Wilhelm, manchmal auch Wiljus. Wiljus wurde er in seiner Kindheit genannt und dann wieder im hohen Alter. Wilhelm, der jüngste Sohn Karl Stephans von Habsburg-Lothringen, wurde am 10. Februar 1895 geboren, ein halbes Jahr bevor Sigmund Freud seinen berühmten Traum von Irmas Injektion hatte. Dieser veranlasste Freud zu der Schlussfolgerung, dass jeder Traum einen Wunsch erfüllt. Löste seine Theorie zu Beginn einen Skandal in der wissenschaftlichen Welt aus und weckte Misstrauen, machte sie Freud später zu einem weltberühmten Wissenschaftler.

„Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, fällt mir zuerst das Meer ein. Das viele Wasser. Es faszinierte mich“, schrieb Wilhelm in seiner Autobiografie, deren Sprache Halyna nur teilweise verstand, so viele verstümmelte deutsche und polnische Worte benutzte er. Zum Beispiel begriff sie nicht sofort, dass der Großvater mit „Marynarka“ nicht Sakko, sondern Meeresflotte meinte, dass „Reparazija“ Operation hieß, „Belfer“ Lehrer und dass der Großvater zu Uhren „Dsygar“ sagte. Die Uhr des Großvaters zeigte immer um eine Stunde weniger an als Halynas Uhr. Wilhelm und Großmutter Sofia hatten die von der sowjetischen Macht eingeführte Zeit nie übernommen. Und wenn sie mit jemandem ein Treffen vereinbarten, fragten sie immer nach, ob es sich um „Moskauer Zeit“ handle.

Ebenso plötzlich und spontan, wie der Großvater fast alles in seinem Leben entschied, beschloss er, seine Memoiren zu schreiben. Eines Winters hatte Halyna Windpocken und konnte wochenlang nicht zur Schule gehen. Wilhelm saß an ihrem Bett, bepinselte die roten Pusteln sorgfältig mit einer Tinktur und erzählte Geschichten aus seinem Leben, um die Enkeltochter vom Juckreiz, den sie am ganzen Körper verspürte, abzulenken.

„Großvater, du erzählst mir Märchen, das kann alles nicht wahr sein“, nörgelte Halyna. „Du erzählst mir einen Abenteuerroman, den du gelesen hast.“

Damals beschloss Wilhelm, dass seine Biografie ein Abenteuerroman sei, den er selbst zu Papier bringen würde.

Die feierlichen Vorbereitungen zum Schreiben seiner Memoiren dauerten fast einen Monat. Lange richtete Wilhelm sein Arbeitszimmer ein. Früher war es das Büro von Großmutter Sofias Vater gewesen, in das er sich nach der Arbeit zurückzog. Dort stand ein mit grünem Filz überzogener Tisch mit zahlreichen Schubladen, deren Schlüssel fast alle noch vorhanden waren.

Bevor Wilhelm mit der Arbeit an seinen Memoiren begann, wollte er für seinen Stuhl das gemütlichste Kissen, doch keines passte, vergeblich probierte er verschiedene Varianten. Er ließ den Stuhl sogar neu bespannen, doch auch das machte ihn nicht glücklich. Er versuchte, es sich in einem der tiefen Lederfauteuils gemütlich zu machen, die zwischen Armlehne und Sitzfläche einen ziemlich großen Spalt ließen. Als Kind hatte Sofia in diesem Spalt oft allerlei Kleinkram gefunden: Münzen, kleine Feilen oder Löffel, Kämme.

Wilhelm wechselte die Vorhänge im Arbeitszimmer, um eine behagliche Atmosphäre zu schaffen, und wählte langmächtig Papier, Füllfeder und Bleistifte aus. Er zeigte Halyna alles und beratschlagte sich mit ihr. Sie borgte ihm für seine Notizen ein paar ihrer dicken, karierten Hefte. Doch Wilhelm erklärte, dass er in Heften mit Kunstledereinband im depressiven Farbton von roter Bete sicher nichts Bedeutendes würde schreiben können. Halyna schlug vor, das Heft mit Papier einzubinden und zu bemalen. Das machten sie auch. Schließlich verkündete Wilhelm, dass er am nächsten Tag mit der Arbeit an seinen Memoiren beginnen würde.

Am folgenden Morgen gleich nach dem Frühstück erklärte er:

„Heute will ich nicht gestört werden. Ich werde schreiben.“ Stolz ordnete er seinen Schlafrock und verschwand im Arbeitszimmer.

Er hatte Großmutters alte Schreibmaschine ins Zimmer geschleppt und bemühte sich, nun schnelles Tippen zu lernen. Zuerst hörte man aus dem Arbeitszimmer ein paar Minuten lang das Klappern der Tasten, daraufhin ein lautes Rumpeln – vielleicht mit dem Stuhl –, dann rief Wilhelm auf Deutsch:

„Verdammt noch mal!“

Vielleicht war eine Taste stecken geblieben, oder er hatte sich vertippt. Nach etwa einer Stunde kam er leicht verärgert aus dem Arbeitszimmer und fragte Großmutter, ob sie etwas Leckeres für ihn habe, denn das Schreiben gehe ihm nicht von der Hand. Die Großmutter bereitete ihm Tee, ein Marmeladebrot und Quark mit saurer Sahne zu – sein Lieblingsdessert. Wilhelm verschwand im Zimmer. Eine weitere Stunde verging und er erschien erneut. Diesmal war er finster entschlossen:

