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Bereits in seinem letzten Prosabuch “Tod Weidigs” schlug Jürg Amann einen für ihn ungewöhnlich heftigen politischen Ton an. Waren es dort aber noch politische Parabeln, die immer und überall gelten konnten, greift er mit seinem Stück “Der Rücktritt”, der gleichermassen für das Theater im Kopf des Lesers wie für das Theater auf der Bühne geschrieben ist, - ähnlich wie Max Frisch mit seinem Dialog über eine “Schweiz ohne Armee” - direkt ins laufende Geschehen ein.

“Eine nationale Tragödie” nennt Amann sein Stück ironisch im Untertitel. Was ist geschehen? Nichts weiter, als dass ein traditionsreiches skandalöses System, die Verflechtung von Wirtschaft und Politik, endlich Schiffbruch erlitten hat. Eine Bundesrätin muss zurücktreten, weil sie als Justizministerin in Kollision mit der vermuteten Wirtschaftskriminalität ihres Mannes geraten ist. Und das ist selbst in der Schweiz, dem Land des Konsenses aller mit allem, nicht mehr tragbar.

Jürg Amann ist 1947 in Winterthur geboren. Studium der Germanistik, 1974-1976 Dramaturg am Schauspielhaus Zürich, seither freier Schriftsteller. Verschiedene Preise (1982 Ingeborg Bachmann-Preis, 1983 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, 1989 Preis der Schweizer Schillerstiftung). Wichtigste Veröffentlichungen: “Verirren oder Das plötzliche Schweigen des Robert Walser”, Roman, 1978. “Die Kunst des wirkungsvollen Abgangs”, Erzählungen, 1979. “Die Baumschule”, Erzählungen, 1982. “Nachgerufen”, Prosa, 1983. “Ach, diese Wege sind sehr dunkel”, Stücke, 1985. “Patagonien”, Prosa, 1985. “Fort”, Brieferzählung, 1987. “Nach dem Fest”, Stücke, 1988. “Tod Weidigs”, Erzählungen, 1989.

Jürg Amann

Der Rücktritt

Eine nationale Tragödie
(Farce in drei Bildern)

HAYMON

© 2013
HAYMON verlag
Innsbruck-Wien
www.haymonverlag.at

Originalausgabe: orte-Verlag AG, Zelg, 1989

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ISBN 978-3-7099-7323-3

Umschlag: hœretzeder grafische gestaltung, Scheffau/Tirol

Ort:

Salon in der bundesrätlichen Villa in Zumikon, Chefbüro des Justizdepartements im Berner Bundeshaus, Flur eines ausländischen Flüchtlingsauffanglagers.

Zeit:

Jetzt

Personen:

Die (Alt-) Bundesrätin

Der (Alt-) Bundesratsgatte

Die Tochter Anna

Das Dienstmädchen Dolores

Der Bundeshausweibel, Herr Schweizer

Die Bundeshausputzfrau, Frau Meier

Ein Bundeshausdiener

Zwei Beamte

Flüchtlinge

(Alle Figuren beruhen auf reiner Erfindung)

I

Salon in der bundesrätlichen Villa. Gedeckte Tafel. Die Bundesrätin und der Bundesratsgatte sitzen sich gegenüber. Dazwischen die Tochter. Alle löffeln lustlos in ihrer Suppe. Im Hintergrund, im Türrahmen, das Dienstmädchen. Niemand spricht. Nach einer Weile: