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Wolfgang Sablatnig über Monika Lindner: Die Flugrichtung des Heiligen Geistes

Die Flugrichtung
des Heiligen Geistes

Monika Lindner und eine ORF-Karriere
im Dunstkreis der Politik

Von Wolfgang Sablatnig

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Die frühere ORF-Generaldirektorin Monika Lindner im Casino Innsbruck beim Talk mit Elmar Oberhauser – „Wem sollte ich böse sein“, fragt sie nach einer Laufbahn, die sie bis an die Spitze des Rundfunks geführt hat.

Bei einem Frühstück am Rande der Salzburger Festspiele 2006 eröffnete der damalige ORF-Finanzdirektor Alexander Wrabetz im Sommer 2006 der ORF-Generaldirektorin Monika Lindner, dass er bei der Neuwahl der ORF-Spitze gegen sie in den Ring steigen werde. „Wenn ich es nicht bin, ist es ein anderer. Aber es ist ein Roter“, habe Wrabetz gesagt, erinnert sich Lindner fast sieben Jahre später.1 Bei der Wahl im ORF-Stiftungsrat am 17. August 2006 erhielt Wrabetz 20 von 35 möglichen Stimmen, Lindner musste sich mit zwölf begnügen. Eine 40-jährige Karriere im ORF, welche die gebürtige Innsbruckerin als erste Frau an die Spitze des österreichischen Rundfunks geführt hatte, ging zu Ende.

Es war die Politik, die in diesen Sommertagen das berufliche Schicksal Lindners bestimmte. Wenige Wochen später wurde der Nationalrat neu gewählt. Und in dieser Zwischen-Zeit waren auch im Stiftungsrat des ORF plötzlich neue Mehrheiten möglich. Die „Entpolitisierung“ dieses Gremiums hatte bestenfalls auf dem Papier stattgefunden – wenn überhaupt.

„Die Politik“, das war auf der einen Seite die „Regenbogen-Koalition“ aus SPÖ, Grünen und BZÖ, welche die Chance ergriff, der verhassten ÖVP so kurz vor der Wahl eine empfindliche Niederlage beizubringen und Lindner von der ORF-Spitze abzuwählen.

„Die Politik“, das war auf der anderen Seite die ÖVP. „Wolfgang Schüssel und Willi Molterer haben es verbockt. Und sie haben sich selbst am meisten damit geschadet“, sieht Lindner die Verantwortung für ihre Abwahl bei den Spitzen jener Partei, die sich damals für unangreifbar hielt.

Und natürlich war da Werner Mück. „Ich habe immer gesagt, wir bekommen die Stimmen, aber wir müssen auf den Mück verzichten“, erzählt Lindner. Bei Schüssel und Molterer, beim Bundeskanzler und beim schwarzen Klubobmann, der für die ÖVP die Fäden in der Medienpolitik zog, sei sie aber nur auf taube Ohren gestoßen – „und wie sie kapiert haben, dass es wirklich am Mück liegt, war es zu spät.“