„Wie soll man im Schlafrock schreiben!“, rief er beim Herauskommen und öffnete ruckartig die Tür des Kleiderschranks. „Kleider machen Schreiber. Ich muss mich zurechtmachen.“

Dann begann er sich lange umzuziehen, zu waschen, zu frisieren, zu rasieren und zu maniküren – Letzteres machte der Großvater immer sehr sorgfältig. Brüchige, abgebissene und schmutzige Nägel oder eine harte Nagelhaut brachten ihn zur Weißglut. Seine Maniküre war ziemlich zeitaufwendig, diesmal dauerte sie bis zum Mittagessen. Dafür nahm er das Essen festlich gekleidet ein. Der Großvater hatte in einer Schublade sogar seine Schweizer Uhr gefunden, die seine Inhaftierung auf wundersame Weise überdauert hatte, er befreite sie vom Staub und band sie sich ums Handgelenk. Er hatte die Uhr viele Jahre nicht getragen. Nach dem Essen seufzte Großvater zufrieden und sagte:

„Und jetzt ruhe ich mich ein bisschen aus!“

Dann ging er ins Arbeitszimmer, um seinen Mittagsschlaf zu halten. Später trank er Kaffee, spielte mit Halyna Schach, las und erwähnte das Schreiben an diesem Tag nicht mehr. Am nächsten Morgen wiederholte sich die ganze Prozedur. Solange Halyna krank war, schrieb er dennoch ein paar Seiten. Mit jeder einzelnen kam er aus dem Arbeitszimmer gelaufen, glücklich und aufgeregt wie ein Kind, zog den Gürtel seines Schlafrocks enger und las sie Halyna vor. Jedem Satz fügte er eine lange Erklärung bei, ohne die das Geschriebene kaum zu verstehen gewesen wäre. Wilhelm konnte deutlich besser erzählen als schreiben. Beim Schreiben bereitete ihm jeder Satz große Schwierigkeiten, er quälte sich beim Formulieren einfacher Gedanken, suchte nach Wörtern, strich und korrigierte, trotzdem war der Text verworren und nicht immer verständlich. Wilhelm erklärte sich das durch das Fehlen einer gymnasialen Bildung, denn er war nach dem Programm der Realschule und nicht des Gymnasiums unterrichtet worden. Die Hauslehrer seiner Kindheit wollten vor allem auf den Vater, aber auch auf die Kinder selbst einen guten Eindruck machen. Sich darum zu kümmern, ob die Schüler den Stoff beherrschten, war zweitrangig. So eigneten sich die Kinder das an, was ihnen leichtfiel. Und Willy fiel es leichter zu erzählen, als zu schreiben. Das Schreiben eines Aufsatzes sah bei ihm so aus: Er erzählte der Lehrerin eine ganze Schulstunde lang von seinen Sommerferien und beschrieb dabei die allerkleinsten Details seiner Reise mit den Eltern nach Paris, den Buttergeschmack der frischen Croissants, den singenden Tonfall der Pariser Kellnerinnen und Zimmermädchen in den Hotels, den Staub auf den Straßen, die Roben der Damen im Theater sowie die Abenteuer der An- und Abreise. Die Lehrerin lauschte ihm mit angehaltenem Atem. Dann sagte sie:

„Wunderbar, Willy! Und jetzt schreib das alles auf.“

Ein paar Minuten später händigte er ihr zufrieden lächelnd den Zettel aus und sagte:

„Fertig!“

„Wie? Schon? So schnell?“, fragte die Lehrerin erstaunt, faltete den Zettel auseinander und las: „Ich habe die Ferien in Paris verbracht. Dort war es schön.“

„Das ist alles?“, wunderte sie sich weiter.

„Den Rest habe ich Ihnen erzählt“, lächelte Willy breit und war mit sich selbst sehr zufrieden.

Das Schreiben war Wilhelm schon als Kind schwergefallen. Bereits die Schönschreibstunden hatte er gehasst und sich wann und wie auch immer möglich davor gedrückt. Aufsätze schrieb er später ebenso ungern; er fand es langweilig, so viel Zeit für etwas zu verschwenden, das er sich auch so vorstellen konnte. Seine Unfähigkeit, sich lange auf eine Sache zu konzentrieren, ließ später auch seine mündlichen Erzählungen chaotisch und unvollständig erscheinen. Manche Episoden erwähnte er oft und detailliert, andere ließ er weg. Deshalb hatte Halyna eine ziemlich bruchstückhafte Vorstellung vom abenteuerlichen Leben ihres Großvaters – ein ähnlicher Eindruck wie beim Schauen alter Dokumentarfilme, die immer wieder reißen: Mit dem Film verknittern auch die Eindrücke und fügen sich an den überraschendsten Stellen wieder zusammen. Während Halyna den chaotischen Erzählungen lauschte, begann sie zu zeichnen. Zuerst nur Gesichter – sie versuchte sich vorzustellen, wie all die Menschen aus Großvaters Erzählungen ausgesehen hatten –, dann einzelne Szenen: Der Großvater langweilt sich als kleiner Junge bei einer höfischen Zeremonie in Wien. Er flüchtet aus dem Schloss der Familie im polnischen Saybusch in die Berge, zu den Huzulen. Er erweist den Soldaten aus seinem ukrainischen Regiment der Sitsch-Schützen die Ehre. Trifft den Metropoliten Scheptyzkyj. Probiert in Paris ein neues Kleidungsstück an. Die Skizzen in ihren Heften erinnerten an Comics, mit dem einzigen Unterschied, dass die Geschichten nicht chronologisch geordnet waren. Nach Ereignissen des Zweiten Weltkriegs kamen mitunter Szenen aus dem Ersten Weltkrieg oder aus der Zwischenkriegszeit, dann Episoden aus dem sowjetischen Lemberg und danach aus den Dreißigerjahren, als Wilhelm in Paris lebte. Diese Comics erinnerten an die Erzählungen des Großvaters und an ihn selbst. Sie waren die Verkörperung von Chaos, Unordnung und aufbrausendem, ungezügeltem Temperament. Außerdem traten die Ereignisse in seinem Leben mit sehr ungleichmäßiger Intensität ein: Zwischen 1914 und 1921 erlebte er dutzende Male mehr und Bedeutenderes als in den darauffolgenden zwanzig Jahren, darauf folgte ein erneutes kurzes Aufflammen intensiven Lebens und danach die Lethargie der Sowjetära.

Dem Großvater gefielen Halynas Zeichnungen sehr. Wenn er ihre Bilder betrachtete, fielen ihm immer neue Details ein, die sie sofort festhielt – manchmal erriet sie ganz intuitiv, wie das eine oder andere ausgesehen haben könnte. Noch als Kind füllte Halyna mit ihren Comics mehrere dicke Hefte, die sie hütete wie einen Schatz. Von Zeit zu Zeit malte sie Episoden aus Großvaters Erzählungen dazu, die in ihrem Gedächtnis auftauchten. Ebendiese Comics würde sie viele Jahre später nach Wien mitnehmen, um sie einem Auftraggeber als Vorschlag für die Gestaltung des Interieurs einer Bar zu zeigen. Dieser sollte sofort Feuer und Flamme sein und Halyna nur eine Stunde nach ihrem Treffen per E-Mail den Vertrag schicken, mit einem Honorar, das ein Ablehnen unmöglich machte. Und sie lehnte nicht ab.

Auf der ersten Seite von Halynas Comics prangte die Uhr des Großvaters, eine „Omega Seamaster“. Genau so eine sah Halyna später im Kino am Handgelenk von James Bond. In diesem Film hörte sie auch zum ersten Mal die Phrase „Die Welt ist nicht genug“, die der Großvater seinen Memoiren als Motto vorangestellt hatte, aber nicht, weil er James-Bond-Filme mochte, sondern weil es das Familienmotto der Habsburger gewesen war.

1895–1912

Einer der ersten Sätze der Autobiografie von Halynas Großvater war: „Ich bin das sechste und letzte Kind in der Familie meiner Eltern, der Liebling meiner Mutter.“ Sie, Maria Theresia Antoinette Immakulata Josepha Ferdinanda Leopoldine Franziska Caroline Isabella Januaria Aloysia Christine Anna Erzherzogin von Österreich und Prinzessin von Toskana, war die Tochter von Erzherzog Karl Salvator von Österreich-Toskana und Maria Immaculata di Borbone von Neapel-Sizilien. Maria Theresia sprach mit ihrem Sohn Italienisch, Englisch beherrschte sie von allen in der Familie am schlechtesten: sicher und richtig, aber irgendwie langsam und verkrampft, man merkte, dass sie ständig nach Worten suchte. Als die Kinder größer wurden, übersetzten sie manchmal sogar einzelne Phrasen ihrer englischen Gouvernante für die Mutter.

Die Mutter verbrachte viel Zeit mit Wilhelm, sie lehrte ihn, Patiencen zu legen, Domino zu spielen und zu malen. Von allen Kindern war es nur ihm erlaubt, ihr Atelier zu betreten und ihr bei der Arbeit zuzusehen. Maria Theresia hatte die Angewohnheit, den Pinsel zwischen den Zähnen zu halten, während sie nach der passenden Farbe suchte, und sie wischte sich unwillkürlich die mit Farbe beschmierten Hände an ihrem erlesenen schwarzen Kleid ab. Maria Theresia liebte es, Blumen zu malen. Ihre Arbeiten signierte sie mit den Initialen „mTh“, wobei der mittlere Buchstabe die anderen immer überragte. Manchmal nahm sie die Hand des kleinen Willy und führte sie über die Leinwand, er verschmierte die Ölfarbe und bemühte sich innerhalb der sorgfältigen, von der Mutter vorgemalten Umrisse zu bleiben. Das Malen war nie seine Stärke gewesen. Im Atelier der Mutter standen stets zahlreiche Topfblumen, hauptsächlich Hyazinthen – ihr Geruch suchte Wilhelm danach bis an sein Lebensende heim, wenn er Gemälde betrachtete. Er behielt sogar die Angewohnheit bei, sich wie in seiner Kindheit ein Tuch vor die Nase zu halten, denn der Geruch der Hyazinthen verursachte ihm Kopfschmerzen und eine verstopfte Nase.

Wilhelms Vater Karl Stephan sprach Deutsch mit den Kindern, doch von klein auf verlangte er von ihnen, neben Englisch und Französisch – den traditionellen Fremdsprachen, die alle kaiserlichen Nachfahren beherrschten – auch Polnisch zu lernen.

Im Jahr 1895 erbte Karl Stephan von Habsburg-Lothringen, Admiral der österreichischen Kriegsmarine, ein Anwesen im polnischen Städtchen Saybusch, das sein Onkel Karl Ludwig fünfzig Jahre zuvor von einem verarmten polnischen Adeligen erworben hatte. Im selben Jahr wurde Karl Stephans jüngster Sohn Wilhelm geboren, und der glückliche Vater begann über das polnische Projekt nachzudenken. Das Projekt war extravagant, wie viele andere von Karl Stephans Ideen. Er gab sich nicht der Illusion hin, dass er selbst oder eines seiner Kinder in Zukunft den österreichischen Thron besteigen würde. Als viel realistischer betrachtete er den Zerfall der Monarchie in viele kleine Nationalstaaten: einen tschechischen, einen ungarischen, einen serbischen und andere – darunter wäre auf jeden Fall auch ein polnischer. Jeder dieser kleinen Staaten bräuchte einen Monarchen. Genau darauf wollte sich Karl Stephan vorbereiten. Als zukünftigen König oder zukünftige Königin eines unabhängigen Polens sah er jemanden aus seiner Familie oder sogar sich selbst.

Karl Stephan nannte seinen jüngsten Sohn Wilhelm, zu Ehren eines anderen habsburgischen Erzherzogs, der die polnische Krone bereits Ende des 14. Jahrhunderts auf dem für die Habsburger typischen Weg erlangen wollte: durch Heirat, mit der elfjährigen polnischen Prinzessin Jadwiga. Doch die polnischen Adeligen hinderten ihn daran. Sie lauerten ihm auf dem Weg zu seiner Verlobten auf und schlugen ihn in die Flucht, Jadwiga dagegen vermählten sie mit dem litauischen Großfürsten. Dies war der Beginn der Jagiellonen-Dynastie.

1998

Halyna erinnert sich an die Hände des Arztes, der während ihres Gesprächs einen Zettel zweimal zusammen- und danach wieder auseinanderfaltete. Er legte ihn auf einen Stoß ebensolcher Zettel, die zuerst zusammen- und danach wieder auseinandergefaltet worden waren, danach griff er nach einem neuen Zettel. Darauf schrieb er die Überweisung zur Blutabnahme und erzählte unterdessen, ohne innezuhalten, von neuen Erkrankungen, unkonventionellen Behandlungsmethoden, von Gefahren, die sich in den gewöhnlichsten Lebensmitteln verbargen, und davon, dass man auf alles gefasst sein müsse. Dann setzte er sorgfältig einen Stempel in die untere linke Hälfte des Blattes, genau in die Mitte zwischen Faltlinie und Rand, und konzentrierte sich darauf mehr als auf den Inhalt des Geschriebenen: Die Buchstaben waren unleserlich, verschwammen ineinander und kamen einander in die Quere. Auf einen Extrazettel schrieb der Arzt die Adresse des Labors, das sie aufsuchen, sowie den Namen der Laborassistentin, die sie zuvor kontaktieren sollte. Halyna konnte das Geschriebene kaum entziffern.

„Entschuldigen Sie bitte, aber werden die Leute im Labor wissen, was zu tun ist?“, fragte sie unsicher.

„Hören Sie“, empörte sich der Arzt. „Glauben Sie, ich schicke Sie irgendwohin? Das ist das beste Labor der Stadt.“

„Natürlich“, antwortete Halyna verlegen. „Vielen herzlichen Dank, wir kommen mit dem Befund wieder.“

Eilig drückte sie dem Arzt Geld in die Hand, dieser gab vor, nichts zu bemerken, dann rückte sie das Häubchen des tief und fest in ihren Armen schlafenden Oles zurecht und ging hinaus.

Die Laborassistentin betrachtete die Überweisung ebenso angestrengt, wie Halyna es getan hatte.

„Sie wissen nicht zufällig, welche Blutwerte wir bestimmen sollen?“, fragte sie Halyna ratlos. „Das hier ist sehr schlampig geschrieben.“

„Der Arzt meinte, Sie könnten es lesen“, – Halyna lächelte müde.

„Ich kläre das sofort.“

Die Laborassistentin verschwand hinter der Tür, kehrte nach ein paar Minuten zurück und bat Halyna ins Behandlungszimmer.

Zwei Tage später händigte ihr dieselbe Laborassistentin den Befund aus. Halyna warf einen Blick darauf, die Buchstaben waren ebenso unleserlich und verschwammen ineinander, nur dass sie sich zur anderen Seite neigten.

„Um Himmels willen, haben alle Ärzte so eine Klaue?“, rutschte ihr heraus.

Die Laborassistentin lächelte, während sie genauso unleserlich die Untersuchungsergebnisse von jemand anderem in ein Formular eintrug. Halyna zahlte, nahm den Befund und verließ den Raum.

Vor dem Behandlungszimmer des Arztes, der sie ein paar Tage zuvor zur Blutuntersuchung geschickt hatte, saßen sieben Patienten, sie würde lange warten müssen. Oles schlief im Kinderwagen. Halyna schlug den Krimi auf, den sie zu Hause schnell in ihre Tasche geworfen hatte, aber die kleinen, auf billigem grauem Papier gedruckten Buchstaben verschwammen im schwachen Licht der flackernden Glühbirne.

„Ich habe Kreuzschmerzen, egal ob ich Tabletten schlucke oder nicht“, beklagte sich eine Wartende bei der anderen.

„Und mir tut die Lendenwirbelsäule manchmal so weh, dass ich nicht gehen kann“, pflichtete diese bei.

„Was soll man tun, das ist das Alter“, fuhr die erste fort.

Und synchron seufzten die beiden ins Leere.

Der Arzt erkannte Halyna sofort.

„Haben Sie die Untersuchung machen lassen?“

„Ja, aber um ehrlich zu sein, konnten sie dort die Überweisung nicht sofort entziffern.“

„Oje, diese Laborassistenten, und mitdenken können sie nicht? Aber die Ausbildung ist jetzt ja auch … Zeigen Sie mal her!“

Halyna gab ihm den Zettel.

„Was soll denn das alles heißen?“, entrüstete sich der Arzt.

Dann verfinsterte sich seine Miene.

„Was soll ich sagen … Ich sage nur: Sie haben noch Glück. Es könnte schlimmer sein.“

Die unleserlich zu Papier gebrachten Untersuchungsergebnisse besagten, dass Oles eine Gluten- und Laktoseunverträglichkeit hatte. Das Heimtückische an dieser Krankheit sei, dass sie sich anfangs kaum bemerkbar mache. Nimmt man die Substanzen hin und wieder zu sich, drohen höchstens leichte Verdauungsbeschwerden. Der regelmäßige Verzehr hingegen ruft unwiederbringliche Veränderungen im Organismus hervor: Das Gehirn arbeitet langsamer, die Funktionsweise der Muskeln wird beeinträchtigt, und kommt man dem nicht zuvor, können daraus schwerwiegende Gesundheitsprobleme entstehen, bis hin zur Invalidität. Die Krankheit bedürfe keiner Behandlung, nur der Einhaltung einer strengen Diät. Der Arzt sprach mit ihr in einem Tonfall, der kein besonderes Mitgefühl zuließ. Es gebe Patienten mit viel ernsteren Diagnosen, Halyna habe „noch Glück, es gibt viel Schlimmeres“ – das wiederholte er ein paar Mal. Dann faltete er noch einen Zettel, nahm ihn sofort wieder auseinander, legte ihn auf den allgemeinen Stapel und zog seine dichten schwarzen Augenbrauen zusammen, die einen starken Kontrast zum milchigen Weiß seiner Haare darstellten.

Später lächelte Halyna nur traurig, wenn sie an sein „Sie-haben-noch-Glück“ dachte. Ob er in der toten postsowjetischen Zeit je selbst eine solche Diät hatte einhalten müssen? Als es sogar schwierig war, an gewöhnliche Lebensmittel zu kommen, von Keksen ohne Weizenmehl und Ziegenmilch oder Milchpulver ganz zu schweigen. Jeden Morgen packte sie Oles in den Kinderwagen und versuchte, zwischen zwei Stillmahlzeiten alle Läden mit gleichsam hoffnungslos leeren Regalen in der Umgebung abzuklappern, um in jedem Laden einen Platz in der Schlange zu reservieren.

„Mama, was wollen die Frauen hier kaufen?“, fragte ein fünfjähriger Junge seine Mutter in der Schlange. „Es gibt ja nichts.“

„In einer Stunde kommt eine Lieferung, vielleicht bringen sie was“, erklärte ihm die Mutter.

„Und wenn sie wieder nur Knochen bringen, zwingst du mich dann, die Krautsuppe von gestern zu essen?“, fragte der Junge mit besorgter Stimme.

„Was passt dir an der Krautsuppe nicht?“, fragte die Mutter gereizt. „Woher sollte ich Marzipankartoffeln nehmen?“

Halyna hatte Mitleid mit dem Kleinen, der, statt auf dem Spielplatz zu toben, stundenlang irgendwo anstehen musste und wahrscheinlich keine Ahnung hatte, was Marzipan war. Außerdem hasste auch sie Krautsuppe.

Und wirklich, nach einiger Zeit drangen bekannte Geräusche aus dem Hinterzimmer, woraufhin die Verkäuferin eine wichtige Miene aufsetzte, geschäftig ihre Hände an der Schürze abwischte und durchs ganze Geschäft rief:

„Nicht mehr anstellen!“

Die Schlange seufzte einmütig, ordnete sich, die Leute rückten näher zusammen, die hintersten stellten sich neben den Ladentisch und kontrollierten, dass in keiner Hand mehr als die erlaubte Ration landete. Was geliefert worden war, fragte niemand.

„Gelingen Pfannkuchen auch, wenn man die Milch mit viel Wasser verdünnt und statt drei Eiern nur eines nimmt?“ – die Frauen in der Schlange tauschten Erfahrungen aus.

„Ja, nur pass mit dem Mehl auf, sonst werden sie pappig. Und du musst sie in Schmalz anbraten. Na ja, zumindest mit Speck, den du vorher in Öl getränkt hast, dann kleben sie nicht an.“

1895–1912

Das Schloss

Karl Stephan verwirklichte sein polnisches Projekt in großem Stil. Als Erstes schuf er sich das Haus seiner Träume. Zu dem Anwesen in Saybusch gehörten vierzigtausend Hektar Wald und zwei Schlösser. Das alte Schloss war von einem der früheren polnischen Eigentümer erbaut worden. Schon Stephans Onkel fand das Gebäude sehr unpraktisch und altmodisch, weshalb er ein zweites Schloss baute. Dieses sollte Karl Stephan von Habsburg beinahe fünfzehn Jahre lang erweitern. In dieser Zeit ließ er einen neuen Flügel mit modernem Glasdach errichten, in dem sich die Gästesuiten befanden, und unweit des Schlosses einen riesigen, mit Spiegelfliesen ausgestatteten Ballsaal. Das Silber, das Karl Stephan in seinem Schloss anhäufte, wog über fünfhundert Kilo.

In der Nähe des Schlosses wurde eine Kapelle erbaut, in der die Familie des Erzherzogs nach brieflicher Erlaubnis des Papstes dreimal täglich den Gottesdienst feierte. Zuerst wünschte sich Maria Theresia die Kapelle im gotischen Stil, doch dann fand sie diesen zu düster und ordnete an, im Stil der Renaissance zu bauen.

Die Innenausstattung des Schlosses und der anderen Gebäude auf dem Anwesen war für Karl Stephan äußerst wichtig. Er engagierte die bekanntesten galizischen Künstler, war aber mit ihrer Arbeit oft unzufrieden. Den ersten Entwurf der Möbel für das Zimmer seiner Tochter Eleonora bezeichnete er beispielweise als „aus Knochen nervöser Toter geschreinerte Gebilde“. Und obwohl ihr selbst die Möbel sehr gefielen, bestand Stephan darauf, sie abändern zu lassen. Die zornige Eleonora übermalte die Tapeten in einigen Zimmern mit schwarzer Farbe. Auch die Tapeten wurden gewechselt.

In Saybusch arbeiteten ausschließlich italienische Gärtner. Sowohl Karl Stephan als auch Maria Theresia waren davon überzeugt, dass nur Italiener einen Garten ordentlich pflegen konnten.

Jedes von Stephans Kindern bekam im Schloss seine eigene Suite, bestehend aus drei Zimmern: Schlafzimmer, Studierzimmer und Wohnzimmer. Außerdem gab es spezielle Spielzimmer. Im Kunstzimmer durften die Kinder mit den Fingern, die sie zuvor in Farbe tauchten, die Wände bemalen. Von Zeit zu Zeit wurde das Zimmer neu tapeziert, weiß mit kaum sichtbaren grauen Streifen. Weiters gab es im Schloss ein mannshohes Puppenhaus mit Puppen so groß wie siebenjährige Kinder. In Wilhelms Lieblingszimmer fuhr eine Spielzeugeisenbahn. Bei jeder Fahrt passierte ein Unfall, zwei Züge stießen zusammen und entgleisten. Vielleicht brachte das Spielen in diesem Zimmer Willy darauf, dass es interessanter war, Spielsachen zu zerstören, als bloß damit zu spielen. Er wurde für die kaputten Spielsachen nicht bestraft. Der Vater erkannte darin Willys Forscherdrang und lachte nur, wenn dieser in der Nacht in ein kleines mechanisches Spielzeug urinierte – in eine Spieluhr aus Metall, die ein paar Melodien spielen konnte. Diese Spieluhr hatte ihm jemand aus der Verwandtschaft geschenkt, der den winzigen Gegenstand in eine große Schachtel verpackt hatte. Willy freute sich riesig über das große Geschenk und machte sich begeistert ans Auspacken. Er zerriss eine Papierschicht nach der anderen, zerschnitt und entfernte unzählige Schnüre und war mindestens eine halbe Stunde beschäftigt, bevor er das winzige mechanische Spielzeug hervorholte. Sein enttäuschter Gesichtsausdruck brachte alle Anwesenden zum Lachen. Doch Willy selbst war nicht zum Lachen zumute. Mit Tränen in den Augen rannte er aus dem Zimmer. Hätte er die Spieluhr in einem kleinen Päckchen bekommen, hätte er sich wahrscheinlich darüber gefreut, denn er liebte solche Dinge – aber jedes Mal, wenn er die Spieluhr berührte, ertönte in seinen Ohren wieder das Lachen der Erwachsenen. Also musste er sie kaputtmachen. Als die Spieluhr im Urinstrahl kläglich aufjaulte und später verrostete, um daraufhin für immer zu verstummen, verspürte Willy Erleichterung.

Korrekturen der Korrekturen

Willy machte nicht nur Spielsachen kaputt, die negative Erinnerungen bei ihm hervorriefen. Manchmal zerlegte er sogar ein Lieblingsspielzeug in seine Einzelteile, davon überzeugt, dass er es ebenso leicht wieder zusammenbauen könne. Und obwohl ihm das kein einziges Mal gelang, vergaß er schnell seine bitteren Tränen, die er wegen der überschüssigen Teilchen vergossen hatte, und machte sich leidenschaftlich daran, etwas anderes auseinanderzunehmen. Die Diener verschenkten oft Spielsachen im Dorf, die ganz oder teilweise kaputt waren.

Einmal vergriff sich Willy sogar an der Sammlung von goldenem mechanischem Zierrat seines Vaters und ruinierte den Mechanismus einer großen Uhr aus dem 17. Jahrhundert. Damals wurde er ordentlich bestraft, was seinen Forscherdrang eine Zeitlang bremste, aber nicht für lange. Nur einen Monat später beschloss Willy, die Hüte der Gäste, die zum Ball gekommen waren, auf ihre Festigkeit zu überprüfen. In einen Teil der abgegebenen Hüte füllte er Wasser und wartete, bis es durch den Kopfteil sickerte. Bei anderen versuchte er, den Kopfteil mit der Faust zu durchschlagen und die Krempe abzureißen. Die Zylinder beschwerte er von oben und schaute, ob sie dadurch zusammengedrückt wurden wie eine Ziehharmonika. Dabei fand er heraus, dass die Krone sehr hochwertiger Hüte aus einem äußerst festen, formbaren Material bestand, vielleicht sogar aus Blech – aber das war längst nicht bei allen Hüten so. Deshalb konnten einige Kopfbedeckungen nach dem Experiment nicht mehr getragen werden. Als die Gäste dies bemerkten, wurde Willy wieder bestraft.

Die Geschwister weigerten sich oft, mit Willy zu spielen, weil jede Tätigkeit bei ihm von eintönigen Ritualen begleitet war. Niemand wollte zählen, wie viele Fenster man im Laufe des Tages passierte, oder sich merken, wie oft man am Tag an einem bestimmten Fenster, einer Tür, einem Schrank, einem Bild oder einem Klavier vorbeikam. Der kleine Willy bewegte sich auf ganz eigene Art und Weise durch die Räume: Auf Fliesenböden setzte er den Fuß immer exakt in die Mitte eines Quadrats, auf Holzböden nahm er immer dieselbe Anzahl an Dielen. Er verbot sich, mit dem rechten Fuß über eine Türschwelle zu treten, und wenn diese Regel mit einer anderen Regel unvereinbar war, verweilte er lange und überlegte, was er tun sollte und welche Regel wichtiger war, bevor er das nächste Zimmer betreten konnte. Damit brachte er jeden zur Weißglut. Er atmete auch nach einem bestimmten System: vom Morgen bis Mittag ein langes Einatmen und drei kurze Atemstöße – mit Pausen – zum Ausatmen, dafür musste die Luft des langen Einatmens reichen, und abends umgekehrt. Wurde er etwas gefragt, musste er sehr langsam ausatmen und ebenso langsam wieder einatmen. Erst dann konnte er antworten. Diese Übungen halfen ihm dabei, relativ schnell schwimmen und tauchen zu lernen.

Eleonora war die einzige der Geschwister, die gerne mit Willy spielte. Kaum konnten die beiden schreiben, dachten sie sich ein Spiel aus: Sie erfanden Regeln, Beschränkungen, Privilegien und Gesetze füreinander, die sie einhalten oder mit „Dekreten“ außer Kraft setzen mussten. Weil Willy noch nicht so gut schreiben konnte, übernahm er die mündliche Autorität und delegierte die schriftliche an Eleonora. Doch in Wahrheit hielt Eleonora fest, was Willy ihr diktierte, denn seine Fantasie war lebendiger als ihre, und er erfand schneller und flinker neue Gesetze und Regeln, nach denen ihre Mini-Gemeinschaft leben sollte.

Eleonora musste „Rechtsvorschriften“ festhalten, die Rechte, Privilegien und Gesetze fixierten. Die Dokumente waren aus einem speziellen festen Papier gefertigt, und unter jedes Gesetz setzten sie einen vom Vater gestohlenen Stempel. Die Gesetzestexte gaben das Recht: „zwischen 15 und 16 Uhr heimlich in der Küche so viel Schaum von der Marmelade zu essen, wie man will“, „vor dem Schlafengehen nicht auf die Gouvernante zu hören“, „Sommersöckchen in verschiedenen Farben zu tragen“, „über einen Bruder oder eine Schwester ein zweitägiges Sprechverbot zu verhängen, wenn er oder sie eines der Gesetze missachtet“, „im Park jeder beliebigen Person nachzustellen“, „während offizieller Empfänge in der Nase zu bohren, wenn man hinter den Eltern steht“ oder sogar „heimlich in der Küche in den Kaffee der Gäste zu spucken“ und so weiter. Willy und Eleonora diskutierten lange über jede Regel, fanden solche, die einander widersprachen, und machten Korrekturen sowie Korrekturen der Korrekturen und fügten Ausnahmen hinzu. Mit einem Wort, sie übten eine routinemäßige gesetzgebende Tätigkeit aus, wie die Mehrheit ihrer älteren Verwandten, die eine reale Erwachsenenmacht und nicht eine kindliche Fantasiemacht besaßen.

Das geheime Leben im Schloss

Willy liebte es, das geheime Leben im Schloss zu beobachten, das nicht in den auf Hochglanz geputzten, ziemlich langweiligen Paradezimmern und auch nicht in den Gemächern der Familie stattfand, sondern dort, wo die Bediensteten ihrer Arbeit nachgingen. Die Wäscher erinnerten Willy an mächtige Riesen: Leichthändig leerten sie die gigantischen Waschzuber aus, Dampf stieg auf und erfüllte den Raum mit einem geheimnisvollen Nebel und Feuchtigkeit, dann schrubbten sie die Wäsche flink auf dem Waschbrett, lachten dabei fröhlich und schwatzten ununterbrochen – auch dazu reichte ihre Kraft. Lange Zeit war Willy überzeugt, dass es diese Wäscher waren, die in Marmor verewigt von unten die Balkone stützten. Ebenso allmächtig und kräftig erschienen ihm die Büglerinnen, die mit ihren gusseisernen Bügeleisen auf den Hof hinausliefen und sie in der Luft schwenkten, um die Kohle darin abzulöschen. Aus den halbrunden Öffnungen des Eisens spritzten nach allen Seiten Funken, wie von den Kerzen auf dem Weihnachtsbaum.

Die Köchinnen und ihre Helferinnen waren echte Zauberinnen, sie arbeiteten in der Küche wie gut aufeinander abgestimmte Maschinen. Die unglaubliche Anzahl an Aufgaben, die sie täglich verrichteten, konnte man nur beurteilen, wenn man sie aus nächster Nähe beobachtete: Wie sie sich bei ihrer Arbeit mit maximaler Konzentration bewegten, bei der jede falsche Bewegung eine Speise verderben, jeder ungeschickte Handgriff einen Teller aus der Hand schlagen und jedes nicht zeitgerechte Vom-Feuer-Nehmen eine Katastrophe bedeuten konnte, nämlich dass etwas anbrannte oder roh blieb. Wenn Willy sich heimlich in die Küche schlich, versteckte er sich im hintersten Winkel, nicht nur, weil er sofort ins Kinderzimmer zurückgebracht worden wäre, wenn man ihn entdeckt hätte, sondern auch aus Angst, er könnte stören, im Weg stehen, diese Harmonie trüben, die ihm noch vollkommener erschien als das mechanische Zusammenspiel der Einzelteile seiner Spielsachen. Er musste sich beherrschen, um vor Ekel nicht aufzuschreien, wenn er sich Aug in Aug mit einem grinsenden Schweinekopf wiederfand oder aus nächster Nähe einen Teller mit unappetitlichen rohen Innereien sah. Ebenso widerstand er der Versuchung, den Finger in den Marmeladeschaum zu stecken, nach dem er nur den Arm hätte ausstrecken müssen. Marmeladeschaum – bekanntlich die beste Leckerei der Welt – sein Leben ist kurz, er trocknet ein und verwandelt sich in Zuckerkristalle. Die Marmelade, von der er abgeschöpft wird, schmeckt dagegen längst nicht so luftig wie der Schaum selbst.

Im Schloss arbeitete ein polnisches Kindermädchen, das Stephans Kinder behandelte wie ihre eigenen. Besser gesagt, wie sie ihre eigenen behandelt hätte, wenn sie welche gehabt hätte. Sie war ungewöhnlich klein, hatte einen ziemlich großen Buckel und ein rundes Gesicht mit feinen Zügen, eine Stupsnase, rote Wangen und glatt nach hinten frisiertes Haar. Das Kindermädchen litt an einer seltenen Gelenkserkrankung, bei der sie von Zeit zu Zeit unerträgliche Schmerzen in Rücken und Beinen bekam, gegen die keine Medikamente halfen. Die Schmerzattacken waren so heftig, dass das Kindermädchen ohnmächtig zu Boden fiel. Bei einem dieser Stürze hatte sie sich schwer an der Wirbelsäule verletzt und einen Buckel bekommen.

Karl Stephan bestellte bei einem Wiener Orthopäden ein Eisenkorsett, das ihr das Gehen erleichtern sollte. Willy half dem Kindermädchen manchmal die Treppe hinunter, wenn sie von einer Schmerzattacke überrascht wurde. Doch Karl Stephans Angebot, sie könne eine leichtere Arbeit ausüben oder sich mit einer kleinen Pension, die ihr die Habsburger lebenslänglich auszahlen würden, im Dorf niederlassen, lehnte sie kategorisch ab.

Das Kindermädchen liebte ihre Zöglinge. Und sie hatte alle gleich lieb, im Unterschied zur Mutter, die ihren jüngsten Sohn bevorzugte. Manchmal war das so offensichtlich, dass sich die anderen Kinder Streiche für Wilhelm ausdachten. Der kleine Albrecht legte Wilhelm einmal eine schmutzige Kröte unter das Kopfkissen, ein anderes Mal eine vermeintliche Ringelnatter, die sich später als Kreuzotter mit einem eingetrockneten weißen Fleck auf dem Kopf entpuppte, weshalb Albrecht sie für eine Ringelnatter gehalten hatte. Zum Glück passierte nichts, doch fühlte sich Albrecht von diesem Zeitpunkt an seinem Bruder gegenüber unbewusst schuldig. Vielleicht zahlte er Wilhelm später deshalb gegen den Willen des Vaters jahrelang Dividenden aus der Bierbrauerei der Familie. Das Kindermädchen war der Meinung, dass Maria Theresia nichts von Kindererziehung verstand, und ignorierte deshalb alle Verbote zu naschen, Wasser aus dem Fluss zu trinken, Freundschaft mit Dorfkindern zu schließen, und vor allem die Anordnung, den Kindern jeden Tag weiße Strümpfe anzuziehen.

„In weißen Strümpfen durch den Wald laufen ist eine Verhöhnung“, murmelte das Kindermädchen vor sich hin. „Nicht nur für die Kinder, auch für die Wäscher – das sind auch Menschen! Die Kinder sollen barfuß laufen, Weiß werden sie noch genug tragen.“